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Jeff Gordons Karriere: Vom "Wonder Boy" zu "Big Daddy"

22. November 2015 - 00:24 Uhr

Mit dem Rücktritt von Jeff Gordon geht in der NASCAR eine Ära zu Ende: Blick auf Anfänge, Höhepunkte, Stolpersteine und Ausklang einer großen Karriere

Jeff Gordon mit den Winston-Cup-Trophäen von 1995, 1997 und 1998
In den 1990er-Jahren holte Jeff Gordon drei NASCAR-Titel, 2001 folgte der vierte
© NASCAR

(Motorsport-Total.com) - Beim NASCAR-Saisonfinale in Homestead geht an diesem Wochenende eine Ära zu Ende. Jeff Gordon, der als einer der vier verbliebenen Anwärter auf den Titel antritt, greift zum letzten Mal in seiner langen und erfolgreichen Karriere ins Lenkrad eines Sprint-Cup-Boliden. 24 Jahre lang - davon 23 Jahre auf Vollzeitbasis - war Gordon in der höchsten NASCAR-Liga aktiv. Dabei steuerte er stets den Hendrick-Chevrolet mit der Startnummer 24.

Seit er am 15. November 1992 beim Hooters 500 in Atlanta sein Debüt im Sprint-Cup (damals hieß die Serie noch Winston-Cup) gab, hat Gordon kein einziges Rennen verpasst. So stellte der 44-jährige Kalifornier vor wenigen Wochen beim Sylvania 300 in Loudon einen neuen Rekord für Cup-Starts in ununterbrochener Reihenfolge auf. Mit seinem 789. Start löste Gordon den bisherigen Rekordhalter Ricky Rudd ab und machte sich zum neuen "Iron Man" der NASCAR.

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Diese Errungenschaft - geschweige denn die im Laufe der Jahre eingefahrenen Erfolge - hätte sich niemand träumen lassen, als Mitte der 1970er-Jahre der Grundstein für eine der bemerkenswertesten Rennfahrerkarrieren gelegt wurde. Am 4. August 1971 in der nordkalifornischen Kleinstadt Vallejo nahe San Francisco geboren, kam der spätere NASCAR-Champion Jeff Gordon schon früh mit zwei und vier Rädern in Kontakt. Mutter Carol hatte sich kurz nach der Geburt des Sohnes von Jeffs leiblichem Vater William "Bill" Gordon getrennt. So war es Stiefvater John Bickford, der die Karriere ins Rollen brachte.

Jeff Gordons Drive for Five

Die über 20 Jahre umfassende NASCAR-Karriere von Jeff Gordon im Detail.


1992-2015
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Die NASCAR-Karriere von Jeff Gordon (geboren am 4. August 1971 in Vallejo) beginnt beim Saisonfinale 1992 in Atlanta. Schon damals fährt der gebürtige Kalifornier im Hendrick-Chevrolet mit der Startnummer 24. Der erste Sieg gelingt im Mai 1994 in Charlotte. Im Februar 1995 geht Gordon in Daytona (Foto) in seine dritte volle Winston-Cup-Saison und ...
Die NASCAR-Karriere von Jeff Gordon (geboren am 4. August 1971 in Vallejo) beginnt beim Saisonfinale 1992 in Atlanta. Schon damals fährt der gebürtige Kalifornier im Hendrick-Chevrolet mit der Startnummer 24. Der erste Sieg gelingt im Mai 1994 in Charlotte. Im Februar 1995 geht Gordon in Daytona (Foto) in seine dritte volle Winston-Cup-Saison und ...

Im Alter von vier Jahren saß Jeff Gordon erstmals auf einem BMX-Bike, ein Jahr später steuerte er erstmals ein Quarter-Midget: eine Art Go-Kart mit Überrollkäfig. Seine ersten Runden auf vier Rädern legte Gordon auf einem Short-Track in Rio Linda nahe der kalifornischen Hauptstadt Sacramento zurück. Diesen Short-Track gibt es heute noch. Im Juni 2015 - fast 40 Jahre nach seinen ersten Runden - war Gordon als Ehrengast geladen.

