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NASCAR Charlotte: Blaney gewinnt vertagtes Marathonrennen mit 16 Mal Gelb

Doppelter Penske-Triumph: Einen Tag nach dem Indy 500 der IndyCar-Serie geht nach 16 Gelbphasen auch das Coca-Cola 600 der NASCAR an das Team von Roger Penske

(Motorsport-Total.com) - Wetterbedingt mit einem Tag Verspätung, und somit genau am Memorial-Day, fand montags auf dem Charlotte Motor Speedway das längste Rennen im Kalender der NASCAR Cup Series statt. Das über 600 Meilen (965 Kilometer) gehende Coca-Cola 600 wurde diesmal von Ryan Blaney (Penske-Ford) gewonnen.

Ryan Blaney

Erster Saisonsieg für Ryan Blaney (Penske-Ford) Zoom

Für Blaney ist es der erste Sieg seit knapp zwei Jahren. Und für das Team Penske, das tags zuvor schon das Indy 500 der IndyCar-Serie gewonnen hat, ist es das erste Mal in der Teamgeschichte, dass das berühmte US-Double am Memorial-Day-Weekend mit zwei Siegen abgeschlossen wurde. (Fotos: NASCAR in Charlotte)

Inklusive einer 25-minütigen Rotphase, weil es auch am Montag zumindest kurzzeitig regnete, dauerte das Rennen 5:23 Stunden. Abgesehen von der Rotphase gab es 16 Gelbphasen.

Aufgrund der früheren Startzeit (15:00 Uhr anstatt 18:00 Uhr wie sie für Sonntag geplant war) ging das Rennen diesmal trotz der längsten Distanz im Kalender schon kurz nach Sonnenuntergang zu Ende. Bei normaler Startzeit geht das Coca-Cola 600 bis in die Nacht hinein. (Ergebnis: NASCAR in Charlotte)

Die langanhaltenden Regenfälle am Charlotte Motor Speedway sorgten am Wochenende nicht nur für die Vertagung des Rennens von Sonntag auf Montag, sondern zuvor schon für die Absage des für Samstag geplant gewesenen Freien Trainings und auch des Qualifyings - letzteres zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Coca-Cola 600.

Anhand der berechneten Startaufstellung, deren Formelparameter das Ergebnis des vorangegangenen Punkterennens, die Position des Fahrers in der aktuellen Punktewertung und die Position des Autos in der aktuellen Owner-Wertung sind, gingen William Byron (Hendrick-Chevrolet) und Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford) aus der ersten Startreihe ins Rennen.

Stage-Siege für Byron, Buescher, Blaney

In Stage 1, dem ersten von vier 100-Runden-Segmenten, führte Polesetter William Byron am längsten. Die letzte Runde aber war spannend, denn er hatte die zuvor ebenfalls in Führung gelegenen Ryan Blaney und Christopher Bell (Gibbs-Toyota) direkt am Heck. Blaney probierte es, kam an Byron aber nicht vorbei. Stattdessen kam Bell an Blaney vorbei und hätte auch Byron beinahe noch abgefangen. Die Stage-1-Flagge sah Byron knapp vor Bell und vor Blaney.

In Stage 2 ging Tyler Reddick (23XI-Toyota) dank flinker Arbeit seiner Crew beim einzigen Green-Flag-Stop des Abends in Führung. Die eingangs erwähnte 25-minütige Rotphase aufgrund von Regen fiel in dieses zweite Rennsegment. Im Anschluss an die Unterbrechung gab es mehrere Gelbphasen kurz hintereinander. Gewonnen wurde Stage 2 letztlich unter Gelb von Chris Buescher (RFK-Ford) vor Kevin Harvick und vor Brad Keselowski (RFK-Ford).

Chase Elliott vs. Denny Hamlin: Absicht oder nicht?

Der größte Zwischenfall im gesamten Rennen war kurz vor Ende von Stage 2 ein Crash mit Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) und Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet), der für beide das Aus bedeutete. Ausgangs Turn 4 wurde Elliott von Hamlin in die Mauer gedrückt. In direkter Folge wurde Hamlin umgedreht und krachte heftig in die Mauer. Dabei wurde der weiße #11 Gibbs-Toyota schwer beschädigt.

