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  • 02.12.2022 · 13:02

  • von Roland Hildebrandt

40 Jahre Mercedes 190 (W 201) in ungewöhnlichen Bildern

Über den Mercedes 190 der Baureihe 201 ist schon viel geschrieben worden - Zum 40. Geburtstag des Baby-Benz zeigen wir die weniger bekannten Modelle

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Bestimmt haben Sie es schon im Blätterwald gesehen: Der Mercedes 190 der Baureihe 201 wird jetzt 40 Jahre alt. Zum "Baby-Benz" (der immerhin auch 4,42 Meter lang war) ist eigentlich schon alles geschrieben worden, ob in Zeitschriften oder Büchern. Also haben wir uns zum Jubiläum einige eher unbekannte Bilder aus dem Werksarchiv hergenommen. Kennen Sie zum Beispiel das nie gebaute 190 Cabrio?

40 Jahre Mercedes 190 (W 201) in 15 ungewöhnlichen Bildern

40 Jahre Mercedes 190 (W 201) in 15 ungewöhnlichen Bildern Zoom

Die generelle Modellhistorie ist schnell erzählt: Im Dezember 1982 präsentiert Mercedes-Benz den Typ 190 der Baureihe W 201. Die kompakte und technisch wegweisende Limousine begründet eine dritte Baureihenfamilie der Mercedes-Benz Personenwagen unterhalb der mittleren Baureihe.

1988 und 1991 gibt es Modellpflegen, 1993 endet schließlich die Produktion des in den Mercedes-Benz Werken Sindelfingen und Bremen gebauten Erfolgsmodells. Im Mai dieses Jahres stellt Mercedes-Benz die C-Klasse der Baureihe 202 als Nachfolger des Typ 190 vor. Insgesamt verkauft Mercedes-Benz 1.879.630 Fahrzeuge des 190, den es ausschließlich als viertürige Limousine gab.

Die Anfänge und Entwicklung des 190

Bereits in den 1950er-Jahren gibt es Überlegungen zu einem kleineren Mercedes-Pkw. Nachdem Daimler-Benz die Auto Union übernimmt, entsteht unter dem Code W 118 eine Limousine, die etwas an den ersten Audi 100 erinnert. Entwickler Ludwig Kraus geht nach dem Verkauf der Auto Union an Volkswagen im Jahr 1964 zu Audi und nimmt diverse Ideen mit.

Im Zuge der ersten Ölkrise 1973 nimmt der Gedanke an einen "Baby-Benz" wieder Fahrt auf. Leichter und sparsamer liegt im Trend, hinzu kommen verschärfte Umweltgesetze auf dem wichtigen US-Markt. Dort wünschen sich die Kunden zudem einen bezahlbaren kleineren Mercedes als Zweitwagen.

Der geschrumpfte "Strich-Acht" ist ein gekürztes Fahrzeug der Baureihe W 114/115, das 1974 mit Hinblick auf die spätere Baureihe W 201 entstand, um die Größe des neuen kleineren Mercedes-Benz darzustellen. Ende 1977 nimmt schließlich das endgültige Design des W 201 Gestalt an. Typisch wird der hohe Heckabschluß.

Kargheit und Nüchternheit der 1980er-Jahre

Als der Mercedes 190 Ende 1982 präsentiert wird, herrscht unter den Kunden zunächst nur mäßige Begeisterung. Zu nüchtern tritt die Limousine innen wie außen auf. Vor allem der Wechsel von Chrom zu Plastik bei den Stoßfängern irritiert, ebenso recht hohe Preise.

An nur vier serienmäßigen Gängen und einer großen Uhr neben dem Tacho stößt sich im 190 D von 1983 niemand, damals verlangt Mercedes noch für fast alles Aufpreis. Immer serienmäßig sind die Anzeigen für Öldruck, Kühlwassertemperatur und Tank links.

Der Name ist ein alter Bekannter

Streng genommen passt die Bezeichnung 190 für den kleinen Mercedes nicht, denn der Basismotor hat 2,0 Liter Hubraum. Aber zum einen soll die Ziffer klar machen, dass die Baureihe unter dem 200 angesiedelt ist, zum anderen hat die 190 im Unternehmen eine gewisse Tradition.

1954 debütiert der 190 SL, in den Jahren danach gibt es in der Mittelklasse bis zur Heckflosse einen 190 und 190 D.

Premiere in Genf

Auf dem Genfer Automobilsaon 1983 feiert der W 201 seine Messepremiere. Auf dem Stand präsentiert er sich neben dem damals sieben Jahre alten W 123. Der Unterschied ist offensichtlich: Dort der alte Chrom-Prunk der 1970er-Jahre, dort die technokratische Sachlichkeit der 1980er-Jahre.

Weltrekord auf der Langstrecke

Auf diesem Foto vom November 2013 sehen wir einen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 (W 201) auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Nardò/Italien. Es handelt sich um das Originalfahrzeug des Teams "Weiß" der Weltrekordfahrt mit drei identischen Fahrzeugen vom 11. bis 21. August 1983. Der 190 E 2.3-16 spult 50.000 Kilometer herunter und stellt insgesamt drei Weltrekorde und neun Klassenrekorde auf.


