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NASCAR Watkins Glen: Kyle Larson siegt nach Regen - Kimi Räikkönen im Pech

Nach knapp zwei Stunden Verzögerung gewinnt Kyle Larson das Rundkurs-Rennen in Watkins Glen - Kimi Räikkönen und Mike Rockenfeller stark, aber ohne Glück

(Motorsport-Total.com) - Das am Sonntag über die Bühne gegangene vorletzte Rundkurs-Rennen der laufenden Saison 2022 der NASCAR Cup Series wurde zum ersten Regenrennen mit der zu Saisonbeginn eingeführten NASCAR-Autogeneration (Gen7 beziehungsweise Next-Gen).

Kyle Larson

Zweiter Saisonieg für Kyle Larson (Hendrick-Chevrolet) Zoom

Auf der Kurzanbindung der ehemaligen Grand-Prix-Strecke Watkins Glen im US-Bundesstaat New York standen für 39 Fahrer aus sieben Nationen (Rekord) 90 Runden auf dem Programm. Und die hatten es durchaus in sich. (Fotos: NASCAR in Watkins Glen)

Den Sieg holte sich der amtierende NASCAR-Champion Kyle Larson (Hendrick-Chevrolet) nachdem er sich beim letzten Restart fünf Runden vor Schluss mit blockierenden Rädern an seinem lange Zeit führenden Teamkollegen Chase Elliott vorbeigequetscht hatte.

"Ich bin nicht gerade stolz darauf, aber das war meine Chance", so Larson. Nachsatz: "Wir werden morgen sicherlich darüber reden. Meine Meinung ist, dass es das war, was ich tun musste, um zu gewinnen."

Ex-Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen (Trackhouse-Chevrolet) kam bei seinem Debüt in der NASCAR-Topliga aufgrund eines unglücklichen Ausfalls nicht ins Ziel. (Ergebnis: NASCAR in Watkins Glen)

Gewitter und Regen: Startverzögerung von fast zwei Stunden

Im Qualifying am Samstag hatte Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) die Pole herausgefahren. Aber wie schon vor zwei Wochen auf dem Michigan International Speedway ging es nicht pünktlich ins Rennen. Grund war wieder einmal ein in der Nähe der Rennstrecke aufgezogenes Gewitter.

Und laut der gesetzlichen Vorschrift, die auch im Bundesstaat New York gilt, bedeutete das eine Verzögerung von 30 Minuten pro Blitz in einem Umkreis von acht Meilen (13 Kilometern) der Rennstrecke. Weil es mehrere Gewitterblitze waren, belief sich die Verzögerung auf eine Stunde. Dass es an der Strecke selber inzwischen stark regnete, kam noch hinzu.

NASCAR-Regenplane von Stewart-Haas Racing

Regen: So sah es in Watkins Glen rund zwei Stunden lang aus Zoom

Als es um 16:19 Uhr (22:19 Uhr MESZ) mit der grünen Flagge losgehen sollte, war die 3,942 Kilometer lange Strecke komplett nass. Entsprechend musste mit Regenreifen ausgerückt werden. Und auch die Scheibenwischer und die Rücklichter, die man in der NASCAR-Szene ebenso selten sieht, kamen zum Einsatz.

Die eingesetzten Regenreifen wurden sogar erstmals überhaupt verwendet, weil es sich um welche handelte, die von NASCAR-Reifenlieferant Goodyear speziell für das Next-Gen-Auto entwickelt wurden. Eben diese neuen Regenreifen wurden im bisherigen Saisonverlauf nicht gebraucht.

Doch wie sich herausstellte, blieb das Gewitter nicht der einzige Verzögerungsgrund. Denn nachdem die 39 NASCAR-Piloten ein paar Einführungsrunden hinter dem Pace-Car gedreht hatten, gab es Bedenken bezüglich einiger Pfützen und der Sicht. NASCAR entschied, alle Autos in die Boxengasse zu holen. Letzten Endes ging eine weitere knappe Stunde ohne echten Fahrbetrieb ins Land.

Stage 1: Früher Wechsel auf Slicks - Chase Briscoe vorn

Beim fliegenden Start, der letztlich erst um 17:01 Uhr (23:01 Uhr MESZ) erfolgte und der aufgrund des Wetters ausnahmsweise in Single-File-Formation vorgenommen wurde, hatte Polesetter Chase Elliott als einziger freie Sicht.

