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Was wir beim Saisonauftakt der Formel E gelernt haben

Ein Team dominiert, eins fährt gar nicht, dazwischen gibt es viele Geschichten - Scott Mitchell analysiert, was Peking uns über die zweite Formel-E-Saison verraten hat

(Motorsport-Total.com) - Das erste Rennen der zweiten Formel-E-Saison hatte ein bisschen von allem. Es gab viele Erwartungen, es war davon die Rede, dass Geschichte geschrieben wird, und das Schicksal eines Teams stand auf dem Spiel. Vorher gab es Spekulationen darüber, wer schnell sein würde, wer zuverlässig sein würde, wer nicht effizient sein würde und wer Probleme haben würde.

Sebastien Buemi

Gegen Renault war in Peking kein Kraut gewachsen, doch dahinter war es eng Zoom

Die Lücke zwischen dem Besten und dem Schlechtesten hätte nicht krasser sein können. Dazwischen sortierten sich die restlichen Teams auf unterschiedlichen Positionen ein. Von gerade einmal 18 Autos, die an den Start gingen, bis zum amtierenden Meister, der sich als Letzter qualifizierte: Der Peking ePrix sorgte für eine Menge Gesprächsstoff. Zunächst einmal widmen wir uns aber dem Offensichtlichsten...

Wie groß ist der Vorsprung von Renault?

Ein Vorsprung von zwei Sekunden beim 30-minütigen Test am Freitag sorgte dafür, dass Renault e.dams Mitgründer Alain Prost eine falsche Aussage traf. "Wir müssen vorsichtig sein. Es gibt keinen Grund, warum wir so einen Vorsprung haben sollten", sagte er - und hatte recht. Als es darauf ankam, war Sebastien Buemi nur eine Sekunde schneller als der beste Nicht-Renault. Nur eine Sekunde. In der ersten Saison waren die Top 10 häufig in diesem Fenster.

Prost scherzte am Samstagmorgen, dass es am Freitag "vielleicht zu viel" war."Es ist nie gut, wenn man am Anfang zu viel zeigt. Was wir gestern gezeigt haben, das war in gewisser Weise nicht ganz richtig", ergänzte er. Denn jetzt ist Renault e.dams der klare Favorit. Im Rennen konnte Buemi zwischenzeitlich pro Runde zwei Sekunden schneller fahren, ohne dabei Probleme mit dem Energie-Management zu haben.

Außerdem setzte er am Ende die schnellste Runde des Rennens, die fast eine Sekunde schneller war als alle anderen. Die längste Runde der Saison stellt bereits früh einen großen Test dar, und den hat Renault mit wehenden Fahnen bestanden. Allerdings lässt die Länge der Runde auch darauf hoffen, dass die Lücke auf anderen Kursen schmelzen wird.

Das Racing dahinter ist sehr gut

Obwohl ein dominanter Sieger nicht der beste Weg ist, um in eine neue Saison zu starten, wäre es gemein, das Auftaktrennen als langweilig zu bezeichnen. Spektakuläre Aktionen von Piloten wie Jean-Eric Vergne, Loic Duval, Sam Bird oder Robin Frijns haben dafür gesorgt, dass es im gesamten Feld sehr unterhaltsam zuging. Das gilt auch für nicht unwichtige Positionen.


Formel E in Peking

Vergne und Duval kämpften früh Rad an Rad gegeneinander und es kam zu einer Berührung, die aber keinem von beiden schadete und nur zum Spektakel beitrug. Da ging es um Platz sechs. Dann kämpften drei Piloten um Rang zwei. Obwohl es zu Beginn keine echten Überholmanöver gab, war es faszinierend anzusehen. Später zog Prost außerdem an Heidfeld vorbei.

In der vorletzten Runde wehrte Duval einen Angriff von Teamkollege Jerome d'Ambrosio ab, wobei dieser quer kam und es eine Menge Kontrolle benötigte, damit die beiden Dragon-Autos nicht kollidierten. Wir haben in der vergangenen Saison gesehen, wie schwer die Autos zu fahren sind und wie unterhaltsam die Formel E sein kann. In Saison zwei scheint das nicht viel anders zu sein.

