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Markus Reiterberger: "Würde mein Geld auf Rea setzen"

Die starke Form der Ducatis überrascht Markus Reiterberger, der sich gut vorstellen kann, dass Marco Melandri und Jonathan Rea 2018 den Titel unter sich ausmachen

(Motorsport-Total.com) - Der Auftakt der Superbike-WM-Saison 2018 in Australien hielt einige Überraschungen bereit. Kawasaki wurde der Favoritenrolle nur bedingt gerecht. Weltmeister Jonathan Rea musste sich mit den Plätzen fünf und zwei zufriedengeben und liegt nach den beiden ersten Rennen nur auf Platz drei der Fahrerwertung. Dafür präsentierte sich Routinier Marco Melandri (Ducati) in erstaunlich starker Form und gewann auf Phillip Island beide Läufe. Ex-WSBK-Stammpilot Markus Reiterberger verfolgte den Saisonauftakt am heimischen TV und blickt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' auf das Event in Australien zurück.

Marco Melandri, Jonathan Rea

Machen Jonathan Rea und Marco Melandri den WM-Titel unter sich aus? Zoom

"Ich habe beide Rennen live angeschaut", bemerkt Reiterberger, der nach den Wintertests mit einem anderen Ausgang gerechnet hätte. "Ich war vom Topspeed der Ducatis und deren überlegener Vorstellung überrascht. Bei den Wintertests sah man, dass sie enorme Probleme hatten durch die Limitierung der Drehzahl. Ducati hat den Motor angepasst. Er ist fahrbarer und ermöglichte zwei Siege. Rea war im zweiten Rennen stärker, doch er wurde einfach ausbeschleunigt. Da konnte er überhaupt nichts machen."

Kawasaki-Teamkollege Tom Sykes präsentierte sich auf Phillip Island ungewohnt stark. Der flüssige Kurs lag dem Weltmeister von 2013 in der Vergangenheit nie besonders gut. Er reist als WM-Zweiter nach Thailand. "Sykes war auf Phillip Island richtig gut unterwegs, vor allem in Lauf eins. Im zweiten Rennen lief es nicht ganz so gut. Er war aber dennoch richtig schnell, während Rea Probleme hatte. Ich denke, beide Kawasakis sind siegfähig und werden das auch im Rest der Saison sein", prophezeit Reiterberger.

Melandri stärker als Davies?

Und auf wen würde der IDM-Champion in diesem Jahr sein Geld setzen? "Ich würde mein Geld weiter auf Johnny Rea setzen, weil er der stärkste Fahrer ist. Aber wenn ich mir anschaue, in welcher Form sich Marco Melandri momentan befindet, dann denke ich, dass die beiden den Titel unter sich ausmachen werden. Davon bin ich überzeugt."

Chaz Davies, Marco Melandri

Marco Melandri war auf Phillip Island schneller und konstanter als Chaz Davies Zoom

Vizeweltmeister Chaz Davies hat Reiterberger nicht auf der Rechnung? "Davies wird auch noch gute Rennen zeigen. Er ist sehr stark. Aber leider wirft er es immer wieder weg, wenn es drauf ankommt", spielt er den Sturz in Lauf zwei an. "Wenn er das in den Griff bekommt, dann ist er auch bei der Musik dabei. Er hat aber erneut 25 Punkte weggeschmissen und liegt zurück."

Zu viel möchte Reiterberger nicht in die Ergebnisse des ersten Rennwochenendes reindichten. "Phillip Island ist nicht zwingend mit den anderen Kursen zu vergleichen. Es ist eine spezielle Strecke", weiß der dreifache IDM-Champion, der ab Aragon stabilere Leistungen erwartet. "Beim Europaauftakt werden wir es wissen", hält er fest.

Neue Regeln zeigen kaum Wirkung

Die neuen Regeln haben die Kräfteverhältnisse nicht so stark verändert, wie einige Experten vor dem Start der neuen Saison erwarteten. Kawasaki und Ducati sind nach wie vor führend, dahinter folgen Yamaha, Aprilia und Honda. "Die Hersteller finden immer wieder andere Wege, um die Regeln zu umgehen oder zu kaschieren. Man sah, dass Johnny Rea in den beiden vergangenen Jahren beim November-Test in Jerez schneller war als die MotoGP, obwohl die Regeln immer weniger Freiheiten erlauben", bemerkt Reiterberger.

Markus Reiterberger

Markus Reiterberger verfolgte den Auftakt am heimischen TV Zoom

"Ich habe gehört, dass Spitzenleistung verloren ging, die Motoren dafür aber mehr Drehmoment haben. Die Motoren sollen dadurch noch fahrbarer sein. Vielleicht öffnen sich dadurch neue Wege", schildert er und stellt fest: "Die Besten werden immer vorne sein."

BMW nur im Mittelfeld

Für BMW verlief der Auftakt der neuen Saison durchwachsen. Loris Baz wurde im zweiten Freien Training Opfer eines gebrochenen Lenkerstummels und stürzte. Dabei brach sich der Franzose den Oberarm. Er nahm dennoch an den Rennen teil und wurde Elfter und Neunter. "Ich habe verfolgt, was passiert ist. Mich wundert es nicht, wenn ich ehrlich sein soll", kommentiert Reiterberger.

Loris Baz

Loris Baz erkämpfte sich trotz Verletzung einen elften und einen neunten Platz Zoom

"Loris Baz ist einer der stärksten Fahrer. Er hat das Paket zur Verfügung, das Torres, de Rosa und ich hatten. Auch Baz kann damit nicht viel mehr herausholen. Es ist schwierig. Es liegt nicht an der BMW. Das Team muss die Probleme lösen. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen", so Reiterberger.

Im Vorjahr trennte sich der Deutsche nach dem Europaauftakt in Aragon vom Althea-Team und kehrte spontan in die IDM zurück. In diesem Jahr möchte Reiterberger in der Superstock-1000-EM um den Titel kämpfen. "Am Freitag fliege ich nach Valencia", berichtet er und fiebert der Präsentation der BMW HP4 Race entgegen.

Kommende Woche steigt er dann auf seine BMW S1000RR. "Wir fahren vom 12. bis zum 14. März in Almeria. Danach geht es vom 16. bis zum 18. März nach Aragon", erklärt Reiterberger, der in dieser Woche in Italien unterwegs ist und von Alpinestars und X-Lite seine neue Ausrüstung erhält. Für die neue Saison fühlt sich der Bayer gerüstet. "Ich fahre viel Motocross und Enduro. Zudem trainiere ich intensiv im Fitnessstudio. Ich bin in guter Verfassung. Mit dem Rücken gibt es aber noch kleine Probleme", gesteht Reiterberger, schaut aber optimistisch auf die neue Saison.

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