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Streckendesigner: "London hätte weiteres Eisen im Feuer"

Populous-Architekt John Rhodes im Interview über die Herausforderungen bei der Planung des Stadtkurses in London und die Chancen auf einen Grand Prix

Stadtkurs in London
Die Idee vom Formel-1-Rennen mitten durch London sorgt für viel Aufsehen
© Santander

(Motorsport-Total.com) - Das in dieser Woche präsentierte Animationsvideo eines möglichen Stadtkurses durch London sorgte weltweit für Aufsehen. In Kooperation mit den McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton stellte das Architektenbüro Populous, das bereits für den Silverstone-Umbau verantwortlich zeichnete, eine Vision eines Formel-1-Rennens mitten durch die britische Hauptstadt vor.

Im Interview spricht Populous-Architekt John Rhodes über die Vorgehensweise bei der Planung der Strecke, über die architektonischen Herausforderungen eines Stadtkurses, über die Nachhaltigkeit der Anlage sowie über Personenbeförderung und Sicherheit.

Frage: "John, wie lange wurde über den Stadtkurs in London nachgedacht?"
John Rhodes: "Ein solches Event inmitten einer bestehenden Stadt auszutragen, ist deutlich anspruchsvoller als einfach eine weitere bestehende Strecke zu kopieren. Uns geht es um Unterhaltung und Sport gleichermaßen, weshalb wir einige der bekanntesten Stellen Londons herauspickten und anschließend versuchten, diese ins Layout der Strecke zu integrieren. Im Zuge des Designprozesses der Strecke standen wir vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits wollten wir eine aufregende Rennstrecke schaffen, andererseits wollten wir die symbolträchtigsten Gebäude der Stadt einbeziehen. In der Vergangenheit baute nahezu jeder, der einen Stadtkurs durch London entwarf, den Piccadilly-Circus mit ein. Uns war aber schnell klar, dass das nicht funktionieren würde. Die Infrastruktur in unmittelbarer Nähe entspricht dort einfach nicht den Anforderungen für einen solchen Zweck."

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"Nachdem wir eine grobe Vorstellung der Streckenführung hatten, war es wichtig, die Perspektive der Fahrer einzubeziehen. In diesem Zusammenhang war die Mitwirkung von Jenson und Lewis von entscheidender Bedeutung. Dank der Meinung von zwei Weltmeistern, die unseren Vorschlag kritisierten und verbesserten, hatten wir die denkbar beste Referenz. Wir sind sehr froh, dass Lewis den Kurs als 'absolut episch' bezeichnet."

"Darüber hinaus konzentrierten wir uns sehr stark auf die Aspekte der Infrastruktur wie zum Beispiel die Boxen und die Einrichtungen für die Bewirtung. Es gibt für alle Einrichtungen einen Plan, wie diese anschließend für andere Veranstaltungen verwendet werden können. Dabei muss man wissen, dass wir das Gelände sehr sorgfältig geprüft haben, um diesen Plan auch in der Realität umsetzen zu können. So muss beispielsweise kein einziger Baum versetzt werden. Wir haben auch eine Lösung gefunden, wie die Kante zwischen der eigentlichen Strecke und der Boxengasse zu bewältigen ist."

John Rhodes
John Rhodes zeichnet als Architekt für den Entwurf der Strecke verantwortlich
© MSBF/LAT

Frage: "Populous zeichnete in der jüngsten Vergangenheit für den Umbau in Silverstone verantwortlich und machte aus dem heruntergekommenen Millennium-Dome die eindrucksvolle O2-Arena. Welche Erkenntnisse aus diesen Projekten flossen in das Projekt London-Grand-Prix ein?"
Rhodes: "Einer der entscheidenden Faktoren hinsichtlich der Nachhaltigkeit eines Austragungsortes ist die Maximierung des Geschäftspotenzials, das heißt, während des gesamten Jahres einen Ertrag zu erzielen. Für eine permanente Rennstrecke wie Silverstone können dies Aktivitäten ohne direkten Bezug zum Motorsport sein - Radfahren auf der Strecke zum Beispiel. Im Falle der O2-Arena schafften wir ein Restaurant, ein Kino und die Möglichkeit für Ausstellungen. Darüber hinaus gibt es eine kleinere Konzerthalle sowie natürlich das Hauptgebäude, in dem vom Barry-Manilow-Konzert bis hin zu einem Tennisturnier der ATP-Tour schon alle möglichen Veranstaltungen stattfanden. Es passiert also immer irgendetwas, das die Leute unterhält."

