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1989: Ein Japan-Grand-Prix für die Ewigkeit

Prost und Senna kollidieren, doch der Brasilianer wird fadenscheinig disqualifiziert - Der Skandal macht den "Professor" zum Weltmeister und Nannini zum Rennsieger

Ayrton Senna, Alain Prost
Bild für die Ewigkeit: Senna und Prost kollidieren in der Schlussschikane
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Eine Schikane, zwei McLaren, Ärger hoch drei: Der Japan-Grand-Prix 1989 sorgt für eines der geschichtsträchtigsten Bilder der Formel-1-Historie, den ewigen Präzedenzfall in Sachen Teamduell und eine Titelentscheidung, von der diejenigen, die auf der Tribüne oder vor dem Fernseher dabei waren, noch ihren Enkeln erzählen. Allerdings geht es dabei nicht um den jubelnden neuen Weltmeister Alain Prost, sondern um die Kollision des "Professors" mit Erzrivale Ayrton Senna und einen handfesten Skandal.

Doch der Reihe nach: Das vorletzte Rennen der Saison in Suzuka steht von Beginn an ganz im Zeichen des Zweikampfes um die Krone, den sich der Franzose und er Brasilianer liefern. Vor dem 15. Lauf haben die beiden McLaren-Stars zehn Grand-Prix-Siege unter sich ausgemacht und es steht in der Gesamtwertung 76:61 zugunsten von Prost. Das heißt: Senna muss unbedingt gewinnen und den Kontrahenten um mehr als einen Platz distanzieren, um beim damals gültigen System mit neun Punkten für einen Sieg noch eine Chance im Finale in Australien zu haben.

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Das Qualifying beginnt nach dem Geschmack des Paulista: Mit einer Fabelrunde schlägt er Prost um 1,730 Sekunden, doch der zu diesem Zeitpunkt zweimalige Weltmeister hat sich einer Raffinesse bedient: Weil er um die McLaren-Dominanz weiß, stellt er sein Auto so ein, dass das Setup optimal für das Rennen ist. Im Zeittraining landet er so sicher hinter Senna, dafür aber immer noch komfortabel vor dem Rest des Feldes und ist in bester Ausgangsposition. Randnotiz: DTM-Legende Bernd Schneider qualifiziert sich im Zakspeed-Yamaha trotz 61-PS-Defizit.

Streckenposten und Notausgang werden Senna zum Verhängnis

Vom Start weg läuft es wie am Schnürchen für Prost: Er zieht an Senna vorbei und fährt dank der perfekten Rennabstimmung mit wenig Abtrieb bis zur Rennhalbzeit einen Sechs-Sekunden-Vorsprung heraus. Die Lücke wächst weiter, als die McLaren-Truppe den Boxenstopps des Südamerikaners vermasselt. Mit neuen Reifen kommt Senna aber besser klar als Prost und fängt an, den Vorsprung wegzuknabbern. Die McLaren fahren an der Spitze längst ihr eigenes Rennen, weil die Ferrari-Piloten Gerhard Berger und Nigel Mansell technische Defekte zu beklagen haben.

In Runde 40 der Showdown: Senna klebt unmittelbar hinter Prost, der Gas rausgenommen hat, um den Konkurrenten in der "Dirty Air" dazu zu zwingen, seine Pneus zu ruinieren. Mit flacheren Flügeln ist er sich sicher, die Position ohne eigenen Fahrfehler nicht einzubüßen. Fünf Umläufe später dann die Attacke des Brasilianers: In der Spoon-Kurve schiebt er sich heran, profitiert vom Windschatten auf der Geraden, bleibt in der ultraschnellen 130R am Heck und setzt vor der Schlussschikane zum Manöver an. Es kommt zum Unfall für die Geschichtsbücher.

Triumphe & Tragödien in Japan

Kontroverse WM-Entscheidungen prägten die Rennen in Fuji und Suzuka genau wie denkwürdige Regenschlachten und die Tragödie um Jules Bianchi


1976-2014
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Der erste Grand Prix von Japan findet am 24. Oktober 1976 in Fuji statt. Im denkwürdigen Regenrennen holt sich Mario Andretti (Lotus) den Sieg. Die Schlagzeilen beherrscht aber das Titelduell zwischen James Hunt (McLaren) und Niki Lauda (Ferrari). Der Brite holt sich den Titel, als der Österreicher seinen Boliden abstellt, ehe der Zweikampf auf der Strecke begonnen hat. Er will nach seinem schweren Nürburgring-Unfall im gleichen Jahr sein Leben nicht riskieren, stellt ab und verbietet dem Team, einen technischen Defekt als Ausfallgrund zu propagieren.
Der erste Grand Prix von Japan findet am 24. Oktober 1976 in Fuji statt. Im denkwürdigen Regenrennen holt sich Mario Andretti (Lotus) den Sieg. Die Schlagzeilen beherrscht aber das Titelduell zwischen James Hunt (McLaren) und Niki Lauda (Ferrari). Der Brite holt sich den Titel, als der Österreicher seinen Boliden abstellt, ehe der Zweikampf auf der Strecke begonnen hat. Er will nach seinem schweren Nürburgring-Unfall im gleichen Jahr sein Leben nicht riskieren, stellt ab und verbietet dem Team, einen technischen Defekt als Ausfallgrund zu propagieren.