Indes hatten Elliotts 38 Verfolger, die zunächst von Hendrick-Teamkollege Kyle Larson und dann von Michael McDowell (Front-Row-Ford) angeführt wurden, mit der Gischt zu kämpfen. Immerhin: Der Regen ließ nach und sollte wenig später sogar ganz aufhören, sodass zügig auf Trockenreifen umgerüstet werden konnte.

Das erste Rennsegment (Stage 1) war auf 20 Runden angesetzt. In der vierten Runde hatte McDowell genug von der schlechten Sicht. In der Esses-Passage nahm er Elliott die Führung ab. Ab der sechsten Runde wurde der Wechsel auf Slicks riskiert. Die ersten waren Chris Buescher (RFK-Ford) und Chase Briscoe (Stewart/Haas-Ford). Innerhalb kürzester Zeit fanden sie viele Nachahmer.


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Spitzenreiter McDowell ließ in der zwölften Runde auf die Trockenreifen umrüsten. Die Führung erbte Tyler Reddick (Childress-Chevrolet), der zwei Runden später zum Reifenwechsel kam. So gelangte Polesetter Elliott wieder in Führung, kämpfte mit seinen Regenreifen aber mit dem Rücken zur Wand.

Diejenigen, die bereits Slicks drauf hatten, kamen zügig näher und schließlich auch vorbei. Letztlich ließ auch Elliott noch vor der ersten Stage-Flagge auf die Trockenreifen umrüsten. Einige - darunter McDowell - legten in Stage 1 sogar zwei Boxenstopps ein.

Den Stage-1-Sieg nach 20 Runden holte sich Briscoe, der als zeitlich Zweiter auf Slicks gewechselt hatte. Hinter Briscoe kamen Reddick und Daniel Suarez (Trackhouse-Chevrolet) auf der zweiten und dritten Position über die Linie. Bemerkenswert: Das gesamte erste Rennsegment ging trotz der schwierigen Bedingungen ohne Gelbphase über die Bühne.

Stage 2: Joey Logano staubt nach Technikproblem bei Todd Gilliland ab

Auch das zweite Rennsegment (Stage 2) ging über 20 Runden. Weil Stage-1-Sieger Chase Briscoe und einige andere in der Stage-Caution zum zweiten Boxenstopp kamen, nahm Todd Gilliland (Front-Row-Ford) den Restart als Führender unter die Räder. Der Rookie führte zunächst vor Joey Logano (Penske-Ford).

Lange Freude hatte Gilliland aber nicht an der Führung. Mit Logano und dem vom Ende des Feldes gestarteten Kyle Busch (Gibbs-Toyota) im Nacken, trat am #38 Front-Row-Ford ein Problem an der Hinterachse auf. Ein außerplanmäßiger Boxenstopp unter Grün war die Folge. Letzten Endes wurde Gilliland nur auf Platz 38 im Endergebnis gewertet.

Logano erbte im Zuge des Problems bei Gilliland die Führung. Und als nach insgesamt 40 Rennrunden die zweite Stage-Flagge gezeigt wurde, hatte Logano den Stage-2-Sieg vor Kyle Busch und vor dem anfänglichen Spitzenreiter Michael McDowell sicher.


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Im letzten der drei Rennsegmente standen 50 Runden auf dem Programm. Weil Joey Logano und Kyle Busch in der Stage-Caution an der Box waren (wobei Busch an Logano vorbeikam), führte der auf der Bahn gebliebene Michael McDowell beim Restart vor Chase Elliott. Der Restart selbst verlief packend, aber zumindest bei dieser Gelegenheit ging noch alles ging gut.

Nicht mehr gut ging es wenige Sekunden später. Es gab die erste von drei Gelbphasen, die nicht der obligatorischer Trennung in die drei Rennsegmente geschuldet waren. Beim Restart führte abermals McDowell, verlor die Spitzenposition aber kurz darauf an Elliott.

Kyle Larson quetscht sich an Chase Elliott vorbei

Kurz vor Hälfte des letzten Rennsegments wurde die Phase der routinemäßigen Boxenstopps unter Grün eingeleitet. Nachdem Spitzenreiter Elliott die Boxengasse aufgesucht hatte, erbten strategiebedingt nacheinander Cole Custer (Stewart/Haas-Ford) und Austin Dillon (Childress-Chevrolet) die Führung. Doch schon bald kam der frisch bereifte Elliott wieder vorbei und war damit abermals der Spitzenreiter.