"Auf lange Sicht gesehen gehört der Motorsport meiner Meinung nach zu den zukunftsfähigsten Sportarten, denn der technische Wettbewerb fokussiert sich mehr und mehr darauf, Energie effizient zu nutzen. Es gibt schon jetzt eine ganze Reihe konkurrenzbetonter Ansätze, weniger Treibstoff zu verbrauchen. Diesen Gedanken gilt es nicht nur bei den Autos selbst, sondern auch bei den Einrichtungen im Umfeld zu verfolgen."

Modulare Gebäude mit der Landschaft im Einklang

"Unser Ziel war es, eine nachhaltige Architektur der Boxenanlage zu schaffen. Das erfordert jede Menge Gedankenspiele und Planung. Sporteinrichtungen unterscheiden sich von anderen Gebäuden wie zum Beispiel Büros dahingehend, dass sie punktuell genutzt werden, dann aber umso intensiver. Bei der Gestaltung einer Rennstrecke musst du auf alles achten, selbst die Art und Weise wie der Wind kanalisiert wird. Diese Energie kann man schon wieder anderweitig nutzen. Solche Dinge müssen bereits im frühen Designstadium bedacht werden. So regen auch die akustischen Gegebenheiten von vorbeifahrenden Formel-1-Autos vor dem Hintergrund des Lärmschutzes zum Nachdenken an. Man braucht eine ganz andere Strategie der Schallschwächung."

Stadtkurs in London
Der geplante Stadtkurs führt direkt an den "Big Points" von London vorbei
© Santander

"Wir finden hier ein bereits existierendes Areal vor, das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach erreicht werden kann. Die Boxen und die Hospitality-Suites sowie die Gebäude für Medien und Rennleitung sind modular aufgebaut und passen sich in das von Bäumen geprägte Gesamtbild der 'Mall' ein. All diese Einrichtungen können sehr schnell und mit nur minimalem Eingriff in die Landschaft auf- und abgebaut werden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen wir beim Olympischen Springreitturnier, das in diesem Sommer im Greenwich-Park und damit auf dem Gelände eines Weltkulturdenkmals stattfindet."

Frage: "Ist es möglich, das gesamte Formel-1-Personal auf einem derart engen Raum wie der 'Mall' unterzubringen?"
Rhodes: "Natürlich ist der Platz stark begrenzt. Man kann dort kein traditionelles Fahrerlager wie an anderen Rennstrecken aufbauen. Im Endeffekt sind alle Einrichtungen genau wie in Monaco in den Boxen selbst untergebracht. Die Module fügen sich zwischen die Bäume ein ohne sie zu berühren. Die Bäume werden dadurch ein Teil der Gesamtarchitektur. Die Fassade der Hospitality-Suites erzeugt jede Menge Reflexion und damit Möglichkeiten, einen Blick auf die Strecke zu werfen. Im Zusammenspiel mit dem St-James's-Park wird das Event einer riesigen Gartenparty gleichkommen."

Personenbeförderung und Sicherheit kein Problem

Frage: "Welche Rolle spielen Sicherheit und öffentlicher Nahverkehr in ihren Plänen?"
Rhodes: "Wir glauben fest an die Idee, Events in die Städte zu bringen. Im Sinne der Nachhaltigkeit nutzen wir die existierende Infrastruktur. Die Innenstadt von London ist so etwas durch Veranstaltungen wie den London-Marathon oder Konzerte im Hyde-Park schon gewohnt. Es gibt bereits Konzepte und Strategien, wie große Menschenmengen zum Gelände gebracht werden können und das ist einer der Gründe, warum der London-Grand-Prix durchführbar ist. Durch das Rennen hätte die Stadt auf der internationalen Sportbühne ein weiteres Eisen im Feuer."

"Auf den Stadtverkehr in London hätte ein Event wie dieses nur örtlich begrenzte Auswirkungen. Ich spreche hier vor allem vom Themse-Ufer und vom Trafalgar-Square. Das ist in meinen Augen aber kein Problem. Es gibt in unmittelbarer Nähe jede Menge Haltestellen für den öffentlichen Nahverkehr. Waterloo-Station ist sehr nahe. Gleiches gilt für eine ganze Reihe von U-Bahn-Stationen. Zudem können wir natürlich den Fluss nutzen."

"Zum Thema Sicherheit ist zu sagen, dass es recht einfach ist, das Gelände sicher zu gestalten. Die Strecke ist komplett eingezäunt. Die Zuschauer sind also vor Trümmerteilen geschützt. Da die Olympischen Spielen unmittelbar bevor stehen, wurde ohnehin viel über die Sicherheit nachgedacht. Dieses Wissen könnte man auch für Events wie den London-Grand-Prix nutzen."

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