12h Bathurst 2024: "Grello"-Porsche dominiert bei jedem Wetter

Manthey-EMA reüssiert am Mount Panorama: Sowohl bei Trockenheit als auch bei Nässe war der Porsche 911 GT3 R (992) nicht zu schlagen - AMG und Audi auf Podium

(Motorsport-Total.com) - Matt Campbell, Laurens Vanthoor und Ayhancan Güven haben die 12 Stunden von Bathurst 2024 dominiert und den Auftakt der Interkontinentalen GT-Challenge gewonnen. Der Manthey-EMA Porsche #912 "Grello" war unter allen Bedingungen allen anderen Fahrzeugen überlegen. Es ist der zweite Sieg für Porsche nach 2019 und der erste in der IGTC für Manthey. (Rennergebnis)

Titel-Bild zur News: Ayhancan Güven, Laurens Vanthoor, Matt Campbell

"Grello" beißt in Bathurst zu: Erster IGTC-Sieg für Manthey-EMA! Zoom

Neun Cautions, zwei Full-Course-Yellows und eine Strafe, die das Team zweimal absitzen musste, konnten die drei Porsche-Werksfahrer nicht stoppen. Immer wieder gelang es ihnen, nach Restarts mit absoluter Leichtigkeit einen Vorsprung herauszufahren.

Gelang einem anderen Team ein strategischer Coup, machte "Grello" alles durch schiere Pace wieder wett. Entschieden wurde das Rennen schließlich in einem halbstündigen Sprint, in dem Matt Campbell der Konkurrenz keine Chance ließ.

Das Rennen war geprägt von Wetterkapriolen. Die erste Hälfte des Rennens fand noch bei sommerlichem, überwiegend sonnigem Wetter statt. Beim Start war es sehr kühl, weshalb zwei Einführungsrunden hinter dem Safety-Car absolviert wurden. Danach zeichnete sich zunächst ein warmer, aber nicht zu heißer Sommertag ab.

Doch pünktlich zu Beginn der zweiten Rennhälfte begann es zu regnen. Was mit einem Schauer und dem Wechsel zurück auf Slicks begann, entwickelte sich im Laufe des Tages zu einem ausgedehnten Gewittercluster, der die gesamte Region mit reichlich Regen versorgte. Allerdings fiel der Regen nicht gleichmäßig, sodass die Fahrer mit ständig wechselnden Bedingungen zu kämpfen hatten. Die letzte Stunde erlaubte wieder Slicks.

"Grello" war nicht zu stoppen. Beim ersten Boxenstopp nach gut einer Stunde übernahm der Porsche erstmals die Führung und gab sie nur noch zeitweise ab. Die längste Phase entstand durch eine Strafe nach sieben Stunden wegen Unterschreitung der Boxenstandzeit.


Fotos: 12 Stunden von Bathurst 2024


Campbell kam nicht sofort, sondern fuhr noch eine Runde, was ihm zum Verhängnis wurde. Denn genau in diesem Moment wurde eine Gelbphase ausgerufen. "Grello" kam jetzt rein, um die Strafe abzusitzen, aber unter Gelb gilt das nicht. So musste er die Strafe nach dem Restart erneut absitzen.

Es dauerte jedoch nur eine Stunde, bis der Porsche #912 wieder die Führung übernahm. Bei der zweiten FCY hatte der Scott-Taylor-Mercedes #222 (Lowndes/Waters/Randle; 7.) zwar einen großen Vorteil, weil er den Stopp unter FCY absolvieren konnte, während "Grello" bereits gestoppt hatte. Doch Manthey-EMA holte sich die Führung kurz darauf einfach auf der Strecke zurück.

Der Porsche 911 GT3 R (992) war schon auf trockener Strecke am stärksten, auf nasser Strecke hatten die Gegner keine Chance mehr. So schob sich der Phantom-Bernhard-Porsche #13 (Buus/Evans/Eriksson; 4.) im Regen auf die zweite Position.

Die Allianz aus dem Team 75 Bernhard und dem neu gegründeten chinesischen Team Phantom Global ließ sich dann beim letzten Boxenstopp vom 75-Express-Mercedes #75 (Habul/Gounon/Stolz; 2.) überholen, weil man zu lange auf Regenreifen blieb. Kenny Habul, Jules Gounon und Luca Stolz waren die Titelverteidiger beim Bathurst 12 Hour.

Beim letzten Restart setzte Jules Gounon sogar noch einmal alles daran, den Führenden Matt Campbell zu überrumpeln, was ihm aber nicht gelang. Dann wurde er selbst angegriffen. Jaxon Evans versuchte, den zweiten Platz in The Chase zurückzuerobern.

Gounon blieb vorn, nun wurde der Schwarze Peter weitergereicht. Evans wurde verlangsamt und Maxime Martin versuchte, den WRT-BMW #46 (Rossi/Martin/Marciello; 5.) aufs Podium zu hieven. Der Angriff des Belgiers lief in Murray's Corner ins Leere. So machte Christopher Haase im MPC-Audi #22 (Talbot/K. van der Linde/Haase; 3.) gleich zwei Plätze gut und holte sich den letzten Podiumsplatz.

