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Dale Earnhardt: Erinnerungen an den Intimidator

Am 18. Februar 2001 kam Dale Earnhardt beim Daytona 500 ums Leben - Rückblick auf eine Legende, die NASCAR prägte wie niemand es davor und danach getan hat

(Motorsport-Total.com) - 15 Jahre sind seit dem verhängnisvollen 18. Februar 2001 vergangen, als Dale Earnhardt beim Daytona 500 sein Leben ließ. Eine neue Generation ist seitdem herangewachsen, die den "Intimidator" nie persönlich erlebt hat. Trotzdem kennt jedes Kind in den USA den schwarzen Chevrolet mit der Startnummer 3. Dale Earnhardt ist unvergessen. Aus gutem Grund, denn er war eine Lichtgestalt - er kickte so viele Gegner aus dem Rennen wie niemand zuvor und verhalf dem Sport zu nie gekannter Popularität.

Dale Earnhardt Sr.

Dale Earnhardt lebt in den Herzen von Millionen NASCAR-Fans weiter Zoom

Im rauen Südstaaten-Klima in Kannapolis, North Carolina, aufgewachsen, lernte er bereits von seinem Vater, der ebenfalls Rennfahrer war, sich durchzusetzen. Unterbuttern oder untergebuttert werden lautete das Motto auf den Dirt Tracks, wo er das Rennenfahren erlernte. Die Lektionen nahm er ins Road Racing mit: Wer ihn nicht passieren ließ, musste damit rechnen, das Rennen nicht zu beenden. Dale Earnhardt verstand es, seine Gegner durch seine bloße Präsenz im Rückspiegel einzuschüchtern. Damit machte er auch vor den ganz Großen nicht Halt.

Nach einigen Jahren mit sporadischen Einsätzen, bei denen er reichlich Lackproben der Konkurrenz mitnahm, bei denen aber auch sein Talent immer wieder durchblitzte, fuhr er 1979 seine erste Saison bei Rod Osterlund - und versetzte das Fahrerlager in Staunen: 1979 Rookie of the Year, 1980 der erste Titel. Einen solchen Aufstieg hat es davor und danach nie wieder gegeben. Was jedoch noch erstaunlicher war: Earnhardt drehte reihenweise Gegner um, doch wenn sie dasselbe mit ihm versuchten, konnte er durch nie gesehene Fahrzeugbeherrschung Ausfälle vermeiden. Aus dem "Pushing and Shoving" ging er stets als Sieger hervor.

Dale Earnhardt Dr.

Der pechschwarze Chevrolet mit der Startnummer 3 ist eine Ikone Zoom

Nach seinem Titel ging es erst einmal bergab. Er wechselte Teams, Fahrzeuge und Startnummern. Erst ab 1984 wurde er sesshaft: Richard Childress wurde sein Teambesitzer, Chevrolet sein Einsatzfahrzeug, die Startnummer 3 sein Markenzeichen. Es ging wieder bergauf. 1986 und 1987 holte er seine nächsten beiden Titel. Längst hatte er wegen seiner kompromisslosen Art eine große Schar von Fans gewonnen - und ebenso viele, die ihn dafür abgrundtief hassten. Er polarisierte wie niemand zuvor. "Wann immer ich sonntags ausgebuht werde, klingelt Montag die Kasse", pflegte Earnhardt zu sagen.

Der "Intimidator" war längst geboren, als 1988 das letzte Puzzlestück zur Legendenbildung hinzugefügt wurde - die pechschwarze Lackierung mit dem Sponsor des werksseitigen Reparaturservice von General Motors. In den frühen 90er-Jahren machte er sich unsterblich, als er vier Titel in fünf Jahren gewann und mit sieben Meisterschaften mit Richard Petty gleichzog. Sein Fan-Imperium setzte im amerikanischen Motorsport nie gesehene Summen um. In den 90er-Jahren stieg er in eine Liga mit Basketball- und Footballstars auf und NASAR mit ihm.

