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Belgien 1998: Als Stallregie noch völlig legal war...

02. Juni 2007 - 13:36 Uhr

Um den Nichtangriffspakt von McLaren-Mercedes in Monaco gab es viel Wirbel - Eddie Jordan erinnert sich an seine Stallregie von Spa-Francorchamps 1998

Ralf Schumacher und Damon Hill
Siegerehrung in Belgien 1998: Damon Hill jubelt, Ralf Schumacher ist stinksauer

(Motorsport-Total.com) - Durch die britischen Medien ging ein Aufschrei, als Rubens Barrichello seinerzeit beim legendären Österreich-Grand-Prix seinen Ferrari-Teamkollegen Michael Schumacher in der letzten Kurve vorbeilassen musste, und auch der von McLaren-Mercedes angeordnete Nichtangriffspakt zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton in Monaco vor einer Woche erhitzte die Gemüter.

Als Stallregie jedoch eingesetzt wurde, um Damon Hill 1998 zum ersten Sieg des Jordan-Teams zu verhelfen, hatte niemand etwas an einem solchen Vorgehen auszusetzen, schließlich ging es damals um einen Briten - noch dazu im direkten Duell gegen den auf der Insel nicht sonderlich beliebten jüngeren Bruder von Michael Schumacher, Ralf. Der wurde damals nämlich von seinem Teamchef Eddie Jordan zurückgepfiffen.

Nur am Schluss war Schumacher schneller

In dem chaotischen Regenrennen ergab sich kurz vor Schluss das Szenario, dass Hill vor Schumacher in Führung lag, womit vor dem Grand Prix natürlich niemand gerechnet hätte. Noch dazu saß Schumacher im schnelleren Jordan-Mugen-Honda 198, weil er im Gegensatz zu Hill auf ein Regensetup gesetzt hatte. Andererseits war Hill über weite Strecken des Nachmittags der Schnellere gewesen, nur durch die Safety-Car-Phase wurde es noch einmal eng.

"Ralf hatte das schnellere Auto - und er wusste es."
Eddie Jordan

"Ralf", erinnert sich Jordan in seiner Autobiografie 'An Independent Man', "hatte das schnellere Auto - und er wusste es. Damon andererseits hatte die ganze harte Arbeit verrichtet. Bei einem Grand Prix geht es nicht nur darum, was während der paar Stunden am Sonntagnachmittag passiert, sondern auch um die Vorbereitung ab Freitag, wenn es mit dem Training losgeht. So gesehen hatte Damon den Sieg eindeutig mehr verdient als Ralf."

"Wir hatten keine Nummer eins und keine Nummer zwei, aber um Zwischenfälle wie die Kollision zwischen Ralf und Fisichella in Argentinien im Jahr davor zu verhindern, hatten wir uns darauf geeinigt, dass derjenige vorne bleiben soll, der ein paar Runden vor Schluss vorne liegt. Wir wollten einfach keinen Fight zwischen unseren beiden Fahrern, also baten wir sie darum, die Positionen zu halten", so der Ire.

Stallregie ist erst seit 2002 verboten

Im Gegensatz zu heute - inzwischen ist Stallregie ja verboten - konnte der Jordan-Kommandostand in einen direkten Dialog mit den Fahrern treten und das Thema offen diskutieren. Zunächst meldete sich der führende Hill am Funk, der zwar nicht direkt einen Nichtangriffspakt für die Schlussphase forderte, aber effektiv wissen ließ: "Haltet Ralf zurück! Zwingt mich nicht dazu, etwas Dummes zu tun und alles zu riskieren."

"Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er diese Vorbehalte auch gegenüber Michaels kleinerem Bruder nicht ablegen konnte."
Eddie Jordan

Der Brite habe "ganz ruhig" gewirkt, schreibt Jordan in seinem Buch, "aber es besteht kein Zweifel daran, dass er gegenüber Michael nach der Kollision in Adelaide 1994, bei der sein möglicher WM-Titel verloren ging, gewisse Vorbehalte hatte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er diese Vorbehalte auch gegenüber Michaels kleinerem Bruder nicht ablegen konnte." Und das nicht ganz zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte...

Schumacher meldete sich nicht am Funk

Schumachers Renningenieur Sam Michael, heute Technischer Direktor bei Williams, ordnete via Funk an: "Ralf, Positionen halten - greif Damon bitte nicht an!" Doch der junge Deutsche, der damals noch keinen Grand-Prix-Sieg auf seinem Konto hatte und dementsprechend vor Ehrgeiz strotzte, traute seinen Ohren nicht, wollte die Stallorder zunächst nicht wahrhaben und beugte sich nur widerwillig, was ihm auch bei der Siegerehrung ins Gesicht geschrieben stand.

Ralf Schumacher und Eddie Jordan
Waren sich nie hundertprozentig grün: Ralf Schumacher und Eddie Jordan

"Ralf antwortete nicht", so Jordan. "Damon meldete sich wieder und sagte, wir sollen eingreifen, sonst könnte das in Tränen enden. Also sagte Sam Michael zu Ralf, er solle nur seinen zweiten Platz gegen Jean Alesi absichern, aber nicht attackieren. Es kam wieder keine Antwort. Sam wiederholte die Nachricht und sagte, das sei ein Befehl. Stille. Dann bat Sam Ralf, eine Antwort zu geben. Nach einer kurzen Pause sagte er dann: 'Ja, ich höre euch.' Mehr kam nicht."

Kleine Randanekdote: Michael Schumacher, der wegen der legendären Kollision beim Überrunden von David Coulthard einen seiner schwärzesten Nachmittage und beinahe eine Schlägerei mit dem Schotten erlebt hatte, platzte laut Jordans Überlieferung später in die Siegesfeier des irischen Rennstalls - und beschwerte sich darüber, dass sein Bruder nicht gewinnen durfte, anstatt seinem Ex-Team einfach zu gratulieren...

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