Die Erfolge im Quarter-Midget ließen nicht lange auf sich warten. Als der junge Jeff Gordon seine um einige Jahre älteren Konkurrenten mehrfach hinter sich gelassen hatte, stand die Familie vor einem Problem. Für einen Aufstieg in die nächsthöhere Klasse - die Sprint-Car-Szene auf Dirt-Tracks - war der Nachwuchspilot aus Vallejo schlicht und ergreifend noch zu jung. Die Lösung: Im Jahr 1985 zog die Familie in den US-Bundesstaat Indiana, und damit in die Wiege des Sprint-Car-Racings, um.

In Pittsboro nahe Indianapolis gab Gordon als 14-Jähriger sein Sprint-Car-Debüt. An seinem 16. Geburtstag erhielt er die Lizenz des United States Auto Club (USAC) und wurde damit zum jüngsten Inhaber dieser Lizenz aller Zeiten. Nicht zuletzt aufgrund der Nähe zum Indianapolis Motor Speedway fasste Gordon unter den wachsamen Augen von Stiefvater John Bickford einen Einstieg in den Formelsport ins Auge. Ein Start beim Indy 500 war das große Ziel. "Von NASCAR wusste ich damals gar nichts. Erst Jahre später schaute ich mir erste Rennen an, denn wenn diese im Fernsehen liefen, war ich ja ständig auf irgendeiner Rennstrecke unterwegs", blickt Gordon in seiner letzten Saison als aktiver NASCAR-Pilot auf die Anfänge zurück.

Sprungbrett in die NASCAR

Doch die Lage änderte sich. Während Gordon auch nach dem Umzug von Kalifornien nach Indiana weiterhin erfolgreich Midget-Rennen fuhr und zudem die Sprint-Car-Szene aufmischte, trat ESPNs TV-Kommentator Larry Nuber an den aufstrebenden Nachwuchspiloten von der US-Westküste heran. "Hör zu, ich weiß, dass du dich für IndyCar-Racing interessierst, aber dort konzentriert man sich mehr und mehr auf die Rundstreckenrennen. Es geht nicht mehr nur um das Indy 500", erinnert sich Gordon an Nubers Worte, und weiter: "Somit sind Sprint-Car- und Midget-Piloten nicht mehr gefragt. Ich mache dir einen Vorschlag. So, wie du fährst, wäre NASCAR genau das Richtige für dich."

"Es war aber nicht so, dass ich zehn Angebote auf dem Tisch gehabt hätte und entscheiden durfte, welches ich annehme", bemerkt Gordon gegenüber 'Autoweek'. So befolgte der Kalifornier einen weiteren Rat Nubers, nämlich für zwei Tage nach Rockingham im US-Bundesstaat North Carolina zu reisen und dort die Rennfahrerschule von NASCAR-Legende Buck Baker zu besuchen. Auf dem als "Rock" bekannten Rockingham Speedway (zwischenzeitlich hieß die Strecke North Carolina Speedway) drehte Gordon im Sommer 1990 erste Runden am Steuer eines NASCAR-Boliden.

"Mir gefiel das sofort", erinnert sich der heutige NASCAR-Star. "Ich mochte die Strecke und die Art und Weise, wie sich das Auto fuhr. Ich hatte wirklich Spaß." Spaß ja, aber noch keinen Arbeitgeber. Dieser sollte jedoch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Lehrmeister Buck Baker war vom Talent des 19-jährigen Jeff Gordon dermaßen angetan, dass er für den zweiten Testtag Hugh Connerty nach Rockingham einlud. Connerty, seines Zeichens Besitzer einiger Restaurant-Filialen der Marken Hooters und Outback Steakhouse, war gerade dabei, ein Team in der zweiten NASCAR-Liga (damals Busch-Serie) auf die Beine zu stellen.

Rockingham 1990: Erste Startreihe beim Debüt in der Busch-Serie

Da Connerty von Gordons Auftritt in Rockingham ebenso beeindruckt war wie Baker, nahm er den Kalifornier unter seine Fittiche. Als Crewchief wurde der junge Ray Evernham verpflichtet. Mit einem von Outback Steakhouse gesponserten Pontiac Grand Prix sollte Gordon am 6. Oktober 1990 in Charlotte sein Debüt in der Busch-Serie geben. Das Qualifying aber war verregnet und so war das neu aus dem Boden gestampfte Team zum Zuschauen verdammt.

