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Luis Salom versöhnt Valentino Rossi und Marc Marquez

Frieden zwischen Valentino Rossi und Marc Marquez: Fehde wird angesichts des Unfalls von Luis Salom begraben - Verhältnis zu Jorge Lorenzo weiter angespannt

(Motorsport-Total.com) - Eine der bittersten Rivalitäten in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft gehört seit dem Großen Preis von Katalonien 2016 der Vergangenheit an: Valentino Rossi und Marc Marquez haben Frieden geschlossen! Schon unmittelbar nach dem Rennen schüttelten sich die beiden Kontrahenten nach ihrem spektakulären Kampf auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya die Hände. Das war mehr als ein symbolischer Akt: Angesichts des tödlichen Unfalls von Luis Salom wurde die Feindschaft begraben.

Marc Marquez, Valentino Rossi

Luis Saloms Verdienst: Valentino Rossi und Marc Marquez haben Frieden geschlossen Zoom

Beide Fahrer nahmen in der Pressekonferenz Stellung zu ihrem Verhältnis und sorgten dabei für eine sehr lockere Atmosphäre. Nach den tragischen Ereignissen am Freitag haben beide Fahrer die Sinnlosigkeit ihrer Privatfehde erkannt und sich versöhnt. "Es war ein sehr schwieriges und trauriges Wochenende für die MotoGP", holt Marquez aus. "Aber wir haben auch gesehen, dass wir eine MotoGP-Familie sind. Jeder ist heute für Luis gefahren. Am Ende habe ich mit Valentino Hände geschüttelt und bin sehr glücklich darüber."

Auch Valentino Rossi erklärt angesichts der Umstände die Fehde für beendet. "Ich denke, wenn solche Dinge passieren, ist das Rennen nicht sehr wichtig. Es ist das Richtige, dies zu tun." Beide Fahrer waren sichtlich mit der Welt im Reinen. Ob das Verhältnis sich gebessert habe, fragt ein Journalist. Rossi antwortet: "Äh, ja." Der Saal bricht in Gelächter aus. Die Frage richtete sich auch an Marquez. Dieser sagt: "Okay" und klopft Rossi auf die Schulter. Tosender Applaus im Presseraum, Gänsehautstimmung.

Gänsehautstimmung auf Pressekonferenz

"Man muss immer locker und entspannt bleiben, weil es ein großartiger Sport ist", erklärt Valentino Rossi. "Er ist unsere Leidenschaft, aber auch gefährlich. Deshalb ist es wichtig, ein normales Verhalten gegenüber anderen an den Tag zu legen und ein gesundes Verhältnis zu den anderen Fahrern zu haben. Das hilft einem auch, konzentrierter und ruhiger zu bleiben. Es ist die beste Art und Weise, an Luis Salom zu erinnern und ein kleines Geschenk für seine Familie."

Marc Marquez hatte in seiner Karriere stets betont, dass Valentino Rossi sein Vorbild gewesen sei. Das änderte sich auch nach den ersten Aufeinandertreffen in der Königsklasse nicht. Erste Kratzer nahm das gute Verhältnis der beiden beim Großen Preis von Argentinien 2015, als Marquez im Kampf mit Rossi zu Boden ging. Viele sahen damals die Schuld aber entweder bei ihm selbst oder stuften es als Rennunfall ein.

In eine offene Feindschaft schlug die Stimmung nach dem Großen Preis von Australien 2015 um. Valentino Rossi bezichtigte Marquez öffentlich, gemeinsame Sache mit Jorge Lorenzo zu machen. Marquez war von den Vorwürfen völlig überrascht, schließlich hatte er Lorenzo auf Phillip Island noch kurz vor Schluss überholt. Er wollte aber auch nicht zur Entspannung beitragen, sodass es in Sepang zu einem Krieg auf zwei Rädern kam. Der "Sepang Clash" war der absolute Höhepunkt in einer der bittersten MotoGP-Fehden aller Zeiten, als die Emotionen überkochten.

Rossis Vorwurf wurde zu selbsterfüllenden Prophezeiung, als Marquez beim Saisonfinale 2015, als Rossi infolge des Sepang Clashs von ganz hinten starten musste. Marquez folgte Lorenzo wie ein Schatten, ohne anzugreifen. Lorenzo wurde Weltmeister. In der Folge kam es zu teilweise unsportlichen Buh-Rufen Abertausender Rossi-Anhänger bei jeder Siegerehrung gegen Marquez und Lorenzo. Die Friedenspfeife zwischen Rossi und Marquez ist damit auch ein wichtiges Zeichen an die Fans, um den Sport vor Fußball-ähnlichen Zuständen mit "Ultras"-Fangruppen zu bewahren.

Noch keine Versöhnung mit Lorenzo

Zwischen Rossi und Lorenzo jedoch ist das Verhältnis weiter angespannt. "Hier liegt der Fall etwas anders", legt der neunmalige Weltmeister dar. "Zu Beginn der Saison habe ich mir minichten einen Plan zurechtgelegt, dass ich ihn nicht mehr grüßen würde, nicht mehr mit ihm reden oder keine Beziehung mehr zu ihm haben wolle."

"Aber seit ich zu Yamaha gekommen bin, war es bislang immer so, dass ich auf ihn zugegangen bin und ihn gefragt habe, wie es ihm geht und so weiter", so der 37-Jährige weiter. "Dieses Jahr habe ich mich entschlossen, darauf zu warten, dass er auf mich zukommt. Aber das ist niemals geschehen." Rivalitäten wird es in der MotoGP also auch nach der Friedenspfeife geben.