Die elektrische Technologie hat sich schnell entwickelt

Sebastien Buemi

Sebastien Buemi hat sich beim Saisonauftakt in die Favoritenrolle gebracht Zoom

Zwei der zehn Teams fahren mit dem Antrieb des Vorjahres. Wie groß dieser Nachteil ist, hat sich in China gezeigt. Obwohl niemand erwartet hatte, dass Andretti und Aguri um Siege mitfahren würden, dachte man, dass sie zumindest vorne mitfahren können, solange sich die anderen noch an die neue Technologie gewöhnen. Zum Pech der beiden Teams hat niemand (außer Trulli, dazu kommen wir noch) große mechanische Probleme bekommen.

Noch schlimmer ist, dass fast alle schneller waren als der Spark SRT_01E. Die Piloten von Andretti und Aguri belegten in der Startaufstellung vier der letzten sechs Plätze. Den Autos fehlten bei der Pace schließlich fast zwei Sekunden. Wie groß das Defizit ist, wird dadurch deutlich, dass Frijns für seine tolle Fahrt beim Auftaktrennen nur deshalb mit einem Punkt für Platz zehn belohnt wurde, weil Daniel Abt nach dem Rennen eine Strafe bekam.

Piquets Titelverteidigung wird hart werden

Nelson Piquet Jun.

Champion Nelson Piquet wird es in diesem Jahr wohl sehr schwer haben Zoom

Nelson Piquet hätte es verdient, China mit einigen Punkten zu verlassen. Das Auto nicht, aber der erste Formel-E-Champion schon. Wie Teamkollege Oliver Turvey vor ihm schaltete Piquet früh im Rennen in den Energiesparmodus. Die beiden kamen von den Plätzen 15 und 17 auf sechs und (mindestens) neun nach vorne. Doch Piquet blieb auf der Strecke stehen, was sein Rennen ruinierte.

Für NextEV war es kein glückliches Heimspiel. Ihr Antrieb ist schwer und das hat in Peking geschadet. Ganz offensichtlich sogar viel mehr als bei DS Virgin. Das Auto war langsam und (vor dem Rennen) unzuverlässig. Piquets Titelhoffnungen haben früh einen symbolischen Rückschlag einstecken müssen. Er hat nicht nur 25 Punkte auf Buemi verloren, auch Piquets weitere Aussichten sehen eher düster aus.

Trullis Saison wird noch härter werden

Auch nach sechs offiziellen Testtagen, einem 30-minütigen Test am Freitag und dem ersten Rennen der Saison ist Trullis Motomatica JT-01 noch immer keine einzige Runde gefahren. Dass man wegen Problemen mit dem Zoll das Scrutineering verpasste, war der nächste Rückschlag. Andretti hat in seiner schwierigen Vorsaison bereits erfahren, dass es nicht ausreicht, einen Fehler zu identifizieren und zu beheben.


Formel E: Sebastien Buemi siegt in Peking

Die Highlights des ePrix von Peking: Dominanter Sieg von Buemi, Nick Heidfeld kämpft um das Podest, Unfall von Jacques Villeneuve. Weitere Formelsport-Videos

Einige stellten sich die Frage, ob die Antriebe tatsächlich beim Zoll steckengeblieben waren. Die FIA erlaubte Trulli ein späteres Scrutineering, was sie ganz sicher nicht getan hätten, wenn sie nicht geglaubt hätten, dass die Autos mit den fehlenden Teilen präsentierbar gewesen wären. Eigentlich ist es aber egal, ob Trulli wirklich Probleme mit dem Zoll hatte.

Das Hauptproblem ist, dass Trullis Auftritt in Peking mehr Fragen als Antworten mit sich gebracht hat: Droht Trulli wegen der Nichtteilnahme eine Strafe? Werden die Antriebe rechtzeitig in Malaysia sein, wenn sie wirklich beim Zoll feststecken? Und werden die Autos in Putrajaya fahren, wenn die Antriebe dort sind?