Zwei Wochen später war es soweit. Am 20. Oktober 1990 gab Gordon, passenderweise in Rockingham, sein Debüt in der Busch-Serie. Der Rookie aus dem fernen Kalifornien qualifizierte den weißen Pontiac mit der Startnummer 67 auf Anhieb für die erste Startreihe. Auf die Frage eines Reporters, welches Ziel er sich für die für ihn neue Rennserie gesetzt habe, antwortete Gordon damals: "Nicht in jedem Rennen der Auslöser der ersten Gelbphase zu sein."

Hatte der NASCAR-Grünschnabel eine Vorahnung? Fakt ist, in Runde 33 des All Pro 300 in Rockingham kam die erste Gelbphase heraus. Auslöser war ein Crash des vom zweiten Startplatz ins Rennen gegangenen Jeff Gordon... Dies änderte allerdings nichts daran, dass der Neuling mit seiner starken Qualifying-Performance für Aufsehen gesorgt hatte. "Dass ich damals in Rockingham aus der ersten Startreihe losfuhr, war eine große Sache für mich. Es war schließlich mein erstes Stock-Car-Rennen und es wurde im Fernsehen übertragen", erinnert sich Gordon nicht nur an das Rennwochenende selbst, sondern auch daran, wie anschließend das Telefon von John Bickford nicht mehr still stand.

Unter anderem Lee Morse von Ford trat an den Stiefvater und zugleich äußerst engagierten Förderer des jungen Jeff Gordon heran. Hintergrund: Im Busch-Team von Bill Davis, für das damals ein gewisser Mark Martin ins Lenkrad griff, würde sich für die Saison 1991 eine Möglichkeit auftun. Nach einem ersten Test für Bill Davis Racing, der im Dezember 1990 einmal mehr in Rockingham über die Bühne ging, wurde man sich schnell einig. "Bill sagte nur 'Das ist der richtige Junge für unser Team' und das nächste, an das ich mich erinnere, war, dass ich nach Charlotte umzog, um die Busch-Saison 1991 zu bestreiten", so Gordon.

Erfolge mit Bill Davis und Wechsel zu Rick Hendrick

Der Neuzugang im Team von Bill Davis übernahm für 1991 das von Mark Martin geräumte Cockpit des weißen Ford Thunderbird mit der Startnummer 1. Hauptsponsor war gewissermaßen die Ford Motor Company selbst - in Form der Autohauskette Carolina Ford Dealers. Mit diesem Auto errang Gordon im Juni 1991 auf dem Orange County Speedway, einem 0,375 Meilen langen Short-Track in Rougemont (North Carolina), seine erste Pole-Position in der Busch-Serie. Am Saisonende war er Elfter der Gesamtwertung und Rookie des Jahres.

1992, im zweiten Jahr der Zusammenarbeit mit Bill Davis, startete Gordon so richtig durch. Mit dem inzwischen von Baby Ruth (eine Submarke des Süßwarenherstellers Nestlé) gesponserten Ford Thunderbird mit der Startnummer 1 errang er elf Pole-Positions und drei Siege und schuf damit die Basis für Gesamtrang vier am Saisonende.

Rückblickend war der 14. März 1992 das entscheidende Datum in Jeff Gordons zweiter voller Saison in der Busch-Serie. An diesem Tag errang er auf dem Atlanta Motor Speedway seinen ersten Sieg. Wichtiger als diese Tatsache allein war jedoch der Umstand, dass Rick Hendrick das Rennen als interessierter Beobachter im Infield verfolgte. Hendrick wartete nur darauf, bis Gordon seinen regelmäßig wild übersteuernden Ford Thunderbird in die Mauer stopfen würde. Der Kalifornier aber hielt das Auto auf Kurs, fuhr in die Victory Lane und legte damit, ohne dass Bill Davis etwas ahnen konnte, den Grundstein für einen Vertrag im Winston-Cup-Team Hendrick Motorsports.

Winston-Cup-Debüt im November 1992

Am 15. November 1992 gab Gordon auf jener Strecke, auf der er acht Monate zuvor seinen ersten Busch-Sieg errungen hatte, sein Winston-Cup-Debüt. Während Gordon beim Hooters 500 in Atlanta erstmals im Chevrolet Lumina mit der Startnummer 24 von Hendrick Motorsports saß, gab Richard Petty zeitgleich seine Abschiedsvorstellung im NASCAR-Cockpit. Nach sieben Titeln und 200 Siegen steuerte der "King" ein letztes Mal den Ford Thunderbird mit der Startnummer 43 seines eigenen Teams. Was damals noch niemand ahnte: Es war der Übergang zweier ganz großer Karrieren.

