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Michael Schumachers erster Spa-ziergang

19. November 2006 - 13:19 Uhr

Nach Michael Schumachers Formel-1-Debüt vor über 15 Jahren in Belgien war dem Jordan-Team klar, dass hier ein zukünftiger Superstar am Werk ist

Michael Schumacher
Schumacher ließ es bei seinem ersten Formel-1-Auftritt gleich richtig fliegen

(Motorsport-Total.com) - Sein Formel-1-Debüt in der Saison 1991 hat Michael Schumacher einem Ausrutscher von Jordan-Pilot Bertrand Gachot zu verdanken, der einen Londoner Taxifahrer mit Pfefferspray besprühte und dafür von der Polizei erst einmal eingesperrt wurde. Teamchef Eddie Jordan musste einen Ersatzfahrer suchen und schnappte sich kurzerhand den damals noch recht unbekannten Michael Schumacher.

Der damalige Geschäftsführer Ian Philips erinnert sich noch gut an den Anruf seines Chefs eine Woche vor dem Rennen in Belgien. Er selbst hatte gedacht, dass man einen erfahreneren Piloten verpflichten wird. Doch Michael Schumacher wurde dem Team "vorgesetzt", also ging der damalige Teammanager und Renningenieur Trevor Foster mit dem Deutschen in Silverstone zu einem kurzen Test, damit er das Auto kennenlernen kann.

"Innerhalb von drei Runden fuhr er schneller als unsere Stammfahrer", erinnert sich Foster gegenüber der 'motorsport aktuell' an die beeindruckenden ersten Runden des jungen Kerpeners. Einzig musste sich Schumacher an den Umgang mit einem britischen Team gewöhnen: "Man konnte förmlich sehen, wie sein Selbstvertrauen wuchs. Zu keiner Sekunde machte er den Eindruck eines jungen Mannes, der von der Situation überwältigt ist. Er tat alles, als sei es das Selbstverständlichste der Welt."

Dem jungen Rennfahrer war schon damals bewusst, wie wichtig Fitness in diesem Sport ist. Und auch wenn er nicht abschätzen konnte, wie belastend es ist, einen Formel-1-Boliden zu bewegen, hatte er sich optimal vorbereitet, wie er Foster damals verriet: "Ich weiß, dass ich austrainiert bin. So weiß ich: Wenn meine Zeiten langsamer werden, dann liegt es an den Reifen, am Motor, an den veränderten Pistenverhältnissen, jedenfalls nicht an mir."

Damit Michael Schumacher das Cockpit bekam, musste Manager Willi Weber flunkern und erklären, dass Schumacher die Strecke von Spa-Francorchamps kenne. Aber in Wirklichkeit kannte er den Ardennenkurs nur aus dem Fernsehen, war noch nie auf ihr gefahren: "Das war ein ziemlicher Schock", erinnerte sich Gary Anderson.

Auf der anspruchsvollen Strecke von Spa-Francorchamps war Schumacher sofort am Limit, fuhr in der zweiten Runde die berühmt berüchtigte 'Eau Rouge' voll, was damals kein Pappenstil war. Das Fahrerlager war verblüfft, wie sich der Rookie im Freien Training unter den schnellsten Acht halten konnte: "Wir waren weniger baff, denn wir hatten ihn ja schon in Silverstone erlebt", so Foster.

Weil es technische Probleme gab, durfte Schumacher in das Auto seines Teamkollegen Andrea de Cesaris wechseln, um weitere Streckenerfahrung zu sammeln - Zeit für Umbauarbeiten zur Abstimmung auf den anderen Fahrer hatte man jedoch nicht: "Wir hatten nicht mal die Zeit, die Pedale anzupassen. Und er fuhr auf Anhieb schneller als Andrea. In dessen Auto..."

Michael Schumacher war sich an diesem Wochenende sicher, dass "es keinen Grund gibt, der gegen einen Sieg spräche, wenn das Auto gut liegt", wie sich Foster erinnert. Das klinge vielleicht eingebildet, doch das Nachwuchstalent sei es damals nicht gewesen: "Ich bin bis heute überzeugt, Michael hätte sein erstes Rennen auf dem Podest abgeschlossen. Ich weiß nur nicht, auf welcher Stufe." Doch eine überhitzte Kupplung ließ Schumacher von Startplatz sieben aus nur einen halben Kilometer weit kommen.

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