Hamlins Reaktion im TV-Interview mit 'Fox' in Richtung Elliott: "Es war ein Ausraster und er sollte nächste Woche nicht fahren. Ein solches Aufs-Korn-Nehmen von rechts hinten ist einfach inakzeptabel! Das war genau das Gleiche, was Bubba Wallace mit Kyle Larson gemacht hat."

Elliotts ausweichende Antwort auf Nachfrage, ob er Hamlin mit Absicht in den Dreher und damit in die Mauer geschickt habe: "Wenn man mit diesen Autos einmal in der Mauer war, kann man sie leider nicht mehr fahren. Es war einfach ein unglücklicher Umstand."

In Stage 3 ging es deutlich gesitteter zu. Am Ende dieses dritten 100-Runden-Segments hatte Penske-Pilot Ryan Blaney die Nase knapp vorn und damit seinen ersten Stage-Sieg der Saison in der Tasche. Genau wie in Stage 1 war es am Schluss ein Dreikampf. Den entschied Blaney knapp vor Tyler Reddick und Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota) für sich.

William Byron mit Boxenvorteil, aber Ryan Blaney gewinnt

War das dritte Rennsegment ein ruhiges ohne größere Zwischenfälle, so gab es im entscheidenden vierten Segment noch eine ganze Reihe Gelbphasen kurz hintereinander, bevor die letzten 20 Runden dann doch am Stück unter Grün absolviert wurden und es ohne Verlängerung ins Ziel ging.

Ryan Blaney führte sowohl im letzten Segment als auch im gesamten Rennen die meisten Runden an. Und er lag vor allem auch in der entscheidenden 400. Runde ganz vorne. Seinen Sieg feierte Blaney auf die gleiche Art und Weise wie es Penske-Kollege Josef Newgarden tags zuvor in Indianapolis getan hat: Mit einem Bad in der Menge direkt auf der Haupttribüne.

Knapp geschlagener Zweiter wurde William Byron. Bei den zahlreichen Boxenstopps unter Gelb kam der Hendrick-Pilot sage und schreibe neunmal als Erster aus der Boxengasse heraus, wobei er längst nicht so oft als Erster hereingekommen war. Entscheidend war wie so oft der Vorteil des Boxenplatzes direkt am Ausgang der Boxengasse.

Entscheidend im Kampf um den Sieg waren letztlich aber nicht die Boxenstopps. Beim vorletzten Restart nahm Blaney Byron die Führung ab, verteidigte diese auch beim letzten Restart und in den finalen 20 Runden und brachte seinen ersten Sieg seit August 2021 (Daytona) schließlich mit 0,6 Sekunden Vorsprung auf Byron ins Ziel.

Dritter wurde Martin Truex Jr., Vierter der über weite Strecken der Distanz unauffällig gebliebene Bubba Wallace (23XI-Toyota) und Fünfter dessen Teamkollege Tyler Reddick.

Eingangs des letzten Rennsegments hätte Reddick seinen hellblauen 23XI-Toyota beinahe weggeschmissen. Auf der Verfolgung von Spitzenreiter Ryan Blaney kam er im Drift aus Turn 4 heraus. Reddick konnte das Auto aber einfangen und verlor beim Geradeausritt über den (toyotarot lackierten) Kunstrasen nicht mal eine Position.

Wenige Runden nach diesem wilden Ritt kollidierte Reddick an genau der gleichen Stelle des 1,5-Meilen-Ovals mit Kevin Harvick, der das letzte Coca-Cola 600 seiner Karriere knapp außerhalb der Top 10 auf P11 beendete. Gestartet war er aus der ersten Reihe, hatte anfangs aber Probleme mit dem Handling.

Als die Sonne durch die dunklen Wolken durchkam, erwachte der weiße #4 Stewart/Haas-Ford förmlich zum Leben. Zu Beginn des dritten Rennsegments übernahm Harvick sogar die Führung. Dass es kein Top-10-, Top-5- oder sogar noch besseres Ergebnis wurde, lag nicht zuletzt an der unglücklichen Kollision mit Reddick.

Sechster wurde Kyle Busch (Childress-Chevrolet). Im turbulenten zweiten Rennsegment hatte er eine Kollision mit Brad Keselowski, in die auch Daniel Suarez (Trackhouse-Chevrolet) verwickelt wurde. Keselowski wiederum hatte später (Stage 3) noch eine andere Kollision, und zwar mit Todd Gilliland (Ware-Ford).