Als Senna sich auf der Innenseite auf halbe Höhe neben Prost gebremst hat, wirft der Franzose die Tür zu und macht damit eine Ankündigung wahr, die er schon dem Wochenende lanciert hatte. An beiden Autos blockieren die Reifen, sie verhaken sich und kommen auf der Fahrbahn zum Stehen. Die Piloten klappen die Visiere hoch und gestikulieren wild, ehe Streckenposten die Fahrzeuge lösen und anschieben, um die Motoren wieder ans Laufen zu bringen. Prost kann nicht weiterfahren, aber Senna nutzt den Schwung in Richtung Notausgang, kurvt Slalom durch die Reifenstapel im Inneren der Schikane und setzt das Rennen in Führung liegend fort.

Senna siegt, aber Gegenspieler Balestre triumphiert

Mit einem beschädigten Frontflügel schleppt er sich eine komplette Runde um den Kurs, ehe die Nase gewechselt werden kann. Alessandro Nannini, der während der Reparatur im Benetton-Ford auf Platz eins vorgerückt ist, wird nur zwei Runden später Opfer des wie entfesselt fahrenden Senna. Als kurz darauf die Zielflagge fällt und die WM-Entscheidung vertagt ist, kennt seine Freude keine Grenzen, währt aber nicht lange. Hinter den Kulissen hat sich nach Prosts Sprint zur Rennleitung und einem handfesten Streit mit Teamboss Ron Dennis etwas zusammengebraut.

Im Mittelpunkt steht der umstrittene Jean-Marie Balestre. Der Franzose ist 1989 Präsident des FIA-Vorgängers FISA und angeblich dafür verantwortlich, dass die Rennkommissare Senna sofort disqualifizieren - er selbst streitet jede Beteiligung ab, verkündet die Entscheidung aber selbst und ausschließlich in französischer Sprache. Der Vorwurf: Er hat nach der Kollision die Schikane ausgelassen und die Strecke abgekürzt. Damit ist Balestres Landsmann Prost mit 16 Punkten Abstand in der Gesamtwertung uneinholbar vorne und vorzeitig Weltmeister, doch der Skandal hat gerade erst seinen Anfang genommen.

Ein Vermögen & eine Sperre: Nachtreten vor Gericht

In der Pressekonferenz ist Senna fuchsteufelswild, dabei aber äußerlich auf seine gewohnte Art ruhig und staatsmännisch: "Ich werde für alles verantwortlich gemacht und wie ein Krimineller behandelt. Das ist komplett inakzeptabel", flucht er. Prost hat eine andere Sicht der Dinge und streitet es ab, absichtlich eine Kollision herbeigeführt zu haben, um durch einen McLaren-Doppelausfall die WM zu entscheiden: "Würde ich solche Dinge wirklich vorsätzlich machen? Das war meine Kurve", erklärt der "Professor" der Weltpresse.

McLaren und Teamboss Ron Dennis ziehen wegen der Entscheidung eine Woche später vor das Sportgericht in Paris, weil Preisgeld und Sponsorenboni verloren gehen. Doch es kommt noch schlimmer: Die Entscheidung hat Bestand und Balestre hält eine Wutrede. Er bezeichnet Sennas Aktion als "dumm" und verhängt zusätzlich 100.000 US-Dollar (entspricht damals rund 169.000 Deutschen Mark) Geldstrafe. Außerdem wird eine sechsmonatige Sperre verhängt und Senna zu einem "gefährlichen Fahrer" erklärt. Infolge der Sache verlässt Prost McLaren in Richtung Ferrari und eine Regel geschaffen, die Abkürzen ohne eigenen Vorteil straffrei belässt.

Was in dem Chaos untergeht: Noch auf dem Suzuka-Podium feiert Nannini seinen ersten und einzigen Grand-Prix-Sieg vor den Williams-Renault von Riccardo Patrese und Thierry Boutsen. Es wären vielleicht noch mehr hinzugekommen, hätte er im Jahr darauf nicht beim Absturz eines Hubschraubers seine rechte Hand verloren und seine Formel-1-Karriere beenden müssen. Senna holt sich noch zwei WM-Titel, auch Prost ergattert noch eine weitere Krone. Das Bild der verhakten Autos in der Schlussschikane von Suzuka jedoch bleibt das prägende Bild ihrer Rivalität.

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