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Texas-Chaos: IndyCar-Fahrer fordern Änderungen

Viele IndyCar-Fahrer fordern Änderungen, damit es in Zukunft auf Ovalen kein lebensgefährliches Pack-Racing mehr gibt - "Der liebe Gott hat auf uns geschaut"

(Motorsport-Total.com) - Das IndyCar-Rennen in Texas sorgte auf der Strecke für viel Spektakel sowie Spannung auf den - spärlich besetzten - Tribünen, doch die Fahrer sind sich einig, dass das Racing viel zu gefährlich war. Die Autos konnten auf dem Highspeed-Oval zu zweit, ja sogar zu dritt nebeneinander fahren. Was auf den ersten Blick spektakulär ist, ist auf der anderen Seite immens gefährlich. Wenn es zu kleinen Fehlern kommt und sich die Räder der Autos verhaken oder berühren, können die Folgen fatal sein.

Pack-Racing

Die Spotter hatten bei diesem Texas-Rennen viel zu tun Zoom

Bei der NASCAR funktioniert Pack-Racing wie in Daytona oder Talladega, aber für Formelautos ist das viel zu gefährlich. 2003 überlebte Kenny Bräck einen Unfall in Texas nur mit viel Glück. 2007 überschlug sich Dario Franchitti in Michigan und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Ende 2011 kostete Dan Wheldon ein Massenunfall in Las Vegas das Leben. Die Topstars der IndyCar-Serie fordern schon lange, dass es dieses Pack-Racing in großen Gruppen nicht geben darf.

Texas ist die steilste und eine der schnellsten Strecken im IndyCar-Kalender. In der Vergangenheit war der alte Asphalt auch sehr wellig. Das sorgte für spektakuläre TV-Bilder, wenn die Autos unter Flutlicht mit vollem Tank aufschlugen und Funken sprühten. Gleichzeitig gab es auch einen relativ hohen Reifenverschleiß. Für die aktuelle Rennsaison wurde das Oval neu asphaltiert. Außerdem wurde das Banking in den Kurven 1 und 2 auf 20 Grad reduziert (Turn 3 & 4 blieben bei 24 Grad). Dadurch herrschte mehr Grip, kaum Reifenverschleiß und es gab neue Rennlinien.

Kein Reifenverschleiß auf neuem Asphalt

Die Auswirkungen der Änderungen waren bereits beim NASCAR-Rennen Anfang April zu erkennen, die Reifen hielten viel länger durch. Dieser Umstand hielt vor allem das IndyCar-Feld dicht beisammen. "In der Vergangenheit hatten wir hier Reifenverschleiß", hält Tony Kanaan bei 'Autosport' fest. "Beim neuen Asphalt ist das nicht der Fall. Die Reifen sind so gut, dass alle mithalten konnten. Dadurch wurde auch die obere Linie sauber gefahren und wir haben das Ergebnis gesehen."


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Kanaan löste selbst einen Massenunfall aus, als sein Auto in Kurve 3 eine Bodenwelle traf und anschließend James Hinchcliffe berührte. Der Kanadier krachte in die SAFER-Barriere und das anschließende Chaos erinnerte an einen "Big One" bei der NASCAR. JR Hildebrand, Michail Aljoshin, Ryan Hunter-Reay, Carlos Munos, Ed Jones, Tristan Vautier und Ed Carpenter wurden verwickelt. Die Rennleitung musste die Rote Flagge zeigen und das Rennen für 30 Minuten unterbrechen.

Die zahlreichen Gelbphasen waren auch nicht hilfreich, um das Feld zu entzerren. Es galt der alte Spruch, dass eine Gelbphase die Wurzel der nächsten Gelbphase ist ("Cautions breed caution"). Rennsieger Will Power glaubt, dass auch die Aerokits eine Rolle für die Entstehung des Pack-Racing gespielt haben. "Die Autos schlagen so ein großes Loch in die Luft, dass es schwierig ist, sich abzusetzen - selbst wenn man ein großartiges Auto hat", beschreibt der Australier. Dieser Meinung ist auch Sebastien Bourdais, der verletzungsbedingt in der Zuschauerrolle war.

Autos generieren zu viel Abtrieb

Die Aerokits generierten viel zu viel Abtrieb, wodurch die Autos so nahe beisammen sein konnten. Das erinnerte stark an die letzten IRL-Jahre, als bewusst mit viel Abtrieb gefahren wurde, um die Felder zusammenzuhalten und für Action zu sorgen. Damals konnten die Runden im Oval meist problemlos mit Vollgas gefahren werden, weshalb auch nicht so talentierte Fahrer eine Chance hatten. Gibt es dagegen wenig Abtrieb, sind die Autos am Limit nervöser und schwieriger zu fahren. Der Fahrer beziehungsweise das Set-up sorgen für den Unterschied, dass sich das Feld auseinanderzieht.


Neue Bilder vom IndyCar-Aerokit 2018

"Wenn im nächsten Jahr das einheitliche Aerokit zurückkehrt, sollten wir das Downforce-Level von 2014 wählen, bevor die Aerokits der Hersteller gekommen sind", meint Bourdais. "Vielleicht fahren dann nicht in jeder Runde die Autos Seite an Seite, aber wir riskieren nicht das Leben aller. In Texas war das Problem, dass es keinen Unterschied gemacht hat, wenn man die Flügel verstellt hat. Der Unterboden generiert so viel Abtrieb, dass man es nicht lösen könnte. Man wird es aber lösen können, wenn alle wieder mit dem gleichen Aerokit fahren."

Mit viel Glück blieb es in Texas bei verschrotteten Autos, die die Teams viel Geld kosten. Viele Fans hatten noch die Bilder von Scott Dixons Flugeinlage in Indianapolis im Kopf. Einige Fahrer nahmen sich im Anschluss an das Rennen auch kein Blatt vor den Mund. "Es war absolutes Chaos", ärgert sich Marco Andretti nach dem "Roulette". "Es war reine Glückssache, ob man durchgekommen ist. Der liebe Gott hat heute 50 Mal auf uns geschaut. Es war ziemlich verrückt. An diesem Tag ging es nur noch ums Überleben."

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