Die Top 10 des Marathonrennens wurden abgerundet von Ricky Stenhouse (JTG-Chevrolet; 7.), Chris Buescher (8.), Austin Dillon (Childress-Chevrolet, 9.) und dem amtierenden Truck-Champion Zane Smith (Front-Row-Ford), für den P10 das bisher beste Ergebnis seiner noch jungen Cup-Karriere ist.

Dreifachpleite für Jimmie Johnson und Co.

Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet) kam bei seinem Comeback nach einem Monat Verletzungspause direkt hinter Kevin Harvick auf dem zwölften Platz ins Ziel.

Der viermalige Coca-Cola-600-Sieger Jimmie Johnson kam bei seinem dritten Renneinsatz für das von ihm mitbesessene Team - Legacy Motor Club - nicht ins Ziel. In Stage 1 drehte er sich an 24. Stelle fahrend im Duell mit Corey LaJoie (Spire-Chevrolet). In Stage 2 kollidierte Johnson am Endes des Feldes fahrend mit einem seiner Teamkollegen und Angestellten: Noah Gragson.

Ins Rennen gegangen war Johnson auf Basis der berechneten Startaufstellung vom 37. und damit letzten Platz. Auf dieser Position wurde er auch im Rennergebnis gewertet. Kaum besser als Johnson, nämlich auf P36 und P32 im Rennergebnis: Noah Gragson und Erik Jones in den beiden auf Vollzeitbasis eingesetzten Autos vom Legacy Motor Club. In Stage 1 hatten Gragson und Jones auf der Strecke liegende Kleinteile erwischt, wobei zeitgleich an beiden Autos der Kühler beschädigt wurde!

Ty Gibbs und Justin Haley mit Doppelprogramm am Montag

Übrigens: Weil aufgrund des verregneten Wochenendes nicht nur das Rennen der NASCAR-Topliga, sondern auch das Rennen der zweiten NASCAR-Liga (Xfinity-Serie) verschoben werden musste, gibt es zwei Fahrer, deren geplantes Tagespensum am Montag nicht "nur" aus 600, sondern sogar 900 Rennmeilen besteht: Ty Gibbs und Justin Haley.


NASCAR 2023: Charlotte

Die Highlights von Rennen 14 von 36 der NASCAR Cup Series 2023, dem Coca-Cola 600 auf dem Charlotte Motor Speedway!

Laut Plan hätte das Xfinity-Rennen dem Cup-Rennen direkt vorausgehen sollen. Es wurde am Montag zwar kurz nach 11:00 Uhr Ortszeit (17:00 Uhr MESZ) gestartet. Weil aber im Verlauf des Rennens starker Nebel aufzog und es leicht zu regnen anfing, wurde unterbrochen, da man das Cup-Rennen nicht nochmals verschieben wollte.

Im Cup-Rennen kam Haley auf P15 ins Ziel. Gibbs lag bis kurz vor Schluss auf Kurs zu einer Top-10-Platzierung, wurde dann aber unschuldig in einen späten Dreher von Kyle Larson (Hendrick-Chevrolet) verwickelt und schloss mit zwei Runden Rückstand nur auf P26 ab. Die Fortsetzung des Xfinity-Rennens ist nun für den Anschluss an das Cup-Rennen angesetzt. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung lag Ty Gibbs in Führung und Justin Haley an 16. Stelle.

Im Xfinity-Rennen ist Haley bei Kaulig Racing kurzfristig für Kyle Busch eingesprungen. Eigentlich war für Busch an diesem Wochenende das Doppelprogramm aus Xfinity- und Cup-Rennen geplant. Nachdem aber beide Rennen auf Montag verschoben wurden, hat sich Busch auf seinen Cup-Einsatz bei Richard Childress Racing konzentriert - und das mit Erfolg in Form seines sechsten Platzes nach Dreher.

Im Rennkalender der NASCAR Cup Series geht es am Sonntag (4. Juni) weiter auf dem World Wide Technology Raceway (ehemals Gateway Motorsports Park) in St. Louis. Auf dem dortigen 1,25-Meilen-Oval gastierte die NASCAR-Topliga im vergangenen Jahr zum ersten Mal.

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