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Teuchert: Mit 40 noch viel Spaß

Jörg Teuchert im Interview: Der 39-Jährige aus Hersbruck in Mittelfranken wurde nach 2006 zum zweiten Mal deutscher IDM-Superbike-Meister

(Motorsport-Total.com) - Jörg Teuchert konnte im Verlauf seiner langen Rennfahrerkarriere viele Erfolge und Meisterschaften feiern. Im Jahr 2000 gewann er mit Yamaha die Supersport-Weltmeisterschaft. Mit der gleichen Marke ist Teuchert auch in der IDM-Superbike äußerst erfolgreich unterwegs. 'Motorsport-Total.com' gratuliert dem redseligen Franken zu seinem zweiten Meistertitel.

Jörg Teuchert

Jörg Teuchert mag nicht mehr der Jüngste sein, schnell ist er aber immer noch Zoom

Frage: "Jörg, mit fünf Siegen in Folge bist du fulminant in diese Saison gestartet. Wie erklärst du dir diese Überlegenheit?"
Jörg Teuchert: "Ich würde mit Sicherheit nicht von einer Überlegenheit reden, denn in den Trainings am Lausitzring und in Oschersleben lief es für uns recht harzig. In beiden Veranstaltungen stand ich nur in der dritten Startreihe. Allerdings hatten wir nach den Trainings einige Dinge an der neuen Yamaha R1 besser verstanden und auch für das Rennen verbessert. Lauf eins in der Lausitz hätte ich sicherlich auch ohne den Sturz von Martin Bauer gewonnen, denn schon nach der ersten Testfahrt war ich vom Potenzial der neuen R1 begeistert und das Team um Michael Galinski hat mir einfach ein perfektes Motorrad vorbereitet. Ich konnte dies von Anfang an perfekt in den Rennen umsetzten."#w1#

Frage: "Zu Saisonmitte reichte es erstmals nicht zu Podiumsplätzen. Hast du zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig taktiert, bist du auf Ankommen gefahren?"
Teuchert: "Nein, absolut nie! Ich bin Rennfahrer und will jedes Rennen gewinnen! Vielleicht ist es mir etwas leichter gefallen, mal nicht 100 Prozent riskieren zu müssen. Platz zwei und fünf am Sachsenring entsprachen aber definitiv nicht meinen Vorstellungen, zumal ich 2008 dort beide Läufe gewinnen konnte. Auch die Rennen am Schleizer Dreieck verliefen etwas unglücklich und ich reiste mit nur 20 von 50 möglichen Punkten im Gepäck ab. Teilweise war es wie verhext. Aber auch die Konkurrenz hat jeweils im entscheidenden Moment gepatzt. Ich habe aber immer alles gegeben und nie auf die Punktetabelle geschaut. Denn wie gesagt: Ich will gewinnen."

Frage: "War dennoch vielleicht das Paket Teuchert/Yamaha/Dunlop in dieser Saison zu übermächtig?"
Teuchert: "Naja, so kann man das nicht bezeichnen. Mein Team und ich haben eben das Motorrad frühzeitig verstanden und von Beginn an versucht, das Beste daraus zu machen. Nur Motorrad, Reifen und Fahrer sind nicht das gesamte Paket. Da gehören die Mechaniker, der Fahrwerkstechniker, die Physiotherapeutin, die Trackingenieure von Dunlop und natürlich auch die Familie dazu. Zu Saisonbeginn lief es ja in den Trainings leider nicht so gut. Umso wertvoller waren natürlich die vier Siege in der Lausitz und in Oschersleben. Aufgrund der Punktetabelle wäre es sicherlich einfach zu sagen, das Paket war übermächtig. Martin Bauer hat 2007 auch eine ähnliche Saison erlebt. Ich war damals als Fahrer keinen Deut schlechter, nur wegen Verletzungspech in Schleiz und einem technisch bedingten Ausfall waren das eben einfach zu viele Nullnummern."

Frage: "Im Nachhinein betrachtet: Ohne der verletzungsbedingten Pause von Martin Bauer wäre diese Meisterschaft wahrscheinlich eine weniger klare Angelegenheit für dich gewesen?"
Teuchert: "Ganz klar! Martin war 2007 und 2008 Meister. Die vergangene Saison hat ja eindeutig gezeigt, wer die Favoriten 2009 sein werden. Viele Stimmen sagten ja: 'Der Teuchert hatte den Martin nicht als Konkurrent, somit war klar, was passiert.' Damit bin ich aber nicht einverstanden. Martin war ganz klar der Mann, den es zu schlagen galt. Als er in Oschersleben in Führung liegend zu Sturz kam, war ich als Zweiter hinter ihm. Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt eindeutig schneller unterwegs als er. Ich denke, dass ich dieses Rennen in jeden Fall gewonnen hätte. Genauso auch beim Saisonauftakt in Lauf eins: Er stürzte, ich gewann. In Lauf zwei konnte ich meinen Sieg wiederholen und Martin wurde Zweiter. So gesehen wäre es bei weitem spannender geworden und wahrscheinlich wäre die Meisterschaft erst am Hockenheimring entschieden worden. Aber nach meiner jetzigen Einschätzung des diesjährigen Saisonverlaufs bin ich mir ziemlich sicher, dass es mit dem Titelgewinn in jeden Fall geklappt hätte. Bekanntlich werden ja 2010 die Karten wieder neu gemischt, dann werden wir weitersehen."

