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Montoya-Spotter Tab Boyd: "Alles für den Chase"

Die Sprint-Cup-Saison 2009 beinhaltet für das Team von Juan Pablo Montoya nur ein einziges Ziel: Die Qualifikation zum NASCAR-Chase - Tab Boyd erklärt warum

(Motorsport-Total.com) - Als Spotter genießt Tab Boyd im Sprint-Cup-Team von Juan Pablo Montoya eine besondere Vertrauensstellung. Schließlich sind seine scharfen Augen auf dem Tribünendach dafür verantwortlich, dass der Kolumbianer ein Sprint-Cup-Rennen möglichst sicher und weit vorne beenden kann.

Tab Boyd

Montoya-Spotter Tab Boyd hat für 2009 nur ein einziges großes Ziel: den Chase Zoom

Im frisch-fusionierten Earnhardt-Ganassi-Team gab es über den Winter jede Menge Trubel, doch mit dem Saisonbeginn kehrt nun wieder die Alltagsroutine ein. Die Politik bleibt (hoffentlich) außen vor, ab sofort dreht sich alles wieder um den Rennsport.#w1#

In Las Vegas schilderte Boyd gegenüber 'Motorsport-Total.com' seine Erwartungen für die neue Sprint-Cup-Saison, die nicht nur intern unter einem einzigen großen Motto steht: In seiner dritten NASCAR-Saison will das Montoya-Team den Einzug in die NASCAR-Playoffs der besten Zwölf, den Chase, schaffen.

Frage: "Tab, kannst du nach diesem Winter das Stichwort Fusion überhaupt noch hören?"
Tab Boyd: "Na ja, das war auf jeden Fall eine einzigartige Erfahrung. Ich persönlich habe das zum ersten Mal mitgemacht, viele andere Leute bei uns auch. Für unser 42-Team war es eigentlich noch recht einfach, verglichen mit anderen Teams aus unserem Haus. Zum Beispiel Martin Truex oder Aric Almirola, bei denen die ganze Crew umziehen musste."

"Außerdem sind wir von Dodge zu Chevrolet gewechselt. Die Offseason war also wirklich eine Zeit der Veränderungen, und deshalb ist es jetzt umso schöner, dass die Saison wieder losgegangen ist, und wir endlich wieder Rennen fahren."

Mit Chevy-Power in den Chase

Juan Pablo MontoyaDaytona, Daytona International Speedway

Mit neuer Chevy-Power will das Montoya-Team den Chase erreichen Zoom

Frage: "Mit anderen Worten: Das gesamte 42-Team ist nun wieder so richtig erfolgshungrig?"
Boyd: "Absolut. Wir haben schon bemerkt, dass der Chevrolet-Motor besser ist und auch mehr PS hat. In Fontana hatten wir auch schon ein richtig gutes und solides Rennen. Genau das brauchst du. Du brauchst Top-20-Resultate, Top-15-Resultate und anschließend Top-10 Resultate. Sobald du regelmäßig unter die ersten Zehn fahren kannst, springen irgendwann auch automatisch Siege heraus, weil du dich ganz einfach viel näher an der Spitze aufhältst."

Frage: "Das bedeutet, euere Saisonziele sind ganz auf den Chase ausgerichtet?"
Boyd: "So ist es. Natürlich wollen wir auch gewinnen, aber es ist schwer zu formulieren, wie viele Siege du in einer Saison holen willst. Das Ziel muss es sein, jede Woche das bestmögliche Resultat zu holen. Wenn du dann gewinnen solltest, dann hilft uns das natürlich weiter, aber das große Ziel ist es, uns nun im Bereich der Top 10 der Gesamtwertung festzubeißen."

Frage: "Kasey Kahne ist da ein gutes Beispiel. Er hat 2008 zwei oder drei Rennen gewonnen, aber er hat es nicht in den Chase geschafft. Im Fall Montoya fallen mir dabei natürlich die beiden Rundstreckenrennen in Sonoma und Watkins Glen ein. Habt ihr da ein besonderes Auge drauf?"
Boyd: "Ich würde gar nicht einmal behaupten wollen, dass diese beiden Rennen unsere erste Wahl sind. Juan Pablo hat sich auf den Ovalen massiv verbessert. Ich persönlich wäre gar nicht einmal überrascht, wenn wir schon einen Sieg auf einem Oval holen, bevor wir überhaupt nach Sonoma fahren."

