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Indy-Wahnsinn: Wheldon siegt auf den letzten Metern!

Unglaublich, aber wahr: Rookie J.R. Hildebrand warf in der letzten Kurve der letzten Runde einen sicheren Indy-500-Sieg weg - Dan Wheldon siegt!

(Motorsport-Total.com) - Das Indy 500 hat in seiner 100-jährigen Historie schon viele Geschichten geschrieben, aber die Jubliäumsauflage vom Sonntagabend wird ganz sicher in die Annalen eingehen. In einem dramatischen Spritkrimi sah US-Rookie J.R. Hildebrand (Panther) schon wie der sichere Sieger aus, als der 23-jährige Kalifornier aus der San-Francisco-Bay in die letzte Kurve der letzten Runde ging. Dann geschah das Unfassbare.

Dan Wheldon

Dan Wheldon feierte seinen Indy-Sieg nicht ganz konventionell... Zoom

Beim Überrunden eines Nachzüglers geriet Hildebrand auf der oberen Linie in Turn 4 in den Reifenabrieb - und krachte seitwärts in die Mauer! Sein Panther-Dallara schlitterte wehrlos in Richtung Ziellinie, während dahinter Dan Wheldon (Bryan Herta Autosport) angeschossen kam. Der 32-jährige Brite überholte das hilflose Hildebrand-Wrack buchstäblich auf den letzten Metern und holte sich nach 2005 seinen zweiten Sieg beim Indy 500!


Fotos: Indy 500, Indy 500


Ein unfassbares Drama für die tragische Figur Hildebrand, dessen Panther-Team nun zum vierten Mal in Folge (!) nur Zweiter wurde. Andererseits eine ebenso unglaubliche Indy-500-Erfolgsstory, denn weder Wheldon noch das kleine Herta-Team hatten zuvor ein einziges IndyCar-Saisonrennen bestritten. Kein Wunder also, dass die völlig aufgelösten Wheldon und Herta in der Victory Lane von Indianapolis mit ihren Tränen zu kämpfen hatten.

Im Gegensatz dazu bekam das mächtige IndyCar-Establishment eine schallende Ohrfeige verpasst. Das über weite Strecken dominierende Ganassi-Duo Scott Dixon und Dario Franchitti ging im finalen Benzinpoker sang- und klanglos unter, und belegte am Ende die Positionen fünf (Dixon) und zwölf (Franchitti). Noch schlimmer erwischte es Team Penske, für das Will Power 14. wurde. Anders formuliert: Kein einziges Penske-Auto in der Führungsrunde, ein wahrlich rabenschwarzer Indy-Geburtstag für den so erfolgreichen "Captain"!

Frühes Aus für Sato und de Silvestro

J.R. Hildebrand, Dan Wheldon

Die Entscheidung: J.R. Hildebrand (li.) in der Mauer, Dan Wheldon (mi.) zieht vorbei Zoom

Dabei begann das Indy 500 anno 2011, wie es die Buchmacher erwarteten. Der erklärte Favorit Dixon kassierte Pole-Mann Alex Tagliani gleich beim Start, weil der Sam-Schmidt-Pilot aus Turn 4 heraus zu früh beschleunigte und demzufolge noch einmal vom Gas gehen musste. Oriol Servia im Newman/Haas-Dallara zog gleich mit.

Weiter hinten im Feld war es ausgerechnet Simona de Silvestro (HVM), die als erste der 33 Piloten leicht die Indy-Mauer touchierte. Die 22-jährige Schweizerin fuhr an die Box, um die Vorderradaufhängung checken zu lassen und schied kurz danach aus. Am Ende wurde de Silvestro auf Platz 31 gewertet. IndyCar-Haudegen Paul Tracy (Dreyer and Reinbold; 25.) war der zweite Pilot mit Problemen an der Box, während Takuma Sato (33.) in Runde 21 nach einem Streifschuss samt heftig verbogenem KV/Lotus Gelbphase Nummer eins auslöste.

