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24h Le Mans 2015: Porsche triumphiert mit Hülkenberg

Hülkenberg/Bamber/Tandy bescheren Porsche einen historischen Le-Mans-Sieg - Audi rettet Podestplatz - Aston Martin wirft zwei Klassensiege weg

(Motorsport-Total.com) - Historischer Gesamtsieg für Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans 2015 (Chronologie des Rennens im Live-Ticker). Ausgerechnet das Fahrertrio mit der geringsten Langstreckenerfahrung - Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg und die beiden im GT-Auto aufgebauten Youngster Earl Bamber und Nick Tandy - brachten am Steuer des weißen 919 Hybrid mit der Startnummer 19 den großen Triumph nach Hause. Für alle drei war es der erste LMP1-Auftritt an der Sarthe, für Hülkenberg und Bamber gar die erste Le-Mans-Teilnahme überhaupt.

Earl Bamber, Nick Tandy, Nico Hülkenberg

Sieger in Le Mans 2015: Hülkenberg, Bamber und Tandy im Porsche #19 Zoom

Der Porsche-Truppe rund um Teamchef Andreas Seidl, LMP1-Leiter Fritz Enzinger und Technikchef Alexander Hitzinger ist mit dem historischen Sieg bereits im zweiten Jahr mit dem 919 Hybrid das gelungen, was ihnen nur wenige Experten zugetraut hätten: Die Le-Mans-Dauersieger von Audi in deren Revier zu besiegen. Für Porsche ist es der 17. Gesamtsieg an der Sarthe und der erste seit 1998 (Laurent Aiello, Allan McNish und Stephane Ortelli im 911 GT1).

Mit dem von Hülkenberg/Bamber/Tandy sichergestellten Triumph hat Porsche die Spitzenposition in der ewigen Bestenliste der Hersteller weiter gefestigt. Mehr noch: Der 17. Porsche-Gesamtsieg in Le Mans ist auf den Tag genau 45 Jahre nach dem ersten (Hans Herrmann und Richard Attwood im 917K) zustande gekommen. Entsprechend groß ist der Jubel im Lager der LMP1-Werksmannschaft aus Weissach.

Ein Sieg für die Geschichtsbücher

Nick Tandy, Nico Hülkenberg, Earl Bamber

Das Siegertrio von Porsche mit zwei Le-Mans-Rookies: Hülkenberg und Bamber Zoom

"Das ist überwältigend! Es ist kein schlechtes Resultat für jemanden, der zum ersten Mal nach Le Mans kommt. Ich kann es gar nicht glauben. Erstaunlich", jubelt Bamber stellvertretend für Rookie-Kollege Hülkenberg, der sowohl den Start- als auch den Schlussstint fuhr. Hülkenberg und Bamber sind die ersten Le-Mans-Rookies seit Tom Kristensen (1997 im TWR-Porsche), die ihren ersten Auftritt an der Sarthe auf Anhieb mit dem Gesamtsieg krönen. Tandy hingegen war bereits in den Jahren 2011 und 2014 (jeweils in der GTE-Pro-Klasse) in Le Mans am Start.

Zudem ist Hülkenberg der erste Fahrer seit 24 Jahren, dem es gelungen ist, während einer Saison als Formel-1-Stammfahrer die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen. Zuletzt hatte dies Bertrand Gachot geschafft. Der Belgier fuhr 1991 im Grand-Prix-Sport für Jordan und gewann Le Mans zusammen mit Volker Weidler und dem damaligen Lotus-Formel-1-Piloten Johnny Herbert im Mazda 787. Anders als Gachot war Herbert jedoch nicht für die gesamte Saison 1991 in der Königsklasse gesetzt.

Beim historischen Triumph von Hülkenberg, Bamber und Tandy blieben Fahrer, Fans und Streckenposten bis in die letzte Stunde hinein von Regenschauern verschont. In der absoluten Schlussphase waren einige Teilstücke des 13,629 Kilometer langen Circuit de la Sarthe leicht nass. Hülkenberg/Bamber/Tandy behielten aber stets den Überblick. Schlussfahrer Hülkenberg kreuzte nach 395 Runden als Sieger die Ziellinie. Damit verpasste die Porsche-Truppe das i-Tüpfelchen in Form eines neuen Distanzrekords um zwei Runden.

