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Mythos "Le Mans": Erinnerungen an Steve McQueen

Le-Mans-Legende Jacky Ickx erinnert sich im Interview mit 'Motorsport-Total.com' an die Dreharbeiten für den berühmtesten Motorsport-Film aller Zeiten

(Motorsport-Total.com) - Hunudieres, Mulsanne, Arnage - das sind legendäre Namen. Sie bezeichnen Streckenabschnitte des wohl prestigeträchtigsten Automobilrennens der Welt: Le Mans. Erstmals kämpften verwegene Piloten 1923 auf dem Circuit de la Sarthe um den Sieg. Die Ära bis in die 1930er-Jahre wurde geprägt von den souveränen Siegen und "coolen" Auftritten der Bentley-Boys. Virtuosen wie Tim Birkin, Frank Clement oder John Duff bändigten Bentley Speed Six, die 3,5- und 4-Liter-Modelle.

Jacky Ickx

Le-Mans-Legende Jacky Ickx wirkte am Film von Steve McQueen mit Zoom

Eine Ikone aus dieser Garde ist Woolf Barnato. Er war eine treibende Kraft, um den Hersteller zu Hause in England davon zu überzeugen, die Motoren mit einem Kompressor aufzurüsten - dies war die Geburtsstunde der Blower Bentley und eine Revolution im Motorsport. Damit waren die Fahrzeuge vielleicht Vorboten der heutigen Topklasse in Le Mans: den Prototypen.

Eines der größten Autorennen der Welt

Diese Anekdote ist jedoch nur eine von vielen spannenden Fußnoten zu diesem Rennen. Die verwegenen Fahrer, ihre Schicksale und nicht zuletzt die Historie dieses Rennens haben dazu beigetragen, Le Mans zum Mythos innerhalb der weltweiten Motorsportszene zu erheben. Bis heute ist die automobile Jagd auf dem rund 13 Kilometer langen Kurs bei Fans und Fahrern "das Rennen", dass es zu gewinnen gilt.

Plakat für den Le-Mans-Film

Steve McQueens Film Le Mans ist unter Fans ein wahrer Kultstreifen Zoom

Fahrer-Legende Jacky Ickx gelang dieses Kunststück während seiner außergewöhnlichen Karriere gleich sechsmal. 'Motorsport-Total.com' traf den smarten Gentleman aus Belgien zum Gespräch. Dabei ließ er seine Erlebnisse an der "Sarthe" Revue passieren. Insbesondere plauderte er über die Dreharbeiten zum Filmklassiker Le Mans, der vor 41 Jahren Kinopremiere feierte. Der "King of Cool" Steve McQueen führte damals Regie und spielte die Hauptrolle.

"Ein einziges Mal hier gewinnen", fasst der Rennveteran den Traum, die Faszination und die Herausforderung für einen Fahrer bei den "24 Heures du Mans" zusammen. Der Nimbus des Langstrecken-Klassikers erreichte seinerzeit auch Hollywood-Star McQueen. Er war in jenen Tagen der am besten bezahlte Schauspieler und ein extrem erfolgreicher Privatrennfahrer. Aber was brachte diesen Sonnyboy dazu, einen Rennfilm zu produzieren? "Die pure Leidenschaft und der Lebensweg von Steve", urteilt Ickx knapp.

McQueen eigentlich ein Motorrad-Fan

McQueen wuchs in sehr einfachen Verhältnissen unterhalb der Armutsgrenze auf. Er war ein Straßenkind. Mit Autos hatte der Blondschopf zunächst nichts am Hut: Motorräder waren seine Leidenschaft. Schon bald fuhr er erfolgreich Rennen. Das prägte sein späteres Leben. "Steve McQueen besaß eine außergewöhnliche Sammlung von Motorrädern", weiß Ickx.


