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  • 24.11.2020 · 12:00

Vergessene Studien: Opel CD Concept (1969)

Ist dieser Wagen der schönste Opel aller Zeiten? Vor über 50 Jahren sorgte der CD für Aufsehen - Unter der Hülle steckte die Technik des Diplomat B

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Name: Opel CD
Premiere: IAA Frankfurt 1969
Technische Daten: V8-Motor, 5.453 ccm Hubraum, 230 PS, 435 Nm Drehmoment, über 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, Dreigang-Automatik, Länge: 4,57 Meter, Breite: 1,83 Meter, Höhe: 1,11 Meter, Radstand 2,54 Meter. Reifengröße: GR 70 VR 15

Hintergrund:

Flach, keilförmig und wie von einem anderen Stern: Auf der IAA 1969 in Frankfurt strahlten zwei Konzeptfahrzeuge besonders hell. Mercedes präsentierte den C 111 mit Wankelmotor und Flügeltüren, während Opel mindestens genauso mit dem CD überraschte. 

Die Abkürzung CD stand für "Coupé Diplomat" und verriet die technische Basis. Im Frühjahr 1969 hatte Opel den Diplomat B mit 5,4-Liter-V8-Motor auf den Markt gebracht, eine wuchtige und ziemlich kantige Limousine. Umso erstaunlicher war es, dass dieser Wagen nun quasi zu einer Art "deutscher Corvette" mutierte. 

Bereits 1964 hatte Opel ein eigenständiges Designstudio bekommen. Eine besondere Abteilung dort war das "Advanced Studio", in dem man seinen Ideen freien Lauf lassen konnte. Zuständig für die Optik des CD war Charles M. Jordan, unter dessen Leitung auch der Opel GT und der erste Manta entstanden. 

Zur Premiere 1969 bezeichnete Opel den CD als "Vision vom Auto der weltraumfahrenden Generation", schließlich lag die Mondlandung erst einige Wochen zurück. "Warum entwickelte das Werk ein solches Modell?", fragte seinerzeit die Mitarbeiterzeitung "Opel Post". Die Antwort: "Weil es am Beispiel des CD zeigen wollte, wie wir in die Zukunft denken."

Opel CD Concept (1969)

Opel CD Concept (1969) Zoom

Die Merkmale des nur 1,11 Meter hohen CD: Fiberglas-Karosserie auf um 30 cm verkürzter Bodengruppe (Radstand 2.540 mm) des Opel Diplomat B; statt Türen eine teilweise abnehmbare Glaskuppel, 15-Zoll-Leichtmetallräder. Zudem ein Cockpit mit verstellbarer Lenksäule und daran frei aufgehängtem Instrumententräger, einstellbarer Pedale und einer Mittelkonsole mit Telefonattrappe.

Die Pressemitteilung von damals hob besonders die rundum gewölbte Frontscheibe ohne Dachpfosten hervor. Zum leichten Einstieg wird diese Scheibe samt der vor dem starken Überrollbügel liegenden Dachpartie und den Türausschnitten durch eine Hydraulik nach vorn geschwenkt. Dabei klappt auch die Lenksäule mit Lenkrad nach oben. Zitat: "In den Opel CD kann daher auch eine Dame im Abendkleid lässig und mit Anmut einsteigen."

Fahrer- und Beifahrersitz, mit Leder überzogen, waren fest eingebaut. Der Fahrer zog Lenkrad, Pedale und das Cockpit zu sich heran. Um unter der Kuppel nicht gebraten zu werden, gab es zudem etwas, was wir heute alle kennen: eine Klimaautomatik. Der Gepäckraum lag unter einer riesigen aufstellbaren Heckscheibe.

Die festeingebauten Scheinwerfer waren tagsüber durch Schwenk-Klappen verdeckt. In die vorderen langgestreckten Blinkleuchten waren ebenfalls Scheinwerfer eingebaut, die beim Betätigen des Blinkers mit eingeschaltet wurden und die Kurve mit ausleuchteten. Quasi ein Vorläufer heutiger LED-Tagfahrleuchten. 

Opel CD Concept (1969)

Opel CD Concept (1969) Zoom

Das originale Fahrzeug ist nicht erhalten geblieben. 2010 wurde das Fiberglasmodell von Technikern des Opel Classic Teams aufwändig restauriert und ist heute ein "hochkarätiger Diamant" in der historischen Sammlung des Herstellers.

In Serie ging der CD zunächst nicht. Offiziell hieß es vor der Premiere: "Gegenwärtig hat Opel nicht die Absicht, den CD in Produktion zu nehmen. Doch aufgrund der großen Resonanz des Publikums auf der IAA wurden Gedanken in diese Richtung angestellt. Die Studie sollte mit normalen Türen und Teilen des Diplomat straßentauglich gemacht werden.

Auch der ab 1970 amtierende Opel-Verkaufsvorstand Robert "Bob" A. Lutz war begeistert und wollte das Auto unter dem Namen "Strada" vermarkten. An Pietro Frua erging der Auftrag zur Überarbeitung der Idee und Anfertigung von zwei seriennäheren, fahrbereiten Prototypen. Doch Frua fehlten die Kapazitäten für eine Serienfertigung, zudem wäre noch weitere Entwicklung nötig gewesen.

Auch die Wirtschaftlichkeit eines solchen Kleinserien-Projekts erschien fraglich, ähnliche Aspekte trafen auch den Mercedes C 111 als anderen IAA-Star von 1969. Doch zurück zum Opel CD: David R. Holls, der Nachfolger von Jordan als Opel-Designchef, kannte Erich Bitter. Dieser hatte sich unter anderem als Rennfahrer auf Opel einen Namen gemacht.

Und genau dieser Name prangte später an jenem Ableger des CD, der tatsächlich auf die Straße kam. Doch das Schicksal des 1,28 Meter hohen und 4,85 Meter langen Bitter CD zeigte, dass die Opel-Kalkulatoren wohl recht hatten. Die Umstände meinten es nicht gut mit dem 58.400 DM teuren Auto, damals eine Unsumme. Aber lassen wir Erich Bitter selbst sprechen, er gab 2018 der "Opel Post" ein Interview:  

"Ich habe Bob Lutz gefragt - er war inzwischen Opel-Verkaufsvorstand -, ob ich den Opel Diplomat umbauen könne. Denn ich fand, dass der Diplomat mit seinem V8-Motor ein richtig gutes Auto war. Lutz fand die Idee gut, verkaufte mir die Technik und wir entwickelten den Bitter CD, den wir 1973 auf der IAA vorstellten und mit der Firma Baur in Stuttgart produzierten.

Weitere vergessene Studien:

Vergessene Studien: Opel Maxx (1995)
Vergessene Studien: Citroën GS Camargue (1972)

Durch die Ölkrise haben wir dann aber viele Aufträge verloren. Die Krise ging zum Glück vorüber, was für die gesamte Branche wichtig war. Fortan haben wir die Autos selbst verkauft, einige auch an Prominente, etwa Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Rosi Mittermaier oder Heino. Das Geschäft lief sehr gut. Letztlich haben wir genau 395 Exemplare hergestellt.", so Bitter.

Bitter weiter: "Als Opel die Produktion des Diplomat im Sommer 1977 einstellte, hatten wir uns zwar mit Teilen eingedeckt und konnten den CD noch rund zwei Jahre länger produzieren. Währenddessen haben wir aber ein neues Auto auf der Basis eines anderen Opel-Modells entwickeln müssen. Wir entschieden uns für den Senator A und brachten Anfang der 80er-Jahre den Bitter SC heraus."

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