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  • 05.09.2015 · 11:44

  • von Armin Schwarz

Armin Schwarz: "Toyota wird versuchen, Ogier zu bekommen"

Armin Schwarz nimmt in seiner Kolumne den Fahrermarkt der Rallye-WM unter die Lupe: Unter welchen Umständen könnte Sebastien Ogier Volkswagen verlassen?

Liebe Freunde des gepflegten Driftwinkels,

Armin Schwarz

Mein nächster Renneinsatz ist die Imperial Valley 250 Ende September Zoom

vor der Saison wurde im Winter viel über die Startreihenfolge diskutiert. Im Endeffekt hat Sebastien Ogier - mit Ausnahmen wie Portugal oder Finnland - trotzdem immer gewonnen. Deswegen war ich schon immer der Meinung, dass Sebastien nicht jammern soll, sondern seinen dritten Titel so wie Juha Kankkunen, Tommi Mäkinen oder Carlos Sainz holen soll. Sie mussten jahrelang als Erster starten und wurden auch Weltmeister. Ogier hat auf sehr hohem Niveau gejammert, denn er will immer der Schnellste sein. Er ist auch der Schnellste, also spielt es für mich keine große Rolle, ob er als Erster oder Dritter wegfährt, weil er den anderen überlegen ist.

Der Sieg in Finnland war ein kleiner Befreiungsschlag für Jari-Matti Latvala, denn wenn er dort Zweiter gewesen wäre, hätten ihn die finnischen Zeitungen und Fans in der Luft zerrissen. Er hat über all die Jahre keine Chance gegen Ogier, aber in Finnland gewinnt man als Finne. Das sind die Fans aus der Vergangenheit gewöhnt. Nichts anderes als ein Sieg wird dort von ihm erwartet. Mit seinem Erfolg hat er die Erwartungen erfüllt und auch im Team seine Position bestätigt.

Wenn bei Volkswagen nichts schlief läuft, hat die Konkurrenz keine Chance. In den vergangenen Tagen hat Marcus Grönholm schon erste Tests mit Blick auf das neue Reglement 2017 durchgeführt. Wenn sie jetzt schon mit den ersten Testfahrten beginnen, dann sind sie der Konkurrenz auch diesbezüglich meilenweit voraus. Der aktuelle Polo hat keine Schwachstellen und läuft zuverlässig. Deswegen kann Volkswagen in aller Ruhe agieren und das Auto für 2017 bauen.

Ich schätze, dass Marcus bei diesem Test Messfahrten durchgeführt hat und vielleicht neue Komponenten ausprobiert wurden, die man jetzt analysieren kann. So früh kann ich mir noch nicht vorstellen, dass sie ein Auto für das 2017er-Reglement fertig haben. Zum Vergleich geht Hyundai einen ganz anderen Weg und entwickelt für 2016 ein neues Auto, bevor anschließend für 2017 schon wieder ein neuer Wagen entwickelt werden muss - das kostet Zeit, Geld und Manpower.

Toyota muss Ogier ein Angebot unterbreiten

Ogier hat seinen Vertrag mit Volkswagen verlängert. Er hat mit Kim Vatanen, dem Sohn von Ari Vatanen, einen gewieften Manager. Er wird sicher die Gespräche mit Tommi Mäkinen und Toyota suchen. Tommi wird sicher versuchen, den besten Fahrer zu bekommen, weil er genau weiß, nur der beste Fahrer kann die Leistung bringen, wenn das Auto funktioniert. Über kurz oder lang wird für Toyota kein Thema an Ogier vorbeiführen.


TMG testet Yaris in Malaga

Ich denke, Ogier wird bei Volkswagen bleiben, bis es ein adäquates oder dementsprechend lukratives Angebot gibt. Ob dann Volkswagen mitbietet oder nicht, ist momentan spekulativ. Alle anderen Fahrer fahren ohnehin in einer anderen Kategorie. Bei Ford, Citroen, Hyundai und eben dann bei Toyota muss man sich nach der zweitbesten Generation hinter Ogier umsehen. Thierry Neuville muss sich warm anziehen, denn bei der Rallye Deutschland war Dani Sordo wieder einmal schneller, obwohl der Spanier über das Jahr gesehen nicht so stark ist.