Bill Davis hingegen wusste nicht, wie ihm geschah. Obwohl zunächst weder er noch Rick Hendrick in Vorbereitung auf die Winston-Cup-Saison 1993 einen Sponsor an Bord hatten, war für Gordon klar, dass Hendrick aufgrund der größeren Ressourcen die erfolgversprechendere Wahl sein würde. Der aufstrebende Kalifornier schloss sich dem aufstrebendem Hendrick-Imperium in Concord (North Carolina) und damit dem Chevrolet-Lager an. Doch dies hatte einen hohen Preis: Bill Davis und Ford fühlten sich im Stich gelassen.

"Ich wünschte, diese Geschichte wäre besser zu Ende gegangen. Ich konnte Bill verstehen und wünschte, dass er mich versteht. Ich hatte die Chance, einem Cup-Team beizutreten, das gewinnen kann. Das musste meine Priorität sein", schreibt Gordon in 'Racing Back to the Front'. Während es Bill Davis in der höchsten NASCAR-Liga mit Ward Burton als Fahrer auf fünf Siege (darunter das Daytona 500 im Jahr 2002) brachte, begann Rick Hendrick mit Jeff Gordon am Lenkrad und Ray Evernham am Kommandostand, die Szene über Jahre zu dominieren.

Ein Hauch von Hollywood in der NASCAR

Auf seinem Weg an die Spitze kreuzte Jeff Gordons Weg unweigerlich den des legitimen Nachfolgers von Richard Petty als NASCAR-Dominator: Dale Earnhardt. Der Mann, der aufgrund der Farbe seines Childress-Chevrolet "Man in Black" und aufgrund seines furchteinflößenden Fahrstils "The Intimidator" genannt wurde, hatte fortan einen Gegner, der so gar nicht ins Bild des typischen NASCAR-Piloten passte. Jeff Gordon stammte weder aus den Südstaaten der USA, noch trug er Cowboystiefel, noch hatte er den klassischen Aufstiegsweg über die lokalen Short-Tracks hinter sich. Stattdessen betrat der "Wonder Boy" (der Spitzname wurde von Dale Earnhardt kreiert) die NASCAR-Bühne aus dem fernen Kalifornien kommend mit einem Hauch von Hollywood-Glamour.

Jeff Gordon Indianapolis Brickyard 1994
1994 gewann Gordon das erste NASCAR-Rennen der Geschichte in Indianapolis
© IMS

1993, in seiner ersten vollen Winston-Cup-Saison, fuhr Gordon elfmal in die Top 10 (darunter zwei zweite Plätze). Zudem errang er im Oktober in Charlotte seine erste Pole-Position. Als Neuling in der NASCAR-Topliga war er in jenem Jahr auch des Öfteren in Crashs verwickelt, holte sich am Saisonende aber den Rookie-Titel. Der erste Sieg gelang in der darauffolgenden Saison. Beim Coca-Cola 600 in Charlotte fuhr Gordon am 29. Mai 1994 zum ersten Mal in die Victory Lane eines Winston-Cup-Rennens.

Rückblickend von noch größerer Tragweite war allerdings der zweite Sieg. Dieser gelang Gordon zwei Tage nach seinem 23. Geburtstag, am 6. August 1994, bei der Erstauflage des Brickyard 400 in Indianapolis. Mit dem umjubelten Triumph im selbsternannten "Racing Capital of the World" rückte der Shootingstar endgültig und nachhaltig ins Rampenlicht. Die Saison 1994 wurde auf Gesamtrang acht abgeschlossen, doch nur ein Jahr später duellierte sich Gordon mit Platzhirsch Earnhardt um den Titel.

"Intimidator" vs. "Wonder Boy": Das NASCAR-Duell der 1990er-Jahre

Einhergehend mit den ersten Niederlagen, die er dem "Intimidator" auf der Strecke zufügte, änderte sich schlagartig auch die Haltung der alteingesessenen Südstaaten-Fans gegenüber dem aufstrebenden Youngster von der Westküste. "Anfangs verhielten sie sich noch neutral und wollten wohl erst einmal herausfinden, wer dieser Neuankömmling ist. Dann aber kippte die Stimmung, so nach dem Motto 'Jetzt reicht's. Er fährt Earnhardt um die Ohren'", erinnert sich Gordon gegenüber 'NBC'.