Porsche überzeugt auf ganzer Linie

Timo Bernhard, Mark Webber, Brendon Hartley

Bernhard/Webber/Hartley sorgten mit Platz zwei für einen Porsche-Doppelerfolg Zoom

Erster Verfolger des siegreichen Porsche #19 war nicht etwa ein Audi, sondern der rote Porsche #17 mit Timo Bernhard, Mark Webber und Brendon Hartley im Cockpit. In einem Rennen, das von vier Safety-Car-Phasen gekennzeichnet war, lag der Schlüssel zum Sieg für das Hülkenberg-Auto nicht zuletzt in der Tatsache, dass Webber in der Nacht eine Strafe absitzen musste, weil Hartley bei Gelb überholt hatte. Bernhard rutschte am Sonntagmorgen durch das Kiesbett am Ende der Start/Ziel-Geraden, aber zu diesem Zeitpunkt war der Sieg für den roten Porsche ohnehin schon außer Reichweite. Nach 24 Stunden betrug der Rückstand des 919 mit der Startnummer 17 auf jenen mit der 19 eine ganze Runde.

"Ich freue mich über den Doppelsieg für Porsche. Es war ein harter Fight. Natürlich wollte ich gewinnen, aber es ist schön, mit dem Team feiern zu können. Es war ein hartes Rennen und ich bin jetzt sehr erleichtert", sagt Bernhard. Für Webber ist es "ein sensationelles Podium! Ich gratuliere Nico, Earl und Nick. Ein toller Tag für Porsche", betont der Ex-Formel-1-Pilot aus Australien nach seinem ersten Podestplatz in Le Mans.

Der weiße Porsche #19 von Hülkenberg/Bamber/Tandy übernahm in der neunten Rennstunde erstmals die Führung. Anschließend wurde diese trotz zweier Le-Mans-Rookies im Cockpit routiniert nach Hause gebracht. Gegenüber den anfangs ebenfalls stark auftretenden Audi hatte Porsche den Vorteil, dass man die Reifen vor allem in der kühleren Nacht besser zum Arbeiten brachte als es der Truppe aus Ingolstadt am R18 gelang.

Audi schnell, aber diesmal nicht zuverlässig genug

Für die Vorjahressieger Marcel Fässler, Andre Lotterer und Benoit Treluyer blieb im Audi #7 diesmal "nur" Platz drei. Lotterer erlitt früh im Rennen einen Reifendefekt, danach flog die Heckhaube beim Stint von Treluyer ab und zusätzlich gab es eine Strafe für nicht korrektes Verhalten von Fässler in einer Slow-Zone. Schlussfahrer Treluyer brachte den Audi #7 immerhin noch auf das Podest. "Es war ein gutes Rennen, aber wir hatten viele Probleme. Das Problem an Le Mans ist, dass hier nur der Sieg zählt. Aber ich freue mich, dass wir auf das Podium dürfen", sagt Lotterer.

Andre Lotterer, Benoit Treluyer, Marcel Fässler

Für Fässler/Lotterer/Treluyer reichte es diesmal "nur" zu Platz drei Zoom

Neben der Rolle des ersten Porsche-Verfolgers darf man sich bei Audi damit trösten, dass zum einen der Distanzrekord aus dem Jahr 2010 (397 Runden von Rockenfeller/Bernhard/Dumas im R15) weiter Bestand hat. Zum anderen markierte Lotterer im 337. Umlauf eine absolut neue Rekordrunde im Renntrimm: 3:17.476 Minuten stellen die bisherige Rekordmarke (aufgestellt im Vorjahr, ebenfalls von Lotterer) um mehr als fünf Sekunden (!) in den Schatten.

Der R18 mit der Startnummer 8 wurde von Lucas di Grassi, Loic Duval und Oliver Jarvis auf Platz vier ins Ziel gebracht. Genau wie bei #7, so traten auch an diesem Auto Schwierigkeiten auf. Die größte Schrecksekunde aber war kein Defekt, sondern ein wilder Abflug von Duval in der dritten Rennstunde: Vor Indianapolis wurde aufgrund eines Leitplankenkontakts von Treluyer im Audi #7 eine sogenannte Slow-Zone gesetzt.

