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Kolumne: Anekdoten von der WEC-Weltreise 2015

28. Dezember 2015 - 08:33 Uhr

'Motorsport-Total.com'-Redakteur Roman Wittemeier über die WEC-Erlebnisse abseits des Rennsports: Von einem Aperitif in Frankreich bis zur Pokalparty in Austin

Fans Toyota
Die WEC-Fans kommen im Fahrerlager immer ganz nahe an ihre Stars
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde der Langstrecke,

am heutigen Tag befinden wir uns nach landläufigem Sprachgebrauch "zwischen den Jahren", also im Niemandsland - vor allem motorsportlich. Die WEC-Saison 2015 ist seit gut fünf Wochen beendet, wir müssen bis zum erneuten Start der Action genau 88 Tage warten. Dann startet die Langstrecken-WM mit dem zweitägigen Prolog in Le Castellet in ein neues Jahr mit hoffentlich ähnlich spektakulärem Wettbewerb.

Die Saison 2015 haben wir mit ausführlichen Rückblicken unter anderem mit den Schwerpunkten Porsche, Audi und Toyota beleuchtet. Es gab aber noch so vieles, was abseits des sportlichen Wettbewerbes passiert ist - und doch genauso zur WEC gehört wie das Nachtanken beim Boxenstopp. Ich möchte euch im Rahmen dieser Kolumne einige der Erlebnisse abseits des Sportlichen mit in die letzten Tage dieses Jahres geben.

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In Le Castellet hat auch 2015 alles angefangen. Am Vorabend des ersten Testtages war die Vorfreude und Spannung enorm. Zusammen mit einigen Kollegen war ich in einem herrlichen Hotel auf einer Anhöhe in La Cadiere d'Azur untergebracht. Vor dem Abendessen stand ich einige Meter vom Hoteleingang entfernt, blickte in die Abendsonne in Richtung der Hochebene von Le Castellet, als mir plötzlich jemand auf die Schulter klopfte.

Pastis und das Losverfahren

Der unvergessene Kollege Gustav Büsing (1944-2015) meinte mit seinem typischen Lächeln: "Du bist doch auch so ein Frankreich-Liebhaber. Keine Ausrede: Wir beiden gehen erst einmal einen Aperitif trinken und sprechen die neue Saison durch!" Gesagt, getan: Wenige Meter entfernt ließen wir uns in einer kleinen Bar Tabac nieder und bestellten unseren ersten Ricard. Lecker! So lecker, dass wir nur über die Vorzüge diverser Pastis-Sorten gesprochen haben. Drei Runden weiter wurde uns klar, dass andere beim Abendessen auf uns warten könnten. Das war dann auch lecker - glaube ich mich jedenfalls erinnern zu können.

Einen Tag später durfte unser Kolumnist Neel Jani seinen ersten teaminternen Erfolg des Jahres erklären. Mit einem breiten Grinsen stand der Schweizer bei der offiziellen Präsentation der drei Porsche-Autos für Le Mans neben dem schwarzen 919 mit der Startnummer 18. "Wir sind die 'Men in Black' - dank mir", strahlte Jani. Als klar wurde, dass Porsche in drei Farben fahren wird, wollten alle sofort Schwarz. Es gab ein Gerangel um die dunkle Schönheit mit dem Ergebnis, dass zwei Männer zu einem Duell antreten mussten.

Das Trio aus dem Porsche #18 schickte Jani in den Ring, aus der Startnummer 17 übernahm Mark Webber die Verantwortung. "Erst wollten wir sie Armdrücken machen lassen", berichtete ein Porsche-Verantwortlicher, "aber dann haben wir doch einen anderen Weg gefunden". Jani und Webber bekamen ihre Farben per Los zugewiesen. "Mir steht Rot ja noch ganz gut, aber wenn ich Brendon und Timo so sehe...", scherzte Webber angesichts der Niederlage im Buhlen um "Black Beauty".

Nissan sorgt schnell für Spaß

Auf dem Weg in Richtung Saisonhöhepunkt in Le Mans, wo die drei unterschiedlich farbigen Porsches ausschließlich zum Einsatz kamen, war immer wieder Nissan ein großes Thema. Das merkwürdige und gewagte Konzept der Japaner gab etablierten Technikern reichlich Vorlagen zu verbalen Spitzen und einigen spaßigen Aussagen. "Wenn mein Arbeitgeber mich zu einem solchen Konzept zwingen würde, dann würde mein Sorgenfresser an Völlerei sterben", meinte ein Technikchef der Konkurrenz.