"Ein Oval-Sieg ist eines meiner Ziele, denn ich weiß, dass wir dazu in der Lage sind. Natürlich ist Juan Pablo auf den Rundkursen extrem stark, aber dabei sollte man Tony Stewart oder Jeff Gordon nicht vergessen. Sie wissen auch ganz genau, wie man dort gewinnt. Einfach wird das also nicht."

In Atlanta soll ein Zeichen gesetzt werden

Juan Pablo MontoyaFontana, California Speedway

Kann Juan Pablo Montoya schon in Atlanta ein Ausrufezeichen setzen? Zoom

Frage: "Wie steht es nach dem Merger mit der Stimmung im Team? Hat sich Juan Pablo in dieser neuen Situation ein wenig verändert?"
Boyd: "Ich denke schon, dass er zufrieden ist. Alleine das Sponsoring von Target tut ihm gut. Er kennt die Leute, unser Team ist bis auf ein oder zwei Abgänge unverändert geblieben, dazu die Chevy-Power. Für uns alle war die Fusion schon gut."

Frage: "Wenn wir über den Chase reden, dann kommen wir nicht drum herum, das 1,5 Meilengeschäft unter die Lupe zu nehmen. 70 Prozent der Rennen werden dort ausgetragen. Sind Las Vegas und Atlanta erste Fingerzeige, ob das Ziel Chase erreicht werden kann?"
Boyd: "Las Vegas sticht da ein wenig heraus, aber wir haben schon gezeigt, dass wir schnell sind und auf einem Top-10-Level fahren können. Vegas war daher schon eine Andeutung, aber der eigentliche Test kommt dann in Atlanta und auf einigen anderen Strecken."

Frage: "Und in Atlanta wollt ihr mehr?"
Boyd: "Ja. Ich liebe Atlanta und Juan Pablo ist dort immer gut. Die hohe Linie dort liegt seinem Fahrstil. Atlanta ist für uns wie gemacht."

Frage: "Atlanta ist einer der Klassiker. 1,5 Meilen mit einem Banking von 24 Grad, ähnlich wie etwa Charlotte. Kannst du erklären, was Atlanta so besonders macht?"
Boyd: "Es ist der Asphalt. Der Belag in Atlanta ist sehr alt und sehr rau, hart zu den Reifen. Dort kann der Fahrer keinesfalls nur mitrollen, sondern muss wirklich immer attackieren. Und genau das liegt Juan Pablo. Charlotte hat hingegen viele Schläge. Das hat Atlanta zwar auch, aber es ist einfach schneller und hat mehrere mögliche Fahrlinien."

Frage: "Charlotte hat also durch den neuen Belag mehr Grip?"
Boyd: "Ja, aber der Belag dort ändert sich jedes Jahr. Er ist nicht mehr brandneu und arbeitet daher viel. Daher ändert sich auch das Griplevel sogar während eines Rennwochenendes erheblich. In Atlanta ist es die Kombination verschiedener Sachen, die Juan Pablo sehr gut liegt."

Handling ist (fast) alles

Juan Pablo Montoya Daytona, Daytona International Speedway

Will das Montoya-Team Erfolg haben, muss jede Komponente perfekt sein Zoom

Frage: "Ganz allgemein gefragt: Wenn du die drei Erfolgskomponenten Fahrer, Auto und Strategie nimmst. Wie viele Prozent müssen in welchen Erfolgstopf wandern?"
Boyd: "Das ist schwer zu sagen. Wenn du in einer Komponente auch nur um zehn Prozent daneben liegst, dann kannst du deinen Tag schon vergessen. Um Erfolg zu haben, muss alles perfekt laufen. Ein gutes Beispiel ist dabei das Handling des Autos."