Heftiger Abflug von Loic Duval

Diverse Fahrer legten in der Slow-Zone eine Vollbremsung hin, obwohl bereits wieder Grün gezeigt wurde. Duval konnte nicht mehr ausweichen, schoss rechts an den langsamen Autos vorbei, verlor den Audi dabei auf dem Gras aus der Kontrolle und schlug auf der linken Seite der Strecke heftig in die Leitplanke ein. Die Szene war Auslöser der ersten von insgesamt vier Safety-Car-Phasen.

Lucas di Grassi, Loic Duval, Oliver Jarvis

Der Audi #8 von Di Grassi/Duval/Jarvis mit nicht mehr ganz originaler Aerodynamik Zoom

Für den Audi #8 war es aber nur der Beginn der Probleme. Nicht nur aufgrund der Beschädigungen nach dem Duval-Abflug musste man die Box zur Reparatur aufsuchen. Am Sonntag wurde drei Minuten lang im Heckbereich geschraubt: Platz vier wurde schließlich mit drei Runden Rückstand auf den siegreichen Porsche realisiert.

Hinter den beiden bestplatzierten Audi wurde der von der Pole-Position gestartete Porsche #18 von Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb auf Platz fünf ins Ziel gebracht. Anders als die beiden Schwesterautos kam der schwarze 919 Hybrid nicht ohne größere Probleme über die Distanz. Bremsprobleme ließen nach sieben beziehungsweise zehn Stunden zunächst Dumas und anschließend Jani ins Kiesbett der Mulsanne-Kurve segeln. In beiden Fällen schlug das Auto leicht an den Reifenstapeln an. Die Frontpartie musste innerhalb von drei Stunden gleich zweimal gewechselt werden.

Toyota kann das Tempo der Spitze zu keiner Zeit mitgehen

Im Lager von Toyota herrscht nach den 24 Rennstunden Ernüchterung. Zwar brachte man beide TS040-Hybrid ins Ziel. Mehr als die Plätze sechs und acht mit acht beziehungsweise neun Runden Rückstand gab es für die Japaner mit Sitz in Köln aber nicht zu holen. Alexander Wurz, Stephane Sarrazin und Mike Conway lagen im Toyota #2 zunächst hinter ihren Teamkollegen Anthony Davidson, Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima (Startnummer 1) zurück.

Alexander Wurz, Stephane Sarrazin, Mike Conway

Wurz/Sarrazin/Conway: Auf Platz sechs die Speerspitzen von Toyota Zoom

Ein brenzlige Situation beim Überrunden und ein individueller Abflug von Davidson brachten die WEC-Champions und Rückkehrer Nakajima aber schon vor Tageswechsel in Rückstand. "Falsches Timing in den Porsche-Kurven, zu hart attackiert. Ich bin auf einen Ferrari aufgefahren, mein Fehler. Dabei habe ich mir rechts vorne einen Schaden zugezogen. Dann bin ich in Kurve 6 von der Strecke abgekommen und habe die Leitplanken geküsst", so Davidson. Aufgrund eines technischen Defekts gingen später mehrere Runden verloren.

Zwischen den beiden Toyota kam der Audi #9 von Filipe Albuquerque, Marco Bonanomi und Rene Rast ins Ziel. Problemlos über die Distanz schaffte es auch dieser R18 nicht. In der Anfangshase des Rennens überzeugte Albuquerque an seinem 30. Geburtstag mit beeindruckenden Rundenzeiten. Doch bei späteren Stints von Rast und Bonanomi bekamen die Audi-Mechaniker lästige Elektronikprobleme nicht unter Kontrolle: Platz sieben.

Nissan bringt ein Auto ins Ziel

Harry Tincknell, Michael Krumm, Chris Buncombe

Einer von drei frontgetriebenen GT-R LM Nismo fuhr auch am Sonntagnachmittag Zoom

Nissan, der vierte Hersteller im LMP1-Feld, musste sich beim Debüt des unkonventionellen GT-R LM Nismo hinter den beiden privat eingesetzten Rebellion R-One einreihen. Immerhin sahen die Japaner mit einem ihrer drei Fronttriebler das Ziel: Michael Krumm, Harry Tincknell und Alex Buncombe brachten ihren GT-R mit über 150 Runden Rückstand nach Hause. Dass man gegen Mitternacht ohne Frontpartie und damit ohne Licht fuhr, war eines der kleineren Übel. Bei den Überrundungen stand der Fronttriebler mangels vernünftigem Kurvenspeed selbst LMP2-Autos regelmäßig im Weg.

