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Ecclestone plant Rennen in Paris

29. Februar 2008 - 12:30 Uhr

Die Formel 1 zieht es in die Städte - Berlin winkt ab: Kein Interesse, und der Nürburgring und Hockenheim bangen nun

Bernie Ecclestone
Ein Rennen in Paris wäre ganz nach Bernie Ecclestones Geschmack
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Nachtrennen in Singapur, rasante Hafen-Rundfahrt in Valencia, Wüsten-Märchen in Abu Dhabi - doch der wohl spektakulärste Plan liegt noch in Bernie Ecclestones Büro in London gut versteckt in der Schublade seines Schreibtisches. Der Formel-1-Boss will mit seinem Wanderzirkus nach Paris, wie er in einem Interview mit dem 'Sport-Informations-Dienst' (sid) verriet.

Schon nächstes Jahr könnte der Große Preis von Frankreich in Paris stattfinden - diesmal allerdings nicht am Grünen Tisch des Automobil-Weltverbandes FIA am Place de la Concorde, sondern mit Formel-1-Rennautos rund um den l'Arc de Triomphe oder das Euro-Disney. "Ich hoffe, dass wir in Paris etwas schaffen können. Wir brauchen einen Platz für den französischen Grand Prix, denn wir werden nicht mehr nach Magny-Cours gehen", sagte Ecclestone dem 'sid'.

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Zeit der traditionellen Strecken vorbei?

Die Zeit der traditionellen Rennstrecken ist endgültig vorbei, das große Geld wartet in den Metropolen dieser Welt. Das jedenfalls ist Ecclestones Fahrplan in eine noch luktrativere Formel-1-Zukunft, in der für Hockenheim und Nürburgring kein Platz mehr sein könnte.

Die traditionellen Rennstrecken werden vielleicht irgendwann weichen müssen, wenn sich auch Deutschland dieser Entwicklung anschließt. Warum eigentlich nicht mit Silberpfeilen durchs Brandenburger Tor in Berlin oder entlang des Hamburger Hafens?

Formel 1 passt nicht zu Berlins Umweltpolitik

"In eine Stadt wie Berlin, die im Sommer voll ist mit Touristen, kann man nicht eine solche Emissions- und Lärmschleuder wie die Formel 1 holen."
Richard Meng

In Berlin hat ein Formel-1-Projekt aus umweltpolitischen Gründen jedoch schlechte Karten. "Das halte ich für undenkbar, geradezu unvorstellbar. In eine Stadt wie Berlin, die im Sommer voll ist mit Touristen, kann man nicht eine solche Emissions- und Lärmschleuder wie die Formel 1 holen", sagte Senatssprecher Richard Meng dem 'sid', wies aber ausdrücklich darauf hin, dass dies seine ganz persönliche Meinung und nicht eine offizielles Statement des Senats sei. Laut Meng diskutiere man in Berlin gerade über einen autofreien Sonntag und mache eine Umweltzone: "Da passt die Formel 1 nicht rein."

Ecclestone hatte zunächst auch an ein Rennen vor seiner Haustür in London gedacht, doch da, wo er letztlich fahren wollte, stand die Startampel für ihn auf Rot. Ein Grand Prix in London oder Paris wäre besser für die Zuschauer und auch besser fürs Fernsehen, meint der 77-Jährige. Dass es künftig kein Rennen mehr in Magny-Cours gebe habe auch die französische Regierung verstanden. Ecclestone: "Wir hatten das Rennen ja ursprünglich schon für dieses Jahr abgesagt." Deshalb hofft der Brite schon für 2009 auf eine Einigung mit Paris.

Die Interessenten stehen Schlange

"Ich denke, 20 Rennen wären gut."
Bernie Ecclestone

An weiteren Kandidaten mangelt es nicht. Laut Ecclestone wird es bald schon Rennen in Indien und Südkorea geben. Auch Russland darf sich wieder Hoffnungen machen. Der Kalender umfasst in dieser Saison 18 WM-Läufe, das ist schon sehr viel, gemessen an den 16 Rennen, die über Jahre der Formel-1-Standard waren. Doch Ecclestone will mehr: "Ich denke, 20 wären gut." Ein Modell wie in der Rallye-WM, wo 24 Veranstalter nur noch in jedem zweiten Jahr einen WM-Lauf haben, lehnt der Formel-1-Boss für seine PS-Show strikt ab.

Ecclestone hat noch einiges vor und denkt trotz seiner 77 Jahre längst nicht an einen Rückzug ins Privatleben. Er mache den Job ja nicht, weil er es müsse, meint der Brite, dessen Vermögen auf mehr als drei Milliarden Euro geschätzt wird. Doch dann überrascht der Zampano und sagt, dass er gerade überlege, wann es Zeit wäre zu gehen. Mit dem Anflug eines Lächelns schiebt er sofort hinterher: "Vielleicht in 30 Jahren."