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Todt wirft McLaren-Mercedes Heuchelei vor

28. Juli 2007 - 11:30 Uhr

Der Ferrari-Rennleiter holt etwas weiter aus und berichtet über Vorgänge im Vorfeld der "Spionage-Affäre", die ihn besonders ärgern

Jean Todt
Jean Todt ärgert sich weiter über die Vorgänge und die Verhandlung in Paris
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Der Schock bei Ferrari sitzt auch zwei Tage nach der Entscheidung der FIA noch tief. Vor dem Weltmotorsportrat kam McLaren-Mercedes mit einem blauen Auge davon. Zwar sah man es als erwiesen an, dass das Team im Besitz von Ferrari-Dokumenten war, doch einen konkreten Einsatz dieser Daten konnte nicht befriedigend nachgewiesen werden - folglich gab es keine Sanktionen für die "Silberpfeile".

"Ich bin verbittert darüber", so Todt. "Was da passierte, ist eine ernste Sache. Auf der einen Seite wurde eine Schuld erkannt, auf der anderen Seite aber gab es keine Sanktion. Das verstehe ich nicht." Umso schwerer wiegt für den Franzosen, dass er auch eine Verwendung der Daten erkennt, denn McLaren-Mercedes soll diese genutzt haben, um die FIA um eine Klärung bezüglich des Ferrari-Unterbodens zu bitten.

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"Während der Verhandlung haben alle Chefs von McLaren - ohne Ausnahme - zugegeben, dass ihr Chefdesigner schon im März, noch vor dem Australien-Grand-Prix, Dokumente von Nigel Stepney erhalten hat", fuhr er fort. "Einige dieser Daten wurden verwendet, um bei der FIA eine Klärung zu erlangen, die klar gegen uns gerichtet war. McLarens Teamchef und seine engsten Kollegen sprachen an diesem Wochenende aber immer wieder von Zweifeln an 'einigen Autos'."

McLaren-Mercedes habe Daten sehr wohl genutzt

"Die Informationen wurden also dazu genutzt, sich einen Vorteil gegenüber uns zu erarbeiten"
Jean Todt

"Die Informationen wurden also dazu genutzt, sich einen Vorteil gegenüber uns zu erarbeiten. Nicht aber über eine Verbesserung der Leistung, sondern indem unsere begrenzt wurde", erklärte er. "Dabei ist es wichtig zu unterstreichen, dass die Daten, die Ferrari schaden sollten, nur ein Teil der Informationen waren, die McLaren vorlagen. Um die eigenen Aktionen zu rechtfertigen, hat McLaren versucht, eine Immunität für sich zu erreichen, wie sie sonst nur Whistleblowern in einigen Rechtssystemen zusteht."

Doch bei McLaren wurden die Daten - nach Ansicht von Todt - sehr wohl genutzt. "In diesem Fall aber ging er (der Informant; Anm. d. Red.) zu Ferraris Hauptrivalen, der - und dies ist die Ansicht der FIA - große Sorgfalt walten ließ, nicht zu erwähnen, dass die Information auf diesem Weg gewonnen wurde", so Todt weiter.

Als man bei McLaren Schritte unternahm, den Informationsfluss zu unterbinden, war es nach Ferrari-Aussage schon zu spät. "McLaren hat bestätigt, dass sie eine Firewall installieren mussten, damit keine weiteren Informationen von Stepney das Team in Form von Dokumenten erreichen konnte". so Todt. "Hinzu kommt, dass (Mike) Coughlan (Ex-McLaren-Chefdesigner; Anm. d. Red.) gebeten wurde, dies auch Stepney zu sagen, damit er aufhört, Informationen zu senden."