Der Nissan #23 von Olivier Pla, Jann Mardenborough und Max Chilton konnte das Rennen aufgrund eines Kupplungsschadens nur mit Verspätung aufnehmen. In der vorletzten Rennstunde rollte das Auto mit Getriebeschaden aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte man sich bereits riesigen Rückstand eingefangen. Der Nissan #21 von Tsugio Matsuda, Mark Shulzhitskiy und Lucas Ordonez war gleich der erste Ausfall im LMP1-Feld: Bei der Zehn-Stunden-Marke war mit beschädigter rechter Vorderradaufhängung Feierabend. Zuvor hatte sich unter anderem die Tür selbständig gemacht.


Fotos: 24 Stunden von Le Mans, Rennen


Am Rebellion #12 von Nicolas Prost, Nick Heidfeld und Mathias Beche wurde mehrfach die Benzinpumpe getauscht. Auch der zweite R-One (Startnummer 13 mit Dominik Kraihamer, Daniel Abt und Alexandre Imperatori im Cockpit) musste mehrfach zu Reparaturzwecken die Box aufsuchen. So räumte Imperatori schon nach einer Stunde den in der LMP2-Klasse startenden Strakka-Dome ab. Der Schweizer hatte seinen privaten LMP1-Boliden auf dem Öl eines GTE-Porsche aus der Kontrolle verloren.

Noch hinter den beiden R-One von Rebellion lief der ebenfalls von einem AER-Motor angetriebene CLM P1/01 von ByKolles ein. Pierre Kaffer überzeugte in der Anfangsphase mit soliden Rundenzeiten. Die Achillesferse des ByKolles-Boliden war aber die Benzinpumpe. Nicht weniger als neunmal (!) musste diese getauscht werden. Unterm Strich wurden für Kaffer und seine Kollegen Tiago Monteiro und Simon Trummer 135 Runden Rückstand auf den siegreichen Porsche und 70 Runden Rückstand auf den zweiten Rebellion notiert.

LMP2-Sieg für Nicolas Lapierre und Co.

In der LMP2-Klasse hatte KCMG das Geschehen über weite Strecken im Griff, allerdings stand man sich auf dem Weg zum Triumph hin und wieder selbst im Weg. Von der Pole-Position der Klasse gestartet übernahm das neue Oreca-Coupé in den Händen von Nicolas Lapierre, Matt Howson und Richard Bradley sofort das Kommando. Nach einem kurzen Intermezzo von TDS hatte KCMG bei Rennhalbzeit eine Runde Vorsprung auf die Konkurrenz.

Matthew Howson, Richard Bradley

Der Oreca 05 von KCMG: LMP2 dominiert, beinahe trotzdem nicht gewonnen Zoom

Unterm Strich wurde die Startnummer 47 von KCMG in sage und schreibe 22 der 24 Rennstunden als Spitzenreiter notiert. Im Ziel betrug der Vorsprung aber "nur" 48 Sekunden, nachdem sowohl Bradley als auch Lapierre den Oreca neben die Strecke gesteuert hatten. Beim Briten waren Bremsprobleme, beim Franzosen kalte Reifen auf der Runde aus der Box die Ursache.

Am Ende wurde trotzdem gefeiert. Lapierre hat damit das Kunststück fertiggebracht, im Jahr nach seinem Rauswurf aus dem LMP1-Werksteam von Toyota tatsächlich einen Le-Mans-Sieg zu feiern. Seinem ehemaligen Arbeitgeber ist dies bisher nicht gelungen. "Es ist sehr schön, mit diesem Team zu gewinnen. Es ist noch ein junges Team, aber ich freue mich ungemein. Vergangenes Jahr war schwierig, aber jetzt ist es umso schöner", freut sich Lapierre.

Der mit jenem von KCMG baugleiche Oreca 05 von TDS (Startnummer 46) lag in den Händen von Tristan Gommendy, Pierre Thiriet und Ludovic Bady lange Zeit auf Rang zwei, fand sich nach 14 Stunden aber im Kiesbett der Hunaudieres-Schikane 1 wieder. Vorausgegangen war eine Kollision mit dem lange Zeit die GTE-Pro-Klasse anführenden Aston Martin #99. Aston-Pilot Fernando Rees und Gommendy kamen sich in der Anbremszone der Schikane in die Quere - für TDS war das Rennen damit gelaufen.


