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  • 18.08.2021 · 11:16

  • von Sergio Chierici

Lamborghini Countach: Die Design-Entwicklung der letzten 50 Jahre

Vom ersten Konzept im Jahr 1971 bis zum aktuellen LPI 800-4 war das Design des Countach eine Stil-Mischung aus klassischer Kunst und kühlem Industriedesign

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Vielleicht sind wir heute an alles neue gewöhnt und abgestumpft, aber 1971 versetzte uns der Prototyp namens Countach LP 500, aus dem der erfolgreiche Supersportwagen von Lamborghini hervorging, in Erstaunen.

Copertina-Lamborghini-Countach-C Zoom

In der Ära der großen italienischen Karosseriebauer kannte die Öffentlichkeit nur den Namen des Firmenchefs, der in diesem Fall Bertone war. Nuccio Bertone. Er war ein erfahrener Karosseriebauer, aber auch ein Unternehmer und ein großer Talentsucher. Bertone konnte sich auf eine Person verlassen, die die Geschichte des italienischen Designs geschrieben hat: Marcello Gandini.

Gandini ist der Schöpfer des ursprünglichen Countach-Konzepts, das große Auswirkungen auf die Entwicklung der Supersportwagen hatte. Es diente als Inspiration für die nachfolgenden Fahrzeuge einer ganzen Marke, bis hin zum aktuellen Countach LPI 800-4, ein halbes Jahrhundert später. Versuchen wir, die Geheimnisse dieses Designs zu ergründen, indem wir auf die letzten 50 Jahre seiner Geschichte zurückblicken.

Eine aus Emotionen geborene Form

In der heroischen Ära des italienischen Karosseriebaus arbeiteten Gruppen Tag und Nacht an einer Idee, deren Eigenschaften die Menschen zum Träumen brachten: wenige Einschränkungen bei der Realisierung, keine Grenzen für die Phantasie und möglicherweise eine mechanische Konstruktion, die es ermöglichte, den Prototyp in Bewegung zu sehen. Der Countach wurde 1971 auf dem Genfer Automobilsalon in diesem Sinne vorgestellt.

Die Zeit zwischen dem Ende der 60er- und dem Beginn der 70er-Jahre war eine Zeit der technologischen Entwicklung. Innovationen in der Mode und im Industriedesign brachten leuchtende Farben und eine Betonung geometrischer Formen.

LP 500 Konzept, ausgehend von einer Linie

Der Countach LP 500 von 1971 birgt einen Schatz an Designgeheimnissen. Ein Schlüsselelement war die scharfe Linie, die die Grundlage für die gesamte Form bildete.

Allerdings war dieser allgemeine Look mit den stark geneigten A-Säulen nicht wirklich neu. Bertone hatte bereits ähnliche Formen für Konzepte wie den Alfa Romeo Carabo von 1968, den Stratos Zero von 1970 oder den noch früheren Lamborghini Marzal von 1967 verwendet. Das keilförmige Design wurde in weniger extrem aussehenden Fahrzeugen wie dem Autobianchi Runabout von 1969 und dem Fiat X1/9 von 1972 weiter verfeinert.

Bei Pininfarina schuf Paolo Martin mit dem berühmten Ferrari Modulo von 1970 das bis dahin extremste keilförmige Auto, das jedoch nie in Serie produziert wurde. Der Countach hingegen war nicht nur ein Prototyp, sondern ein Serienfahrzeug, das eine erfolgreiche Legende wie den Miura ablösen sollte.

Skulptur in Bewegung

Das keilförmige Profil des Countach-Konzepts hatte Seiten, die eigentlich sehr einfach und scharfkantig waren. An den Kotflügeln gab es leichte Variationen, ohne jedoch auf geschwungene Formen zurückzugreifen.