Zwölf Runden vor Schluss brachte Joey Hand (Ware-Ford) mit einem Dreher in die Reifenstapel von Kurve 1 die vorletzte Gelbphase heraus. Beim Restart führte Elliott vor Hendrick-Teamkollege Kyle Larson. Doch es gab direkt nochmal Gelb. Grund war ein Dreher von Loris Hezemans (Hezeberg-Ford) ins Kiesbett der vorletzten Kurve.

Den letzten Restart mit noch fünf zu fahrenden Runden nahm Elliott erneut vor Larson unter die Räder. Und bei dieser Gelegenheit gelang es Larson, sich in Kurve 1 innen an Elliott vorbeizuquetschen. Elliott verlor Schwung und fiel direkt noch weiter zurück, denn auch A.J. Allmendinger (Kaulig-Chevrolet), der sich in Stage 1 an dieser Stelle gedreht hatte, sowie Joey Logano und Tyler Reddick kamen vorbei.

Die letzten vier Runden wurden zum Duell zwischen Larson und Allmendinger um den Sieg. Allmendinger kam aber nicht ganz in Schlagdistanz. So brachte Titelverteidiger Larson, der tags zuvor an gleicher Stelle schon das Rennen der zweiten NASCAR-Liga (Xfinity-Serie) gewonnen hatte, seinen zweiten Sieg der laufenden Cup-Saison 2022 (nach Fontana im Februar) ins Ziel.

Hinter Sieger Kyle Larson und dem Zweitplatzierten A.J. Allmendinger kam Joey Logano als Dritter ins Ziel. Chase Elliott, der die meisten Runden angeführt hatte, musste sich mit P4 vor Daniel Suarez begnügen. Suarez aus Mexiko war damit der bestplatzierte der sieben Nicht-US-Amerikaner im Feld.

Kyle Busch, der nach einem Motorwechsel nicht von P10, sondern vom Ende des Feldes hatte starten müssen, leistete sich im letzten Rennsegment einen Dreher. Nach diesem war für ihn nicht mehr als Platz 32 zu holen. Der am Ende bestplatzierte Fahrer von insgesamt sechs, die eine Rückversetzung in der Startaufstellung kassiert hatten: Kyle Buschs Gibbs-Teamkollege Christopher Bell auf P8.

Kimi Räikkönen trotz Ausfall "mit wirklich Spaß"

Kimi Räikkönen zeigte bei seinem Cup-Debüt eine starke Leistung. Seit dem skandalträchtigen Formel-1-Saisonfinale 2021 in Abu Dhabi hatte der "Iceman" kein Rennen mehr bestritten hatte. Von Rost oder ähnlichem war am Wochenende in Watkins Glen aber nichts zu spüren, im Gegenteil. Das Regenwetter kam ihm und anderen Rundkurs-Spezialisten im Feld sogar entgegen.

Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen (Trackhouse-Cheverolet) schied bei seinem Cup-Debüt unglücklich aus Zoom

Im Freien Training am komplett trockenen Samstag hatte sich Räikkönen im erstmals eingesetzten dritten Chevrolet Camaro vom Trackhouse Racing Team (Startnummer 91) direkt auf P20 im 39-köpfigen Feld eingereiht. Im Qualifying fuhr er den 27. Startplatz heraus. Im Rennen kam er auf nasser Piste zügig in die Top 20 nach vorn. Stage 1 beendete er als 19., Stage 2 als 28., nachdem er strategiebedingt zwischenzeitlich an achter Stelle gelegen hatte.

Zu Beginn des langen letzten Rennsegments aber gab es für Räikkönen einen Rückschlag, der im Ausfall endete. Unmittelbar nach dem Restart legte Austin Dillon in der Bus-Stop-Schikane einen Dreher hin. Räikkönens Ausweichmanöver im dichten Pulk ging schief und endete nach einer unglücklichen Berührung mit Loris Hezemans im Reifenstapel.

"Ich war eigentlich gar nicht richtig verwickelt. Ich hatte eine gute Linie, aber dann kamen alle nach links rüber und ich hatte keine Zeit mehr zum Reagieren", so Räikkönen, um anzufügen: "Es hat aber wirklich Spaß gemacht. Ich wurde immer selbstsicherer und hatte ein paar gute Zweikämpfe. Schade, denn das Auto war wirklich schnell. Aber so läuft es halt manchmal." Kann er sich weitere NASCAR-Einsätze vorstellen? "Mal abwarten."