24 Stunden von Le Mans

Nach dem Ausfall des Ligier #46 machten Oliver Turvey, Simon Dolan und Mitch Evans im Gibson #38 von Jota von sich reden. Allen voran Turvey war ab Sonnenaufgang zwischenzeitlich der mit Abstand schnellste Pilot im LMP2-Feld. Dass sich die Jota-Truppe am Ende über Platz zwei freuen darf, ist auch ein Verdient von G-Drive: Die Besatzung des Ligier #26 (Roman Russinow, Julien Canal und Sam Bird) verschenkte eben diesen zweiten Platz durch eine 45-Sekunden-Zeitstrafe wegen Überschreitung des Speed-Limits in der Boxengasse. Später kamen technische Probleme hinzu.

Immerhin wurde es für die Speerspitzen von G-Drive und Ligier noch Platz drei. Das Schwesterauto, der G-Drive-Ligier #28 von Yacaman/Derani/Gonzalez (4.) und der offene Oreca 03 von Murphy (Chandhok/Patterson/Berthon) rundeten die Top 5 der LMP2-Klasse ab.

Der Gibson von Greaves rollte schon nach fünf Stunden auf Platz zwei liegend mit Gary Hirsch am Steuer vor Tertre Rouge aus. Grund war die Batterie. Der Signatech-Alpine (Panciatici/Chatin/Capillaire) lag nach siebeneinhalb Stunden auf Rang drei, als Chatin kurz vor der Mulsanne-Kurve crashte und damit die dritte Safety-Car-Phase des Rennens auslöste.

Der Strakka-Dome (Leventis/Watts/Kane) wurde bereits nach einer Stunde von Rebellion-Pilot Imperatori abgeräumt. Auslöser war ein Motorschaden am Manthey-Porsche #92 aus der GTE-Pro-Klasse. Der 911er drehte sich in den Händen von Patrick Pilet auf dem eigenen Öl. Imperatori rauschte ins Heck des Strakka-Dome. Am Morgen rollte der LMP2-Bolide mit der Startnummer 42 in den Händen von Leventis mit Flüssigkeitsverlust auf der Start/Ziel-Gerade aus.

GTE-Pro: Sieg für Corvette, Ferrari und Aston Martin patzen

Spannende Positionskämpfe zwischen Aston Martin, Ferrari und Corvette bestimmten das Bild in der GTE-Pro-Klasse. Den Sieg trug schließlich die Corvette-Besatzung davon. Mit ordentlich Dampf unter der Haube und einem Boxenstopp weniger als die direkte Konkurrenz waren Oliver Gavin, Tommy Milner und Jordan Taylor nicht aufzuhalten. Angesichts der Tatsache, dass die zweite Werks-Corvette (Magnussen/Garcia/Briscoe) nach dem Qualifying-Crash von Jan Magnussen gar nicht erst zum Rennen antreten konnte, ist der Triumph der Kollegen in der C7R mit der Startnummer 64 besonders süß.

Oliver Gavin, Tommy Milner

Die Corvette-Piloten Gavin/Milner/Taylor gewannen die GTE-Pro Zoom

Bis zwei Stunden vor Schluss lag der AF-Corse-Ferrari von Gianmaria Bruni, Toni Vilander und Giancarlo Fisichella auf Siegkurs. Dann aber leistete sich Vilander im Bereich Mulsanne einen Fahrfehler. Der 458 Italia mit der Startnummer 51 musste für längere Zeit die Box hüten und wurde schließlich hinter dem Schwesterauto #71 von Davide Rigon, James Calado und Olivier Beretta nur Dritter. "Es ist ein enttäuschendes Podium. Wir hatten es in der Hand", muss Fisichella stellvertretend für seine Kollegen zu Protokoll geben.

Ein Podestplatz wäre entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung (Stichworte: Balance of Performance und Streckenverhältnisse) auch für Porsche möglich gewesen. Doch nachdem der 911er von Patrick Pilet, Frederic Makowiecki und Wolf Henzler (Startnummer 92) schon nach einer Stunde mit Motorschaden abgeraucht war, mussten auch ihre Kollegen einen Rückschlag verkraften. Richard Lietz, Michael Christensen und Jörg Bergmeister lagen im Schwesterauto bis vier Stunden vor Schluss auf Rang drei. Dann aber musste das Manthey-Team ein Leck am Getriebe reparieren: Platz fünf.