Kein dritter AMG-Sieg in Folge

Das Großaufgebot von Mercedes-AMG brachte zwei Fahrzeuge ohne größere Vorfälle durch. Das eine war die #75, das andere der Scott-Taylor-AMG #222 mit den Supercars-Piloten Craig Lowndes, Cameron Waters und Thomas Randle. Dieser hatte eine Schrecksekunde, als der Regen zum zweiten Mal einsetzte und Waters eine Runde länger als das ganze Feld draußen blieb.

Waters musste nun seinem Namen alle Ehre machen - mit Slicks. Nur im Bereich McPhillamy Park aquaplante er auf überfluteter Strecke kurz ins Kiesbett und hielt den Mercedes-AMG GT3 Evo sonst wie durch ein Wunder auf der Strecke. Dieser spätere Stopp wirkte dann 90 Minuten später Wunder, weil man so die zweite FCY zum Stopp nutzen konnte und kurz in Führung ging, bis "Grello" den AMG wieder einfing.

Bedingt durch eine Strafe für eine Kollision beim Überrunden fiel Scott Taylor Racing dann bis auf den sechsten Platz zurück. Im Schlussspurt verlor STM auch noch diese Position an den Triple-Eight-Mercedes #888 (Feeney/Brown/Grenier). Es fehlte ein wenig Feuerkraft im Dogfight.

Triple Eight Race Engineering kam nur mit Hindernissen über die Distanz. Ein Dreher von Mikael Grenier in The Chase, dem andere Fahrzeuge gerade noch ausweichen konnten, hatte einen losen Frontsplitter zur Folge. Das erfolgreichste Supercars-Team der vergangenen 20 Jahre konnte diesen zwar wieder ausreichend befestigen, doch die verlorenen Plätze waren nicht mehr aufzuholen.

Völlig zum Vergessen war das Rennen für den Gruppe M-Mercedes #130 (Engel/Reynolds/Fraga; 8.), der gleich drei Strafen kassierte. Einmal wurde der Heckflügel beim Nachtanken verstellt, was nur erlaubt ist, wenn der Tankrüssel nicht eingesteckt ist, dann gab es eine Kollision auf der Strecke und schließlich wurde die Stintlänge überschritten.

Dazu kam noch ein skurriler Zwischenfall, als der 6,2-Liter-V8-Motor sehr ungesund klang und Felipe Frage bereits ohne Leistung Positionen verlor. Er konnte das Problem mit Einstellungen im Cockpit irgendwie beheben.

Das einzige Fahrzeug, das wie ein realistischer Herausforderer für die Porsche-Fraktion aussah, kam nicht ins Ziel: Der Craft-Bamboo-Mercedes #77 (Juncadella/Ojeda/Götz; DNF) überholte nach knapp acht Stunden den Phantom-Bernhard-Porsche #13 für die Führung. Es bestand durchaus die Chance, Manthey anzugreifen, denn man war auf einer anderen Strategie unterwegs.

Kurz vor Ablauf der zehnten Stunde gab es dann einen Doppelschlag. Zunächst wurde eine Durchfahrtsstrafe verhängt, weil das Team die maximale Fahrzeit zwischen zwei Tankstopps überschritten hatte. Vielleicht durch die schlechte Nachricht abgelenkt, küsste Daniel Juncadella nur eine Minute später im Streckenabschnitt Reid Park unsanft die Mauer. Feierabend.

Noch bitterer für Mercedes-AMG dürfte der durch die Finger geronnene Pro-Am-Sieg gewesen sein. Ross Gunn im Heart-of-Racing-SPS-Mercedes #27 (James/Gunn/Riberas; 2. Pro-Am) verlor im letzten Stint eine Durchfahrtsstrafe, weil er nach dem Erlöschen der Safety-Car-Lichter noch die Reifen aufgewärmt hatte.

Nun hatte der Triple-Eight-Mercedes #88 (Jefri Ibrahim/Love/Whincup; 3. Pro-Am) beste Chancen auf den Klassensieg, doch hier war die Front so zerfleddert, dass Jamie Whincup ohne Abtrieb mit stumpfen Waffen kämpfte. So siegte auch hier Manthey-EMA mit dem Porsche #911 (Shahin/King/Picariello), obwohl dieser nach vier Stunden einmal ins Kiesbett geschossen worden war.

Audi im Glück und im Pech

Das Melbourne Performance Center hatte mit dem Podiumsplatz gut lachen. Denn damit war eigentlich nicht mehr zu rechnen. Im Trockenen konnten die beiden Audi R8 LMS GT3 Evo II das Tempo gut mitgehen. Doch als der Regen einsetzte, wendete sich das Blatt.

Die #22 verlor viel Zeit durch einen Bremsbelagwechsel nach siebeneinhalb Stunden. Durch die Cautions gewann sie wieder Anschluss ans Feld, hatte dann aber Schwierigkeiten, weiter nach vorne zu kommen. Im Regen fehlte der Speed.