Fotostrecke: Lamborghini Countach: Die Design-Entwicklung der letzten 50 Jahre

Die Frontpartie ist eine abfallende Klinge, die sich dank der versenkbaren Scheinwerfer immer mehr verjüngt. Die Karosserie steigt knapp über den Rädern an. Die "Motorhaube" wird durch ein zentrales Band begrenzt und weist einen Höhenunterschied auf, der im oberen Bereich eine sehr subtile Dynamik erzeugt, die wie ein einfacher Bleistiftstrich aussieht.

Die vordere Säule war so weit wie möglich angewinkelt. Die breite Windschutzscheibe hatte eine geometrische Form. Die Türen hatten einen Scherenöffnungsmechanismus. Die Fenster sind niedrig und Kiemen in der hinteren Säule leiten Luft zum Motor.

Das Heck ist ein Triumph an Geometrie und Einfachheit. Aerodynamisch gestaltet und mit einer Breite, die für den leistungsstarken V12 geeignet ist. Wichtig waren auch die Rückleuchten, die in ein unregelmäßiges Sechseck eingefasst waren. Die klare Form ohne Flügel oder Vorsprünge macht dieses Konzept zu einer echten Skulptur in Bewegung, die zeitlos ist.

LP 400, das erste Serienmodell

Zwei Jahre vergingen, bis der Countach LP400 in Serie ging. Lamborghini und Bertone beabsichtigten, die Designmerkmale des Konzeptfahrzeugs beizubehalten und nur das Nötigste zu ändern. Technisch gab es aber große Veränderungen, wie zum Beispiel einen Gitterrohrrahmen, der das Aluminium-Monocoque ersetzte. Stilistisch war die Maschine dem Prototyp aber sehr ähnlich.

Ein paar notwendige Änderungen betrafen die Motorkühlung. Der Countach verlor die Kiemen in der hinteren Säule zugunsten größerer Einlässe, die aus der Karosserie herausragen. An den hinteren Kotflügeln wurden NACA-Kanäle angebracht. Diese Elemente führten dazu, dass der Countach etwas von seiner Designschlichtheit einbüßte, aber sie wurden schließlich zu ikonischen Teilen von Lamborghinis Fahrzeugdesign.

Lambo hat die Frontpartie um ein paar Zentimeter angehoben. Die Motorhaube wurde flacher und verlor den Einlass in der Nähe der Windschutzscheibe. Außerdem wurde der funktionale Periskop-Rückspiegel abgeschafft, der dem Fahrer zumindest einen Eindruck davon vermittelte, was hinter dem Auto passierte.

Die frühen LP 400 hatten jedoch immer noch die Aussparung im Dach, wo sie sich sonst befunden hätte. Um sie von den anderen zu unterscheiden, werden die wenigen Countachs, die mit dieser Öffnung ausgestattet sind, heute LP 400 Periscopos genannt.

Der LP 400 von 1973 ist der Countach mit dem reinsten Design, der dem ursprünglichen Konzept am treuesten bleibt.

LP 400S: Die Flügel sind da

1978 kam der Countach LP 400S auf den Markt und das Design erhielt wulstige Kotflügel und aerodynamische Anhängsel. Einige dieser Änderungen bestanden darin, dass Lambo neue 15-Zoll-Magnesiumfelgen mit breiteren Pirelli P7-Reifen montierte.

Das Design der ausladenden vorderen Kotflügel setzte sich in einem unteren Spoiler fort, der unter der schmalen Frontpartie in Wagenfarbe gehalten war. Am Heck war der große Flügel optional.

1982 kam der 5,0-Liter-V12 von Giulio Alfieri für den LP 5000S auf den Markt, aber die Ästhetik des Wagens blieb mehr oder weniger die gleiche. Im Innenraum gab es einige Änderungen, darunter umlaufende Sitze, ein höherer Mitteltunnel und eine luxuriösere Polsterung.

