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Berufungsverhandlung: Ferrari-Anwalt schlägt zurück

15. November 2007 - 16:47 Uhr

Nachdem der McLaren-Anwalt den WM-Titel für Lewis Hamilton forderte, schlug der Anwalt von Ferrari am Donnerstag in London zurück

Kimi Räikkönen vor Lewis Hamilton
Auf der Strecke machte Räikkönen das Rennen - am "Grünen Tisch" auch?
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Die Verlängerung der Formel-1-Saison am "Grünen Tisch" geht in eine weitere Extra-Runde: Erst am Freitag wird das vierköpfige Berufungsgericht des Automobilweltverbandes FIA sein Urteil in der Berufung von McLaren-Mercedes zum Saisonfinale in Sao Paulo bekannt geben und damit erst 26 Tage nach der letzten Zielflagge endlich offiziell den Weltmeister bestätigen.

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen bescheren sie damit eine weitere Nacht mit der Unwissenheit, ob er seinen ersten Titel vielleicht doch noch an "Silberpfeil"-Pilot Lewis Hamilton verliert. Wie schon früher häufiger in ähnlichen Fällen haben sich die Richter auch diesmal über Nacht noch zu Beratungen zurückgezogen.

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Nach der vierstündigen Anhörung am Donnerstag in London, in der nach McLaren-Anwalt Ian Mill nun auch Ferrari-Anwalt Nigel Tozzi deutliche Worte fand, spricht jedoch vieles dafür, dass der Ferrari-Pilot aus Finnland die WM-Krone behalten wird.

Denn bei der Verhandlung wurden vor allem zwei Punkte deutlich, wegen denen neben Tozzi auch der BMW Sauber F1 Anwalt und Williams-Vertreter John Healey die Abweisung der Berufung gefordert hatten: Zum einen das Problem korrekter Temperaturmessungen und zum anderen ein möglicher Verfahrensfehler von McLaren-Mercedes.

Die "Silberpfeile" hätten wohl formal gegen das Rennergebnis protestieren müssen und nicht gegen die Entscheidung der Kommissare in Berufung gehen dürfen, weil sie nicht direkt an diesem Fall beteiligt gewesen seien, meinten die Juristen. Der McLaren-Anwalt hatte dagegen in seinem 79-minütigen Eröffnungs-Plädoyer unter anderem ausgeführt, dass dieses Vorgehen so von den Rennkommissaren in Sao Paulo vorgegeben und angenommen worden sei.

Rechtsanwalt Tozzi legte sich besonders für Räikkönen ins Zeug: "McLaren hätte direkt gegen das Rennergebnis protestieren müssen. Dass sie das nicht gemacht haben, war ein Fehler, und liefert einen guten Grund, Hamilton nicht mehr vorzuziehen", sagte Tozzi. "Das ist nicht der Weg, wie eine Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen werden sollte."

Zumal auch Hamilton selbst, Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und der bei der Verhandlung anwesende McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh mehrfach erklärt hätten, sie wollten nur eine Klärung der Angelegenheit und nicht den nachträglichen Titelgewinn: "Falls sie jetzt doch noch durch die Hintertür zum Titel wollten, könnte man fast glauben, sie seien schamlose Heuchler ohne jede Integrität," sagte Tozzi.

In seinem Schlusswort führte er weiter aus: "Es würde den Sport schwer beschädigen, wenn die Fans das Gefühl bekämen, dass die Weltmeisterschaft durch Manöver von Anwälten und nicht im Kampf auf der Strecke entschieden würde. Wie Hamilton selbst meinte, sollte die Weltmeisterschaft auf der Rennstrecke und nicht im Gerichtssaal vergeben werden."

Die "Silberpfeile" hatten das Berufungsgericht angerufen, nachdem die Rennkommissare des Großen Preises von Brasilien am 22. Oktober in Sao Paulo die Williams-Toyota-Piloten Nico Rosberg (Wiesbaden/Platz 4) und Kazuki Nakajima (Japan/Platz 10) sowie das BMW Sauber F1 Team Duo Robert Kubica (Polen/Platz 5) und Nick Heidfeld (Mönchengladbach/Platz 6) nicht disqualifiziert hatten, obwohl die von der FIA gemessene Benzintemperatur ihrer Autos zwischen zwei und vier Grad Celsius unterhalb des erlaubten Grenzwertes gelegen hatte.

Ein Ausschluss von mindestens zwei vor dem auf Rang sieben gelandeten Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) platzierten Fahrern und dessen Nachrücken würde den 22 Jahre alten Briten nachträglich noch zum Weltmeister machen - wenn das Berufungsgericht denn entscheidet, die anderen Fahrer im Klassement aufrücken zu lassen.

In der Verhandlung wurde vom Technischen Delegierten der FIA, Charlie Whiting, bestätigt, dass die fraglichen zu niedrigen Temperaturen in der Tankanlage und nicht wie eigentlich von der Regel verlangt im Auto selbst gemessen wurden. "Das ist die nächste Temperatur, die wir bekommen können", sagte Whiting, der zudem eine Temperaturabweichung von fünf Grad Celsius zwischen den auf den Ergebnis-Monitoren der 'Formula One Management' (FOM) angezeigten (38 Grad) und der vom offiziellen Wetterdienst 'Meteo France' angegebenen Werten (33 Grad) einräumte.

Messungen von Williams direkt im Tank hätten nach Aussage der Anwälte zudem ergeben, dass die Temperatur in Nico Rosbergs Auto zu keiner Zeit unter 31 Grad und damit innerhalb der Toleranz von 10 Grad unter der Außentemperatur gelegen hätten. Sowohl Williams als auch BMW Sauber F1 vertraten die Ansicht, dass sie keinen Regelverstoß begangen hätten.

Ein FIA-Anwalt erklärte abschließend, dass seiner Meinung nach die Entscheidung der Kommissare bestätigt werden sollte und falls doch noch Disqualifikationen ausgesprochen würden, Hamilton nicht nach vorne rücken sollte. Das sei nach Artikel 168 des International Sporting Code der FIA möglich.

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