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"Noch ist nichts verloren": Bastianini will um "kleine" Titelchance kämpfen

Aragon-Sieger Enea Bastianini rechnet sich selbst zwar nur kleine Titelchance aus, will aber weiter 100 Prozent geben, auch gegen Ducati-Kollege Francesco Bagnaia

(Motorsport-Total.com) - Nach seinem vierten MotoGP-Saisonsieg in Aragon geht Enea Bastianini gestärkt in das erste Rennen über Überseetour in Motegi. Zwar ist der Gresini-Ducati-Pilot hier in der Königsklasse noch nie gefahren, doch damit ist er nicht allein.

Enea Bastianini

Enea Bastianini will seinen Lauf in Motegi fortsetzen und weiter um Siege kämpfen Zoom

"Ich bin sehr glücklich mit dem letzten Wochenende in Aragon. Es war eines meiner besten. Ich war von Freitag an sehr schnell, was immer wichtig ist", blickt er auf seinen Triumph vor knapp einer Woche zurück. Mit einem beherzten Manöver auf der Schlussrunde rang er Markenkollege Francesco Bagnaia nieder.

"Jetzt sind wir in Motegi, auch eine wunderschöne Strecke mit vielen harten Bremspunkten. Das mag ich. Aber es wird nicht einfach sein, denn ich bin mit der MotoGP hier noch nie gefahren. Ich muss das Training nutzen, um von Fahrern mit mehr Erfahrung zu lernen."

Bastianini: "Kann die Karten neu mischen"

Da der Grand Prix von Japan 2021 und 2020 wegen der Pandemie ausfallen musste, ist hier fast die Hälfte des aktuellen Feldes noch kein MotoGP-Rennen gefahren. Zudem haben sich die Bikes seit dem letzten Rennen auf dem Twin Ring Motegi weiterentwickelt, sodass "Rookie" zu sein, kein so großer Nachteil ist.

"Es stimmt, dass sich die MotoGP von 2019 bis jetzt sehr verändert hat - mit all der Aerodyamik und den Rear Devices. Das kann die Karten neu mischen", meint Bastianini. "Ich kann mich auch nicht viel an 2019 mit der Moto2 erinnern. Es war damals auch mein erstes Jahr in dieser Klasse hier. Aber ich bin bereit."

"Es wird wie immer auch wichtig sein, im Qualifying gut abzuschneiden. Das ist heutzutage der Schlüssel in der MotoGP", weiß der Italiener, der sich zuletzt dreimal für die erste Startreihe qualifizieren konnte. In diesem Punkt sieht er eine Steigerung.

"Ich weiß nicht warum, aber ich bin explosiver im Vergleich zur ersten Hälfte der Saison. Ja, ich habe drei Rennen gewonnen, bevor die Sommerpause begann. Aber für mich war es schwierig, konstant zu sein, auch im Qualifying. Dort bin ich jetzt konkurrenzfähiger", zieht der Gresini-Fahrer den Vergleich.

Mit seinem aktuellen Paket habe er jetzt "ein noch besseres Gefühl". Das helfe ihm, schnell zu sein. So konnte Bastianini auch in der WM-Wertung zuletzt wieder Punkte gutmachen. Er liegt nun auf Rang vier mit 48 Zählern Rückstand auf WM-Leader Fabio Quartararo.

Wie schätzt er seine Titelchancen selbst ein? "Ich denke, meine Chance ist sehr, sehr klein. Aber noch ist nichts verloren. Mal sehen, was noch passieren wird. Es ist wichtig, weitere gute Rennen wie in Aragon und Misano zu fahren. Ich werde jede Woche mein Bestes geben, um am Ende der Meisterschaft gut dazustehen."

Ducati greift (noch) nicht zur Teamorder

Bisher durfte Bastianini frei fahren und auch gegen Markenkollegen kämpfen, um sich diesem Ziel zu nähern. Und auch nachdem er Bagnaia in Aragon fünf Punkte abnahm, hat sich daran nichts geändert: Im Moment gibt es für mich keine Teamorder von Ducati und das ist gut. Denn ich habe diese, wenn auch kleine, Chance."

"Ich werde versuchen, sie zu nutzen, indem ich in jedem Rennen 100 Prozent gebe. Im letzten Teil der Meisterschaft werden wir dann sehen, ob es eine Teamorder geben wird oder nicht. Aber im Moment bin ich diesbezüglich ziemlich entspannt", so "La Bestia".

Die Top 3 in der WM sind sich der Gefahr, dass Bastianini ihnen noch gefährlich nahe auf die Pelle rücken könnte, sehr wohl bewusst. Vor allem Bagnaia weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Punkte zu holen sind, wenn man einmal einen Lauf hat. Er selbst machte auf Quartararo 81 Punkte in fünf Rennen gut.

"Ich denke, Enea ist einer der talentiertesten Fahrer in der aktuellen Startaufstellung", lobt Bagnaia seinen Marken- und künftigen Teamkollegen. Denn nächsten Saison wird Bastianini ins Werksteam aufsteigen und dann auch mit identischem Material unterwegs sein.

Enea Bastianini, Francesco Bagnaia

In Aragon schlug Bastianini seinen künftigen Teamkollegen Francesco Bagnaia Zoom

Bagnaia weiß: "Er wird mit Sicherheit weiter darum kämpfen, Punkte gutzumachen und die WM stark zu beenden. Mit 48 Punkten auf Fabio, 38 auf mich, ist er im Moment vielleicht weniger ein Titelanwärter als wir. Aber ich habe in den letzten Rennen auch viele Punkte aufgeholt. Also hat er mit Sicherheit eine Chance."

"Er ist ein super starker Fahrer", sagt auch Titelverteidiger Quartararo. "Bei noch fünf ausstehenden Rennen ist er vielleicht weniger ein Herausforderer als wir, weil er 48 Punkte zurückliegt. Wenn einer von uns einen Fehler macht, wird er aber nicht so weit weg sein."

"Er hat in Aragon ein fantastisches Rennen gezeigt. Ich sehe ihn also als Rivalen, aber etwas hinter Pecco und Aleix." Letzterer schließt sich an: "Enea ist sehr schnell. Das haben wir in Misano und Aragon gesehen. Und in dieser Meisterschaft kann alles passieren."

"Für Ducati wird es nicht einfach sein, zu verstehen, wie man am besten mit der Situation umgeht. Er ist ja immer noch im Titelkampf, liegt aber hinter Pecco. Mal sehen, wie sie das managen werden. Enea ist ohne Zweifel sehr schnell. Aber mit 48 Punkten Rückstand bei fünf Rennen wird es sicherlich schwierig für ihn."

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