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Formel 1 Silverstone 2017: Aerodynamik auf dem Prüfstand

Mit 290 km/h durch die Copse-Kurve? In Silverstone werden dank der Aerodynamik der 2017er-Formel-1-Boliden neue Rekordwerte erwartet

Sergio Perez
In Silverstone können die neuen Boliden ihre Stärken ausspielen
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Es ist der Prüfstand, auf den die 2017er-Formel 1 gewartet hat. Silverstone - die 5,891 km lange High-Speed-Strecke und Heimat des Großbritannien-Grand-Prix. Hier werden die Fans erfahren, wozu die neuen Biester tatsächlich in der Lage sind. Silverstone war in den 1980er Jahren die schnellste Strecke im F1-Rennkalender. In Folge wiederholter Veränderungen am Streckenverlauf wird diese Ehre nun Monza zuteil.

Dennoch besitzt der Kurs in Northamptonshire einige der spektakulärsten High-Speed-Kurven in der Welt des Motorsports. Abbey, Copse, Maggots und Becketts, Stowe: Auf dieser Strecke ist es einfacher, jene Kurven aufzuzählen, die nicht schnell durchfahren werden. Damit ist es der perfekte Spielplatz für die aktuelle Generation von Grand-Prix-Fahrzeugen.

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Auf einer Strecke wie dieser ist Abtrieb Trumpf und dank der neuen Aerodynamik-Regeln für 2017 besitzen die Autos jede Menge davon. In diesem Jahr waren Hochgeschwindigkeits-Scheitelpunkte genau das - deutlich mehr als in der Ära des vorherigen Reglements. An diesem Wochenende könnte es in Silverstone ein ganz neues Niveau erreichen. So wird erwartet, dass die höchste Geschwindigkeit am Scheitelpunkt aus dem Jahr 2016 (265 km/h in Copse) bis in Richtung der 290-km/h-Marke anwächst.

Reifen werden noch mehr gefordert

Die Pole-Runden waren 2017 bislang im Durchschnitt 5,8 km/h schneller als 2016. Die durchschnittliche schnellste Rennrunde war 5,5 km/h schneller. In Silverstone betrugen die Durchschnittsgeschwindigkeiten 238 km/h (Qualifying) sowie 222 km/h (Rennen) und diese werden sicherlich weiter ansteigen. Denn die diesjährigen Autos blühen gerade in diesen High-Speed-Kurven besonders auf, was den Geschwindigkeitsanstieg umso anschaulicher machen wird.

Der aerodynamische Zuwachs durch die neuen Regeln und die Stabilität, die dieser mit sich bringt, sind der Schlüssel zur stark verbesserten Performance in schnellen Kurven. Die Fahrer wünschen sich ein Auto, in das sie Vertrauen haben. Ein Auto, das quasi auf der Strecke klebt. Wenn sie das erhalten, gehen sie umso härter mit den Reifen um. Das spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie flirten mit den Grenzen der Haftung, nehmen mit wachsendem Vertrauen immer mehr Geschwindigkeit mit.

Wurde eine Kurve bislang als High-Speed-Herausforderung angesehen, sollte sie mit dem Abtrieb der 2017er-Formel-1-Fahrzeuge nun unkomplizierter ausfallen. Genau genommen werden die Fans die 2017er-Autos vor allem in mittelschnellen Kurven kämpfen sehen. Die Fahrer können mehr Geschwindigkeit in den Scheitelpunkt und dann durch die Kurve hindurch mitnehmen als je zuvor. Stowe, am Ende der Hangar-Geraden, wird unheimlich schnell und verlangt volle Konzentration.

Geht Abbey zum ersten Mal voll?

In diesem Jahr dürfen die Fans damit rechnen, dass der fantastische Abbey-Abschnitt im Qualifying mit Vollgas durchfahren wird. Das hat es bislang noch nicht gegeben. Es wird nicht ganz voll sein, da die Fahrer durch den Richtungswechsel etwas an Geschwindigkeit einbüßen, aber man sollte nicht damit rechnen, dass sie lupfen. Auch Copse wird in diesem Jahr voll durchfahren und die Autos nehmen diese Geschwindigkeit in die gefürchtete Maggots-Becketts-Kombination bis hinauf zu Stowe mit.

Spektakulär? Eindeutig. Aber es sei angemerkt, dass diese schnellen Kurven das Auto und die Reifen zusätzlich belasten. Während die Autos in Spielberg die Belastung über den tückischen Randsteine aushalten mussten, fordern in Silverstone die auf Chassis und Gummi wirkenden Kräfte ihren Tribut. Sehen wir uns einmal ein kleines Teil an, zum Beispiel ein Radlager. Die Zeit, in der hohe Belastungen und G-Kräfte wirken, ist viel länger als auf einer Strecke wie Baku oder Montreal. All das verlangt nach einer noch besseren Zuverlässigkeit.

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1950-2016
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Der allererste Grand Prix der allerersten Formel-1-Weltmeisterschaft wird am 13. Mai 1950 in Silverstone ausgetragen. Die Strecke wird nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem ehemaligen Militär-Flughafen errichtet. Ehrenhalber wird dieser erste Event einer Formel-1-WM auch als Grand Prix von Europa bezeichnet und sogar die Königsfamilie ist zu Besuch da.
Der allererste Grand Prix der allerersten Formel-1-Weltmeisterschaft wird am 13. Mai 1950 in Silverstone ausgetragen. Die Strecke wird nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem ehemaligen Militär-Flughafen errichtet. Ehrenhalber wird dieser erste Event einer Formel-1-WM auch als Grand Prix von Europa bezeichnet und sogar die Königsfamilie ist zu Besuch da.

Die Abfolge von schnellen Kurven in Silverstone stellt aber nicht nur das Auto und die Reifen auf den Prüfstand. Es ist auch eine Herausforderung für die Männer, die ins Cockpit geschnallt sind. Wenn sie die klassischen Kurven in Silverstone durchfahren, sind sie extremen G-Kräften ausgesetzt. Dabei werden sie durch beinahe 30 Prozent mehr aerodynamischen Downforce auf die Strecke gepresst als 2016. Im nun mit Vollgas durchfahrenen Abbey-Abschnitt zu Beginn einer Runde überschreiten die Fahrer 300 km/h. Dabei halten sie durchschnittlich Kräfte von 4,5g aus (bis zu 4,2g im letzten Jahr) und erreichen kurzzeitig einen Höchstwert von 5,5g seitlicher Belastung. Das ist beinahe die doppelte Kraft, die Astronauten bei einem Raketenstart aushalten müssen!

Trotz all der Veränderungen und Erneuerungen über die Jahre hat sich Silverstone seine Retro-Ecken erhalten. Die Zuschauer erwartet ein ganz besonderer Leckerbissen, wenn die 2017er-Boliden - die schnellsten aller Zeiten - sich ihren Weg rund um dieses berauschende Hochgeschwindigkeitsband auf einem Flugplatz in Northamptonshire bahnen.

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