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Vorschau: WTCC in Marrakesch

'Motorsport-Total.com' blickt voraus auf das zweite Rennwochenende der WTCC in Marokko: Wer kann Chevrolet in Marrakesch ein Schnippchen schlagen?

(Motorsport-Total.com) - Fast acht Wochen sind vergangen, seit die Tourenwagen-WM im brasilianischen Curitiba in ihr neues Rennjahr gestartet ist. Nun kehren die Protagonisten der WTCC aus der langen Rennpause zurück - die beiden WM-Läufe von Mexiko hatten die Verantwortlichen kurzfristig abgesagt. Entsprechend groß ist die Vorfreude des 24-köpfigen Starterfeldes, in Marrakesch endlich wieder Rennen zu fahren.

Marrakesch

Die WTCC fährt am Wochenende vor der Kulisse des mächtigen Atlas-Gebirges Zoom

Die "Perle des Südens" - nach Casablanca und der Hauptstadt Rabat die größte Stadt Marokkos - verfügt neben einem sehr modernen Stadtkurs auch über diverse touristische Highlights. Vor knapp 1.000 Jahren gegründet, wurde der historische Stadtkern von Marrakesch 1985 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt und zeichnet sich nicht zuletzt durch seine einmalige Kulisse aus.#w1#

Marrakesch begrüßt die Tourenwagen-WM in Afrika

Marrakesch liegt am Fuße des zumeist schneebedeckten Atlas-Gebirges und weist viele historische Bauwerke auf, welche das Stadtbild beleben und alljährlich viele ausländische Besucher anlocken. Zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten zählen die Koutoubia-Moschee aus dem zwölften Jahrhundert, die bekannten Menara-Gärten sowie der "Platz der Geköpften" ("Djemaa el Fna") im Stadtzentrum.

Andy Priaulx

Andy Priaulx bei seiner ersten Ausfahrt auf dem Circuit de Marrakech im Jahr 2009 Zoom

Kurze Wege bieten die örtlichen Gegebenheiten der Tourenwagen-WM, liegt der Ménara International Airport doch nur wenige Kilometer vor den Toren von Marrakesch - und auch die Rennstrecke ist nur einen Steinwurf entfernt von den Rollbahnen des Flughafens, der jährlich etwa 3,1 Millionen Reisende in seinen An- und Abflughallen begrüßen kann - was fast dem doppelten Wert von 2004 entspricht.

So kommt es nicht von ungefähr, dass sich die WTCC 2009 ausgerechnet Marrakesch als neuen Platz für ein Rennwochenende ausgesucht hat. Die boomende Großstadt hat tief in die Finanztaschen gegriffen und für umgerechnet 25 Millionen einen modernen Straßenkurs errichtet, der seinen Pendants in Amerika, Asien und Europa in Nichts nachsteht - nun kehrt die Tourenwagen-WM zurück.

Marokko ist wieder WM-Standort

Bereits 1958 war Marokko Gastgeber für ein Rennsport-Event der Superlative, konnten die Einwohner von Casablanca im Vorort Ain Diab doch die Formel 1 willkommen heißen. Das Rennen auf der 7,7 Kilometer langen Piste wurde allerdings vom tragischen Unfall von Vanwall-Pilot Stuart Lewis-Evans überschattet. Der britische Rennfahrer erlag wenige Tage später seinen schweren Verletzungen.

Streckenarbeiten in Marrakesch

In Marokko wurde lange gebaut - und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen Zoom

Nur vier Jahre darauf kehrte die Formel 1 nach Afrika zurück und spulte in den folgenden Jahrzehnten ihre (unregelmäßigen) Runden in Südafrika ab. Nach Stirling Moss 1958 trug sich Rennfahrer-Idol Jim Clark 1962 in die Siegerliste von Afrika ein, die 1993 von "Professor" Alain Prost beschlossen wurde. Nach dem Grand Prix in Kyalami sollte es 16 Jahre bis zum nächsten WM-Event in Afrika dauern.

Am 3. Mai 2009 war es schließlich soweit: Marokko war einmal mehr Schauplatz für eine waschechte Premiere - und auch in diesem Jahr dürften sich die Teams der Tourenwagen-WM wieder einen heißen Tanz in Marrakesch liefern. Sprichwörtlich, denn die Temperaturen erreichten bereits am Donnerstag über 37 Grad Celsius. Der Stimmung im Fahrerlager tut dies aber wohl keinen Abbruch.

Vier marokkanische Rennfahrer sind am Start

"Es hat doch nur 37 Grad. Ich kann es kaum erwarten, vier Lagen Rennkleidung, meine Balaklava und dem Helm anzuziehen und mich dann in meine noch heißere Kiste zu setzen, um mit dem Training zu beginnen", witzelt Bamboo-Pilot Harry Vaulkhard via 'Facebook'. Der Brite ist schon sehr gespannt: "Ich war noch niemals auf einem Stadtkurs. Das wird also eine sehr interessante Geschichte."

Nicola Larini

Endlich! Nicola Larini feierte in seiner letzten WTCC-Saison seinen ersten Sieg Zoom

Eine vollkommen neue Erfahrung wird das Wochenende in Marrakesch auch für die einheimischen Gaststarter: Youssef El-Marnissi, Ismail Sbai und Larbi Tadlaoui treten für das Maurer-Team an und werden drei Chevrolet Lacetti pilotieren. Gemeinsam mit Wiechers-Pilot Mehdi Bennani sorgt das marokkanische Trio dafür, dass 2010 gleich vier afrikanische Rennfahrer mit von der Partie sind.

