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IndyCar-Rookie Marcus Ericsson im Interview: "Es ist aufregend"

Nach seinem ersten IndyCar-Test für Schmidt Peterson Motorsports in Sebring ist Ex-Formel-1-Pilot Marcus Ericsson begeistert von Auto und Team und plant langfristig

(Motorsport-Total.com) - Anfang dieser Woche absolvierte Marcus Ericsson seine ersten Runden in seinem neuen Dienstwagen für 2019. Auf der Kurzanbindung des Sebring International Raceway in Florida war der ehemalige Formel-1-Pilot aus Schweden einer von vier Piloten, die ins Lenkrad griffen. Neben Ericsson, der die IndyCar-Saison 2019 für Schmidt Peterson Motorsports als Teamkollege von James Hinchcliffe bestreiten wird, war auch das Penske-Trio Josef Newgarden, Simon Pagenaud und Will Power testen.

Marcus Ericsson

Marcus Ericsson (Foto: Sitzanpassung) hat seinen ersten IndyCar-Test hinter sich Zoom

Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht Ericsson über seinen ersten Testtag, der im Zeichen von jeder Menge Spaß, ersten Fortschritten und auch ersten Problemzonen stand, über die seiner Meinung nach größten Unterschiede zur Formel 1 und über seine Planung für die Zukunft.

Frage: "Marcus, laut Schmidt/Peterson-Teammanager Taylor Kiel hast du deinen ersten Test für das Team mit Bravour absolviert. Bist du selbst ähnlich zufrieden?"
Marcus Ericsson: "Ja, ich bin sehr zufrieden. Es war ein großartiger erster Tag, an dem ich mich gut eingewöhnt habe und alles ausgesprochen positiv ablief. Alles lief nach Plan und ich fand im Auto ehrlich gesagt etwas schneller als ich das erwartet hatte einen guten Rhythmus. Ich muss mich dafür wirklich bei den Leuten im Team bedanken. Mit all ihren Vorab-Informationen waren sie mir eine große Hilfe."

"Somit war ich schon nach ein paar Ausfahrten bereit, zu attackieren und Rückmeldungen zu bestimmten Dingen, die wir testeten, zu geben. Nachdem ich fünf Jahre lang in der Formel 1 gefahren bin, hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass die Umstellung länger dauern würde, weil die Unterschiede zwischen den Autos doch recht groß sind."

Marcus Ericsson

Das Team Schmidt/Peterson war Ericsson direkt am ersten Tag eine große Hilfe Zoom

Frage: "Würdest du anhand deines ersten Eindrucks sagen, dass sich ein IndyCar bezüglich der Abstimmungsmöglichkeiten ausreichend an deinen Fahrstil anpassen lässt oder bist du es, der seinen Fahrstil auf die Charakteristik eines IndyCars anpassen muss?"
Ericsson: "Hmm, ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Als Fahrer muss man definitiv aufgeschlossen sein und bereit sein, zu lernen, wie man ein Auto fahren muss, um damit zu schnell zu sein. Gleichzeitig glaube ich aber, dass mein bevorzugter Fahrstil im IndyCar gut funktionieren sollte. Das war es, was den ersten Tag so interessant machte. Ich begann damit, das Auto so zu fahren wie ich gerne fahre und passte mich dann ein bisschen daran an, wie sich das Auto verhielt."

"Ab der dritten Ausfahrt nahmen wir dann Veränderungen an der Abstimmung vor. Wir haben schon ein paar gute Ansatzpunkte gefunden, aber grundsätzlich muss ich sagen, dass die vom Team bereitgestellte Basisabstimmung für Sebring schon sehr gut war. Gegen Ende des Tages gingen wir zurück in Richtung dieser Basisabstimmung und das war schließlich diejenige, mit der ich mich am wohlsten fühlte. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen. Die Art und Weise, wie ich fahre, ist der von James [Hinchcliffe] und Robbie [Wickens] wohl sehr ähnlich."

Marcus Ericsson

In der F1 war Ericsson fünf Jahre lang präzises Fahren mit Servolenkung gewohnt Zoom

Frage: "Wie schätzt du den Umstieg aus einem Auto mit Servolenkung in eines ohne Servolenkung ein? Fällt es dir nun schwerer, präzise in die Kurven einzulenken?"
Ericsson: "Das ist in der Tat interessant. Ich würde sagen, das ist einer der Bereiche, in denen ich mich noch vergleichsweise schwergetan habe und in denen ich mich somit noch verbessern muss. In der Formel 1 kann man das Auto dank der Servolenkung und all der Tools, die es gibt, für jede einzelne Kurve perfektionieren. Ein IndyCar verlangt mehr Kraft beim Fahren und man kann nicht ganz so präzise fahren."

