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BMW 315 (1981-1983): Kennen Sie den noch?

Vor 40 Jahren brachte BMW den 315 als neues Basismodell des E21 heraus - Er existierte später sogar parallel zum E30-3er

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen.

Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Youngtimer und Oldtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Sie haben ja recht: Den ersten BMW 3er, intern E21, kennen viele noch. Aber die Vierzylinder liefen bei den Fans immer etwas unter dem Radar. Und einer davon ist ein echtes Stiefkind: der BMW 315. Vor 40 Jahren kam der Wagen mit der ungewöhnlichen Ziffer am Heck auf den Markt.

Wobei die Nummer 315 durchaus eine gewisse Tradition bei BMW hat: Zwischen 1934 und 1937 gab es bereits einen 315, damals allerdings mit einem kleinen Sechszylinder unter der Haube. Gut 50 Jahre später betrieb man beim neuen 315 ein wenig Etikettenschwindel, denn unter der Haube steckte der M10-Vierzylinder, der in seinen Grundzügen auf die "Neue Klasse", beginnend mit dem BMW 1500 von 1961 zurückging.

Doch in den 1970er- und 1980er-Jahren nutzte BMW die Modelle mit einer 15 am Heck als Basisvarianten und Einstieg ins BMW-Universum. Wohlgemerkt, noch gab es lange keine Baureihen wie den 3er Compact oder den 1er. 1975 erschien gegen Ende der 02-Baureihe ein 1502 mit dem Motor des 1602, aber 10 PS weniger Leistung. Bis 1977 blieb dieses Sparmodell im Programm und damit parallel zum ersten 3er.

Genauso lief es auch beim BMW 315: Als er im März 1981 in den Handel kam, zeichnete sich das Ende der Baureihe E21 bereits am Horizont ab. Ihr Nachfolger, der E30, würde in jeder Hinsicht mehr bieten, aber auch beim Preis zulegen. Ein weiterer Aspekt galt der Benzineinsparung. Mit dem 1502 reagierte BMW auf die erste Ölkrise 1973, der 315 war die Antwort auf einen erneuten Ölpreisschock im Jahr 1979.

Wie bereits erwähnt, befand sich unter der Haube des 315 eigentlich ein 1,6-Liter-Aggregat mit exakt 1.573 Kubikzentimeter Hubraum. Doch statt 90 PS wie im 316 gab es hier lediglich 75 PS. Dazu 110 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 3.200 Touren. Aber was heißt hier lediglich? Schließlich wog der 315 auch nur gut eine Tonne. Heutzutage zeigen selbst Kleinwagen diesem BMW den Auspuff. Doch 1981 gingen 14,8 Sekunden auf Tempo 100 und 154 km/h noch in Ordnung.

Viel wichtiger waren den 315-Fans andere Koordinaten: Zwischen 6,8 und 10,5 Liter Verbrauch mit dem serienmäßigen Viergang-Schaltgetriebe, mit optionaler Fünfgang-Box sogar minimal 6,0 Liter laut Werksangabe. Außerdem ein Grundpreis von 15.850 DM, 1.350 Mark weniger als für einen 316. Das gesparte Geld konnte man für 13-Zoll-Alufelgen (!) anlegen oder man kreuzte einen Mix aus Fünfganggetriebe (735 Mark), Halogen-Scheinwerfer (132 Mark, Serie war H1-Licht!) und elektrischer Außenspiegel (120 Mark, natürlich nur einer!) an.

Die "auto, motor und sport" krallte sich im Mai 1981 einen BMW 315 und wollte es genau wissen. Zunächst erklärte man technisch versiert den Lesern die angehobene Verdichtung, weshalb Super getankt werden musste. Moniert wurde die zu kurze Übersetzung des Viergang-Getriebes, bei Tempo 130 lagen bereits 5.000 U/min an. Spätestens dann werde der Geräuschpegel des eigentlich kultiviert und vibrationsarmen Vierzylinders "lästig". Zudem wirke der Motor "angestrengt" und "zäh".

Erstaunlich: Mit 13,5 Sekunden auf 100 km/h wurde die Werksangabe deutlich unterboten, mit 168 km/h die Spitze hingegen klar überboten. Es waren offenbar "75 sehr muskulöse Pferde am Werk". Die engagierte Fahrweise forderte ihren Tribut, durchschnittlich 11,4 Liter nahm man dennoch "zufrieden" zur Kenntnis. Wer hohe Drehzahlen vermeide, könne auch unter zehn Liter kommen.

Tatsächliche griffen weniger Sportfahrer denn Sparfüchse zum BMW 315, der bis Dezember 1983 parallel zur Nachfolge-Baureihe E30 vom Band lief. Ein ausgereiftes Produkt, wenngleich ausschließlich dreitürig. 4,35 Meter BMW für jene, die einfach nur das Logo auf der Haube haben wollten. Doppelscheinwerfer für mehr Prestige ließen sich bei Bedarf nachrüsten und das Typenschild entfernen.

Dabei besticht gerade die schlichte Form mit den originalen Scheinwerfern und der "Haifisch-Nase" von BMW-Designer Paul Bracq bis heute. Fans von Altblech aus München, denen die Augen näher sind als die Ohren, können im Vergleich zu den beliebten Sechszylindern auch heute noch sparen. Wie schrieb BMW anno 1982 geradezu meisterhaft im 315-Prospekt: "Die Lösung zwischen groß und klein heißt nicht mittel, sondern BMW.".

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