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Geplante EU-Richtlinie gefährdet Motorsport in Europa

Aufruf zur Teilnahme an einer EU-Befragung: Wenn die geplante neue Richtlinie zur KFZ-Haftpflicht in Kraft tritt, gefährdet das den Motorsport in seiner Gesamtheit

FIA
Die FIA hat ein Positionspapier bei der Europäischen Union eingereicht
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Eine geplante Richtlinie der Europäischen Union sorgt derzeit für große Sorge bei den nationalen Motorsportverbänden und anderen Interessensvertretern in Europa. Konkret geht es um das Bestreben der EU, die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung neu zu regeln. Sollte die Richtlinie in Kraft treten, könnte dies den Motorsport in Europa in seinen Grundfesten erschüttern.

"Diese Bedrohung ist echt", warnt zum Beispiel Chris Aylett, Geschäftsführer der britischen Motorsport Industry Association (MIA). "Sie könnte den Motorsport in der EU zum Erliegen bringen." Aylett fordert alle Motorsport-Interessengruppen dazu auf, an einer EU-Befragung zu der strittigen Richtlinie teilzunehmen. Diese läuft noch bis 20. Oktober und kann unter ec.europa.eu/info/consultations/finance-2017-motor-insurance_de aufgerufen werden.

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Vereinfacht dargestellt würde ein Inkrafttreten der sogenannten "Richtlinie 2009/103/EG über die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung und die Kontrolle der entsprechenden Versicherungspflicht" bedeuten, dass jeder Halter beziehungsweise Fahrer eines motorisierten Vehikels haftpflichtversichert sein muss. Das würde für Rasenmäher-Traktoren ebenso gelten wie für Rennfahrer, die ein Auto oder Motorrad auf einer gesicherten Rennstrecke bewegen.

Unfälle, die sich bei Motorsport-Events ereignen, müssten demnach genau wie Verkehrsunfälle behandelt und von der Polizei untersucht werden. Daher ruft die Branche dazu auf, sich an der EU-Befragung zu beteiligen und so ein Inkrafttreten der Richtlinie für den Motorsport zu verhindern.

"Die EU", erklärt Aylett, "bietet die sogenannte Option 3 an, nach der die Versicherungsanforderungen 'nur im Straßenverkehr' gelten würden. Wenn wir durchsetzen können, dass diese Option gezogen wird, wäre der Motorsport in der EU gerettet."

An der EU-Befragung beteiligen sich laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' alle 102 unter dem Dach des Automobil-Weltverbandes FIA existierenden nationalen Motorsportverbände. Diese haben unter Führung der FIA ein gemeinsames Positionspapier ausgearbeitet, das bei der EU eingereicht wurde.

Das Positionspapier, das unserer Redaktion vorliegt, warnt davor, dass ein Inkrafttreten der EU-Richtlinie "signifikante Auswirkungen" auf die Durchführung von Motorsportveranstaltungen in Europa haben und diese untergraben würde. Ferner laufe man Gefahr, auf diese Weise die Anzahl von Teilnehmern an Motorsportveranstaltungen "substanziell" zu reduzieren.

Gleichzeitig weist das Positionspapier darauf hin, dass der Motorsport in Europa ein bedeutender Wirtschaftszweig mit zehntausenden Arbeitsplätzen und Entwicklungstreiber von neuen Technologien ist. Außerdem betont die FIA, dass Veranstalter von Motorsportrennen in hohem Maße auf Freiwillige angewiesen sind. Für Streckenposten könnte ein neues Versicherungsrisiko ebenfalls negative Folgen haben.

"Muss ein Rennen unterbrochen werden, um sicherzustellen, dass Versicherungsfragen mittels eines Schadensformulars geklärt werden können?"
Auszug aus dem FIA-Positionspapier

Dass jede Kollision in großen internationalen oder kleinen nationalen Rennserien von der Polizei untersucht wird, ist in der Praxis undenkbar. Ebenso wie eine Verpflichtung zu einer Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung für jeden Teilnehmer eines Rennens insbesondere kleinerer Veranstaltungen existenziell bedrohen würde. Die Kosten für eine solche Versicherung können sich viele Hobby-Rennfahrer oder auch junge Menschen im Kartsport schlicht und einfach nicht leisten.

Ziel der neuen EU-Richtlinie ist freilich nicht, den Motorsport zu zerstören. Primär geht es darum, Vereinheitlichung zu schaffen, sodass zum Beispiel auch ein deutscher Autofahrer bei einem Unfall im EU-Ausland unbürokratisch vollen Versicherungsschutz genießt. Die EU-Befragung zielt darauf ab, vor unerwünschten Nebeneffekten zu warnen. Diese Gelegenheit haben diverse beteiligte Parteien nun.

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