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Power in der Mauer - Franchitti der Champion!

Ein Mauerkuss von Will Power entschied den IndyCar-Titel 2010: Dario Franchitti reicht Platz acht zur dritten Meisterschaft - Scott Dixon siegt

(Motorsport-Total.com) - Ein Mauerkuss ohne Fremdeinwirkung entschied nach 134 von 200 Runden den Titel-Showdown von Homestead vorzeitig: Tabellenführer Will Power setzte seinen Penske-Dallara auf Platz vier liegend mit einem Streifschuss zwischen Turn 3 und 4 in die Streckenbegrenzung, und verbog sich dabei die rechte hintere Aufhängung. Das bittere Titel-Aus für den Australier!

Dario Franchitti

Titel Nummer drei: Riesenjubel bei Chip Ganassi und Dario Franchitti

Zu diesem Zeitpunkt führte Dario Franchitti das Rennen an, und hatte sich auch bereits die beiden zusätzlichen Bonuspunkte für die meisten Führungsrunden eingeheimst. Doch der Power-Vorfall nahm natürlich jeglichen Druck von den Schultern des Schotten: Unmittelbar nach dem folgenden Restart ging der Ganassi-Pilot mit dem Fuß vom Gas und fuhr sicher auf Rang acht nach Hause. Das reichte zu seinem dritten IndyCar-Titel nach 2007 und 2009.#w1#

Es war die Krönung eines stolzen Ganassi-Jahres. In der NASCAR gewann Teambesitzer Chip Ganassi mit dem Daytona 500 und dem Brickyard 400 die beiden wichtigsten Sprint-Cup-Rennen, Franchitti holte sich im Mai das Indy 500 und nun den Titel. Da war es nur passend, dass Scott Dixon im zweiten Ganassi-Dallara am Ende ungefährdet das Saisonfinale von Homestead für sich entschied.

Es war ein verdienter Sieg. Die beiden roten Target-Renner gaben von Beginn an den Ton an, und auch die Ganassi-Strategie wurde schnell klar: Pole-Sitter Franchitti übernahm gleich nach dem Start das Kommando, während sich Dixon schräg hinter ihm auf der mittleren Fahrspur als dessen Schutzschild aufbaute. Es dauerte bis Runde 33, dass Tony Kanaan (Andretti) dieses Ganassi-Duo sprengen konnte, als es zum ersten Mal ans Überrunden ging.

Ganassi-Duo bärenstark

Start Homestead

Schon beim Start hatte Dario Franchitti alles unter Kontrolle Zoom

Power war unterdessen von Startplatz drei teilweise bis auf Rang zwölf zurückgefallen. Der Tabellenführer litt augenscheinlich unter einem nicht optimal liegenden Penske-Dallara, mit dem er erst gegen Mitte des Rennens wieder Boden gutmachen konnte. Zum Zeitpunkt seines Ausfalls lag der 29-jährige Pechvogel etwa zwei Sekunden hinter Franchitti auf Rang vier.

Der Schotte hatte sich an der Spitze derweil dem wachsenden Druck der Konkurrenz auszusetzen. Neben Kanaan war es vor allem Ryan Briscoe (Penske), der Spitzenreiter Franchitti attackierte. Helio Castroneves im dritten Penske und Dixon lauerten dahinter in Schlagdistanz. Doch eines wurde auch klar: Selbst als Briscoe und Kanaan die Führung kurzzeitig erobert hatten, hatte das Ganassi-Duo Franchitti und Dixon wenige Runden später immer eine passende Antwort parat.

Ab Runde 73 kehrte dann wieder Ruhe ein. Franchitti, Kanaan, Dixon und Power lagen auf den Plätzen eins bis vier. In dieser Konstellation hatte der Schotte einen virtuellen Vorsprung von neun Punkten auf Power. Er zementierte seine Gesamtführung in Runde 118, als er sich vorzeitig die beiden Bonuspunkte für die meisten Führungsrunden sichern konnte.

Dann kam die ominöse Runde 134. "Ich vermute, dass mir Ryan Hunter-Reay beim Überrunden etwas Luft weggenommen hat", schilderte der zutiefst enttäuschte Power die fragliche Rennsituation. Sein Fahrzeug geriet untersteuernd in den Reifenabrieb auf der oberen Spur des 1,5 Meilenovals. Powers Lenkeinschlag in Turn 3 war voll, doch sein Penske-Dallara schlitterte fast einhundert Meter die Mauer entlang.

