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Surer: War Rory Byrne das Erfolgsgeheimnis von Brawn?

Experte Marc Surer bricht eine Lanze für Norbert Haug und bezweifelt, ob Ross Brawn auch ohne Rory Byrne das Genie ist, für das er von vielen gehalten wird

Rory Byrne
Rory Byrne war der geniale Designer im langen Schatten von Ross Brawn
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Im Zuge der goldenen Ferrari-Ära im vergangenen Jahrzehnt wurde nicht nur Michael Schumacher zum Superstar, sondern auch Technikchef Ross Brawn wurde ein großer Anteil am Erfolg zugeschrieben. Der Brite kehrte nach einer Auszeit zu Honda in die Formel 1 zurück - und wurde unter eigenem Namen wieder Weltmeister (2009 mit Jenson Button), nachdem sich die Japaner zurückgezogen hatten.

Doch obwohl im Jahr darauf Mercedes als Eigentümer des Rennstalls an Bord kam und damit eigentlich mehr Ressourcen vorhanden sein müssten, fährt Brawns Mannschaft nun schon seit drei Jahren dem Erfolg hinterher. Das verleitet unseren Experten Marc Surer zur Spekulation, dass gar nicht Brawn selbst das große Genie sein könnte, für das ihn alle halten, denn: "Er hat all seine Weltmeisterschaften mit einem Auto von Rory Byrne gewonnen. Byrne war sozusagen der Newey im Schatten von Brawn. Seit es Byrne nicht mehr gibt, geht nichts mehr vorwärts."

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Byrne designte die beiden Weltmeister-Benettons von 1994 und 1995 und später auch die Weltmeister-Ferraris der Jahre 2000 bis 2004. 2004 gab er bekannt, sich bis 2006 vollständig aus der Formel 1 zurückziehen zu wollen, und von da an übernahm Aldo Costa stufenweise immer mehr Verantwortung von seinem südafrikanischen Vorgänger. Der ist inzwischen nur noch Ferrari-Berater. Auffällig: Nimmt man 2009 einmal aus, fahren Brawns Teams dem Erfolg hinterher: WM-Neunter 2008 (Honda), WM Vierter 2010 und 2011 sowie WM-Fünfter 2012 (jeweils Mercedes).

2009 eher ein Glückstreffer?

"Brawn hat 2009 eine Weltmeisterschaft mit dem Doppeldiffusor-Trick gewonnen - das war clever. Aber selbst in dem Jahr waren sie nicht bis zum Saisonende dominant, sondern sie wurden von der ganzen Meute eingeholt", erinnert sich Surer. "Auch da hat man gesehen, dass es trotz des Tricks am Schluss noch eng wurde. Der Grund war für mich also Rory Byrne. Das hat man immer übersehen, denn es war immer nur Ross Brawn, der gesprochen hat, bei Benetton und dann auch bei Ferrari. Aber im Hintergrund hat Byrne fleißig gearbeitet."

"Ich habe ihn kennengelernt, als ich mal für Toleman getestet habe", so der 82-fache Grand-Prix-Teilnehmer. "Er war ein sehr ruhiger und stiller Mensch, der auch nicht an die Öffentlichkeit wollte. Ich glaube: Das ist der Mann, der Ross Brawn so erfolgreich gemacht hat, und das ist meine Erklärung, warum es derzeit so schwierig ist für Mercedes." Während Byrne die besten Autos entwickelte, sei Brawn immer eher "der Superstratege" am Kommandostand gewesen, "aber davon hat man ja auch nicht mehr viel gesehen", meint Surer.

Dass Brawn trotzdem Teamchef bleiben darf, Norbert Haug aber nicht mehr Sportchef von Mercedes ist, kommt vor diesem Hintergrund überraschend. Allerdings wurden die Gerüchte, dass Haug seinen Posten verlieren könnte, in Branchenkreisen schon seit Sommer immer lauter. Als Ende September Niki Lauda als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats vorgestellt wurde, war vielen klar, dass dies Haug den Job kosten könnte - auch wenn Lauda, Mercedes und sogar Haug selbst einhellig betonen, dass die Trennung einvernehmlich zustande gekommen sei.