Sieben Siege und der erste Winston-Cup-Titel in der Saison 1995 waren für Jeff Gordon, Ray Evernham und Rick Hendrick nur der Anfang. 1996 reichten zehn Siege zwar "nur" zum Vizetitel hinter Hendrick-Teamkollege Terry Labonte, doch in den Jahren 1997 und 1998 schlug die Crew mit der Startnummer 24 zum Leidwesen der Konkurrenz - und nicht zuletzt zum Leidwesen der riesigen Earnhardt-Fangemeinde - erbarmungslos zu. 1997 gelangen Gordon zehn Siege, darunter sein erster beim Daytona 500, und der zweite Titel. 1998 war der "Wonder Boy" noch überlegener. Sage und schreibe 13 Saisonsiege hatten den dritten Titel innerhalb von vier Jahren als logische Konsequenz.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war der in den knallbunten Farben des Chemiekonzerns DuPont lackierte Hendrick-Chevy mit der Startnummer 24 ein landesweites Phänomen. Gordon verkörperte einen völlig neuen Typus des NASCAR-Piloten. Er trat in unzähligen TV-Shows auf und führte die Szene in neue Märkte. An der Westküste und im Mittleren Westen der USA wurden Ovale wie etwa der California Speedway in Fontana, der Kansas Speedway in Kansas City oder der Chicagoland Speedway in Joliet aus dem Boden gestampft. In der Gunst der Zuschauer hatte die NASCAR der IndyCar-Szene längst den Rang abgelaufen, was nicht zuletzt an der unsäglichen Teilung zwischen CART und IRL lag.

Was Dale Earnhardt betrifft, so musste sich dieser wohl oder übel damit abfinden, dass jemand massiv an der Vormachtstellung rüttelte, die er selbst ab Mitte der 1980er-Jahre innehatte. Der "Intimidator" gewann weiterhin zahlreiche Rennen und kam mit Gordon gut aus. Ganz anders verhielt es sich mit den jeweiligen Fanlagern der beiden Superstars. "Wer Earnhardt-Fan ist, kann kein Gordon-Fan sein und wer Gordon-Fan ist, kann kein Earnhardt-Fan sein", lautete ab Mitte der 1990er-Jahre das weit verbreitete Credo.

Letztlich profitieren sowohl Earnhardt als auch Gordon von der Rivalität, die zwischen den beiden Protagonisten in Wahrheit nur gespielt war. Denn abseits der Strecke waren der "Intimidator" und der "Wonder Boy" Geschäftspartner, was wiederum dazu führte, dass der ganz große Gewinner unterm Strich NASCAR war. Als das Leben von Dale Earnhardt am 18. Februar 2001 in der letzten Kurve der letzten Runde des Daytona 500 so tragisch endete, hatte NASCAR ihre jahrelange Leitfigur verloren. Der Nachfolger stand jedoch mehr als nur in den Startlöchern.

Die Crewchiefs: Drei Titel mit Ray Evernham, aber...

Die Saison 2001, die für Earnhardt zum Schicksal wurde, brachte Gordon den vierten Titel. Für den Hendrick-Piloten war es die Rückmeldung nach zwei schwierigen Jahren des Umbruchs. Im September 1999 hatten sich die Wege von Gordon und Ray Evernham getrennt, weil der Crewchief neue Ziele ins Visier nahm und in der Saison 2001 mit seinem eigenen Team Evernham Motorsports das NASCAR-Comeback von Dodge federführend gestaltete.

Ex-Champion Bill Elliott und der junge Casey Atwood bildeten 2001 die Fahrerpaarung bei Evernham Motorsports. Später fuhren unter anderem Jeremy Mayfield, Kasey Kahne und Elliott Sadler für das Team des ehemaligen Jeff-Gordon-Crewchiefs. Am Hendrick-Chevy mit der Startnummer 24 war (nach einer kurzen Übergangsphase mit Brian Whitesell als Crewchief) ab der Saison 2000 Robbie Loomis für Gordons Rennstrategie verantwortlich.