"Es ist gar nicht notwendig, dass die Balance zu jedem Zeitpunkt des Rennens perfekt ist. Was du aber unbedingt machen musst, sind die richtigen Änderungen bei den Boxenstopps. Das wiederum hängt auch stark von einer guten Strategie ab, und das alles wiederum beeinflusst, wie der Fahrer drauf ist (lacht; Anm. d. Red.)."

Frage: "Juan Pablo fährt nun seine dritte NASCAR-Saison. Wir haben in der Vergangenheit schon oft über die notwendige Übergangsphase von einem Formel-1-Piloten zu einem waschechten NASCAR-Fahrer gesprochen. Glaubst du, dass Montoyas Übergangsphase nun beendet ist?"
Boyd: "Ich glaube nicht, dass irgendein Fahrer von sich behaupten kann, eine Lernphase ist vorbei. Die Technologie entwickelt sich fast von Woche zu Woche weiter. Jemand kann 20 Jahre Ovalerfahrung haben. Plötzlich ändert sich ein entscheidendes Teil am Auto, und er muss wieder lernen, wie er damit umgeht."

"Was sich bei Juan Pablo nun eingestellt hat, ist sein Verständnis darüber, wie sich ein Auto im Verlauf eines Runs verändern muss. Dabei ist das Handling bei einem NASCAR-Auto dramatisch unterschiedlich. Wir haben keine Reifenwärmer, und deswegen ist das Auto zu Beginn eines Runs mit niedrigem Luftdruck und kalten Reifen extrem übersteuernd."

Die Lernschritte werden kleiner

Daytona, Daytona International Speedway

Montoya ist auf dem besten Wege, ein echter NASCAR-Pilot zu werden Zoom

"Im Laufe eines Runs wärmen sich die Reifen auf, es kommt mehr Luftdruck und damit ändert sich das Handling des Wagens dramatisch. Wenn du einen Green-Flag-Run von 40 oder 50 Runden hast, dann ist optimalerweise dein Auto in der Mitte dieses Runs perfekt. Genau an diesen Prozess hat sich Juan Pablo nun sehr gut angepasst."

"Aber nach einem Boxenstopp geht dieses Spiel wieder von vorne los. Der Fahrer muss sich also permanent an neue Bedingungen anpassen. Jeder Fahrer bevorzugt nun einen bestimmten Stil und nach zehn oder 15 Runden beginnt sich das Auto in eine bestimmte Richtung zu entwickeln."

"Auch ein Tony Stewart muss also immer wieder lernen, was sein Auto von ihm gerade abverlangt. Im Fall Juan Pablo kann man es vielleicht so formulieren: Wenn du eine Pyramide hinaufkletterst, dann sind die Stufen zu Beginn riesig und werden danach immer kleiner. Aber Dazulernen muss jeder Fahrer zu jeder Zeit, das ist zumindest meine Überzeugung."

Frage: "Wir haben das Thema Chase schon angesprochen. Wie ist dein persönlicher Ausblick auf die neue Saison?"
Boyd: "Der Chase steht über allem. Das ist das große Bild, das wir im Auge haben. Punkte sammeln also. Das haben wir zwar in den vergangenen Jahren auch schon so gehandhabt, aber da kam es immer wieder zu Vorfällen, die uns 50, teilweise sogar 100 Punkte auf einen Schlag gekostet haben."

"Nach 26 Saisonrennen siehst du dann, wie eng der Kampf um die Chase-Plätze ist. 20 Punkte hin oder her, und du bist entweder im Chase oder nicht. Deswegen gehen wir in die Saison mit dem Ziel, so wenig Risiko wie möglich einzugehen."

Die "Bad-Days" sind entscheidend

Brian Vickers Daytona, Daytona International Speedway

Brian Vickers (83) ist einer der Montoya-Konkurrenten im Kampf um den Chase Zoom

Frage: "Das Leidige am Thema Chase ist es aber, dass du mit Hendrick. Roush, Gibbs und Childress 16 Autos hast, von denen du einige bezwingen musst. Dazu Leute wie Brian Vickers, Kurt Busch oder Kasey Kahne. Wie soll das gelingen?"
Boyd: "Du musst solide und klug agieren. Keinen Blödsinn bauen. Schlechte Tage werden alle haben. Es geht darum, ob und wie du deinen Schaden minimieren kannst. Es ist nun einmal viel besser, wenn du an einem schlechten Tag 15. oder 20. wirst, als wenn du einen Crash baust und 43. wirst."

