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Mentaltrainer analysieren Red-Bull-Rivalen Vettel und Webber

Sebastian Vettels Verhalten in Sepang spaltet die Formel 1 - Wie Mentaltrainer das Auftreten des Weltmeisters und seines Teamkollegen Mark Webber analysieren

Mark Webber, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton
Die Red-Bull-Piloten sorgten am Podest für angespannte Stimmung
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Es war ein Schauspiel der ganz besonderen Art: Die Siegerehrung beim Grand Prix von Malaysia und das darauf folgende Interview erinnerten eher an eine Trauerfeier als an die heldenhafte Ehrung der drei Sieger eines Formel-1-WM-Laufes. Mark Webber, der sich um den Sieg betrogen fühlte, musste sogar überredet werden, an der Zeremonie teilzunehmen, so böse war er auf seinen Teamkollegen Sebastian Vettel.

Dieser wirkte ebenfalls unglücklich, obwohl er das Rennen in einem mutigen Manöver gegen Webber gewonnen hatte. Davor hatte er sich aber dem Nichtangriffspakt widersetzt und im Gegensatz zu Webber die Motorleistung nicht verringert - das Duell fand also nicht unter gleichen Voraussetzungen statt.

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Und auch das Mienenspiel des Drittplatzierten Lewis Hamilton passte ins Bild - der Mercedes-Pilot musste gegen Rennende Sprit sparen, Teamkollege Nico Rosberg wäre deutlich schneller gewesen, wurde aber von Teamchef Ross Brawn via Boxenfunk an einem Überholmanöver gehindert. Viele Fans und Experten fragten sich nach dem Grand Prix: War das Auftreten der Piloten am Siegerpodest authentisch, oder war Vettel über seinen Sieg gar nicht so unglücklich wie es schien? Eine Frage, über die sich auch Psychologen und Mentaltrainer Gedanken gemacht haben.

Zwei Gesichter?

Vor allem Vettels Verhalten in Sepang warf viele Fragen auf. Der dreifache Weltmeister hatte noch beim Saisonfinale 2012 nach seinem Sieg gegen Fernando Alonso gemeint, es sei Teil seiner Erziehung gewesen, dass Ehrlichkeit am längsten währt. Zudem warf er Ferrari vor, im Titelkampf auch unter der Gürtellinie gegen sein Team und seine Person vorgegangen zu sein. Nun wird ihm aber von den zahlreichen Kritikern mangelnde Fairness vorgeworfen.

Mentaltrainer und Sportpsychologe Don MacPherson, der laut eigenen Angaben bereits mit Formel-1-Piloten, Premiership-Fußballern und Wimbledon-Siegern gearbeitet hat, glaubt gegenüber 'Autosport', dass Vettel zwei "Gesichter" hat. Einerseits habe er eine weiche Seite, die derartige Erfolge in der harten Welt der Formel 1 nicht unbedingt erleichtert.

"Wenn man aber trotz dem Weltmeister werden will, muss sich eine spezielle mentale Fähigkeit aneignen und sich so verhalten, als wäre man ein Mistkerl, aber nur wenn man Rennen fährt", so die Theorie des Briten. "Wenn man dann an die Box kommt, dann schaltet man diesen Modus ab, lächelt in die Kameras, ist charmant zu den Medien und entschuldigt sich bei seinem Teamkollegen, weil er nicht aufgepasst hat, als er angegriffen wurde. Wie ein Schauspieler in einem Film."

Vettel: Anzeichen auf zunehmenden Stresspegel

Der deutsche Mentalcoach und Mimiktrainer Frank Meinhardt, der über Berufserfahrung in der Rallye-WM, der DTM und anderen Rennserien verfügt, geht bei seiner Analyse mehr ins Detail. Er analysiert in seinem Internetblog Martin Brundles Interview mit Vettel und Webber auf dem Siegerpodest.

Ihm fällt auf, dass der siegreiche Red-Bull-Pilot bei seinen Antworten "sehr häufig sogenannte Selbstadaptoren" nutzt - ein Begriff, der in der Sozialpsychologie häufig verwendet wird. Dabei handelt es sich um Beruhigungsgesten, bei denen sich eine Person selbst berührt, was vor allem auf die Zunahme des Stresspegels hindeutet.

Diese Häufung ist bei Vettels Interview laut Meinhardt deutlich zu erkennen: "Insgesamt greift sich Vettel zehn Mal an die Nase, zwei Mal an sein Ohr und leckt sich einmal die Lippen - und das in gerade einmal 83 Sekunden Interview. Das entspricht etwa einem Selbstadaptor alle 6,4 Sekunden."

Mimiktrainer: Webber bei Interview deutlich sicherer als Vettel

Meinhardt analysiert das Verhalten des dreifachen Weltmeisters: "Als er nicht befragt wurde, stand er viel ruhiger auf dem Podium, seine linke Hand entspannt in die Seite gestützt und ab und an ein Griff ins Gesicht, um sich möglicherweise den Schweiß abzuwischen. Richtete der Interviewer wieder das Wort an ihn, griff er sich eben häufiger an seine Nase. Dabei ist besonders zu beachten, dass die Aussagen, die er getroffen hat, sehr diplomatisch waren."

Die Zunahme an Selbstadaptoren und Vettels diplomatische Antworten bringen Meinhardt zu folgender Vermutung: "Möglicherweise glaubt er selber nicht daran, oder er fühlt sich sehr unwohl mit seinen Äußerungen oder der Situation." Bei Webbers Interview fallen dem Mimiktrainer im Gesicht klare Anzeichen von Ärger auf: "Seine Kiefermuskulatur arbeitet, er presst die Lippen zusammen und schiebt sein Kinn nach vorn." Mit normalem Sprechverhalten sei dies nicht zu erklären: "Niemand kann beispielsweise entspannt kommunizieren, wenn die Lippen zusammen gekniffen werden und die Kiefermuskeln an den Wangen vortreten."

Meinhardt fällt bei Webbers Interview auf, dass er im Gegensatz zu Vettel "überhaupt keine Selbstadaptoren" benutzt: "Das kann bedeuten, dass er sich seiner Sache und seiner Aussagen sehr bewusst ist. Damit strahlt er eine größere Sicherheit aus, er ist sich sicher, dass er ungerecht behandelt wurde."

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