"Hätten Ray und ich gemeinsam weitergemacht, dann hätten wir noch viel mehr Rennen und Titel gewonnen. Er war einfach ein ganz besonderer Charakter", ist Jeff Gordon gegenüber 'Autoweek' überzeugt und fügt hinzu: "Heute können wir als Freunde darüber lachen. Er hatte mit Dodge eine großartige Chance, sein eigenes Team aufzubauen. Ich hatte eine großartige Chance, bei Hendrick zu bleiben. Rückblickend hat es für uns beide ganz gut geklappt."

Bei der Mehrzahl der Siege und Titel in Jeff Gordons Karriere zog Ray Evernham am Kommandostand die Fäden. Die größte Genugtuung empfindet der Fahrer rückblickend aber in den Erfolgen mit einem anderen Crewchief. Beginnend mit Gordons erstem Sieg in Charlotte 1994 bis zum Triumph in Watkins Glen 1999 dirigierte ihn Ray Evernham zu 47 Siegen und drei Titeln. Für Evernhams vier Nachfolger schlagen vor Gordons letztem Rennen zusammengerechnet 46 Siege zu Buche.

Brian Whitesell war in der kurzen Übergangsphase im Herbst 1999 für zwei Siege verantwortlich, darunter jener in Martinsville beim ersten gemeinsamen Auftritt. Robbie Loomis zog von Saisonbeginn 2000 bis zum Ende der Regular-Season 2005 bei 23 Gordon-Siegen die Fäden. Gemeinsam feierte man 2001 den Titelgewinn. Beginnend mit dem Chase 2005 (die einzige Auflage der Playoffs, in der er kein aktiver Teilnehmer war) bis zum Saisonende 2010 sammelte Gordon zehn Siege unter der Regie von Steve Letarte. Mit dem aktuellen Crewchief Alan Gustafson kommt der Kalifornier seit Saisonbeginn 2011 bis einschließlich des vorletzten Rennens seiner Karriere auf elf Siege.

"Es trifft Ray wahrscheinlich wie ein Schlag, aber er weiß, dass mein vierter Titel die größte Genugtuung war", erinnert sich Gordon kurz vor seinem letzten Rennen an den zusammen mit Robbie Loomis errungenen Winston-Cup-Titel 2001 und begründet: "Als ich dreimaliger Champion war, hieß es immer: 'Mit Ray Evernham kann jeder Meisterschaften gewinnen.' Ich kam bestens mit ihm aus, aber das Beste, was mir hinsichtlich Anerkennung und Respekt passieren konnte, war ein neuer Crewchief. Als Robbie und ich in der Saison 2001 nach einer schwierigen Saison 2000 den Titel holten, war das eine unglaubliche Genugtuung. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich mit anderen Augen wahrgenommen", bemerkt Gordon.

Die Bilanz: Höhen und Tiefen in über zwei Jahrzehnten NASCAR

Parallel zur gestiegenen Anerkennung allerdings ging die Anzahl der von Jeff Gordon eingefahrenen Erfolge im Verlauf des letzten Jahrzehnts seiner Karriere zurück. In den Saisons 2008 und 2010 blieb er jeweils sieglos. Dies galt zuvor einzig für seine Rookie-Saison 1993 (vom einzelnen Start beim Saisonfinale 1992 einmal abgesehen). Grund für diesen Trend war nicht zuletzt die technische Evolution der Fahrzeuge. "Irgendwann kam der Punkt, an dem es nur noch darum ging, aggressiv zu fahren", sagt Gordon und bekennt: "Mein Stil ist aber seit jeher von Geduld und Finesse geprägt. Ich glaube sagen zu können, dass es mir im Verlauf meiner Karriere ganz gut gelungen ist, das Auto nicht zu überfahren."

"Andererseits ist das einer der Gründe, weshalb ich in den letzten zehn Jahren meiner Karriere nicht mehr so erfolgreich war, weil heutzutage einfach ein anderer Fahrstil gefragt ist", setzt der 44-jährige Hendrick-Pilot fort und unterstreicht: "Heutzutage musst du ab dem Fallen der Grünen Flagge aggressiv auftreten. Die Autos produzieren jede Menge Abtrieb und die Reifen bauen nicht mehr in dem Maße ab wie es früher der Fall war." In der Saison 2016 dürfte sich diese Tendenz umkehren. Dank des beinahe flächendeckenden Einsatzes des Low-Downforce-Package wird allgemein erwartet, dass der Fahrstil wieder verstärkt von Finesse geprägt sein wird. Jeff Gordon freilich wird 2016 nicht mehr ins Lenkrad greifen.