Es gibt keinen Ersatz für gutes Energie-Management

Antonio Felix da Costa

Auch in dieser Saison bietet die Formel E wieder enge Duelle auf der Strecke Zoom

Turvey und Piquet haben gezeigt, dass man ein Defizit an Performance in der Formel E mit gutem Energie-Management ausgleichen kann. Auch Dragon bewies am Wochenende wieder einmal seine Effizienz. Duval und d'Ambrosio kämpften im Training hinter Renault e.dams um den Titel "Best of the Rest" und obwohl sie im Qualifying enttäuschten, waren sie im Rennen immer ein Faktor.

Spät im Rennen kämpften sie um das Podium und wenn es etwas anders gelaufen wäre, wäre Duval Dritter geworden. Dragon holte aus dem Venturi VM200-FE-01 mehr heraus als der Hersteller. Sie sind der einzige Kunde im Feld, also sollte es in der Theorie eine gute Arbeitsbeziehung geben. Allerdings heißt es, dass der Austausch von Daten nur limitiert stattfindet.

Villeneuve genießt es und startet gut

Niemand bekam am Wochenende so oft die gleiche Frage gestellt wie Jacques Villeneuve: "Warum Formel E?" Die Leidenschaft, mit dem er sich an seine Zeit auf den Stadtkursen in den USA Mitte der 1990er-Jahre zurückerinnert, ist ansteckend. Davon abgesehen genießt Villeneuve die Möglichkeit, "irgendwo eine volle Saison" zu fahren. Die Arbeit mit seinen Ingenieuren und dem Team macht ihm Spaß.


Fotostrecke: Formel E: Was steckt hinter den Helmdesigns?

Wie lief nun sein erstes Formel-E-Wochenende? Gut genug. Am Freitag musste er nach dem Test die Batterie wechseln. Außerdem hatte er in der ersten Hälfte des Rennens ein Problem mit dem Energie-Management. Im Qualifying lag er hinter Sarrazin, aber im Rennen war seine schnellste Runde besser. In der zweiten Rennhälfte war auch sein Energie-Management besser, doch sein Rennen endete, nachdem Antonio Felix da Costa ihn in die Wand drückte.

Da sich Felix da Costa entschuldigte, war das für Villeneuve kein Problem. Frijns' hartes Überholmanöver ärgert ihn allerdings. "Einige Sachen waren gut, andere nicht so gut", urteilt Villeneuve und erklärt: "Es war mehr ein Tag zur Eingewöhnung. Es gab eine Menge Dinge, die wir in Ordnung bringen mussten. Ich habe gelernt, welche Piloten sauber und welche dumm und schmutzig fahren. Frijns war komplett unnötig."

Gelb auf der gesamten Strecke funktioniert

Die Bergung der Autos von Simona de Silvestro und Felix da Costa gaben uns einen guten Einblick. Insgesamt hat es gut funktioniert. Einige glaubten, dass Buemi seinen Vorsprung vergrößerte. Vielleicht war er am Anfang etwas zu schnell, aber das ist nur schwer zu beurteilen. Ganz sicher schafft eine Gelbphase auf der gesamten Strecke aber eine optische Illusion.

Nicolas Prost

Nicolas Prost musste seinen Boliden nach einem Problem mit dem Heckflügel abstellen Zoom

Die Fahrer halten sich an die visuelle Lücke vor ihnen. Wenn jemand sechs Wagenlängen zurückliegt, wird diese Lücke während der Phase gehalten. Das bedeutet allerdings, dass die Lücke mit der Zeit größer wird, da es länger dauert, sechs Wagenlängen hinter einem langsamen Auto zu fahren, als bei voller Geschwindigkeit. Während Buemi und Heidfeld die Lücken gut halten konnten, beschwerte sich di Grassi per Funk.

Die zweite Gelbphase verlief viel sauberer. Aus Sicht der Sicherheit gab es keine Probleme. Und auch der Ablauf war absolut in Ordnung. Aus sportlicher Sicht hätte ein Safety-Car dem Rennen vielleicht gut getan, um den Abt-Piloten wieder an Buemi heranzubringen. Es wird daher interessant sein, ob die Offiziellen in Zukunft ein Safety-Car einsetzen werden, wenn eigentlich auch Gelb auf der gesamten Strecke ausreichend wäre.

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