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Marko: "Solche Unfälle sind einfach Schicksal"

Dr. Helmut Marko ist 1972 Ähnliches passiert wie nun Felipe Massa: "Man kann nichts dagegen tun" - Doch herumfliegende Räder müssen verhindert werden

Helmut Marko (Motorsportchef)
Dr. Helmut Marko drängt darauf, die Sicherungen der Räder zu verbessern
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Felipe Massa hatte im Qualifying von Ungarn keine Chance, der Feder auszuweichen, die wie ein Geschoss auf ihn zukam. Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko weiß aus eigener schmerzhafter Erfahrung, wie eine solche Situation für einen Piloten ist. Er verlor 1972 beim Frankreich-Grand-Prix ein Auge, als ein von Ronnie Peterson aufgewirbelter Stein das Visier seines Helms durchschlug.

Im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com' blickt Marko auf seinen eigenen Unfall zurück und erklärt, warum das, was ihm und Felipe Massa passiert ist, einfach Schicksal ist. Er erläutert jedoch auch, warum der tödliche Unfall von Henry Surtees hätte verhindert werden können und warum geschlossene Cockpits keine Lösung wären:

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Frage: "1972 ist Ihnen etwas Ähnliches passiert wie nun Felipe Massa. Damals hat Ronnie Peterson einen Stein..."
Helmut Marko: "Er ist von der Strecke abgekommen und damals gab es keine Leitplanken oder Ähnliches. Und in Clermont-Ferrand lagen viele Steine herum..."

"Sie mussten den Arzt anrufen, der für Augenverletzungen zuständig war. Er war jedoch bei einer Grillparty."
Helmut Marko

Frage: "Der Stein flog durch das Visier und hat Sie am Auge getroffen. Es kursierten damals viele Geschichten: Angeblich wurden Sie zu einer Hütte gefahren, es war kein Arzt dort, dann wurden Sie ins Krankenhaus gebracht und dort hat man verlangt, dass Sie bar bezahlen. Stimmen all diese Geschichten?"
Marko: "Ja, das stimmt alles. Und es hat gedauert, bis der richtige Arzt kam. Der Unfall war etwa 20 Minuten nach dem Start, also gegen 14:20 Uhr. Und erst um 20:00 oder 21:00 Uhr abends kam der richtige Arzt."

Frage: "Und Sie mussten vorab bar bezahlen?"
Marko: "Das ging so viel durcheinander. Erst haben sie mich ins falsche Krankenhaus gebracht, dann in das andere. Sie mussten den Arzt anrufen, der für Augenverletzungen zuständig war. Er war jedoch bei einer Grillparty. Das alles würde einem keiner glauben. Im Krankenhaus haben sie mir gesagt: 'Sie sind kein Franzose, sie haben keine passende Krankenversicherungskarte, deshalb müssen Sie bezahlen'."

Frage: "Und Sie haben dann sechs Stunden gewartet, bis Sie behandelt wurden?"
Marko: "Ja. Und ich hatte große Schmerzen, das können Sie mir glauben."

Frage: "Hätte Ihr Auge gerettet werden können, wenn man Sie sofort behandelt hätte?"
Marko: "Manche sagen ja, aber beweisen kann man es nie."

Frage: "Welche Fortschritte sind im Bereich der Helme gemacht worden. Die Sicherheit der Fahrer ist Ihnen sehr wichtig..."
Marko: "Ich dachte, dass nach meinem Unfall kugelsichere Visiere eingeführt wurden. Aber der Unfall von Felipe zeigt mir, dass Visiere nicht so widerstandsfähig sein können. Mir wurde gesagt, dass der Aufschlag der Feder wie der einer Pistolenkugel war."

"Man hat keine Chance, zu reagieren. Es ist nur ein Schatten..."
Helmut Marko

Frage: "Es hieß, dass Felipe sie nicht einmal kommen sah, weil sie so schnell war..."
Marko: "Ich habe es damals kommen sehen, aber man hat keine Chance, zu reagieren. Es ist nur ein Schatten..."

Frage: "Waren Sie damals direkt hinter Ronnie?"
Marko: "Ronnie ist von der Linie abgekommen. Zunächst sah man nur Staub und dann wurde es schwarz."

Frage: "Das war 1972 beim Französischen Grand Prix und Sie waren damals bei BRM?"
Marko: "Ja, aber die Umstände waren damals nicht normal. Ich bin zum ersten Mal mit einem neuen Chassis gefahren und ich habe nicht ganz hineingepasst. Deshalb war ich zehn oder 20 Zentimeter höher als normal. Damals ist man an die Strecke gekommen und das Team hat das Auto angepasst. Für das nächste Mal sollte ich einen anderen Sitz bekommen, mit dem ich tiefer im Auto gesessen wäre. Dann hätte mich der Stein nicht getroffen."