Als das Feld zum ersten Mal an die Box ging, unterlief der Penske-Crew von IndyCar-Tabellenführer Will Power ein schwerer Fehler, als sie den Australier mit noch nicht festgezurrtem linken Hinterrad los schickten. Prompt verlor Power das Rad unmittelbar nach dem Losfahren und musste auf drei Rädern einmal um das 2,5 Meilenoval humpeln. Dabei beschädigte er sich sein Auto und spielte im Rennen nie wieder eine Rolle. Mehr als Rang 14 war nicht mehr möglich.

Beim folgenden Restart gerieten dann James Hinchcliffe (Newman/Haas; 29.) und Ernesto Viso (32.) aneinander. Viso flog in Turn 1 ab und KV/Lotus hatte kurz nach Sato ein zweites Auto verloren, Ryan Briscoe (Penske) und Marco Andretti (Andretti) konnten gerade noch ausweichen. Vorne entbrannte ein Zweikampf Dixon gegen Tagliani, bei dem der Neuseeländer schließlich die Oberhand gegen den Polesitter behielt.

Ganassi dominiert

Scott Dixon

Scott Dixon bestimmte die Anfangsphase von Indianapolis Zoom

Franchitti hatte sich von Startplatz neun aus mittlerweile auf Rang drei geschlichen und in Runde 44 Tagliani überholt, Chip Ganassi sah seine beiden Top-Autos an der Spitze, Wheldon folgte auf Platz vier. Just als die ersten Piloten in Runde 60 mit einem Green-Flag-Stopp beschäftigt waren, verlor Jay Howard (Sam Schmidt: 30.) bei der Boxenausfahrt ein Rad, Gelbphase drei war die Folge.

Währenddessen übernahm Franchitti die Führung vor Dixon. Tony Kanaan (KV/Lotus) hatte sich in die Top 10 vorgearbeitet und wurde bei seiner Boxenanfahrt von Pippa Mann (Conquest; 20.) blockiert. Kanaan verlor viel Zeit und jede Menge Positionen, sein Vormarsch war zunächst beendet. In Runde 73 korrigierte Dixon die interne Ganassi-Reihenfolge an der Spitze wieder, zusammen mit Tagliani, Wheldon und Townsend Bell (Sam Schmidt) bildete sich eine Fünfergruppe, die den Rest des Feldes klar auf Distanz halten konnte.

Zur Rennhalbzeit geschah eine exakte Kopie von Gelbphase drei: Wieder war die Spitze gerade bei Green-Flag-Stopps, als Hinchcliffe seinen Newman/Haas-Dallara in Turn 3 an die Mauer setzte. Und wieder war es Franchitti, der just zu diesem Zeitpunkt in seiner Box weilte und erneut die Führung geschenkt bekam. Gleiches galt für Servia und Marco Andretti, die auf diese Art und Weise auf die Positionen zwei und drei gelangten.

In Runde 113 griff der Spanier dann sogar den Schotten an und übernahm die Führung, während sich der auf Platz fünf zurückgefallene Dixon dahinter auf die Verfolgung machte. Pole-Mann Tagliani war mit zu hohen Öltemperaturen endgültig aus den Top 10 heraus gefallen, als Briscoe und Danica Patrick als Neunte und Zehnte zum ersten Mal just dort auftauchten.

Doppelpech für Sam Schmidt

Scott Dixon

Polesitter Alex Tagliani (u.) konnte nur zu Beginn ganz vorne mitmischen Zoom

Doch Ganassi war am Sonntag zu stark. In Runde 131 hatte Franchitti die Servia-Attacke wieder gekontert, Dixon lauerte mit Respektabstand dahinter. Nach der nächsten Runde Green-Flag-Stopps sah die Reihenfolge 60 Runden vor Schluss wie folgt aus: Franchitti, Servia, Dixon, Andretti, Wheldon, Bell und der erneut nach vorne stürmende Kanaan. Dazu Rookie Hildebrand, Patrick und Briscoe allesamt in den Top 10.