Harte Schale, weicher Kern

Earnhardt mag auf den ersten Blick wie ein Redneck aus dem Lehrbuch wirken - ein Schulabbrecher mit Schnauzbart und grimmigem Blick. Bereit für eine zünftige Rauferei auf der Strecke und, wenn nötig, später daneben. Doch das war nur Fassade. Dahinter steckte ein bescheidener Familienmensch. Trotz all seiner Millionen verbrachte er seine knapp bemessene Freizeit auf der Farm und kümmerte sich um seine Kinder. Wenn es keinen PR-Termin unter der Woche gab, half er dabei, den Stall auszumisten oder die Schweine zu füttern, sofern er nicht gerade zum Angeln ging.

Wie seine Karriere lief auch Dale Earnhardts Privatleben zu Beginn turbulent: Seinen Vater verlor er im Alter von 22 Jahren. Ein Jahr später hatte er bereits drei Kinder und stand mehrfach vor dem finanziellen Ruin. Erst mit seiner dritten Frau, Teresa, wurde er endgültig glücklich. Sein Privatleben hielt er stets vor der Öffentlichkeit verborgen, weil seine sanfte Art abseits der Piste so gar nicht zu seinem Image passte. Insbesondere seine Tochter Taylor Nicole ließ sein Herz schmelzen. Er half Freunden aus und galt als spendabel. Wenn es sein musste, lieh er sogar seinen Privatjet aus. Der "Intimidator" hatte eine sehr weiche Seite, die er stets verbergen musste.


Dale Earnhardts Unfall beim Daytona 500

Am 18. Februar 2001 ließ Dale Earnhardt beim Daytona 500 sein Leben - Der harmlos wirkende Unfall in der Liveübertragung Weitere Tourenwagen-Videos

Er hatte ein Image zu pflegen, und seine Frau, die sich im knallharten Business ebenso durchzusetzen wusste wie ihr Mann auf der Strecke, half ihm dabei, sich zu vermarkten. Er war der erste NASCAR-Fahrer, der über ein Fanartikel-Imperium verfügte. Zunächst machte sich Earnhardt mit seiner harten Gangart nicht viele Freunde im Fahrerlager, doch nach seinen zwei Titeln in den 80er-Jahren musste er sich keinen Respekt mehr verschaffen und taute auch für andere Fahrer auf. Unter anderem pflegte er eine rustikale Männerfreundschaft mit Rusty Wallace.

In den späten 80er-Jahren waren die Earnhardt-Wallace-Pranks eine Attraktion im Fahrerlager. Da musste Wallace schon einmal ein Rennen bei 35 Grad mit Sardinen unterm Fahrersitz bestreiten. Er revanchierte sich, indem er vor dem nächsten Rennen Earnhardts Lenkrad stibitzte. Der merkte das Fehlen seines Steuers erst kurz vor dem Start. Erst als das halbe Team und Earnhardt selbst völlig hektisch begannen, ihr gesamtes Equipment hektisch durcheinanderwarfen, um das Volant zu finden, schwenkte Wallace es grinsend aus seinem Fenster. "Gotcha, buddy!"

Die Rivalität mit Jeff Gordon

Seine geschäftlich wichtigste Beziehung war diejenige zu Jeff Gordon. Der Saubermann aus Kalifornien wollte zunächst gar nicht so richtig ins NASCAR-Geschäft passen, das die meisten Amerikaner noch immer als Sport für ungehobelte Rednecks begriffen. Doch Earnhardt sah sofort, dass sein heranwachsender Rivale dem Sport neue Märkte eröffnen konnte. Und so entstand eine der eindrucksvollsten Marketing-Inszenierungen der Sportgeschichte: Der Kampf "Gut gegen Böse" konnte nicht besser in Szene werden. Earnhardt gegen Gordon, das ließ niemanden kalt.

Jeff Gordon, Dale Earnhardt Sr.

