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Darum hat Jota mit starker Performance beim WEC-Finale "nicht gerechnet"

Der Jota-Porsche #38 überzeugte beim WEC-Finale in Bahrain mit einer starken Performance - Teamchef Dieter Gass verrät, warum das Team "nicht damit rechnete"

(Motorsport-Total.com) - Das private Jota-Team sorgte beim WEC-Finale in Bahrain mit dem Porsche 963 für Aufsehen und kämpfte lange Zeit um das Podium, bis das Fahrer-Trio infolge einer Durchfahrtsstrafe endgültig auf den vierten Platz zurückgeworfen wurde. Diese starke Performance überraschte Jota sogar selbst: "Wir haben insbesondere an diesem Wochenende nicht mit so einer Performance gerechnet, muss ich ehrlich sagen", verrät Teamchef Dieter Gass.

Titel-Bild zur News: Antonio Felix da Costa, Yifei Ye

Der Jota-Porsche #38 hinterließ in Bahrain einen starken Eindruck Zoom

"Das war eines der Wochenenden, wo wir am meisten darunter gelitten haben, dass wir nur ein Auto haben", begründet der ehemalige Audi-Sportchef im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Wir hatten jede Menge Programm zu testen, mit den Reifen, dem Spritverbrauch für das Rennen und verschiedenen Neuerungen in den Systemen, die wir von Porsche bekommen haben."

Allerdings kam das private Porsche-Team, das mit Antonio Felix da Costa, Will Stevens und Yifei Ye am Start war, gar nicht dazu: "Durch den Sandsturm, den Regen und die roten Flaggen, war das natürlich nicht möglich", erinnert Gass. "Wenn man bei solchen Bedingungen nur ein Auto hat, dann kriegt man ganz einfach keine Ergebnisse in dem Testprogramm, das man erarbeitet hat."

"Von daher waren wir einschließlich bis zum Qualifying nicht glücklich", verrät der Deutsche, dessen Jota-Mannschaft für das Wüstenrennen in Bahrain die plötzliche Wende schaffte: "Da kann ich nur meinen Hut vor allen Beteiligten ziehen, dass wir das Auto über Nacht so umgedreht haben und heute [am Samstag] zu einem sehr guten Rennauto gemacht haben."

Jota-Porsche "auch im Hellen schnell"

Schon beim Start des Rennens profitierte Jota von der Kollision zwischen Toyota und Cadillac. "Das hat natürlich geholfen, denn dadurch haben wir Positionen gewonnen", so Gass, der diesen Vorteil allerdings relativierte: "Bei einem Acht-Stunden-Rennen ist der Einfluss nicht so groß."

Vor allem in der zweiten Rennhälfte machte der Jota-Porsche einen starken Eindruck, allerdings wurde der Grundstein für den Erfolg schon in der Anfangsphase gelegt. "Schon am Anfang sind wir gut unterwegs gewesen", bestätigt Gass gegenüber Motorsport-Total.com. "Wir haben die Reifen gemanagt und der dritte Stint von Ye war extrem stark."

Antonio Felix da Costa, Yifei Ye

Yifei Ye fuhr bei Jota "den besten Stint des Rennens" Zoom

Dass der Porsche 963 bei Dunkelheit und den kühleren Temperaten besser zurechtkam, kann der Jota-Teamchef nicht bekräftigen: "Auch im Hellen, also bei den höheren Temperaturen, war Ye sehr gut unterwegs", freut sich Gass. "Der ist schnell, da gibt es keine Frage. Das hat er heute unter Beweis gestellt."

Gass: Strafe "extrem ärgerlich und unnötig"

Dass Jota am Ende trotzdem nicht auf das Podium klettern durfte, ist einer unglücklichen Durchfahrtsstrafe geschuldet. Felix da Costa unterlief ein folgenschwerer Fehler, als er in der ersten Kurve in die Auslaufzone rutschte und bei der Rückkehr auf die Strecke direkt vor den TF-Sport-Aston-Martin #777 (Talbot/Stevenson/Fujii) zog.

"Das ist extrem ärgerlich und unnötig, aber leider passiert das mitunter", sagt Gass zu Motorsport-Total.com. Dass das Team den Portugiesen vor dem GTE-Auto hätte warnen können, glaubt der Teamchef nicht, zumal die Situation im Live-TV nicht gezeigt wurde.

"Das sieht man nicht, und dann ist man auch nicht schnell genug, um dem Fahrer zu sagen, wie er in dieser Situation fahren muss", so Gass. Die Durchfahrtsstrafe sorgte dafür, dass das Podium für den Jota-Porsche mit der Startnummer 38 in weitere Ferne rückte und am Ende lediglich der vierte Gesamtrang möglich war.


