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Formel 1 Silverstone 2017: Hamilton profitiert von Reifendrama!

Lewis Hamilton gewinnt seinen Heim-Grand-Prix, Valtteri Bottas wird nach Aufholjagd Zweiter - Ferrari erleidet in den letzten drei Runden ein Waterloo

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2008, 2014, 2015, 2016, 2017: Lewis Hamilton feiert seinen fünften Sieg in Silverstone, seinen vierten hintereinander, und zieht beim britischen Grand Prix mit UK-Legende Jim Clark gleich. Vergessen sind alle Diskussionen um seinen Party-Urlaub auf Mykonos. Wie er gewonnen hat? Jetzt durch die 16 besten Highlight-Fotos klicken!
2008, 2014, 2015, 2016, 2017: Lewis Hamilton feiert seinen fünften Sieg in Silverstone, seinen vierten hintereinander, und zieht beim britischen Grand Prix mit UK-Legende Jim Clark gleich. Vergessen sind alle Diskussionen um seinen Party-Urlaub auf Mykonos. Wie er gewonnen hat? Jetzt durch die 16 besten Highlight-Fotos klicken!

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton hat in Silverstone seinen fünften Sieg nach 2008, 2014, 2015 und 2016 gefeiert und ist damit in der ewigen Bestenliste des britischen Grand Prix mit Jim Clark und Alain Prost gleichgezogen. Der Mercedes-Fahrer lieferte im zehnten Rennen der Formel-1-Saison 2017 eine von der ersten bis zur letzten Runde souveräne Vorstellung ab und gewann vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen (Ferrari).

Damit verkürzt er seinen Rückstand auf Sebastian Vettel in der Fahrer-WM von 20 Zählern auf einen Punkt. Denn Ferrari erlitt in den letzten drei Runden ein echtes Waterloo: Zuerst platzte Räikkönen an zweiter Stelle liegend der linke Vorderreifen. Davon profitierte zunächst Vettel, der vom vierten auf den dritten Platz aufrückte und vermeintlich drei wertvolle WM-Punkte gewann.

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Aber eine Runde später das Drama um den WM-Leader: Auch bei Vettel löste sich der Pirelli-Soft links vorne in Luft auf - und weil er sich fast eine ganze Runde lang schleppen musste, ehe er zum Reifenwechsel kommen konnte, fiel er so noch auf den siebten Platz zurück. "Es ist schon das zweite Rennen, in dem wir Probleme haben. Das ganze Feld hatte Blasen", kritisiert Vettel.

Dabei wäre die Schlussphase auch ohne Ferrari-Reifendrama packend gewesen. Bottas, von P9 auf den härteren Reifen gestartet, hatte im Finish die um 14 Runden frischeren und weicheren Reifen als Vettel. Damit vernichtete er zuerst innerhalb von zehn Runden 5,5 Sekunden Rückstand, und in Runde 43 war Bottas vorbei. Im zweiten Versuch, nachdem sich Vettel in Runde 41 noch mit Händen und Füßen gewehrt hatte.

An gleicher Stelle, nämlich in Stowe, hatte sich Vettel übrigens schon in der Anfangsphase ein heißes Duell geliefert. Am Start fiel der Deutsche zunächst hinter Max Verstappen (Red Bull) auf Platz vier zurück. Den konnte er zwar sofort auskontern, aber Verstappen setzte noch in der ersten Runde zum Gegenkonter an. Dann blieb es bis in die 13. Runde ruhig.

"Will er jetzt Autoscooter spielen, oder was?", raunzte Verstappen, als ihn Vettel in Stowe abdrängte. Der Niederländer, selbst kein Kind von Traurigkeit, gab aber keinen Millimeter nach und behielt die Nase vorne. Dass in der TV-Übertragung kein Funkspruch von Vettel ausgestrahlt wurde, überraschte sehr. Über die offizielle Formel-1-App war seine Reaktion später zu hören: "Das war ein weiterer Spurwechsel auf der Bremse!"

Vettel ging dann mit dem Undercut an Verstappen vorbei. Dabei reichte schon eine einzige Runde aus, weil die Red-Bull-Crew beim Boxenstopp patzte. "Ich glaube, dass Sebastian so oder so vorne gewesen wäre", winkt Verstappen ab. Nur: Im Nachhinein muss man sich fragen, ob ein späterer Boxenstopp nicht klüger gewesen wäre. Als Vettels Soft-Pirelli platzte, hatte er nämlich schon 32 Runden auf dem Buckel.