In Runde 148 war der Indy-Traum des mittlerweile überrundeten Tagliani nach einem Mauerkuss in Turn 4 endgültig vorbei. Aus Franchitti-Sicht war mit Gelbphase fünf auch ein Vorsprung von acht Sekunden dahin, während Dixon frohlockte: Der Neuseeländer hatte Servia inzwischen kassiert und lag bei einem Restart nun im direkten Umfeld seines Ganassi-Teamkollegens.

Sam Schmidt verlor kurz nach Tagliani mit Townsend Bell sein zweites Auto, als der Kalifornier im Runde 158 mit Briscoe zusammen geriet. Damit begann das dramatische Finale, das Franchitti in Runde 165 mit einem Tankstopp unter Gelb einläutete, als die Streckenposten die Reste vom Briscoe/Bell-Unfall schließlich fast beseitigt hatten. Gleichzeitig ging auch Hildebrand zum Tanken.

Die Faustformel besagt: Eine Ladung Ethanol reicht in Indianapolis für 32 Runden unter Grün. Franchitti und Hildebrand mussten also drei Umläufe gut machen. Eine exakte Kopie des Vorjahres, als der Schotte am Ende seines Stints massiv vom Gas gehen musste und Wheldon - damals noch in Panther-Diensten - beinahe aufschloss. 2010 geschah der heftige Crash zwischen Mike Conway und Ryan Hunter-Reay, dieses Mal sollte es bis zum Rennende Grün bleiben.

Unglaubliches Indy-Finale

J.R. Hildebrand

J.R. Hildebrand humpelt nach seinem Crash als Zweiter ins Ziel Zoom

Natürlich kippte nun die Reihenfolge komplett: Graham Rahal (Ganassi) gewann den Restart in Runde 166. Dixon und Kanaan kassierten dahinter Servia in Runde 170, zwei Umläufe später war der Neuseeländer wieder an der Spitze. Doch klar war auch, dass das Feld noch einmal zum Tanken kommen musste - mit Ausnahme von Franchitti und Hildebrand.

Dies geschah ab Runde 177: Wheldon, Rahal, Servia und Dixon kamen an die Box, Danica Patrick blieb auf der Strecke und übernahm in Runde 180 die Führung. Dahinter pokerte auch der Belgier Bertrand Baguette, dessen Rahal/Letterman-Dallara in Runde 190 die Führung übernahm. Patricks Spritvorrat war vier Runden zu gering, Baguette trieb es bis Runde 197 auf die Spitze. Dann musste auch er zum Tanken und wurde am Ende starker Siebter.

Franchitti wurde unterdessen immer langsamer, Hildebrand hatte im Gegensatz dazu zu Beginn seines Stints Sprit gespart und blieb auf dem Gas. Als Leader Baguette zum Tanken ging, übernahm Hildebrand zwei Runden vor dem Ende die Spitze. Der Rest ist Indy-Geschichte: Der Panther-Pilot befand sich in Sachen Sprit auf dem letzten Drücker und wollte nicht das Risiko eingehen, dass ihn die Überrundung von Charlie Kimball (Ganassi) zuviel Schwung kostete.

Sein Risiko auf der Außenbahn musste der Rookie bitter bezahlen, Wheldon zog wenige Meter vor der Ziellinie am Hildebrand-Wrack vorbei. Das Indy-Drama war entschieden. Graham Rahal sicherte sich für das Ganassi-Farmteam Rang drei vor Kanaan, Favorit Dixon und Servia. Hinter Baguette holte sich Tomas Scheckter (KV/Lotus) Rang acht vor dem Andretti-Duo Marco Andretti und Danica Patrick.

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25.01. 21:15

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