Fotos: WEC 2023: Saisonfinale in Sachir


Ferrari beim Schlussspurt im Vorteil

Bis zum Schluss lieferte sich das Porsche-Team allerdings ein enges Duell mit dem Ferrari 499P von AF Corse, der auch in Bahrain wieder überraschend stark war. "Wir waren überrascht, dass Ferrari mit dieser Pace einen 32-Runden-Stint fahren konnte", verrät Gass, der am Schluss "betete, dass uns der Toyota nicht überrundet".

Die Hoffnung war, dass Ferrari entweder die Geschwindigkeit reduzieren oder einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen würde, was Jota auf das Podium gebracht hätte. "Die 32-Runden-Stints, die er vorher gefahren ist, waren nicht auf dem Pace-Niveau wie der Letzte", grübelt der Jota-Teamchef.

"Daher haben wir gedacht, dass er es von der Energie nicht schaffen würde", so Gass, dessen Jota-Mannschaft am Ende allerdings das Nachsehen hatte: "Er hat es dann doch geschafft, dadurch sind wir dann leider Vierter geblieben."

Ferrari-Technikdirektor Ferdinando Cannizzo verrät, dass sich das Team im Rennen für die harten Reifen entschied: "Ich denke, dass die Medium-Reifen in den ersten paar Runden eindeutig schneller sind, aber dann ein wenig nachlassen", erklärt der Italiener.

Antonio Felix da Costa, Yifei Ye

Jota musste sich im Kampf gegen Ferrari geschlagen geben Zoom

Zudem wollte Ferrari "ein konstantes Auto" haben, das im Laufe des Stints nicht zu stark an Pace verliert. "Für uns war das wirklich die richtige Entscheidung", bestätigt Cannizzo. "Und ich denke, das haben auch alle anderen Wettbewerber getan."

Porsche freut sich für das Kundenteam

Dass das private Jota-Team die Porsche-Werksmannschaft schlägt, ist überraschend, aber für den Hersteller kein Problem. "Ich freue mich für Jota", sagt Urs Kuratle, Leiter Werksmotorsport LMDh bei Porsche. "Es ist ärgerlich, dass wir einige Fehler gemacht haben, aber auch Jota war nicht fehlerfrei."

Insgesamt sei der 963 beim WEC-Finale in Bahrain "ein Auto für das Podium" gewesen, glaubt Kuratle, dessen Penske-Werksmannschaft das Rennen nach einigen Schwierigkeiten auf den Plätzen fünf und sieben beendete. "Aber wir haben es nicht zusammengebracht, damit bin ich nicht zufrieden. Auch für Jota nicht."

"Sie hatten kein einfaches Rennen mit der Strafe, aber sie waren heute besser als wir", musste Kuratle eingestehen. "Also Gratulation an Sie! Sie haben uns geschlagen."

Toyota wegen Jota-Performance um Doppelsieg "besorgt"

Auch an der Konkurrenz ging die Performance des privaten Porsche-Teams nicht vorbei. "Das beeindruckendste Auto war der Porsche #38, denn er war schneller als wir", muss Pascal Vasselon, der technische Direktor von Toyota, eingestehen.

Er war zeitweise sogar "sehr besorgt", dass der Jota-Porsche die beiden führenden Toyota einholen könnte. "Der Druck hat etwas nachgelassen, als er die Durchfahrtstrafe bekam", sagt der Franzose. "Aber er war wirklich schneller als wir und fuhr den besten Stint des Rennens."

Zwar hätte Jota das WEC-Finale in Bahrain nicht gewinnen können, aber er hätte sich zumindest den zweiten Platz schnappen können, glaubt Vasselon. "Ja, er hätte die #7 einholen können", vermutet der technische Direktor von Toyota. "Das war also wirklich ein Problem für uns!"

Antonio Felix da Costa, Yifei Ye

Der private Jota-Porsche sorgte bei der Konkurrenz für Sorgenfalten Zoom

Im Gespräch mit Motorsport-Total.com verrät Vasselon, welcher Konkurrent ihn in dieser Saison am meisten beeindruckt hat. "Wenn wir über die beste Entwicklung sprechen, dann ist es Porsche", sagt der Franzose. "Ganz klar Porsche, denn wir haben einen ersten Schritt in Le Mans gesehen."

"Und in Fuji war Porsche noch viel, viel näher dran", erinnert der Franzose, der Porsche auch im kommenden Jahr auf der Rechnung haben wird - und zwar sowohl die Werksmannschaft als auch die private Jota-Truppe, die nach dem starken WEC-Finale nicht zu unterschätzen ist. "Die beste Steigerung in dieser Saison ist bei Porsche zu erkennen."

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