Bei seinem Debüt in der NASCAR-Topliga sprang für Räikkönen nach dem unglücklichen Ausfall nicht mehr als Platz 37 im Endergebnis heraus. Übrigens: Als Crewchief für den prominenten Cup-Debütanten aus Finnland fungierte Darian Grubb, der 2006 mit Jimmie Johnson das Daytona 500 gewonnen hatte und der Tony Stewart in der Saison 2011 zum Titelgewinn dirigiert hatte.

Mike Rockenfeller beim NASCAR-Debüt auf P30

Neben Formel-1-Weltmeister und -Rekordstarter Räikkönen fuhr auch DTM-Champion und Le-Mans-Sieger Mike Rockenfeller am Sonntag sein erstes Rennen in der NASCAR-Topliga. Für das kleine Team Spire Motorsports pilotierte "Rocky" den im gesamten Saisonverlauf eingesetzten Chevrolet Camaro mit der Startnummer 77.

Mike Rockenfeller

Mike Rockenfeller (Spire-Chevrolet) schloss sein NASCAR-Debüt in der Führungsrunde ab Zoom

Eben diesen #77 Spire-Chevrolet qualifizierte Rockenfeller für den 33. Startplatz. Im Rennen kam er anfangs ähnlich gut nach vorn wie Räikkönen und lag nicht weit hinter dem "Iceman" zurück.

Rockenfeller beendete Stage 1 als 25. In Stage 2 aber hatte er in der Bus-Stop-Schikane einen Dreher, der ihn vorübergehend aus der Führungsrunde warf. Sein erstes NASCAR-Rennen überhaupt schloss "Rocky" auf P30 in der Führungsrunde ab. (Mike Rockenfeller im Gespräch mit Stefan Heinrich über NASCAR und mehr)

Daniil Kwjat (Hezeberg-Toyota) wurde in seinem zweiten NASCAR-Rennen (nach dem Indianapolis-Rundkurs Ende Juli) nach abermals technischen Problemen mit reichlich Rundenrückstand auf dem 36. Platz gewertet. Teamkollege Loris Hezemans kam nach dem unglücklichen Zwischenfall mit Kimi Räikkönen und seinem eigenen Dreher kurz vor Schluss noch auf dem 33. Platz ins Ziel.

Kampf um die Playoffs: Noch ein Ticket zu vergeben

Mit seinem vierten Platz im Rennen hat sich Chase Elliott schon ein Rennen vor Schluss der Regular-Season den inoffiziellen Titel des Regular-Season-Champions gesichert. So inoffiziell der ist, so wertvoll kann aber sein. Denn er geht einher mit 15 Bonuspunkten für die Playoffs, die in zwei Wochen beginnen.

Neben Elliott waren schon direkt nach dem Rennen am vergangenen Wochenende (Richmond) neun weitere Fahrer vorzeitig für die Playoffs qualifiziert. Es handelt sich um die wie Elliott mehrmaligen Saisonsieger William Byron, Ross Chastain, Denny Hamlin, Joey Logano, Tyler Reddick, Kevin Harvick, und außerdem Kyle Larson (inzwischen auch mehrmaliger Saisonsieger) sowie Kyle Busch und Christopher Bell.

Seit Watkins Glen steht nun fest, dass auch Austin Cindric, Alex Bowman, Chase Briscoe, Daniel Suarez sowie Kurt Busch ihr Playoff-Ticket sicher haben. Kurt Busch aber ist derzeit mit Gehirnerschütterung außer Gefecht gesetzt und wird auch am kommenden Wochenende nicht fahren. Sein Comeback will er beim Playoff-Auftakt in zwei Wochen geben. Ob es dazu kommt, wird sich zeigen.

Um den 16. und letzten Playoff-Platz streiten sich allen voran weiterhin Penske-Pilot Ryan Blaney, der in Watkins Glen P24 belegte und Gibbs-Pilot Martin Truex Jr., der direkt vor Blaney auf P23 einlief. Nach Punkten aber hat Blaney um deren 25 Zähler die Oberhand.

Das Finale der Regular-Season findet am kommenden Samstagabend (27. August) unter Flutlicht auf dem Daytona International Speedway statt. Acht Tage später (4. September) steigt dann auf dem Darlington Raceway das erste der zehn Rennen in den Playoffs, die bis zum 6. November gehen.

Next-Gen-Test: NASCAR Gen7-Autos auf dem Daytona International Speedway

In Daytona fällt die Entscheidung über den 16. und letzten Playoff-Platz Zoom

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