Trailer: Le Mans

Der Rennsport ließ den Schauspieler fortan nicht mehr los. So kam es zum legendären 12-Stunden Rennen in Sebring. McQueen gewann vor etablierten Profis wie Mario Andretti mit einem Vorsprung von 23 Sekunden. "Bei so einem Rennen sind 23 Sekunden nichts. Es zeigte aber, dass Steve außergewöhnlich talentiert war, Autos am Limit zu bewegen", lobt Ickx. So war es keine Überraschung, dass McQueen wenig Probleme hatte, einen Porsche 917 im Grenzbereich zu kontrollieren. Dieses Auto galt damals als schnell, innovativ und schwer zu beherrschen.

Test im Porsche 917

Ickx erinnert sich: "Ich testete mit Mercedes auf der Nordschleife. Auf der Südschleife erprobte Porsche unter Aufsicht von Ferdinand Piëch den 917. Am Steuer saß Kurt Ahrens. Er gehörte damals zu den stärksten Fahrern. Die Ingenieure fragten, ob ich Lust hätte, ein paar Runden mit dem 917 zu drehen. Heute wäre so etwas undenkbar. Natürlich nahm ich dieses außergewöhnliche Angebot an." Eine gehörige Portion Respekt für das Auto und die Fähigkeiten des Braunschweigers Kurt Ahrens, diesen Boliden zu kontrollieren, konnte Jacky nach seinen zwölf Testrunden attestieren: "Kurt hat geschwitzt, als er aus dem Wagen stieg. Ich war klitschnass."

Jacky Ickx und Bob Bell

Frühere Le-Mans-Stars unter sich: Jacky Ickx und Derek Bell Zoom

Das Duell zwischen Piëchs Porsche 917 und Ferrari stand im Fokus des Films Le Mans. Mehr als 60 Prozent der Handlung sind Rennszenen. Dialoge? Wenig. Darum war "Le Mans" seinerzeit mäßig erfolgreich. "Heute ist er ein Mythos. Denn Steve McQueen hat es geschafft, einen kompromisslos an der Realität orientierten Film zu produzieren", sagt Ickx mit einem schelmischen Grinsen.

Der Belgier war einer von vielen Profis, die bei den wochenlangen Dreharbeiten im Cockpit saßen. "Steve war ein Perfektionist", wirft Ickx einen Blick auf die Arbeit mit der Hollywood-Legende. Oft mussten Szenen immer wieder neu gedreht werden. "Manchmal fuhren wir den ganzen Tag, immer wieder die gleichen Streckenabschnitte. Noch häufiger mussten wir einfach nur warten, weil der Kurs - entgegen des Drehbuchs - abgetrocknet war. Die zuvor aufgetragene Nässe war verdunstet", beschreibt Ickx rückblickend und fügt grinsend an: "Professionelle Rennfahrer warten eben nicht gerne."

Hollywood-Star ohne Starallüren

Er erinnert sich aber gerne an die Arbeit mit McQueen. Er sei ein ganz normaler Mensch ohne Allüren gewesen. "Wir unterhielten uns wie normale Menschen auf Augenhöhe", bestätigt der 65-jährige Belgier eine überraschende Begegnung mit dem Hollywood-Star auf einer französischen Landstraße. "Wir kamen uns unverhofft entgegen, grüßten und hielten spontan an", fängt Ickx an zu erzählen.


"Zu dieser Zeit fuhr ich einen Porsche Targa. Es war das gleiche Modell, mit dem McQueen an diesem Tag unterwegs war, und wir tauschten uns mehr als 20 Minuten aus, fachsimpelten über Technik, Details und den Heck-Scheibenwischer meines Porsche. Wir fragten uns, ob dieses Bauteil wohl auch an McQueens Porsche passen würde. Bis heute erinnere ich mich genau an das Bild: Da stand er an seinem Auto - Lederjacke, die typische Sonnenbrille, die unverkennbaren Gesichtszüge. Er war ein offener Mensch."

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