Direkter Beweis ist schwer zu erbringen

"Wir haben bei Ferrari haben ja keinen Zugriff auf das Auto von McLaren"
Jean Todt

"Schade ist, dass Coughlan davor schon bei ihm nach Informationen über unser Bremsbalance-System nachfragte", fuhr er fort. "In Spanien war er dann mit ihm essen, ehe er ruhig mit 780 Seiten von Designentwürfen, Diagrammen, Daten und vielem mehr nach Hause fuhr, mit denen man - wie die FIA mitteilte - einen Formel-1-Ferrari des Jahres 2007 entwerfen, entwickeln und einsetzen konnte. Wie in der Anhörung bestätigt, war der Verstoß schon mit dem Besitz der Informationen gegeben. Schon das ist ein großer Vorteil in einem Sport wie der Formel 1."

Für Ferrari hätte es einen Nachweis über die tatsächliche Verwendung der Daten nicht gebraucht. "Tatsächlich wurde diese Tatsache auf der Basis der Informationen, die der FIA zur Verfügung standen, verwendet, um McLaren schuldig zu sprechen. Das zeigt, dass das Vergehen schon im Besitz liegt, ohne etwas anderes zu beweisen", fuhr der Franzose weiter. "Daher kann ich schwer nachvollziehen, wie diese Strafe einen Sinn ergeben soll. Zudem muss ich sagen, dass es für Ferrari unmöglich ist, den Beweis zu erbringen, dass die Daten auch tatsächlich genutzt wurden. Denn wir haben bei Ferrari haben ja keinen Zugriff auf das Auto von McLaren."

Doch ganz abgesehen vom Verlauf der Verhandlungen und des Ergebnisses dieser: Jean Todt ist besonders enttäuscht, weil er überzeugt ist, dass McLaren-Mercedes gegenüber Ferrari eine Heuchelei betrieben hat. So soll Ron Dennis zu Saisonbeginn einen Schritt auf Ferrari zugegangen sein, um die gegenseitigen Beziehungen zu verbessern. In einem Abkommen wollten beide Parteien darauf verzichten, sich gegenseitig bei der FIA anzuschwärzen.

Todt fühlt sich von McLaren-Mercedes aufs Kreuz gelegt

"Wir waren nur als Beobachter dabei und hatten keine Möglichkeit, eine aktive Rolle zu übernehmen"
Jean Todt

"Ich antwortete ihm, dass ich ihm nicht glauben könne, denn schon bei einigen Gelegenheiten hat sich gezeigt, dass solche Verpflichtungen von McLaren nicht eingehalten wurden", erklärte Todt. "Wir haben dann unsere Meinungen darüber ausgetauscht und glaubten an ihre Absichten. Ich stimmte am 9. Juni zu, das Abkommen zu unterschreiben."

Doch im Nachhinein sieht der 61-Jährige seine Zweifel bestätigt: "Seit dieser Zeit und auch schon davor war sich McLaren bewusst, dass sie im Besitz von zahlreichen Informationen waren, die uns gehörten - nicht nur durch die E-Mails ihres Informanten in unserer Firma, sondern auch dadurch, dass ihr Chefdesigner weiter Kontakt zu ihm unterhielt. Auf der einen Seite haben sie also gesagt: 'Kommt, lasst uns einander vertrauen.' Auf der anderen Seite verschwiegen sie wichtige Fakten und informierten uns nicht darüber, wie es das Abkommen eigentlich vorgesehen hat."

Auch mit der Anhörung selbst war man bei Ferrari nicht sonderlich zufrieden. "Ich möchte anmerken, dass das Treffen am Donnerstag keine Gerichtsverhandlung war, sondern ein Treffen des Weltmotorsportrates der FIA", so Todt. "Dort wurde McLaren nur gebeten, auf die Anschuldigungen zu antworten. Wir waren nur als Beobachter dabei und hatten keine Möglichkeit, eine aktive Rolle zu übernehmen, so wie wir es uns gewünscht hätten. Ich konnte nur einige Fragen stellen und auf einige andere antworten. Aber wir konnten weder unseren Fall auf den Tisch bringen noch weitergehende Dokumente dazu."