Den Schlussspurt nahm Christopher Haase von Platz fünf aus in Angriff. Mehr als das Tempo von Evans und Martin war aber nicht drin. Doch dann nutzte er die sich bietende Chance eiskalt aus, als Evans durch seinen missglückten Angriff verlangsamt wurde und Martins Angriff auf das Podium scheiterte.

Der MPC-Audi #2 (Schumacher/Winkelhock/Feller; DNF) schied aus. Das Fahrzeug um den Australier Brad Schumacher kämpfte während des gesamten Rennens mit einer schief stehenden Lenkung. Nach zehn Stunden war das Problem so groß geworden, dass das Team den Audi sicherheitshalber zurückzog.

BMW: Stark angefangen, stark nachgelassen

Die beiden BMW M4 GT3 von WRT gingen als Favoriten in das Rennen. Sheldon van der Linde führte das Rennen im WRT-BMW #32 (D. Vanthoor/S. van der Linde/Weerts; DNF) in der ersten Stunde an, fiel aber beim ersten Stopp zurück.

Schließlich sorgte Charles Weerts nach knapp fünf Stunden für den ersten Ausfall eines echten Siegkandidaten. Der Versuch, den Nineteen-Corp-Ginetta #56 (Buccini/Zerefos/White/Hizzey; DNF) eingangs The Cutting zu überholen, endete in einer Kollision mit dem GT4-Boliden.

Der BMW schlug rückwärts in die Mauer ein und schlitterte auf ihr entlang, durchtrennte dabei ein Kamerakabel und blieb schließlich schwer am Heck beschädigt stehen - Ende der Dienstfahrt für den Polesetter.

Damit blieb für BMW nur noch die #46, auf die wegen des BMW-Debüts von Raffaele Marciello und MotoGP-Legende Valentino Rossi viele Augen gerichtet waren. Rossi schlug sich beachtlich und hielt lange Zeit den zweiten Platz.

Doch als der Regen einsetzte, war der BMW M4 GT3 nicht mehr so stark wie im Trockenen. Da half es auch nicht, dass Maxime Martin zwischenzeitlich in Murray's Corner geradeaus geschickt wurde. Von diesem Rückschlag konnte sich WRT lange nicht erholen, es fehlte einfach der Speed im Nassen.

Die finale Caution brachte Maxime Martin wieder in Schlagdistanz zum Podium. Als Vierter ging er in den Endspurt. Sein Angriff über die Außenbahn auf den langsamer werdenden Evans hätte ihn beinahe ein zweites Mal in Murray's Corner geradeaus geführt. Diesmal erwischte er die Kurve, musste aber Evans und Haase passieren lassen. Kein zufriedenstellendes Ergebnis für das Team WRT.

BoP-Änderungen und Streckenrekord

Der Ginetta G55 #56 sorgte für eine Reihe von Zwischenfällen, darunter ein Feuer in der Boxengasse aufgrund einer verlorenen Antriebswelle, bis er nach fünfeinhalb Stunden nach einem Einschlag in The Dipper endgültig die Segel streichen musste. Ein ähnlich chaotisches Rennen lieferte der Vortex #701 (Amrouche/Boilot/Bonnel; 4. Inv.) ab, der auch die letzte Caution auslöste.

Für die Szene des Rennens sorgte allerdings der MRA-111-MARC #111 (Currie/Donaldson/Gray), der ausgangs The Dipper angeschoben wurde, gegen die Fahrtrichtung stand und anschließend rückwärts bis Forrest's Ellbow rollte. Der Fahrer des Mercedes-AMG GT4 dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als er dem rückwärts fahrenden MARC-Mustang in die Augen sah.

Insgesamt waren die 12 Stunden von Bathurst 2024 von einigen BoP-Änderungen geprägt. Porsche erhielt vor dem Qualifying zehn Kilogramm Zuladung, durfte diese aber vor dem Rennen wieder ausladen. Gleichzeitig wurden der Lamborghini Huracan GT3 Evo2 und der BMW um jeweils zehn Kilogramm erleichtert, der Audi sogar um 15. Lediglich der AMG behielt seine Einstufung über das gesamte Wochenende.

Nebenbei wurde Kenny Habul (#75) zum offiziellen Botschafter der Stadt Bathurst ernannt. Im Rahmen des Rennwochenendes drehte Romain Dumas Demonstrationsrunden im Elektro-Renntransporter SuperVan 4.2. Jules Gounon stellte mit einem modifizierten GT3-AMG einen neuen Streckenrekord auf dem Mount Panorama Circuit auf. Mehr zur Rekordrunde in Kürze.

Klassensieger Bathurst 12 Hour 2024:
GT3 Pro: Manthey-EMA-Porsche #912 (Campbell/L. Vanthoor/Güven; 1.)
GT3 Pro-Am: Manthey-EMA-Porsche #911 (Shahin/King/Picariello; 9.)
GT3 Silver: Wall-Lamborghini #93 (Deitz/Wall/D'Alberto/Denyer; 12.)
GT4: Nineteen-Mercedes #19 (Griffith/Christoudolou/Bilski; 17.)
Invitational: T2-IRC #20 (Jileson/Hargraves/Sbirrazzouli; 19.)

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