Die großen Verlierer in der GTE-Pro-Klasse waren aber einmal mehr im Lager von Aston Martin zu finden. Der Vantage #97 von Stefan Mücke, Darren Turner und Rob Bell stoppte nach etwas mehr als acht Stunden mit Motorschaden im Bereich Mulsanne. Noch enttäuschender endete das Rennen für die Besatzung des Vantage #99 (Fernando Rees, Alex MacDowall und Richie Stanaway). Nach stundenlangem Kampf um die Führung räumte Rees um 5:00 Uhr morgens den LMP2-Boliden von TDS ab. Mit erheblich beschädigtem Auto war am Ende nicht mehr als Platz sechs (17 Runden Rückstand) zu holen.

Der Aston Martin #95 von Young-Driver-AMR (Marco Sörensen, Christoffer Nygaard und Nicki Thiim) lag für die ersten drei Rennstunden in Führung. Dann musste man mit defekter Lenkung für lange Zeit die Box aufsuchen. Nach 24 Stunden wurde man noch vor dem einzigen Porsche im Ziel auf Platz vier notiert.

GTE-Am: Aston Martin wirft Sieg weg - Podium für Dempsey

In der GTE-Am-Klasse war der Aston-Martin-Frust noch größer. Pedro Lamy, Matthias Lauda und Paul Dalla Lana hatten das Geschehen absolut im Griff - nur eben nicht, als es darauf ankam. Nach stolzen 16 Stunden in Führung setzte Dalla Lana den Vantage #98 eine Dreiviertelstunde vor Schluss in der Ford-Schikane heftig in die Streckenbegrenzung.

So ging der Sieg in der GTE-Am-Klasse im letzten Moment an den SMP-Ferrari #72 von Andrea Bertolini, Viktor Schaitar und Aleksei Basow. Schaitar hatte den 458 Italia im zweiten Renndrittel einmal im Kiesbett der Indianapolis-Kurve eingegraben, fand aber den Weg zurück auf die Strecke und schließlich gemeinsam mit Bertolini und Basow den Weg auf die oberste Stufe des Podests.

Patrick Dempsey, Mark Webber

Patrick Dempsey & Mark Webber: Podestpremiere in Le Mans Zoom

Einen umjubelten zweiten Platz sicherten sich Patrick Dempsey, Patrick Long und Marco Seefried im Dempsey-Proton-Porsche #77. Platz drei ging an die Besatzung des Scuderia-Corsa-Ferrari #62: Townsend Bell, Bill Sweedler und Jeff Segal. Als der lange Zeit führende Aston Martin noch fuhr, hatten sich die beiden aus der US-Langstreckenszene bestens vertrauten und bekannten Bell und Long ein packendes Duell um den vermeintlich letzten Podestplatz geliefert. Durch den Fahrfehler von Paul Dalla Lana durfte schließlich sowohl die Porsche- als auch die Ferrari-Besatzung auf dem Podium jubeln.

Der Abu-Dhabi-Proton-Porsche #88 von Christian Ried, Klaus Bachler und Khaled Al Qubaisi strandete während der zweiten Safety-Car-Phase (Crash von Audi-Pilot Loic Duval) mit Motorschaden. Für den heftigsten Abflug des gesamten Rennens sorgte Roald Goethe im Aston Martin #96. Um 7:40 Uhr morgens krachte er im Zuge der Überrundung durch Spitzenreiter Hülkenberg in die Mauer am Ende der Porsche-Kurven. Aus dem Medical-Center der Strecke kam wenig später die Entwarnung. Goethe hat den Einschlag ohne nennenswerte Verletzungen weggesteckt.

Überhaupt geht die 83. Auflage der 24 Stunden von Le Mans trotz neuer Rekordrunden in Qualifying und Rennen als ein Event mit geringem Materialverlust in die Geschichte ein. Keine Frage: Die LMP1-Raketen von Porsche und Co. haben sich bewährt. In der WEC steht nun die große Sommerpause auf dem Plan. Weiter geht es am letzten August-Wochenende mit den 6 Stunden vom Nürburgring.

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