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Noch kein grünes Licht für den Formel-1-Börsengang

Ein Blick hinter die Kulissen der Formel 1: Was würde der angestrebte Börsengang bedeuten und welche Vorzüge hätten die Formel-1-Aktien in Asien?

Nico Rosberg
Volle Kraft voraus Richtung Börsengang? Die Formel 1 gibt's wohl bald als Aktien
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Wie hochrangige Quellen aus der Branche bestätigen, hat der Formel-1-Vorstand dem Börsengang des Unternehmens noch nicht zugestimmt. Und das, obwohl zahlreiche Berichte behaupten, dass die Formel-1-Aktien noch in diesem Jahr an der Börse von Singapur emittiert werden. Laut unseren Quellen arbeiten die Formel-1-Mehrheitseigner der Investmentfirma CVC auf den Börsengang im Juni 2012 hin. Dies könnte sich allerdings bis zum Oktober verzögern oder auch ganz auf Eis gelegt werden, was von den Marktbedingungen und der Zustimmung des Vorstandes abhängt.

Offenbar wird die Entscheidung über den Börsengang im kommenden Monat der Mutterfirma des Formel-1-Vorstandes, der in Jersey ansässigen Delta Copco, vorgelegt. Eine Quelle sagt: "CVC hat vor, bis Juni fertig zu sein." Und weiter: "Wenn alles vorbereitet, ein Emissionsprospekt angefertigt ist sowie die Analysten unterrichtet sind, wird der Vorstand an der Reihe sein. Dann wird man ihnen sagen, dass sie kurz davor stehen, den entscheidenden Schritt zu machen."

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In Vorbereitung darauf wurden Goldman Sachs und UBS als Konsortialführer engagiert. Die Deadline für die Bewerbungen weiterer Banken endete am 13. April. Dieser Prozess wird von einer anonymen Quelle als "Fressrausch" für all die Banken, die nicht bei Facebook mitmischen konnten, beschrieben.

Im November des vergangenen Jahres hatte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erklärt, dass er in Singapur oder in Hongkong an die Börse gehen würde, "falls ich das Unternehmen heute veräußern wollte". Investment-Banken aus Hongkong analysieren die Formel 1 nach wie vor aktiv, was die These stützt, wonach der Ort des Börsengangs noch immer nicht feststeht.

Der Grund, weshalb CVC entweder in Hongkong oder in Singapur an die Börse gehen möchte, ist, dass die Formel 1 dort eher ein Börsen-Flaggschiff wird als einfach ein weiterer Name in einer langen Liste von Unternehmen, wie das in Europa der Fall wäre. Das bedeutet: Die Formel-1-Aktien würden bei einem solchen Börsengang viel mehr an Unterstützung durch Werbung erhalten. Eine Quelle meint dazu: "Ein Börsengang im Osten ist ein Weg, um die Marke ins Rampenlicht zu stellen."

Die Börse in Hongkong ist bei der Kapitalisierung der drittgrößte Markt in Asien und rangiert damit hinter den Börsen von Tokio und Singapur. Bis zum 30. November 2011 waren an der Börse Hongkong 1.477 Unternehmen gelistet. Das Pendant in Singapur ist deutlich kleiner. Dort wurden bis zum 31. Januar 2012 lediglich 772 Unternehmen gehandelt.

Hängt der Rennvertrag am Börsengang?

Es ist schwer zu sagen, ob es die Formel 1 für den angestrebten Börsengang nach Hongkong oder nach Singapur zieht. Singapur erscheint als die logischere Wahl, denn dort hat die Formel 1 ja bereits ein Rennen, hinter dem offenbar das gesamte Land steht. Genau dies könnte sich allerdings als Knackpunkt erweisen.

"Die Regierung von Singapur möchte, dass die Formel 1 bei ihnen an die Börse geht. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch das Rennen dort einen Fortbestand haben. Dessen ist sich die Regierung bewusst", sagte ein namentlich nicht genannter Banker erst dieser Tage. Wie es der Zufall will, läuft der Rennvertrag mit Singapur am Ende dieses Jahres aus. Die Organisatoren vor Ort streben angeblich eine Reduzierung der Renngebühren an, die sich laut Branchenmonitor 'Formula Money' auf 58,6 Millionen US-Dollar (umgerechnet 44,6 Millionen Euro) belaufen sollen.

Jener Banker gab auch zu, dass Ecclestone bei den Verhandlungen ein gutes Blatt auf der Hand habe. "Er weiß, dass Singapur ihn braucht, weil die dortige Börse in den vergangenen Jahren keine großen Namen hatte. Und weil er ein gerissener Geschäftsmann ist, wird er sicherlich mit harten Bandagen kämpfen."

Im vergangenen Jahr wählte der Fußballverein Manchester United Singapur als Schauplatz des Börsengangs aus, doch dieser ist bisher nicht passiert. Im Gegensatz dazu führte CVC im Juni 2011 einen umgerechnet 955 Millionen Euro schweren Börsengang der Samsonite-Gepäckmarke in Hongkong an - nur zwei Jahre nachdem das Unternehmen bankrott gegangen war. Die Möglichkeit, in solchen Größenordnungen Finanzmittel aufzustellen, erhofft sich CVC auch von der Formel 1.