Einem anderen erfahrenen LMP1-Techniker bin ich in Le Mans begegnet, als er seinen Kopf breit grinsend nach Betrachtung des Cockpits des Nissan schüttelte. "Die wissen, worauf es ankommt: Gute Bedienbarkeit für die Piloten", meinte er zu mir. "Schau mal rein. Welcher Knopf ist dem Piloten am Bedienfeld am nächsten? Der für die Warnblinkanlage!" Wir haben Tränen gelacht - auch als ein Audi-Mitarbeiter beim Blick auf die Kinderrutsche an der Nissan-Hospitality sagte: "Jetzt bauen die hier ein McDonald's auf!"

Diese Späße dürfen nicht falsch verstanden werden. Es geht bei so etwas keinesfalls um Boshaftigkeiten. Im Fahrerlager der WEC herrscht immer großer Respekt - und zwar klassenübergreifend. Genau das macht die besondere Atmosphäre aus. Und sie ist ganz anders als in der Formel 1. Fast immer bleibt Zeit für etwas Smalltalk, sogar die Topstars der Szene nehmen sich dort nicht aus. Im Gegenteil: Wer Nico Hülkenberg im WEC-Umfeld erlebt hat, konnte sehen, wie befreiend die Stimmung für einen Grand-Prix-Star sein kann.

Im Paddock der WEC finde ich persönlich das, was ich am Motorsport liebe. Es treffen dort Menschen zusammen, die die gleiche Leidenschaft teilen. So etwas verbindet enorm. Genau dies wirkt sich immer wieder bei der Ausübung meines Berufes (meiner Leidenschaft) aus. Es ist vollkommen normal, wenn ein WEC-Fahrer bei einem Journalisten fragt, ob er ihn am Abend mit zurück ins Hotel nimmt. Umgekehrt genauso - es ist alles in allem ein gemeinsames Erlebnis aller Beteiligter.

Party in Austin: Von Null auf Pokalheld

Manchmal nimmt dies aber auch ungewöhnliche Züge an. So in diesem Jahr in Austin. Natürlich stand auch dort der sportliche Wettbewerb im Vordergrund, aber es gab Mitte September am Rande des Events ein ganz anderes Thema, das besonders hoch im Kurs stand. Gleichzeitig mit dem WEC-Rennen in Austin fand in der texanischen Hauptstadt ein Kongress von Kosmetikerinnen statt. "So stelle ich mir das Paradies vor", meinte ein Kollege, als wir gemeinsam am Abend ins Hotel kamen und dort eben jene Kosmetikerinnen in maximaler Zwanglosigkeit das Gespräch (kurz) und den Körperkontakt (viel länger) suchten.

Genau diese Hotelbar brachte für mich persönlich den wohl peinlichsten Moment des Jahres. In Austin hatte ByKolles-Fahrer Pierre Kaffer ein Problem der besonderen Art. Im USCC-Rennen hatte er einen Pokal für Platz zwei in der GTLM-Klasse bekommen, im anschließenden WEC-Rennen wurde der Klassensieg in der privaten LMP1-Kategorie mit einem weiteren Pokal belohnt. "Hast du noch Platz im Koffer? Beide passen bei mir nicht rein", meinte der Eifelaner. Und so stiefelte ich abends mit einer Trophäe vom Rennplatz.

Weil dieser ziemlich große Trümmer nicht in meinen Rucksack passte, musste ich ihn mir unter den Arm klemmen. Er war somit für alle zu sehen. Auf dem Weg zum Parkplatz bekam ich hunderte Gratulationen für meinen "Erfolg auf der Strecke". Ich sollte sogar Autogramme geben. Einige behaupteten, sie hätten mich im Rennen beobachtet und mir die Daumen gedrückt - sehr glaubwürdig. Als ich immer wieder erklärte, dass nicht ich es war, der diese Trophäe gewonnen hat, wollte mir niemand zuhören.

Und so ging das leider im Hotel weiter. Als ich dort eintraf, waren sie wieder da: die Kosmetikerinnen in ausgelassener Workshop-Stimmung. Mit dem Kaffer-Pokal unter dem Arm stand ich plötzlich im Foyer und es brandete tosender Applaus auf. "It wasn't me! It's not mine!" - alle Erklärungen halfen nichts. Es gab kostenlose Drinks, nette Gespräche - mal nicht über Existenzialismus :) - und in der Nacht vor dem Rückflug sehr, sehr wenig Schlaf. Lieber Pierre, der Pokal steht noch bei mir im Büro. Bitte abholen!

Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue WEC-Jahr 2016,

Roman Wittemeier

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