Evans und Paddon überzeugen

Hayden Paddon hat auf Schotter immer sein Können gezeigt, aber er ist kein Spezialist auf Asphalt. Dementsprechend gibt es nach Ogier derzeit keinen zweiten Allrounder. Wer mich trotzdem überrascht ist Elfyn Evans. Er zeigt im Ford für sein Alter und Erfahrung eine wirklich gute Leistung. Ich denke, dass er mit Paddon auf einem Niveau liegt. In den nächsten Jahren könnte sich Evans in einem anderen Auto auch gut präsentieren, weil er wenig Fehler macht, aber trotzdem für sein Alter schnell fahren kann.

Nachwuchsmann Stephane Lefebvre wird sicher bei Citroen fahren, weil ein Franzose in einem französischen Auto eine gute Sache ist. Yves Matton muss sein Budget zwischen WTCC und WRC aufteilen. Das ist schon ein Nachteil zu früher, als alles nur für und um Sebastien Loeb getan wurde.

Wenn ein junger Franzose gut fährt, wird er der eigenen Marke mehr bringen, als wenn Matton einen anderen Fahrer sucht. Ich denke aber nicht, dass Lefebvre bei Schotter-Rallyes die gleiche Leistung wie in Deutschland bringen wird. In Deutschland wurde er mit fünf Minuten Rückstand Zehnter. Das ist zwar eine gute Leistung, aber weit weg von dem, was Citroen benötigt war.

Vor einigen Jahren wurde Ogier als Loeb-Nachfolger aufgebaut, aber schon vor dessen letztem Jahr kam es zu Unstimmigkeiten. Citroen hat Loeb praktisch einen lebenslangen Vertrag gegeben. Damit war klar, welche Position er bei Citroen hat. Selbst wenn Ogier geblieben wäre, hätte er das nie erreichen können. Der Weggang war für ihn schon der richtige und wichtige Weg. Mit zwei solchen Alpha-Tieren hätte und hat das nicht funktioniert.

Rückzug? Für Citroen wird es immer schwieriger

Bei Citroen ist die Zukunft noch nicht entschieden, ob man Ende 2016 aus der WRC oder der WTCC aussteigt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie sich zur WTCC bekennen, weil es in der Rallye-WM nicht einfacher wird. Citroen hatte im Rallye-Sport so viele Erfolge, und es wird sehr schwer, wieder auf dieses Level zu kommen. Sie hatten mit Loeb den besten Fahrer und konnten ihr komplettes Programm auf ihn zuschneiden. Jetzt haben sie keinen Loeb und es wird schwierig, einen neuen zu finden. Ich würde mir wünschen, dass sie in der WRC bleiben, aber ich denke, dass die Tendenz Richtung Rundstrecke geht, auch weil man dort mit einem kleineren Budget auskommt.

"Ich könnte mir vorstellen, dass sie sich zur WTCC bekennen, weil es in der Rallye-WM nicht einfacher wird." Armin Schwarz über Citroen

Kehren wir in die Gegenwart zurück. Für Volkswagen ergibt sich jetzt die gleiche Krux wie in den vergangenen beiden Jahren. Jetzt haben sie zwar die Rallye Deutschland gewonnen, aber der WM-Titel wird wahrscheinlich in Australien entschieden. Das ist durch die Zeitverschiebung und Distanz natürlich schwieriger zu vermarkten. In Deutschland wäre ein Titelgewinn schöner und viel effektiver gewesen, vor allem weil auch viele tolle Fans vor Ort waren und für Stimmung gesorgt haben. Auch medial wäre es in Deutschland viel effizienter gewesen als in Down Under.

In Australien wird Ogier zu 99 Prozent zum dritten Mal Weltmeister. Damit setzt sich die Volkswagen-Dominanz fort. In Zukunft könnte mit Toyota ein großer Gegner auf der Bildfläche erscheinen. Lest am Sonntag, wie ich das Projekt von Tommi Mäkinen bewerte und welche Problematik ich unter Umständen auf Toyota zukommen sehe.

Bis morgen!

Euer,

Uwe Winter