Grund für seinen am 22. Januar 2015 verkündeten Rücktritt im Anschluss an das an diesem Wochenende stattfindende Saisonfinale ist nicht zuletzt die körperliche Verfassung. Der Rücken bereitet Gordon bereits seit Jahren Probleme. "Ich möchte kein Leben leben, in dem ich nicht in der Lage bin, mit meinen Kindern herumzualbern", gesteht der 44-Jährige gegenüber 'NBC'. Mehr noch: Wie er kürzlich in einem Fernsehinterview mit 'ESPN' offenbarte, ist in jüngster Vergangenheit auch das Augenlicht nicht mehr auf dem Level wie es in jungen Jahren der Fall war.

Die Gegner: Jimmie Johnson "insgesamt betrachtet der Beste"

In den insgesamt 24 Saisons seiner aktiven Zugehörigkeit zur höchsten NASCAR-Liga hatte es Jeff Gordon mit zahlreichen Konkurrenten zu tun. Die Duelle beschränkten sich dabei nicht immer nur auf die Strecke, wie allen voran das Negativbeispiel seines unsäglichen Revanche-Fouls an Titelkandidat Clint Bowyer im November 2012 in Phoenix zeigt. Auch mit Tony Stewart, Matt Kenseth, Jeff Burton, Brad Keselowski, und kurzzeitig sogar mit dem eigenen Angestellten Jimmie Johnson, geriet Gordon im Verlauf seiner Karriere aneinander. Genau wie im Falle Clint Bowyer sind die Wogen inzwischen geglättet.

So bleiben Gordon vor allem die fahrerischen Fähigkeiten seiner Konkurrenten in Erinnerung. Auf die Frage von 'FoxSports', welche Fahrer die besten waren und sind, gegen die er im Winston-Cup beziehungsweise Nextel-Cup beziehungsweise Sprint-Cup angetreten ist, muss der vor seinem letzten Rennen stehende Hendrick-Pilot lange überlegen, um auszuholen: "Insgesamt betrachtet ist Jimmie (Johnson; Anm. d. Red.) wahrscheinlich der Beste, der mir begegnet ist. Das weiß ich, weil ich die gleichen Autos fahre wie er. Ich bin sein Teamkollege und sitze mit ihm zusammen in den Besprechungen über Setups und dergleichen. Wenn ich dann sehe, was er erreicht hat, dann sagen allein die Siege und Titel schon viel aus, aber ich würde auch sagen, dass er insgesamt betrachtet der Beste ist."

Doch die Loblieder hören am Ausgang des Hendrick-Headquarters in Concord nicht auf. Auch diverse Konkurrenten aus anderen Teams haben nachhaltig Eindruck hinterlassen. "Ich würde sagen, dass Earnhardt der beste Restrictor-Plate-Pilot war, gegen den ich je gefahren bin", huldigt Gordon den tödlich verunglückten "Intimidator", dem man zu Lebzeiten nachsagte, dass er auf den Superspeedways in Daytona und Talladega "die Luft sehen" könne. "Was die Short-Tracks betrifft", so Gordon weiter, "halte ich Rusty (Wallace; Anm. d. Red.) für den Besten, gegen den ich jemals gefahren bin. Alles in allem würde ich aber auch Mark Martin nennen. Er ist einfach ein großartiger Rennfahrer."

Der Boss: Verträge auf Handschlagbasis mit Rick Hendrick

Gordons in Bezug auf Mark Martin gewählte Worte gelten ebenso für ihn selbst. Ganz gleich, ob er an diesem Wochenende in Homestead als viermaliger oder als fünfmaliger Champion abtritt. Die Karriere, die der "Iron Man" der NASCAR bei fast 800 Rennen hingelegt hat, kann sich mehr als nur sehen lassen. Auf die Frage, was ihn rückblickend mit dem größten Stolz erfüllt, antwortet Gordon: "Vier Titel mit Rick Hendrick gewonnen zu haben." Der einzige Teambesitzer, den der Kalifornier im Verlauf seiner Laufbahn in der höchsten NASCAR-Liga hatte, ist für ihn zu einer der engsten Bezugspersonen geworden.