Riesenpech für Power

Will Power

Nach dem Mauerkontakt: Das bittere Aus für Will Power kam in Runde 134 Zoom

An der Box wurde ersichtlich, dass sich eine Querverstrebung an der Aufhängung rechts hinten verbogen hatte. Das Auto wurde binnen fünf Minuten hinter der Boxenmauer repariert, allerdings kostete dies fünf Runden Rückstand. Power fuhr zwar noch einmal kurz auf die Strecke, stieg dann aber noch in der laufenden Gelbphase endgültig aus. Der Titeltraum war zu Ende.

Gleichzeitig riss Kanaan bei seinem Stopp seinen Tankwart um, als der Tankschlauch beim Losfahren noch feststeckte. Der Andretti-Pilot wurde daraufhin ans Ende der Führungsrunde geschickt. Weil beim Restart in Runde 151 aber nur noch neun Autos in der gleichen Runde lagen, war der Routinier aus Brasilien noch nicht gänzlich aus dem Homestead-Geschäft.

Für die Gesamtwertung hatte der Power-Crash eine mathematische Auswirkung: Schnell errechnete das Ganassi-Team, dass Franchitti Rang zehn zum Titel reichen würde. Bei nur neun Autos in der Führungsrunde eine realisierbare Aufgabe. Prompt ging der Titelverteidiger sofort vom Gas und ließ sich ins Mittelfeld zurückfallen.

Franchitti hatte nur noch eine einzige brenzlige Situation zu überstehen: Passenderweise wurde der letzte Crash der IndyCar-Saison 2010 in Runde 175 von Milka Duno (Dale Coyne) ausgelöst, die sich nur wenige Meter vor Franchitti in die Mauer verabschiedete. Anschließend trug der alte IndyCar-Fuchs seinen Ganassi-Dallara sicher nach Hause.

Dixon unangreifbar

Scott Dixon

Saisonsieg Nummer drei: Scott Dixon war am Ende nicht zu bezwingen Zoom

Vorne war das Rennen ebenfalls schnell entschieden: Wie stark das Ganassi-Team war, zeigte Scott Dixon, der beim Restart nach dem Duno-Crash von der Spitze aus auf und davon zog. Angesichts dieser dominanten Vorstellung darf man getrost der Auffassung sein, dass auch ohne den bitteren Power-Unfall das Ganassi-Duo Dixon und Franchitti in der Nacht von Samstag auf Sonntag wohl nicht zu schlagen gewesen wäre.

Dixon fuhr in den verbleibenden 19 Runden unter Grün einen Vorsprung von 2.7 Sekunden heraus. Dahinter lieferten sich die Andretti-Teamkollegen Danica Patrick und Tony Kanaan einen erbitterten Zweikampf um Platz zwei, bei dem die 28-Jährige am Ende um winzige 0.011 Sekunden die Oberhand behielt. Ein versöhnliches Ende für Patrick, die damit tatsächlich noch Platz zehn in der Gesamtwertung holte.

Briscoe und Castroneves sicherten sich für Team Penske die Plätze vier und fünf vor Vitor Meira (Foyt; 6.) und Marco Andretti (7.). Letzterer hatte sich vor dem Duno-Crash in eine aussichtsreiche Position gebracht, musste während der folgenden Gelbphase jedoch zu einem kurzen Tankstopp an die Box. Hinter Franchitti kam Dan Wheldon (Panther) als Neunter und letzter Pilot in der Führungsrunde ins Ziel.


Fotos: IndyCars in Homestead


Alex Lloyd (Dale Coyne) sicherte sich mit Platz zwölf den Rookie-Titel vor Simona de Silvestro, die ihren HVM-Dallara mit drei Runden Rückstand als 23. ins Ziel brachte. Auch Takuma Sato sah zum Saisonende die Zielflagge: Der Japaner in Diensten von KV Racing wurde mit einer Runde Rückstand 18.

Am Ende wies Dario Franchitti in der Gesamtwertung fünf Punkte Vorsprung auf. Der Endstand gegen Pechvogel Power lautet 602:597. Mit seinem Homestead-Sieg schnappte sich Scott Dixon noch Gesamtrang drei vor dem Penske-Duo Helio Castroneves und Ryan Briscoe. Der inoffizielle Titel "Best of the Rest" hinter Ganassi und Penske bleibt in Andretti-Hand: Nach Danica Patrick (2009) schaffte dies in diesem Jahr Tony Kanaan.

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