Frage: "Wurde inzwischen in Sachen Sicherheit enorm viel gemacht oder muss da noch mehr getan werden?"
Marko: "Es hat sehr viele Verbesserungen gegeben. Was mich jedoch beschäftigt, ist der Unfall von Herny Surtees: Räder dürfen einfach nicht herumfliegen. Das kann man vermeiden. Mein Unfall und der von Felipe Massa waren einfach Schicksal. Dagegen kann man nichts tun. Die Feder ist auf der Strecke herumgesprungen. Wenn die Gerade nur ein bisschen anders gewesen wäre, wäre die Feder in eine andere Richtung gesprungen. Ich denke, es würde nicht einmal einem NASA-Computer gelingen, ein solches Programm auszuarbeiten, dass die Feder gezielt Massas Kopf trifft. Das ist Schicksal. Aber es sollte nicht passieren, dass wie beim Unfall von Surtees Räder herumfliegen."

"Es würde nicht einmal einem NASA-Computer gelingen, ein solches Programm auszuarbeiten, dass die Feder gezielt Massas Kopf trifft."
Helmut Marko

Frage: "Es gab 1967 ein Formel-2-Auto, das eine Plexiglaskuppel über dem Cockpit hatte: der Protos, den Frank Costin entworfen hat. Wäre so etwas eine Lösung?"
Marko: "Es ist schwierig, wenn das Cockpit ganz geschlossen ist. Was ist, wenn der Feuerlöscher kaputt ist, wenn es regnet oder man einen Unfall hat man mitten im Reifenstapel steckt? Das Cockpit muss offen sein. Und man muss auch in die Spiegel schauen können. Das ist keine Lösung. Ich wiederhole: Unfälle wie der von Felipe oder mir sind Schicksal."

Frage: "Sie sagen, dass keine Räder herumfliegen dürfen. Müssen die Sicherungen da noch verstärkt werden?"
Marko: "Sie müssen besser befestigt werden. Es war ja nicht das erste Mal, dass Räder geflogen sind. David Coulthard hatte in Monaco im Qualifying einen Unfall und das Rad ist quer durch die Schikane geflogen und zwar höllisch schnell. Wenn dieses Rad jemanden getroffen hätte, wären schwere Verletzungen die Folge gewesen."

"Vielleicht wäre eine weitere Lösung, dass der Reifen ab einer gewissen Aufprallintensität die Luft verliert."
Helmut Marko

Frage: "Es gab in den vergangenen Jahren auch zwei Unfälle in der Formel 1, bei denen Streckenposten von Rädern getötet wurden, Monza und Melbourne..."
Marko: "Ja. Deshalb denke ich, dass an den Radbefestigungen gearbeitet werden muss. Die Fixierung ist das eine, aber vielleicht wäre eine weitere Lösung, dass der Reifen ab einer gewissen Aufprallintensität die Luft verliert. Denn wenn die Luft draußen ist, verliert das Rad seinen Schwung. Ich bin kein Techniker, aber man muss das Thema noch einmal sehr sorgfältig untersuchen."

Sind junge, unerfahrene Piloten eine Gefahr?

Frage: "Jaime Alguersuari musste wegen des Testverbots ins Renngeschehen einsteigen, ohne vorher getestet zu haben. Ist das in Sachen Sicherheit auch ein Rückschritt?"
Marko: "Es wird für junge Fahrer dadurch definitiv wesentlich schwieriger. Man hat die FIA-Regeln und die FOTA-Regeln. Und was hätten wir in unserer Situation tun sollen? Man kann ihn nur ins kalte Wasser werfen. Aber auf der anderen Seite: Entweder kann man fahren oder man kann es nicht. Ich denke nicht, dass er eine Gefahr für die anderen war. Wenn er dem Feld fünf Sekunden hinterhergefahren wäre, hätten wir ihn rausgenommen. Und meiner Meinung nach hat er sich gut geschlagen. Wir haben uns für ihn entschieden, weil er mental einer der stärksten Fahrer ist. Das ist wichtig, wenn man mit einer solchen Situation konfrontiert wird."

"Entweder kann man fahren oder man kann es nicht."
Helmut Marko

Frage: "Wer war in Ungarn der Ersatzfahrer? David Coulthard? Er ist in diesem Jahr aber auch noch nicht im Rennwagen gesessen..."
Marko: "Aber für ihn ist es viel einfacher als für jemanden, der noch nie in so einem Auto gesessen ist."

Frage: "Aber nehmen wir die Massa-Situation: Marc Gené hat in diesem Jahr Le Man gewonnen, aber er ist schon lange kein Formel-1-Auto mehr gefahren..."
Marko: "Er hat aber die nötige Erfahrung. Er wird zwar keine konkurrenzfähige Pace fahren können, aber er wird zurechtkommen. Bei jungen Fahrern ist es so: Wenn es nicht funktioniert, können sie schnell wieder draußen sein. Ich habe Alguersuari gesagt, dass er eine große Chance hat, aber gleichzeitig ein noch viel größeres Risiko. Wir unterstützen unsere jungen Fahrer. Wir haben ihm gesagt, dass wir ihn die ganze Saison über behalten und ihn nicht nach drei Rennen herauswerfen werden."

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