Hongkong oder Singapur, das ist hier die Frage

Wenn die Formel 1 entweder in Hongkong oder in Singapur an die Börse geht, bedeutet das aber nicht, dass nur Interessenten aus diesen Ländern dazu in der Lage wären, Anteile zu kaufen. Dies würde jeder Personweltweit offenstehen. Insgesamt wird erwartet, dass etwa 20 Prozent der Formel 1 veräußert werden. Die Mehrheit dieser Anteile stammen vermutlich von der insolventen Bank Lehman Brothers, die der zweigrößte Anteilseigner der Formel 1 ist. Bis 2014 müssen deren Anteile verkauft sein.

Der Aufsichtsrat von Delta Topco besteht aus Ecclestone sowie den beiden CVC-Mitgründern Donald Mackenzie und Rolly van Rappard, Frederique Flournoy, dem Repräsentaten von Ecclestones Familientrust Bambino, und Peter Sherratt, der Lehman Brothers vertritt.

CVC hält 63,4 Prozent der Anteile an Delta Topco, wobei Lehman Brothers zu 15,3 Prozent, Bambino zu 8,5 Prozent und Ecclestone selbst zu 5,3 Prozent beteiligt sind. Die Investmentbank JP Morgan ist mit 3,1 Prozent der Anteile dabei. Die restlichen 4,4 Prozent sind unter dem Management und Beratern aufgeteilt. Sie alle würden in sehr großem Rahmen von einem Börsengang der Formel 1 profitieren.

"Die Formel 1 generiert pro Jahr etwa 380 Millionen Euro an Gewinn und Cashflow. Wenn du diese Gelder auf die richtige Art und Weise kapitalisierst und auszahlen lässt, kommt eine stolze Summe zusammen", meint eine Quelle und merkt an, dass die Bewertung des Unternehmens mit kolportierten zehn Milliarden Dollar (umgerechnet 7,6 Milliarden Euro) "ungefähr hinkommen" könnte.

Die Formel 1 wirft riesige Gewinne ab

Es wird erwartet, dass Ecclestone bei einem Formel-1-Börsengang keine seiner Anteile verkauft - und dass er weiterhin Geschäftsführer bleibt. CVC wird der größte Anteilseigner bleiben und damit für eine langfristige Kontinuität in der Formel 1 sorgen. Seit dem Formel-1-Kauf wurden Maßnahmen getroffen, um die Rennserie mehr zu einem Unternehmen zu formen.

Es wurde eine Kontenprüfung und eine Honorarkomitee eingerichtet, außerdem zwei unabhängige Aufsichtsratsmitglieder engagiert - WPP-Chef Sir Martin Sorrell und der Nestle-Vorsitzende Peter Brabeck-Letmathe. Sie würden ebenfalls im Vorstand bleiben, wenn der Formel-1-Börsengang stattfindet. Unsere Quelle beschreibt den Börsengang als "eine weitere Institutionalisierung des Geschäftsfeldes". Er fügt hinzu, dass die Formel 1 bisher wie nach öffentlichem Firmenstandard geleitet wurde - als Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang.

Laut 'Formula Money' weist Delta Topco einen jährlichen Gewinn von etwa 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) auf. Die größte einzelne Einnahmenquelle stellen die Renngebühren dar, die sich jährlich auf etwa 570 Millionen Dollar (430 Millionen Euro) belaufen. Dahinter folgt der Verkauf der TV-Rechte im Wert von rund 470 Millionen Dollar (360 Millionen Euro). 240 Millionen Dollar (180 Millionen Euro) werden durch die Werbung am Streckenrand generiert, 150 Millionen Dollar (115 Millionen Euro) durch die Hospitality-Bereiche im Fahrerlager und weitere 100 Millionen Dollar (76 Millionen Euro) durch Sponsoren.

Nur zehn bis 20 Prozent der Formel-1-Verträge müssen jedes Jahr erneuert werden. Im Schnitt haben diese Vereinbarungen eine Laufzeit von fünf Jahren. "Das bietet eine exzellente Perspektive auf die Einnahmen und schafft eine Stabilität. Das lieben die Märkte", sagt die Quelle und merkt an: "Das kann sehr attraktive Dividenden mit sich bringen, weil man damit eine Menge Geld machen kann."

Beim Börsengang: Formel 1 muss Bilanz offenlegen

Abgesehen von der Möglichkeit, sich in die Formel 1 einzukaufen, bringt der Börsengang der Formel 1 für die Fans noch deutlich weitreichendere Konsequenzen mit sich. An der Börse notierte Unternehmen müssen der Öffentlichkeit nämlich in jedem Quartal ihre Bilanz offenlegen. Weist diese negative Zahlen auf, kann der Aktienkurs sinken.

Das zwingt die Formel 1 dazu, nach weiteren Möglichkeiten Ausschau zu halten, um Geld zu machen. Dies könnte sich auf Merchandising, Entertainment an der Rennstrecke und mehr Pay-per-View-Übertragungen erstrecken.

Eine Aufteilung der Formel 1 auf frei empfangbare und Pay-per-View-Sender ist eine gute Möglichkeit, um die Einnahmen zu erhöhen, weil sich so die Gebührenzahlungen verdoppeln. Dabei ergeben sich noch weitere Vorzüge, wie sie sich in Großbritannien zeigen, wo Sky Sports einen eigenen Formel-1-Kanal ins Leben gerufen hat.

Dadurch steigt die Bewerbung des Sports. Außerdem zwingt es die BBC dazu, ihre Sendungsqualität zu verbessern, um mithalten zu können. Sollte die Formel 1 an die Börse gehen, wird es in Europa wahrscheinlich mehr solche Deals geben - und das schon recht bald. Innerhalb des nächsten Monats sollte sich herausstellen, ob der Börsengang im Juni erfolgen wird oder schon an der ersten Hürde scheitert.

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