Frage: "Nach 2006 ist dies dein zweiter Titel in der IDM-Superbike. Welchen von den zwei würdest du höher bewerten?"
Teuchert: "2009 war definitiv schwieriger und genießt daher auch einen deutlich höheren Stellenwert für mich. Schwieriger deshalb, weil wir in diesem Jahr einige sehr schwere Schicksalsschläge innerhalb der Familie zu verkraften hatten. Als wir in Schleiz Rennen fuhren, verstarb auch noch mein Großvater, allerdings im Alter von 96 Jahren. Der Sport und mein Ehrgeiz haben mir sehr geholfen, das alles zu verarbeiten. Die Saison 2009 und meine erbrachten Ergebnisse möchte ich daher meiner Familie widmen. Denn ohne ein starkes Umfeld, das hinter dir steht, kann man diesen Sport nicht erfolgreich betreiben."

Frage: "Wie beurteilt der frischgebackene IDM-Meister die starken Leistungen der Neueinsteiger KTM und BWM. Kommen diese Überraschend?"
Teuchert: "Nicht wirklich. KTM ist quasi als echtes Werksteam in die IDM eingestiegen. Auch bei BMW sieht es ähnlich aus. Daher kamen die Leistungen nicht ganz so überraschend. Durch die direkte Anbindung an das Werk konnten beide Hersteller wegen höherer Budgets auch sicherlich auf sehr hohem technischem Niveau einsteigen. Die jeweiligen Fahrer sind ja zum Teil alte Bekannte von mir aus der Supersport-WM oder eben auch aus IDM-Zeiten."

Frage: "In der IDM-Superbike findet man im Spitzenfeld überwiegend Piloten mit viel Routine. Außer Rizmayer, Tode und Giuseppetti ist weit und breit nichts von einer jungen Garde zu sehen. Sind die jungen Fahrer der IDM-Supersport zu sehr auf internationale Serien fixiert?"
Teuchert: "In der IDM-Supersport sind ja mittlerweile viele junge Fahrer anzutreffen, die auch kräftig Gas geben. Die Superbike-Kategorie ist allerdings doch noch mal eine Stufe höher anzusiedeln. Durch meinen Doppelstart in Hockenheim konnte ich mir ja selbst einen guten Eindruck verschaffen. Wenn man von einer 600er auf ein Superbike wechselt, glaubt man auf einer Kanonenkugel zu sitzen. Um so ein Bike zu beherrschen, gehört viel Erfahrung, Kondition und ein gutes Team dazu. Dies alles muss man erst einmal lernen und auch zusammenbekommen. Daher wundert es mich nicht, dass bei den Superbikes immer wieder die alten Haudegen vorne zuschlagen. Und nur weil ich fast 40 Jahre alt bin, bin ich ja um nichts weniger fit als ein Junger. Aber in der Tat lässt sich durch Erfahrung einiges kompensieren."

Frage: "Nachdem die IDM-Saison relativ früh abgeschlossen ist, sind noch Einsätze in diesem Herbst geplant? Zum Beispiel in der Superbike-WM?"
Teuchert: "Im Moment ist erstmals Urlaub mit der Familie geplant. Danach sehen wir weiter. Ein Start in der Superbike-WM kommt sicher nicht in Frage, denn das technische Reglement unterscheidet sich zu stark zur IDM und die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum möglichen Ergebnis."

Frage: "Wie schauen die Pläne für 2010 aus? Wird es einen Team- beziehungsweise Markenwechsel geben oder bleib alles beim Alten, getreu dem Motto: Never change an winning Team?"
Teuchert: "Fakt ist, ich werde auch 2010 wieder die IDM-Superbike bestreiten und versuchen, meinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Für die Frage welches Team beziehungsweise welche Marke würde ich mit heutigem Tag eher den Publikumsjoker nehmen, um die Frage einfach nicht beantworten zu müssen. Auch deswegen, um den eventuell üblichen Spekulationen aus dem Weg zu gehen. Die Saison ist vor ein paar Tagen zu Ende gegangen und wie schon erwähnt wird jetzt erst einmal relaxt."

Frage: "Mit 39 Jahren bist du eigentlich schon in einem fortgeschrittenen Alter. Wie lange wird man dennoch Jörg Teuchert als aktiven Rennfahrer sehen?"
Teuchert: "Naja, mit 39 Jahren muss man sich scheinbar langsam an die Frage gewöhnen, wie lange man noch Rennen fährt. Dazu muss ich aber sagen, dass ich mich - so wie übrigens auch ein gewisser Michael Schumacher - definitiv nicht wie ein 40-Jähriger fühle. Aber hallo, ich habe zwei Töchter mit eineinhalb und fast vier Jahren, gehe regelmäßig mit Kumpels in unseren Bikepark und lasse dort mein Downhillbike den Berg runterlaufen und habe bei all diesen Dingen unglaublich viel Spaß. Im Moment macht mir Racing immer noch wahnsinnig viel Spaß!"

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