Rick Hendrick und dessen Ehefrau Linda waren es, die Gordon im Jahr 2002 im Zuge der langwierigen Scheidung von Ehefrau Brooke vorübergehend in den eigenen vier Wänden aufnahmen. "Er kam damals immer in T-Shirt und Jeans zu uns, um sich abzumelden, wenn er mal kurz zum Einkaufen ging", lacht Linda Hendrick. Zu diesem Zeitpunkt war Gordon dreimaliger und amtierender NASCAR-Champion...

"Ich weiß nicht, ob er ein jüngerer Bruder oder ein Sohn von mir ist. Ich würde sagen, beides. Er gehört einfach zur Familie", fasst Rick Hendrick die besondere Beziehung zu seinem langjährigen Angestellten in Worte und stellt heraus: "Es sagt unglaublich viel über den gegenseitigen Respekt aus, wenn man 23 volle Jahre lang mit einem Profisportler zusammenarbeiten kann, ohne dabei jemals einen Anwalt gebraucht zu haben. Ein Handschlag war stets das, was es brauchte."

Rein sportlich betrachtet war Gordon mehr als zwei Jahrzehnte lang bei Rick Hendrick in festen Händen. Ganz offiziell ist der Kalifornier seit November 2006 bei seiner zweiten Ehefrau Ingrid Vandebosch in festen Händen. Sie und die beiden Kinder Ella (acht Jahre) und Leo (fünf Jahre) sind neben der körperlichen Verfassung einer der Hauptgründe dafür, dass die Saison 2015 nach mehr als zwei Jahrzehnten die letzte ist in der NASCAR-Karriere des einstigen "Wonder Boy", der inzwischen auf den Spitznamen "Big Daddy" hört.

"Ich glaube, die Fans werden Jeff als den jungen Kerl in Erinnerung behalten, der diesen Sport verändert hat", sagt Rick Hendrick, um auszuholen: "Bevor er das erste Mal in einem Cup-Auto saß, gab es keinen anderen, der dies in einem derart jungen Alter getan hatte. Dass er dann schon im dritten Jahr den Titel gewann, war einfach unglaublich. Anschließend dominierte er den Sport über Jahre."

Auch nach der aktiven NASCAR-Karriere vielbeschäftigt

Der Titelgewinn im Jahr 1995 war nicht nur für Gordon, sondern auch für Hendrick der erste. Bis einschließlich der Saison 2014 folgten für den Fahrer drei weitere, für den Teambesitzer gar zehn weitere Titel. Nun, da Gordon nach mehr als als 23 Jahren ununterbrochener Renneinsätze für Hendrick Motorsports seinen NASCAR-Helm an den Nagel hängt, lässt Rick Hendrick durchblicken, dass es auch für das erfolgsverwöhnte Team von immenser Bedeutung wäre, sollte Gordon seine Karriere an diesem Wochenende in Homestead tatsächlich mit Titel Nummer fünf krönen: "Ich glaube, es wäre unser wichtigster Titel aller Zeiten."

Gordons ehemaliger Crewchief Steve Letarte gibt in diesem Zusammenhang gegenüber 'NBC' zu bedenken: "Er steht jetzt an der Schwelle zu einem fünften Titel. Es spielt aber keine Rolle, ob er an diesem Wochenende die Meisterschaft gewinnt oder nicht. Er ist auch so eine Ikone, ist schon jetzt eine Legende und wird in Sachen Einzug in die Hall of Fame erste Wahl sein. Seine Größe wird nicht dadurch bestimmt, ob er vier oder fünf Titel gewonnen hat."

Rick Hendrick ist überzeugt, dass Jeff Gordon nicht nur mit seinen Leistungen auf der Rennstrecke bleibenden Eindruck hinterlassen hat: "Ich glaube, noch mehr wird man sich daran erinnern, was er abseits der Rennstrecke getan hat. Angefangen bei seiner Stiftung für Kinder bis hin zur Professionalität, mit der er NASCAR auf die Titelseiten gebracht hat. All diese Dinge sind nicht zu unterschätzen."

Der NASCAR-Szene bleibt Gordon bis auf Weiteres eng verbunden - zum einen in Form seines Wirkens als Mitbesitzer am Hendrick-Chevy von Jimmie Johnson, zum anderen als künftiger Fernsehkommentator für den jeweils in der ersten Saisonhälfte live übertragenen TV-Sender Fox. Jeff Gordon verabschiedet sich nicht gänzlich aus der NASCAR. Er steigt lediglich aus dem Cockpit aus.

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