Der LP 5000 Quattrovalvole von 1985 mit seinem 5,2-Liter-Motor mit vier Ventilen pro Zylinder wies auch einige ästhetische Veränderungen auf. Die vordere Spur wurde um 44 Millimeter verbreitert. Die Motorabdeckung hatte eine Ausbuchtung für den Einbau von Weber-Vergasern mit Tiefgang anstelle der ursprünglichen Vergaser mit Seitenzug.

Der Countach 25th Anniversary aus dem Jahr 1988 erhielt die letzten Styling-Änderungen, die von einem jungen Horacio Pagani stammten. Das Ziel war es, die aerodynamischen Elemente besser an die Außenflächen anzupassen. Es gab überarbeitete Kotflügel, Seitenschweller und Spoiler. Die hinteren Lufteinlässe wurden etwas runder und der hintere Stoßfänger wurde angepasst.

Was ist das Geheimnis hinter diesen Änderungen? Viele der Elemente stammen aus den technischen Studien des Countach Evoluzione-Prototyps und die einheitlichere Ästhetik ermöglichte die besten Abtriebs- und Aerodynamikdaten in der Geschichte des Autos.

Countach LPI 800-4: Eine Hommage an den Mythos

Fünfzig Jahre sind seit dem ersten Countach-Prototypen vergangen, aber heute hat das Lamborghini-Team unter der Leitung von Mitja Borkert versucht, die Geheimnisse des Designs des Originals für den Countach LPI 800-4 in limitierter Auflage zusammenzufassen.

Es kommt in der Automobilgeschichte nur sehr selten vor, dass ein Hersteller ein einziges Modell als Referenz für alle nachfolgenden Fahrzeuge der Marke verwendet, selbst wenn die Geschäftsleitung und die Designteams wechseln. Das zeichnet den Countach aus.

Schauen wir uns ein paar Details an: Die schmale Öffnung an der Nasenspitze stammt eindeutig vom Konzeptfahrzeug. Ebenso gibt es eine schmale Öffnung in der Motorhaube in der Nähe der Windschutzscheibe. Zwei Schlitze ersetzen die aufklappbaren Scheinwerfer, die durch die LED-Technik überflüssig geworden sind.

Bemerkenswert ist, wie gut sich der untere Teil in den Rest der Karosserie einfügt. Dies ist dank der heutigen Produktionstechnologien möglich und stellt eine Verbindung zu Horacio Paganis Designzielen für das 25-Jahre-Jubiläumsmodell her.

Die Form der Windschutzscheibe erinnert an das Original, aber die vordere Säule ist gewölbt statt gewinkelt. Die NACA-Luftkanäle an der Seite gewinnen noch mehr an Bedeutung. Sie sind zwar größer, aber ihre allgemeine Form ähnelt der des Originals.

Sechseckige Formen erscheinen in den Radhäusern und im Profil der Kotflügel. Dieses Design findet sich auch in den Rücklichtern wieder. Das Band fällt hinter den Vorderrädern ab und steigt dann in einer Kurve zum Heck hin an. Die großen Lufteinlässe und die großen Räder nehmen einen größeren Teil des optischen Gewichts ein als beim Originalfahrzeug.

Am Heck sind die Luftauslässe nun in die Kotflügel integriert, wie beim ursprünglichen Countach-Konzept, und nicht wie bei späteren Serienversionen. Das Heck hat einen großen Diffusor mit den Auspuffanlagen in der Mitte.

Dank der Tatsache, dass alles, was für den Abtrieb benötigt wird, in die Karosserie integriert ist, formt das Team einen modernen Supersportwagen mit einem Design, das an die Vergangenheit anknüpft. Das Ergebnis ist eine wunderschöne Hommage an einen der wichtigsten Supersportwagen aller Zeiten.

Weitere Infos zu dem neuen Modell:

Der Lamborghini Countach ist zurück: Premiere mit V12-Hybrid

Diese Farben gibt es für den neuen Lamborghini Countach

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