"Es geht gar nicht einmal darum, wie oft oder wie lange du Top-10-Resultate holen kannst. Früher oder später wird jeder Kandidat in diesem Bereich unterwegs sein. Den entscheidenden Unterschied werden deine schlechten Tage ausmachen. Da ist es entscheidend, ob du 20. oder 43. wirst."

Frage: "Ein Thema, das in den vergangenen Wochen an die Öffentlichkeit kam, war das neue USF1-Team. Einer der ersten, die dabei als mögliche Kandidaten ins Spiel kamen, war auf NASCAR-Seite natürlich Juan Pablo. Wie siehst du die Sache? Ist es denkbar, dass er Sehnsucht nach der Formel 1 hat, oder hat er in der NASCAR soviel Spaß und steckt voller Erfolgshunger?"
Boyd: "Ich kann natürlich nicht für ihn sprechen, aber ich glaube, dass er in der NASCAR noch einiges zu beweisen hat."

Frage: "In der Formel 1 hätte er auch noch einiges zu beweisen..."
Boyd: "Richtig, aber dort hat er bewiesen, dass er Rennen gewinnen kann. Klar wäre eine Formel-1-Weltmeisterschaft sicher eine Angelegenheit, die er wohl nicht ablehnen würde. Auch ich liebe zum Beispiel die Formel 1, aber in der NASCAR geht es so eng zu, hier können jede Woche 30 Autos ein Rennen gewinnen. In der Formel 1 sind es vier oder fünf."

Boyd würde Kyle Busch empfehlen

Kyle Busch, Las Vegas, Las Vegas Motor Speedway

Nicht nur für Tab Boyd wäre Kyle Busch der perfekte US-Boy in der Formel 1 Zoom

"NASCAR ist eine unglaublich schwierige Materie. Wenn du hier ein Top-10-Ergebnis holst, dann ist das ein Erfolg. Du gehst nicht in die Victory Lane, du kommst nicht auf ein Podium, aber du hast 35 andere Autos geschlagen. Du hast also wirklich etwas erreicht. Ich glaube, dass Juan Pablo etwas beweisen will. Er will auf dem Oval gewinnen und unser Team natürlich auch."

Frage: "Einmal abgesehen von Montoya. In den USA fahren die Spitzenleute alle in der NASCAR. Du kennst sie alle ganz genau. Wer wäre denn für dich ein logischer Kandidat für einen amerikanischen Formel-1-Piloten?"
Boyd: "Ich persönlich würde es einem Kyle Busch oder vielleicht sogar einem Jeff Gordon durchaus zutrauen. Natürlich brauchst du jede Menge Testfahrten, aber in meinen Augen kann es da überhaupt keinen Zweifel geben, dass diese beiden Jungs mithalten würden."

Frage: "Kyle selbst hat ja bereits zugegeben, dass dies eine interessante Sache für ihn sein könnte..."
Boyd: "Warum auch nicht? Er ist in der NASCAR mittlerweile ganz oben an der Spitze angelangt. Egal in welches Auto du ihn setzt, ein Truck, ein Nationwide-Auto oder ein Cup-Auto - er fährt überall ganz vorne mit. Klar wäre ein Formel-1-Wechsel ein riesiger Sprung mit einer langen Übergangsphase, ähnlich wie es Juan Pablo hier erlebt hat."

Frage: "Das ist natürlich alles reine Spekulation, aber Kyle Busch hat 2008 in Sonoma ja bewiesen, dass er auch ein guter Rundstreckenfahrer ist. Immerhin hat er dort die Montoyas, die Stewarts und die Gordons dieser Welt alle bezwungen..."
Boyd: "Absolut. Außerdem macht das Spekulieren ja auch Spaß."

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