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  • 29.07.2023 10:38

  • von Roland Hildebrandt

NSU Lambretta: Die deutsche Italienierin

1950 suchte NSU, damals noch Zweiradhersteller, nach einer Lösung, um sein Werk auszulasten - Das Ergebnis war eine Roller-Lizenz aus Italien

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Vespa, ist aber keine: Ein berühmtes Motorrollermodell der 1950er-Jahre mit klangvollem Namen und einem Hauch von Dolce Vita ist die NSU Lambretta. Sie ist keine Erfindung von NSU, sondern eine Lizenzproduktion nach einem Entwurf des italienischen Herstellers Innocenti, der damals Lizenzen an verschiedene Hersteller in verschiedenen Ländern verkaufte.

Titel-Bild zur News: NSU Lambretta

NSU Lambretta Zoom

Neckarsulm im Jahr 1950: Im NSU-Werk geht die Angst um, mehreren hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter droht die Entlassung. Denn ab Mitte des Jahres sollen keine Reparaturen mehr an Fahrzeugen der in Deutschland stationierten US-Armee durchgeführt werden.

Fieberhaft sucht die NSU-Geschäftsleitung nach Möglichkeiten, das Werk auszulasten - und hat glücklicherweise schnell Erfolg: In Deutschland sind Motorroller in Mode, und NSU setzt auf diesen Trend. Die Neckarsulmer schließen einen Lizenzvertrag mit Innocenti und bauen ab 1950 die NSU Lambretta. Ihr Name weist noch auf ihre Herkunft hin, denn der Firmensitz des italienischen Lizenzgebers liegt im Mailänder Vorort Lambrate.

In der Bauzeit der Lambretta bringt NSU zwei Varianten auf den Markt: Bis 1954 einen Roller mit 123 Kubikzentimeter Hubraum und 70 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit, ab 1954 die 150-Kubikzentimeter-Version mit 81 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Leistung der kleineren Version liegt bei 4,5 PS, die der stärkeren Lambretta bei 6,2 PS. Beide Versionen werden von einem Einzylinder-Zweitaktmotor angetrieben.


Fotostrecke: NSU Lambretta

Zwischen 1950 und 1956 werden von beiden Modellvarianten rund 117.000 Stück gebaut. Die Roller sind in vier Farben erhältlich: lindgrün, beige, mittelgrau und hellgrau. Als 1956 der Lizenzvertrag mit Innocenti fristgerecht ausläuft, beschließt NSU, die Rollerproduktion fortzusetzen - nun als Eigenentwicklung, die auch auf anderen Märkten verkauft werden kann: Aus der Lambretta wird die NSU Prima, die in vier Varianten angeboten wird. Bis zum Ende des Rollerbaus in Neckarsulm 1964 werden insgesamt 160.000 Prima gebaut. Damit endet der Motorrollerbau in Neckarsulm.

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Zu sehen ist die Lambretta in einer Sonderschau vom 14. Juni 2023 bis zum 5. Mai 2024 im Audi Forum Neckarsulm sowie im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm. Unter dem Titel "Innovation. Wagemut. Transformation. 150 Jahre NSU" wird dort auf die Geschichte der einst großen Marke eiingegangen.

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