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  • 27.04.2014 · 08:12

Porsche in Spa: "Hauptaufgabe ist ganz klar"

Nach dem Podestplatz beim Debüt des 919 Hybrid in Silverstone peilt Porsche bei den 6 Stunden von Spa eine doppelte Zielankunft an

(Motorsport-Total.com) - Für Porsche markiert das 6-Stunde-Rennen von Spa am 3. Mai den zweiten Einsatz mit dem 919 Hybrid. Gleichzeitig ist das Rennen in Belgien aber schon der letzte Start vor dem Saisonhöhepunkt in Le Mans (14./15. Juni).

Timo Bernhard, Mark Webber, Brendon Hartley, Romain Dumas, Neel Jani, Marc Lieb

Das gesamte Porsche-Team freut sich auf die Herausforderung Spa-Francorchamps Zoom

Die anspruchsvolle Rennstrecke von Spa-Francorchamps in den Ardennen hat durchaus Gemeinsamkeiten mit dem Circuit de la Sarthe in Le Mans: Mit 7,004 Kilometern ist eine Runde relativ lang und die Volllastpassagen sind beträchtlich.

Die Höhenunterschiede allerdings sind deutlich größer als in Le Mans. Lange Bergaufpassagen verlangen den Hybridantrieben alles ab, die Senke Eau Rouge flößt jedem Rennfahrer Ehrfurcht ein. Nach der schnellen Passage durch Blanchimont werden die Piloten beim Anbremsen der Schikane brutal in die Gurte gepresst. Über das Wetter zu reden, ist in Spa meist ein ernstes Thema.

Die 6 Stunden von Spa oder ein Musterhaushalt in Deutschland

In Spa darf der Porsche 919 Hybrid gemäß dem neuen WEC-Reglement pro Runde 4,78 Megajoule (MJ) elektrische Energie im Hybridsystem rekuperieren, speichern und damit den Elektromotor an der Vorderachse antreiben. 4,78 MJ entsprechen einem Wert von rund 1,33 Kilowattstunden (kWh), einer Einheit mit der auch der Stromverbrauch in jedem Haushalt gemessen wird.


Fotos: WEC in Silverstone


Geht man bei sechs Stunden Renndauer von rund 170 gefahrenen Runden aus, entspricht dies 226,1 kWh elektrischer Energie. Damit erzeugt das leistungsfähige Hybridsystem des Porsche 919 während des nur sechs Stunden langen Rennens kaum weniger elektrische Energie als der durchschnittliche Musterhaushalt in Deutschland in einem ganzen Sommermonat verbraucht. Dies zeigt, welch großes Potenzial in dieser neuen Technologie für zukünftige Serienfahrzeuge mit Hybridantrieb steckt.

Beim WEC-Saisonauftakt in Silverstone hatte das Trio des Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 20 - Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber - Rang drei geholt. Das Schwesterauto mit der Startnummer 14 von Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb sammelte aufgrund eines Ausfalls durch Antriebsdefekt noch keine WM-Punkte.

Dumas/Jani/Lieb: WM-Punkte sollen her

Romain Dumas, Neel Jani, Marc Lieb

Für den 919 Hybrid mit der Startnummer 14 gab es in Silverstone eine Nullnummer Zoom

In Spa will auch das Trio im Auto mit der 14 WM-Punkte einfahren. "Spa ist eine meiner Lieblingsrennstrecken", bekennt Dumas. "Sie hat tolle Hochgeschwindigkeitskurven, enge Ecken, Höhenunterschiede und eine tolle Rennatmosphäre durch die leidenschaftlichen Fans. Ich habe dort schon einige Rennen gewonnen - zwei Mal die 24 Stunden von Spa, vor zwei Jahren ein Rennen im LMP1 und früher einen Lauf in der Formel 3000. Ich denke, in Silverstone waren wir gut und in Spa werden wir noch besser".

"Unser erster Einsatz als Team hat in Silverstone gut geklappt und so konnten wir insgesamt viel lernen, was uns jetzt in Spa den nächsten Schritt ermöglichen wird", meint Jani. "Aerodynamisch wird uns zwar auch in Spa etwas Abtrieb fehlen, aber die guten Hochgeschwindigkeitswerte sollten in den Volllastpassagen besser zum Tragen kommen als in England. Sollte es wieder regnen, spielt der Mangel an Abtrieb sowieso keine Rolle. Das 6-Stunden-Rennen ist gleichzeitig die Generalprobe für Le Mans. Das macht es natürlich für uns alle besonders aufregend."


