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Drag-Race vor Sehenswürdigkeiten: Di Grassis Idee für das Formel-E-Qualifying

Lucas di Grassi schlägt eine radikale Änderung für das Qualifying der Formel E vor: Mit Beschleunigungsrennen soll sogar die Formel 1 in den Schatten gestellt werden

(Motorsport-Total.com) - Das Qualifying-Format der Formel E ist aktuell einer der größten Kritikpunkte an der Elektrorennserie. Änderungen wurden von den Serienorganisatoren bereits in Aussicht gestellt. Nach Ansicht von Audi-Pilot Lucas di Grassi sollte die Formel E dabei einen radikal neuen Ansatz wählen.

Lucas di Grassi beim Rennen der Formel E in London 2021

Lucas di Grassi beim Rennen der Formel E in London 2021 Zoom

"Ein Drag-Race, das eine Woche vor der Veranstaltung in der Stadt stattfindet, in der wir fahren", beschreibt di Grassi gegenüber der englischsprachigen Ausgabe von 'Motorsport.com' seine Idee eines reinen Beschleunigungsrennens. "Damit kann man dann [die Gruppen] für das Qualifying oder sogar die Startaufstellung festlegen."

Und dieses Drag-Race sollte laut di Grassi nicht auf der jeweiligen Rennstrecke, sondern an berühmten Sehenswürdigkeiten stattfinden. "Man kann es nachts machen, mit Lichtern, man kann es an Orten machen, an denen man nie ein Rennen machen könnte, wie vor dem Buckingham Palace", so di Grassi.

Für die Zuschauer einfach zu verstehen

"Stellen Sie sich vor, Sie machen eine Woche vorher eine Veranstaltung: London Bridge, Times Square, San Francisco. Man braucht nur Mauern für eine bestimmte Gerade", skizziert der Brasilianer mögliche Schauplätze. "Das ist etwas völlig Neues, und genau das sollte die Formel E anstreben. Niemand schaut sich das Qualifying wirklich an, also müssen wir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erzeugen."


Jake Dennis gewinnt bei der Formel-E-Rückkehr in London. Der Tabellenführer Sam Bird erlebt einen Tag zum Vergessen.

Mit seiner auf den ersten Blick gewagten Idee will di Grassi gleich mehrere Ziele erreichen. Zum einen sollen die komplexen und für Gelegenheitszuschauer mitunter schwer verständlichen Abläufe und Regularien bei den E-Prix vereinfacht werden.

"Sie muss Unterhaltung schaffen, eine einfache Art des Verständnisses - kein Angriffsmodus, übermäßiger Energieverbrauch - niemand versteht wirklich das ganze Bild", sagt di Grassi. Ein Beschleunigungsrennen hingegen bedürfe keiner langen Erklärung. "Das versteht die Öffentlichkeit: Sie sieht, wer zuerst ankommt. Das ist der Gewinner."

Schnellere Beschleunigung als die Formel 1?

Auch können auf diese Weise die große Stärke von Elektroautos, die starke Beschleunigung aus dem Stand heraus, der ganzen Welt demonstriert werden. "Im Moment haben die Leute den Eindruck, dass Formel-E-Autos langsam und einfach zu fahren sind."

"Aber stellen Sie sich vor, Sie müssen ein Drag-Rennen fahren, mit Allradantrieb und 450 kWh [600 PS]. Das Auto wird schneller beschleunigen als die Formel 1, sodass niemand sagen kann, die Autos seien langsam. In diesem Punkt kann die Formel E die Formel 1 schlagen", so di Grassi.

Sorgen, dass der sportliche Wert der Rennen unter der sehr einheitlichen Technik der Formel-E-Autos leiden wird, hat di Grassi nicht. "Es wird um die Reaktionszeit des Fahrers gehen und der Unterschied wird sehr gering sein. Es hängt von der Software ab, von der Hardware, davon, wie stark man die Reifen aufheizt... so viele Variablen."

Unter dem Strich ist di Grassi aber pessimistisch, dass sich die Regelhüter der FIA und die Organisatoren der Formel E für seine radikal neue Idee begeistern werden. "Die Chance, dass das passiert, ist sehr gering, weil die Leute Angst vor großen Veränderungen haben."

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