"Man muss Balanceprobleme als Fahrer ausgleichen können, denn man muss einfach akzeptieren, dass das Auto nicht in jeder Kurve perfekt liegen kann. Darauf konnte ich mich grundsätzlich recht schnell einstellen, aber wie schon gesagt, habe ich noch Luft nach oben. Es macht wirklich Spaß, ein solches Auto zu fahren, weil man spürt, dass man als Fahrer eher einen Unterschied machen kann. Während es in der Formel 1 alle möglichen Hilfsmittel gibt, um das Auto für jede einzelne Kurve perfekt abzustimmen, muss man im IndyCar den besten Kompromiss für mehrere Kurven finden. Das bedeutet schon mal, dass man als Fahrer etwas mehr mit dem Auto kämpfen muss und das macht es so interessant."


Fotostrecke: IndyCar 2019: Übersicht Fahrer und Teams

Frage: "Sebring ist bekannt dafür, dass der Grip im Verlauf eines Tages deutlich besser wird. Da du gleichzeitig mit drei Penske-Piloten auf der Strecke warst, konntest du den stetigen Anstieg des Gripniveaus sicherlich spüren, oder?"
Ericsson: "Oh ja. Gegen Ende des Tages konnte man definitiv stärker reinhalten und richtig attackieren. Sebring ist noch ein ganz besonderer Kurs der alten Schule. Ich fühlte mich sofort an einige der Strecken in Großbritannien erinnert, auf denen ich vor vielen Jahren in der Formel BMW und der Formel 3 fuhr. Sebring erinnert mit seinen engen Kurven und harten Bremszonen ein bisschen an Pembrey oder Croft. Es macht Spaß, auf einer solchen Strecke zu fahren. In der Formel 1 ähneln sich die Strecken ja mehr und mehr mit ihren standardisierten Randsteinen und Auslaufzonen und so weiter. Sebring aber hat Charakter, weil jeder Randstein anders ist. Diese kurze Strecke bietet mehr Abwechslung als mehrere Formel-1-Strecken zusammen."

Frage: "Den Leistungsunterschied zwischen dem Ferrari-Motor, den du im Sauber zur Verfügung hattest und dem Honda-Motor im IndyCar würde ich auf 200 bis 250 PS schätzen. Warst du angesichts dieses Leistungsverlusts enttäuscht oder fühlt sich das IndyCar mit seinem geringen Abtrieb trotzdem lebendig an?"
Ericsson: "Ich hatte ehrlich gesagt jede Menge Spaß beim Fahren. Natürlich spürt man, dass es weniger Motorleistung als in der Formel 1 gibt, aber als Fahrer hat man in diesen Autos alle Hände voll zu tun. Das macht es so angenehm."

Marcus Ericsson

Im Januar zieht Ericsson nach Indianapolis um, um direkt beim Team zu sein Zoom

Frage: "Wirst du vor deinem ersten gemeinsamen Test mit James im Januar erst noch im Simulator zum Einsatz kommen?"
Ericsson: "Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich fliege gemeinsam mit dem Team zurück nach Indianapolis und werde dort ein paar Tage mit den Leuten verbringen. Weihnachten und den Jahreswechsel werde ich dann in Schweden verbringen. Im Januar werde ich dann nach Indianapolis umziehen und mich im Team so gut es geht einleben."

Frage: "Als du von Schmidt/Peterson als neuer Fahrer vorgestellt wurdest, sagtest du in deiner ersten IndyCar-Telefonkonferenz, dass du diesen Schritt als einen langfristigen siehst und nicht bei einer guten Formel-1-Gelegenheit wieder zurückwechseln willst. Hat dich dein erster Testtag im Gefühl bestärkt, mehrere Jahre in der IndyCar-Serie zu verbringen?"
Ericsson: "Der erste Tag war absolut positiv und mir ist klar, dass ich hierher ziehen muss, um erfolgreich zu sein. Ich will mir keine Türen zuschlagen, also warten wir mal ab. Ich kann mich selbst aber definitiv für eine lange Zeit in Amerika fahren sehen. Sowohl im Team als auch im Auto fühlt sich alles sehr gut an. Es ist aufregend, eine neue Herausforderung zu haben, auf die man sich freuen kann."

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