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Rote Flagge: Wäre das Formel-E-Startchaos in Bern vermeidbar gewesen?

Bereits vor dem Formel-E-Rennen in Bern wurde vor der Schikane nach dem Start gewarnt - Die rote Flagge am Samstag war daher für einige keine große Überraschung

(Motorsport-Total.com) - Wieder einmal wurde die Formel E Opfer einer roten Flagge. In Bern gab es im elften Saisonrennen nach Mexiko, Hongkong, Sanya und Rom bereits die fünfte Rennunterbrechung in dieser Saison. Besonders ärgerlich: Die rote Flagge kam dieses Mal fast schon mit Ansage. Denn bereits am Freitag vor dem Rennen äußerten Fahrer Bedenken angesichts des Streckenlayouts.

Felipe Massa

Das Rennen in Bern wurde direkt nach dem Start wieder abgebrochen Zoom

"Es gefällt mir nicht, so eine enge Schikane nach dem Start zu haben", erklärte Lucas di Grassi beispielsweise schon vor dem Shakedown. "Man hätte den Start auch woanders machen können - vor der schnellen Kurve 6 oder irgendwo. Aber die Schikane ist der schlechteste Ort nach dem Start. Sie ist sehr eng, und es kommt nur ein Auto durch", warnte er bereits da.

Tatsächlich sprach di Grassi das Problem im Fahrerbriefing auch an. An der Startposition wurde aber nichts mehr geändert. Im Rennen kam es dann am Samstagabend, wie es kommen musste. Nur die ersten drei Autos kamen durch, Pascal Wehrlein und Maximilian Günther blieben in der engen Schikane strecken und blockierten damit die Strecke für die Autos dahinter.

"Ich wurde von hinten angeschoben und hatte keine Chance, das Auto zu lenken", berichtet Wehrlein gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Ich gab Pascal die Kurve, weil ich innen keine Chance hatte", verrät Günther derweil und erklärt: "Er wurde von Sam [Bird] getroffen und ich von einem anderen Auto hinter mir. Dadurch wurde ich unter das Auto von Pascal geschoben. Ich war komplett im Sandwich und konnte nichts machen."

Unterbrechungen nicht im Sinne der Show

"Ich bin sowieso kein Fan von diesen ganz engen Schikanen", sagt Wehrlein und erklärt: "Es passt nur ein Auto durch, und wir müssen so langsam durch die Schikane fahren, dass es langweilig aussieht - und es ist auch langweilig zu fahren. [...] Gerade so eine Kurve als Kurve 1 nach dem Start zu haben, wo alle zu dritt oder zu viert nebeneinander sind, und manche nicht ganz verstehen, dass nur ein Auto durch die Kurve passt ..."


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"Jeder weiß, es passt nur ein Auto durch die Kurve", nimmt Wehrlein auch seine Rennfahrerkollegen in die Pflicht und verrät: "Ich bin zum Beispiel hinter Buemi geblieben. Ich hätte auf der Bremse auch neben ihn fahren können. Aber warum?" Er wünsche sich daher "zumindest eine [erste] Kurve, wo zwei Autos durchpassen", um die Wahrscheinlichkeit für solche Zwischenfälle zu reduzieren.

"Ich finde es schade, dass wir dann so lange Unterbrechungen haben", erklärt er auch im Sinne der Zuschauer an der Strecke und am TV. Rund 40 Minuten vergingen zwischen der roten Flagge und dem Re-Start. "In Rom gab es [auch] eine lange Unterbrechung", erinnert Wehrlein und erklärt: "Ich bin mir sicher, da könnte man auch eine andere Lösung für die eine Kurve finden."

Formel E immer ein "Kompromiss"

"Jedes Mal, wenn es eine Unterbrechung gibt, dann aus dem Grund, dass eigentlich nur ein Auto durch die Kurve gepasst hat", zuckt er die Schultern. Andre Lotterer sieht es nicht ganz so kritisch und erinnert: "Wir haben hier in der Formel E das Privileg, in den Herzen der Städte zu fahren. Das ist halt manchmal der Kompromiss. Wenn man die Strecke sieht, dann hätte man es nicht viel anders machen können."

"Sonst kämen wir ohne Schikane zu schnell auf Kurve 1 zu", erklärt er. Und auch di Grassi, für den der Zwischenfall nach seinen mahnenden Worten am Freitag keine Überraschung war, gibt sich nach dem Rennen zumindest etwas versöhnlich. "Ich denke, es gibt keine Optimallösung", gesteht er und erklärt, dass es in der Formel E immer ein "Kompromiss" sei.

"Es gab sicher Analysen. Sie sind Profis und haben diese Entscheidung aus verschiedenen Gründen getroffen. Am Ende wurde niemand verletzt, es entstand nur etwas Schaden und Chaos. Aber wir können es sicher besser machen", so di Grassi. Ziel dürfe es nicht sein, die Verantwortlichen nach den Zwischenfällen zu verteufeln. Man müsse gemeinsam daran arbeiten, die Show für alle Beteiligten zu verbessern.

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