"Der Reifen hätte locker halten sollen. Ich weiß nicht, warum er es nicht getan hat", ärgert sich Vettel und übt Kritik an Pirelli: "Keine Sternstunde für die Reifen!" Was keiner wusste: Auch Hamilton, der schon in Österreich Reifenprobleme hatte, kämpfte mit den Pneus. "Wir hatten bei Lewis rechts vorne auch einen Blister. Aber nicht so dramatisch wie bei Ferrari", berichtet Sportchef Toto Wolff.

Als sich in den letzten Runden ein Pirelli nach dem anderen auflöste, wurden Erinnerungen an das Fiasko-Rennen im Jahr 2013 wach. Ein entscheidender Unterschied: "Der Reifen ist nicht explodiert, aber die Lauffläche hat sich gelöst", beschreibt Räikkönen. Der Finne kam 15,6 Sekunden vor Verstappen ins Ziel, der ebenfalls noch einmal Reifen wechseln musste.

Fünfter wurde Daniel Ricciardo (Red Bull), der vom letzten Startplatz aus eine tolle Aufholjagd zeigte, nach einer Berührung mit Kevin Magnussen (Haas) wieder auf den letzten Platz zurückfiel, im Finish mit den frischeren Reifen zuerst die beiden Force Indias, dann Magnussen überholte - und sich auch noch Nico Hülkenberg (Renault) schnappte, der mit den um acht Runden älteren Reifen trotz eines komfortablen Vorsprungs und eines beschädigten Unterbodens am Red Bull keine Chance hatte.

Ein Startcrash blieb in Silverstone aus, dafür krachte es in der ersten Runde. Noch dazu teamintern zwischen Carlos Sainz, der angeblich schon beim nächsten Rennen in Ungarn für Renault fahren soll, und Daniil Kwjat bei Toro Rosso. Die beiden wurden sich im schnellen Becketts-Komplex nicht über die Vorfahrt einig. "Becketts ist keine Kurve für zwei Autos", grinst Experte Damon Hill. Als Kollateralschaden rasierte Sainz auch noch Magnussen ein paar Teile weg.

Während Magnussen den Grand Prix als Zwölfter beendete, schied Sainz an Ort und Stelle aus. "Hat er gut gemacht", schimpfte er am Boxenfunk über Kwjat, mit dem es schon länger Spannungen gibt. Der Russe fuhr an die Box, fiel ans Ende des Feldes zurück, erhielt von den Rennkommissaren eine Durchfahrtstrafe aufgebrummt und wurde nach zwei weiteren Boxenstopps 15.

Eine weitere teaminterne Berührung (wie schon in Baku) gab es bei Sauber, als sich Pascal Wehrlein an Marcus Ericsson vorbeischob - sehr zum Missfallen des Schweden, der seinem Ärger am Boxenfunk Luft machte. Wehrlein meldete etwas später einen Leistungsverlust, wechselte insgesamt dreimal Reifen (einmal auf Medium) und wurde am Ende 17. und Letzter.

Noch dicker kam es für Jolyon Palmer: Ausgerechnet bei seinem Heimrennen - vielleicht dem letzten in der Formel 1 - schied der Renault-Fahrer schon in der Aufwärmrunde aus. Am Boxenfunk klagte er zunächst über ein langes Bremspedal, dann stellte er mit einem Hydraulikschaden ab. Wegen dieses Zwischenfalls musste übrigens eine zweite Aufwärmrunde gefahren und die Renndistanz von 52 auf 51 Runden verkürzt werden.

In der Weltmeisterschaft war Silverstone ein Segen für Hamilton. Aber: "Wir hatten auch schon viel Pech. Denken wir nur an Lewis' Kopfstütze in Baku. Aufs Jahr gesehen gleicht sich das aus", relativiert Toto Wolff. Der Sieg schmecke aus einem anderen Grund besonders süß: "Die englischen Medien haben richtig hingehauen. So zurückzukommen, vor den eigenen Fans, ist richtig gut!"

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