Dale Earnhardt und Jeff Gordon vermarkteten ihre Rivalität perfekt Zoom

Hier der stets perfekt gepflegte Strahlemann aus Kalifornien, der auch noch lächelt, wenn er nach einem 500-Meilen-Rennen aus seinem farbenfrohen Fahrzeug steigt und die Herzen der Damenwelt höher schlagen lässt. Dort der raubeinige, faltige Südstaatler, der mit seinem schwarzen Bad-Boy-Gefährt die Gegner aus dem Weg räumt. Oder wie es die jeweiligen gegnerischen Fanlager formulieren würden: Hier das weichgespülte Muttersöhnchen, das schon mit einem Schraubenschlüssel in der Hand überfordert wäre, dort der unzivilisierte Hinterwäldler, der seit einer Woche nicht geduscht hat.

Es war ein Geniestreich des Marketings. NASCAR wuchs in seiner Popularität unaufhaltsam. Selbst wer niemals zuvor ein Rennen gesehen hat, verstand die Rollenverteilung sofort. Als Fan galt es, Stellung zu beziehen: Earnhardt oder Gordon, ein Dazwischen gab es nicht. Beide vermarkteten ihre erbitterte Rivalität in Perfektion, während sie selbst sich prächtig verstanden.

Das konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gordon Earnhardt auf der Strecke mehr und mehr Probleme bereitete. Gegen den von viel Finesse und Perfektionismus gezeichneten Fahrstil des Kaliforniers sahen die Etablierten vermehrt alt aus. Der Rennstall von Rick Hendrick etablierte eine Professionalität, die vielen Fans der alten Schule zuwiderlief. Statt sich gegenseitig Streiche zu spielen oder auch zu prügeln, mussten die Fahrer nun mit ihren Ingenieuren Daten auswerten - NASCAR begann, sich zu wandeln.

Ein Sturkopf bei Sicherheitsfragen

Das bedeutete jedoch nicht, dass Earnhardt nicht mehr siegfähig war. Im Gegenteil: Er gewann nach wie vor jedes Jahr Rennen. Sein perfektes Timing von Überholmanövern sorgte im Fahrerlager für Gerüchte, dass er womöglich den Luftstrom sehen könne. Er selbst dementierte das nur zur Hälfte: Er sehe die Luft zwar nicht, doch er könne sie spüren. Vielleicht verweigerte auch deshalb HANS, das ihm vermutlich das Leben gerettet hätte.

Bezüglich der Sicherheit erwies sich Earnhardt schon zuvor als dickköpfig: Als er 1996 in Talladega einen furchterregenden Unfall mit Überschlag hatte, weigerte er sich, eine Bahre zu besteigen. Earnhardt auf dem Krankenbett - das passte einfach nicht. Gegen den Rat aller Ärzte saß er eine Woche später wieder im Cockpit, musste das Rennen aber aufgeben. Für ihn selbst war dies der schlimmste Moment seines Lebens.


Der brillante letzte Sieg von Dale Earnhardt

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Seine eigene Verwundbarkeit wollte sich Dale Earnhardt nie eingestehen. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre erlebte er zahlreiche Unfälle, doch er gab sich stets als unverwüstlicher Kämpfer. Statt sich einer Operation zu unterziehen, die ihn eine Saison gekostet hätte, fuhr er immer weiter. Das sorgte dafür, dass er in Saison 1997 während eines Rennens einen Blackout erlebte und völlig desorientiert war. Eine Bandscheibe hatte sich verschoben und einen Nerv verklemmt. Seine rechte Hand schlief immer wieder ein, teils fuhr er einhändig. Erst im Winter 1999/2000 unterzog er sich einer Rückenoperation.

Danach kehrte er als neuer Mensch zurück. Plötzlich lief es wieder rund. In der Saison 2000 war Dale Earnhardt ein ernstzunehmender Meisterschaftskandidat. Nachdem er nur knapp am Titel vorbeischrammte, sollte 2001 letztlich der große Wurf gelingen: Titel Nummer acht und die alleinige Spitze in der ewigen Bestenliste sollten her. Doch es sollte bekanntermaßen anders kommen. Mit Earnhardt starb nicht nur eine Legende des Sports, in den Augen vieler starb mit ihm die Seele des Sports. NASCAR sollte nie wieder das sein, was es einmal war.

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