Der Fokus der Aufmerksamkeit ruht in diesem Jahr allerdings in erster Linie auf dem Werksteam von Chevrolet. Die Cruze-Mannschaft landete beim Auftaktrennen in Curitiba einige tolle Erfolge und geht zudem als "Titelverteidiger" von Marrakesch an den Start - Rob Huff siegte 2009 im ersten Rennen, Nicola Larini feierte in Lauf zwei den ersten und einzigen "Zehner" in seiner WTCC-Karriere.

SR ist optimistisch, BMW eher zurückhaltend

Neben Chevrolet gelten nicht zuletzt auch die diversen SEAT-Piloten als große Favoriten auf den Sieg in Marokko. SR-Teamchef Joan Orús gibt sich diesbezüglich zuversichtlich: "Wir haben ein starkes Autos und sollten dort gut unterwegs sein. Mittlerweile haben wir etwas Erfahrung mit diesem Kurs und sind überzeugt davon, dass der eine oder andere Sieg sicherlich drin ist für uns", so der Spanier.

Sergio Hernandez, Jörg Müller, Augusto Farfus, Alessandro Zanardi, Andy Priaulx

Für BMW war Marrakesch im vergangenen Jahr kein überaus gutes WTCC-Pflaster Zoom

Bei BMW stapelt man indes tief - im vergangenen Jahr kamen die Münchener in Marrakesch nicht allzu gut zurecht. "Das Streckenlayout spielt uns nicht unbedingt in die Karten", meint BMW Team RBM Teamchef Bart Mampaey vor dem zweiten Saisonevent. "Trotz der schwierigen Ausgangslage werden wir hart darum kämpfen, mit einem Erfolgserlebnis aus Nordafrika zurückzukehren."

Nichts anderes hat auch Fredy Barth (SEAT) im Sinn. Der Schweizer bringt in Marokko eine neue Lackierung an den Start, möchte bei seinem zweiten Auftritt im Rahmen der WTCC aber nicht nur optisch für Furore sorgen. Gleichwohl gilt für den WM-Neuling auf der 4,624 Kilometer langen Strecke vorrangig: Erfahrung sammeln. "Ich werde nicht auf maximale Attacke fahren", sagt der 30-Jährige.

Kann Engstler auch 2010 positiv überraschen?

Eine solche Taktik liegt auch Franz Engstler (BMW) fern. Der einzige deutsche WTCC-Fahrer konnte bereits im vergangenen Jahr durch sein couragiertes Auftreten überzeugen - nachdem er den "inneren Taschenrechner" ausgeschaltet hatte, wie Teammanager Kurt Treml gegenüber 'Motorsport-Total.com' erläutert: "Wenn du in Marokko schnell sein willst, musst du brutal über die Kerbs räubern."

Yvan Muller, Nicola Larini, Robert Huff, Franz Engstler

Franz Engstler durfte 2009 gemeinsam mit den Chevrolet-Piloten aufs Treppchen Zoom

"Da haben wir uns gesagt: Entweder, wir machen dieses Spiel mit oder wir können gleich daheim bleiben. Dann hat sich Franz wirklich überwunden und hat die Kerbs vollkommen einbezogen. Das war aber nur möglich, weil wir mit KW ein absolut perfektes Setup erarbeitet hatten. Wir waren nicht umsonst schnellster BMW", meint Treml. Der verdiente Lohn war der Klassensieg im zweiten Rennen.

"Das war sehr erfolgreich", sagt der Teammanager der Engstler-Mannschaft. "Als Privatier tut dem Franz eine solche Fahrweise allerdings regelrecht im Herzen weh" - für Schäden müssen die Trophy-Piloten bekanntlich selbst aufkommen. Doch für 2010 ist Besserung in Sicht: Weil in diesem Jahr auch die Formel 2 am Start ist, wurden einige Passagen der Rennstrecke etwas abgeflacht und entschärft.

Rückblick: Marrakesch 2009

Chevrolet hatte die Konkurrenz im vergangenen Jahr gut im Griff. Die Mannschaft von Eric Nève profitierte vom neuen Kompensationsgewicht und hielt die Rivalen sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen sicher auf Distanz. Huff und Larini bescherten dem neuen Cruze die ersten Rennerfolge in der WTCC, wohingegen Bennani bei seinem Debütrennen gleich zum Klassensieg raste.

Fakten zum Rennwochenende in Marrakesch (Marokko):

Streckenlänge: 4,624 Kilometer
Renndistanz: Zwei Rennen à 11 Runden

Die Sieger in Marrakesch 2005-2009:
2005: nicht im Kalender
2006: nicht im Kalender
2007: nicht im Kalender
2008: nicht im Kalender
2009: Rob Huff (Chevrolet), Nicola Larini (Chevrolet)

Rundenrekorde:
Qualifikation: 1:49.789 Minuten - Rob Huff (Chevrolet, 2009)
Rennen: 1:50.833 Minuten - Rob Huff (Chevrolet, 2009)

Der Zeitplan in der Übersicht (MESZ):

Freitag, 30. April 2010
16:00-16:30 Uhr - Testsession

Samstag, 01. Mai 2010
11:00-11:30 Uhr - 1. Freies Training
14:15-14:45 Uhr - 2. Freies Training
16:15-16:45 Uhr - Qualifikation Q1
16:50-17:05 Uhr - Qualifikation Q2

Sonntag, 02. Mai 2010
11:30-11:45 Uhr - Warmup
15:20-15:50 Uhr - Rennen 1
16:35-17:05 Uhr - Rennen 2

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