Surer vermutet: Lauda ist der Grund

Auch Surer zweifelt an der offiziellen Darstellung: "Irgendwie hatte man ein Gefühl, dass ihm irgendetwas nicht passt", sagt der Schweizer über Haugs Abgang. "Da kann Niki Lauda sagen, was er will, aber er ist für mich der Grund dafür." Unser Experte war in den 1990er-Jahren für kurze Zeit selbst BMW-Rennleiter und kann sich daher nicht vorstellen, dass Haug seinen Posten nach 22 Jahren und unerbittlichem Kampf für das Motorsport-Programm von Mercedes freiwillig an den Nagel gehängt hat.

"Was hat er nicht alles durchgeboxt? Er hat die DTM jahrelang mit nur zwei Marken durchgezogen und den Vorstand überzeugt, dass da neue Marken dazukommen, was jetzt mit BMW passiert ist. Da hat er gekämpft wie ein Löwe, und dazu brauchst du ein enormes Durchhaltevermögen", nennt Surer ein Beispiel. "In der Zeit, als BMW aus der Formel 1 ausgestiegen ist, hat er Mercedes dazu überredet, ein Formel-1-Team zu kaufen. Das musst du auch erstmal durchboxen beim Vorstand, gerade wenn der Konkurrent aufhört."

"Aber all das hat er geschafft - und jetzt setzt man ihm jemanden vor die Nase. Da würde ich auch sagen: 'Nein, das muss ich mir nicht antun.' Egal wie man's dreht, für mich ist Lauda der Grund, dass er geht", kann er sich theoretisch auch vorstellen, dass Haug zwar nicht gefeuert wurde, aber Lauda als Vorgesetzten nicht akzeptieren wollte - zumal es angeblich schon erste interne Unstimmigkeiten gegeben haben soll. Laudas Standing bei der Konzernspitze ist aber gut, schließlich hat er dem Team einen Concorde-Deal und Lewis Hamilton gebracht.

Ansprechpartner für alles fehlt künftig

"Ob das für Mercedes besser ist oder schlechter? Haug hinterlässt ein Riesenloch", meint Surer. "Und auch wenn sie ihn in der Formel 1 nicht ersetzen, sondern das mit verschiedenen Positionen ausgleichen wollen, steht fest: Haug war der Rennleiter bei Mercedes, der Ansprechpartner für alle Dinge, die damit zusammenhingen. Er wird fehlen. Lauda wird sich nämlich nicht ins Büro setzen und als Ansprechpartner fungieren, sondern der hat eine andere Rolle. Das wird ein Loch hinterlassen, auf jeden Fall."

Doch auch wenn Haug weg ist, sieht der Experte für die Silberpfeile nicht zwingend schwarz: "Was sie sicher richtig machen, ist, dass sie das Team jetzt mal in Ruhe lassen, denn sie haben so viel eingekauft in der Vergangenheit. Das schafft Unruhe, die sollen jetzt mal arbeiten und zeigen, dass sie fähig sind. Geoff Willis halte ich für einen guten Mann. Mal sehen, was passiert, wenn er das umsetzen kann, was er möchte, denn er ist ein guter Aerodynamiker. Vielleicht kriegen sie es dann doch hin", so Surer.

"Haug", ergänzt er, "hat immer 110 Prozent gearbeitet. Ich kenne keinen, der mit so wenig Schlaf an so vielen Rennwochenenden immer topfit da war. Das ist ja unglaublich! Manchmal ist er zwischen zwei Rennen in einer Woche zurück nach Stuttgart geflogen, um drei Tage zu arbeiten, und dann wieder weiter nach Südkorea. Einer, der so arbeitet, kann nicht plötzlich aufhören - das kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin sicher, wir werden ihn wiedersehen. Ich kann ihn mir zum Beispiel als ITR-Chef in der DTM vorstellen. Da würde er optimal hinpassen."

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