Fotostrecke: Porsches LMP1-Team für 2014

Lieb erklärt die technischen und fahrerischen Herausforderungen der "Ardennen-Achterbahn": "Spa ist eine Abtriebsstrecke und davon hat der LMP1 natürlich viel mehr als ein GT-Auto. Ich freue mich sehr darauf, mit dem 919 Hybrid das erste Mal durch Eau Rouge zu fahren. Die Frage, ob man durch diese Kurve in der Senke mit Vollgas fahren kann oder nicht, bleibt spannend. Der Kurs hat einen sehr schönen Fluss und ist immer wieder eine Herausforderung. Eine der schönsten Erinnerungen meiner Karriere datiert aus 2003, als ich in Spa bei meinem aller ersten 24-Stunden-Einsatz Gesamtsieger wurde."

Bernhard/Hartley/Webber: Schwung von der Insel mitnehmen

Timo Bernhard, Mark Webber, Brendon Hartley

Der LMP1-Porsche mit Mark Webber fuhr beim Debüt auf Anhieb aufs Podium Zoom

Während es für das Trio Dumas/Jani/Lieb in Spa um die ersten WM-Punkte der Saison geht, wollen Bernhard/Hartley/Webber auf dem Silverstone-Ergebnis aufbauen. "Spa wird schön", ist Bernhard schon jetzt überzeugt. "Die Rennstrecke ist großartig - eine Fahrerstrecke mit langer Sportwagentradition. Ich erwarte dort viele Fans. Nicht nur aus Belgien, auch für viele Deutsche, Engländer, Franzosen und Niederländer ist Spa gut erreichbar. Bis zu meinem Zuhause sind es nur rund 200 Kilometer, deshalb wird auch Familie vor Ort sein. Der Podestplatz in Silverstone hat uns noch mal Rückenwind gegeben, um weiter dazuzulernen. Er hat uns die ersten WM-Punkte gebracht. Ich bin seit Jahren nicht mehr um Punkte gefahren. Selbst 2011 gab es in der Vorläuferserie nur Herstellerpunkte aber keine Fahrerwertung."

"Alle Fahrer lieben Spa und ich bin da keine Ausnahme", stimmt Hartley seinen Teamkollegen zu und bezeichnet Spa als "eine der besten Strecken der Welt". Der Neuseeländer ist "dort mit allen möglichen Autos gefahren und 2012 in meinem ersten Langstreckenrennen aufs Podium. Spa sollte unserem Auto besser liegen als der Kurs in Silverstone. Die Geraden sind nicht ganz so lang wie in Le Mans, aber wir werden beeindruckende Höchstgeschwindigkeiten sehen. Vor der berühmten Eau Rouge sollte man nie den Respekt verlieren. Ich bin gespannt, ob wir sie mit Vollgas durchfahren können oder nicht".

Webber kennt den Kurs in Spa-Francorchamps aus seiner Formel-1-Zeit bestens und blickt vor seinem dortigen ersten Auftritt als WEC-Pilot noch einmal auf Silverstone zurück: "Wir waren alle unheimlich angespannt und wollten die Premiere mit Qualifying und Rennen anständig hinter uns bringen. Es lief besser als erwartet. Jetzt ist es gut, dass schon gleich der nächste Einsatz ansteht, damit wir diesen Schwung mitnehmen können." Der Austausch im Team zwischen Fahrern, Ingenieuren an der Rennstrecke und in Weissach funktioniere "phänomenal", wie Webber betont: "Jeder schaut nach Verbesserungen. Bei aller Aufregung bleiben wir aber doch realistisch. Wir haben es noch nicht geschafft, beide Autos ins Ziel zu bringen."

Porsches LMP1-Leiter Fritz Enzinger fasst zusammen: "Wir können auf unseren Leistungen von Silverstone aufbauen. Das neue Porsche-Team hat dort sogar unter den erschwerten Witterungsbedingungen ein sehr solides Debüt abgeliefert. Unsere Fahrer waren großartig und in der Box haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen. Trotzdem dürfen wir uns nicht blenden lassen. Es gibt noch unzählige Situationen, die wir zum ersten Mal erleben werden. Der zweite WM-Lauf ist schon die Generalprobe für Le Mans. Unsere Hauptaufgabe in Spa ist ganz klar, beide Porsche 919 Hybrid ins Ziel zu bringen."