Fotostrecke: 40 Jahre Mercedes 190 (W 201) in ungewöhnlichen Bildern

Lange bevor AMG ein Teil von Mercedes-Benz wird, wagt sich die Marke mit den 16-Ventilern, die mit Hilfe von Cosworth entwickelt werden, an ein explizites Sportmodell. Bei einem Rennen mit Formel-1-Stars anno 1984 auf identischen 190 E 2.3-16 zur Eröffnung der Nürburgring-GP-Strecke siegt ein gewisser Ayrton Senna.

Der 190 als Taxi

Ein Kritikpunkt begleitet den 190 während seiner ganzen Bauzeit: Im Fond ist das Platzangebot recht überschaubar. Aufgrund dessen bleibt ihm die große Karriere als Taxi verwehrt. Die Branche greift lieber zum größeren W 123 oder dessen Nachfolger W 124 wie hier am Stuttgarter Hauptbahnhof.

Rechts im Bild ein 190, die stilistische Nähe zum 1984 erschienenen W 124 wird im direkten Vergleich deutlich. Bei beiden Baureihen war Chefdesigner Bruno Sacco maßgeblich involviert.

Der 190 für die USA

Wie eingangs erwähnt, war der W 201 auch mit Blick auf die US-Kundschaft entworfen worden. Dort griff man gerne zum Turbodiesel oder später zum 190 E 2.6, dessen Sechszylinder quasi mit dem Schuhlöffel unter die Haube gequetscht worden war.

Unter anderem entstehen Exportmodelle wie die Typen 190 D 2.2 und 190 E 2.3 eigens für den nordamerikanischen Markt. Typisch für die US-Mercedes sind die geänderten Scheinwerfer, die aber in den 1980er-Jahren harmonischer gestaltet waren.

Tourenwagen-König und Olympia-Debakel

Fast jeder kennt die wilden Evo-Versionen des 190 mit mächtigen Heckflügel. Sie räumten Anfang der 1990er-Jahre, als der W 201 kurz vor der Rente stand, in der DTM ab. So etwa Klaus Ludwig 1993 im 190 E Klasse 1. Interessant ist die Werbung am Fahrzeug: Seinerzeit bewarb sich Berlin für die Olympischen Sommerspiele 2000. Querelen und Ausschreitungen überschatteten den Versuch, der in der zweiten Wahlrunde krachend scheiterte.

Weniger bekannt sind die Anfänge des Mercedes 190 in der DTM. Rechts ein Bild vom DTM-Rennen auf dem Hungaroring bei Budapest am 18. September 1988. Roland Asch fährt den Mercedes 190 E 2.3-16 Rennsport-Tourenwagen (W 201) auf den siebten Platz und ist am Ende der Saison Vizemeister der DTM.

Hier schraubt der Meister

Apropos Klaus Ludwig: Als der letzte Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 am 17. Mai 1993 im Werk Bremen vom Band rollt, legt der amtierende DTM-Meister Klaus Ludwig bei der Endabnahme symbolisch Hand an. Schließlich ist die Hochleistungslimousine das Basismodell des DTM-Tourenwagens, mit dem Ludwig 1992 seinen Titel gewinnt.

Das unbekannte Cabrio

1990 entsteht der Prototyp eines Mercedes 190 E 2.6 Cabriolet. Formal wirkt der Entwurf absolut gelungen. Doch er geht nicht in Serie, auch weil die Baureihe 201 ihrem Ende entgegenfährt. Stattdessen präferiert Mercedes den W 124, der zudem mehr Platz im Fond bietet.

Der 190 und sein Nachfolger als Elektroauto

Auf der Zielgeraden wurde der 190 sogar noch zum Elektroauto: Mercedes steuert jeweils zehn 190er sowie Transporter vom Typ MB 100 D zum Elektro-Großversuch auf der Insel Rügen im Jahr 1992 bei.

Jedes Hinterrad des Fahrzeugs wird von einer eigenen permanentmagnetisch erregten Gleichstrommaschine mit einer Spitzenleistung von jeweils 16 kW (22 PS) angetrieben, die Gesamtleistung beträgt also 32 kW (44 PS). Eine Natrium-Nickelchlorid-Batterie liefert die Energie und Rekuperation ermöglicht ein Zurückspeisen beim Bremsen.

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Ein moderner Dieselmotor im alten Baby-Benz

Was wird denn hier in den Motorraum gewuchtet? 2009 rüstete Mercedes einen 1992er 190 E 2.6 Sportline mit einem modernen Dieselmotor aus dem C 250 CDI BlueEFFICIENCY aus. Der "neue" 190 D BlueEFFICIENCY sollte den Fortschritt der Dieseltechnologie in den letzten 20 Jahren demonstrieren und verfügte über einen OM 651 Common-Rail-Diesel mit 150 kW (204 PS) und 500 Nm Drehmoment.

Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in 6,2 Sekunden, was eine enorme Beschleunigung im Vergleich zum 190 D von 1983 bedeutet, der 18,1 Sekunden benötigte. Interessant auch, dass der OM 651 72 PS mehr leistete als der OM 601 von 1988 und dabei 2,4 Liter weniger verbraucht. Allerdings wurde der modernisierte 190 D auch fast 400 Kilogramm schwerer.

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