• 26.10.2014 10:10

  • von Christian Sylt & Caroline Reid

Ecclestone: Teams würden Gegnern drittes Auto überlassen

Laut Formel-1-Boss Bernie Ecclestone müssten einige Teams Konkurrenten ein drittes Auto zur Verfügung stellen, um diese vor dem finanziellen Ruin zu bewahren

(Motorsport-Total.com) - Laut Bernie Ecclestone haben die Formel-1-Teams Verträge unterschrieben und sich darauf geeinigt, Konkurrenten in finanziellen Nöten zu helfen, indem sie ihnen ein Auto zur Verfügung stellen. Solche Probleme sind ziemlich akut, da Caterham (Sports Limited) Anfang der Woche in Insolvenz gegangen ist, und Marussia hat dem High Court in London ebenfalls mitgeteilt, dass man eine Insolvenz ins Auge fasst. Aktuell werden letzte Gespräche geführt, um das abzuwenden, und Ecclestone sagt, dass ein anderes Team eventuell mit der Ausrüstung eines Autos aushelfen muss.

Titel-Bild zur News: Marcus Ericsson, Max Chilton

Sind Caterham oder Marussia bald umlackierte Ferrari oder Red Bull? Zoom

Die kontroverse Regel ist in den Verträgen der Teams mit Ecclestone verankert und zwingt sie zum Einsatz eines dritten Autos, wenn das Starterfeld unter die Marke von 20 Autos fällt. Bislang dachte man, dass die Teams das dritte Auto selbst nutzen würden, doch eigentlich würde es den strauchelnden Rivalen zur Verfügung gestellt werden, um zu verhindern, dass sie untergehen.

"Sie würden jemand anderem ein drittes Auto zur Verfügung stellen. Wenn also beispielsweise Sauber verschwinden würde, dann könnte ein Team einen Deal mit Sauber machen. Ferrari könnte sagen: 'Wir werden euch ein Auto und alles, was dazugehört, geben, aber wir wollen, dass ihr diesen Sponsor draufklebt. Ihr habt eure eigenen Sponsoren, aber wir wollen, dass ihr auch diesen einbringt und wir wollen, dass ihr diesen Fahrer nehmt.' Das Team würde nicht untergehen müssen, oder? Wenn Red Bull entscheidet, dass sie beispielsweise Caterham ein Auto geben, dann könnte das ihr Problem lösen."

Der Grund für die Klausel ist, dass Ecclestones Vertrag mit den Rennorganisatoren angibt, dass die Formel 1 "seine angemessenen Anstrengungen nutzen sollte, um sicherzustellen...dass mindestens 16 Autos am Event teilnehmen". Sollte es darunter fallen, dann könnte die Formel 1 ihren Vertrag mit den Rennausrichtern brechen. Die Grenze bei 20 Autos zu setzen, gibt Ecclestone einen Puffer - und er könnte ihn brauchen.

Szenario für Austin unwahrscheinlich

Während Red Bull eines der größten Budgets besitzt, haben kleinere Teams Probleme, mitzuhalten. Am 7. Oktober hat Manor Grand Prix Racing, das Unternehmen hinter Marussia, beim Londoner High Court eine Ankündigung hinterlegt, die besagt, dass es in Erwägung zieht, einen Vermögensverwalter zu berufen. Das Team liegt mit zwei Punkten auf Rang neun und hat seit seinem Formel-1-Einstieg 2010 einen Nettoverlust von 228,6 Millionen US-Dollar (rund 180 Millionen Euro) eingefahren.

Am Samstag sagte Ecclestone, dass Marussia und Caterham den US-Grand-Prix am kommenden Wochenende wohl verpassen werden. Damit werden nur 18 Autos am Start sein, doch laut Ecclestone würde es die Dritte-Auto-Klausel nicht auslösen, weil der Vertrag der Teams vorsieht, dass sie zwei Rennen pro Jahr verpassen dürfen.

"Wir müssen aktuell kein drittes Auto einführen, weil sie ein paar Rennen auslassen dürfen. Sie verlieren jegliches Geld, das sie für die Rennen bekommen hätten, aber sie verlieren ihre Position in der Meisterschaft nicht. Ich habe keine Ahnung, ob es Marussia langfristig schaffen wird, aber es wäre besser, wenn sie nicht in Insolvenz gehen würden."

Für Caterham kommt das bereits zu spät. Gerichtsvollzieher haben das Equipment aus der Fabrik bereits beschlagnahmt, und die 220 Mitarbeiter werden seit Donnerstag vom Insolvenzverwalter aus dem Gebäude ausgesperrt. Aktuell liegt man auf dem elften Platz hinter Sauber, die keine Punkte einfahren konnten, obwohl sie Sponsoren des reichsten Manns der Welt, Mexiko-Magnat Carlos Slim, besitzen.

Kosten sparen heißt das Motto

Wenn ein Team ein Auto von einem Konkurrenten bekommen würde, dann würden sie ihr Geld nicht für Forschung und Entwicklung, die Produktion oder Motoren ausgeben. Das sind die drei größten Kostenpunkte für Formel-1-Teams, die weitaus mehr verschlingen als die Mitarbeiter und Fahrer, die weiterhin vom Team bezahlt werden, das das dritte Auto bekommt.

Marussias letzter Jahresabschluss stammt von 2012 und zeigt, dass man 51,5 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben hat, was allein 42 Prozent der Gesamtkosten von 122,5 Millionen Dollar entspricht. Produktion und Motorenkosten werden auf weitere 37 Millionen Dollar geschätzt. Wenn man diese Kosten streichen würde, dann würden bankrotte Teams zu profitablen werden, die Investments anziehen und irgendwann auf eigenen Füßen stehen könnten.

Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone hat Zweifel, ob die Hinterbänkler langfristig überleben Zoom

Einige Teams sind in den 1970er Jahren bereits mit drei Autos gefahren, allerdings weil sie die Freiheit dazu hatten, nicht weil das Starterfeld eine vertraglich festgehaltene Grenze erreicht hat. Obwohl die Teams unterschrieben haben, ein drittes Auto zur Verfügung zu stellen, haben sich einige von ihnen - wie Williams - schon länger gegen ein ähnliches Szenario gesträubt, bei dem Teams Kundenautos an Rivalen verkaufen könnten.

"Wir glauben nicht, dass Kundenautos oder Drei-Wagen-Teams in der DNA unseres Sportes liegen", sagt Williams' Co-Teamchefin Claire Williams. "Eine wichtigere Frage wäre allerdings, warum wir diese Diskussionen überhaupt führen müssen: weil Teams aktuell in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Man müsste die Kostenprobleme in der Formel 1 angehen, um die Teams zu unterstützen, die wir aktuell haben."