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  • 06.10.2013 · 16:21

Grosjean: Safety-Car raubt vage Siegchance

Romain Grosjean glaubt, dass er Sebastian Vettel ohne das Safety-Car im Kampf um den Sieg noch hätte gefährden können - Nächstes Highlight in Suzuka?

(Motorsport-Total.com) - Zum dritten Mal in dieser Saison fuhr Romain Grosjean heute auf das Podium. Jedes Mal hießen die Piloten auf Rang eins und zwei Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen. Doch selten war der Franzose in Lotus-Diensten näher am Sieg als heute in Südkorea. Was ihm den Erfolg letzten Endes kostete, welche Probleme er zwischenzeitlich überwinden musste und wie er das nächste Rennen in Suzuka angeht, dass erzählt er auf der Pressekonferenz.

Romain Grosjean

Für Romain Grosjean war es wieder einmal "nur" der dritte Platz Zoom

Frage: "Romain, Gratulation! Das war eine tolle Fahrt. Doch bevor du dich am Ende mit Kimi austoben konntest, musstest du dich erst einmal Lewis Hamilton erwehren. Schildere den Kampf doch mal aus deiner Sicht."
Romain Grosjean: "Es hat viel Spaß gemacht. Wir hatten einen guten Start und einen guten Run auf der Gegengerade, wo ich nach dem zweiten Platz von Lewis greifen konnte. Ich denke, er hat ein wenig KERS für Kurve fünf aufgehoben und ich musste mich ein wenig verteidigen, aber es lief ziemlich gut. Und nach dem ersten Boxenstopp lief derselbe Film noch einmal ab. Es war also ein harter Job. Dann war es gut, so nah am Red Bull sein zu können. Sie konnten sich nicht zu weit absetzen, also denke ich, dass eine gute Chance bestand, sie wieder erwischen zu können."

"Dann kam aus meiner Sicht leider - und glücklicherweise für Kimi und das Team - das Safety-Car und wir mussten zur selben Zeit und mit demselben Reifenalter an die Box kommen. Wir wollten eigentlich einen kleinen Vorsprung bekommen. Ich habe dann einen kleinen Fehler gemacht und Kimi konnte mich überholen. Durch die Gelben Flaggen konnte ich dann kein DRS verwenden. Am Ende habe ich hart gepusht, und es war gut, wieder zurück auf dem Podium zu sein. Das ist gut für das Team, und ich bin glücklich hier zu sein."

Das Safety-Car als Spielverderber

Frage: "Warst du am Limit, als du Sebastian zu Beginn des Rennens verfolgt hast?"
Grosjean: "Nein, ich denke, wir haben das ziemlich gut gemacht. Ich hatte eine gute erste Runde und konnte nach dem ersten Stopp mit Lewis kämpfen, der über zwei, drei Runden ziemlich schnell war, aber dann glaube ich ein Problem mit seinen Reifen hatte. Ich habe an die Boxentafel geschaut und irgendwann hat er von einer auf die andere Runde 0,8 Sekunden verloren. Und es schien so, als ob jedes Mal vor einem Kampf mit Seb das Safety-Car kam. Wie in Deutschland leider. Wir hatten den Plan, recht früh zu stoppen - nur ein paar Runden nachdem das Safety-Car kam. Wir wollten ihn so überholen und einen sehr langen letzten Stint fahren. Durch das Safety-Car hat das aber nicht funktioniert."


Fotos: Romain Grosjean, Großer Preis von Südkorea, Sonntag


"Im Grunde war das Auto sehr gut. Einmal dachten wir, dass wir auf drei Stopps wechseln müssten, weil die Vorderreifen eingebrochen sind. Also habe ich ein wenig stärker gepusht, bis das Team mich gefragt hat, ob ich versuchen könne, zwei Stopps zu fahren. Also habe ich ein wenig Geschwindigkeit herausgenommen, aber das Auto ist sogar noch schneller geworden und ich war konstant schnell."

"Es ist eine Strecke, die uns durch den großen Reifenabbau vorne nicht entgegenkommt. Wir haben alle Probleme mit Graining an den Vorderreifen, das ist das Hauptproblem. Wir wissen, dass wir mehr Acht auf die Hinterreifen legen, und darum ist es schön, wieder auf dem Podium zu sein und viele Punkte für Lotus geholt zu haben. Jetzt kommt Japan, die eine der schönsten Strecken der Welt ist."

Krönung in Suzuka?

Frage: "Das dürfte deinem Selbstvertrauen doch noch einmal einen Schub gegeben haben. Wie wird es in Suzuka sein?"
Grosjean: "Hoffentlich können wir dann nach Platz eins greifen! Ich weiß nicht. Es war gut, einen guten Start zu haben, an der Spitze kämpfen zu können und ein starkes Qualifying sowie ein starkes Rennen zu haben. Ich brauch kein Glück, um dort zu sein. Es kommt, wie es kommt, und es sieht ziemlich gut aus. Das Auto passt mehr und mehr zu mir und ich denke, dass wir noch ein wenig mehr lernen können."

Romain Grosjean, Lewis Hamilton

Lewis Hamilton erwies sich zu Beginn als hartnäckiger Gegner Zoom

Frage: "Kannst du etwas zur Konversation mit dem Team sagen, als du mit Kimi gekämpft hast? Wir konnten einige Teile hören, aber nicht alles."
Grosjean: "Ich muss sagen, dass unser Funk ziemlich schlecht ist. Ich höre die meisten Gespräche auch nicht. Ich habe einfach einen Fehler gemacht, Kimi konnte angreifen und dann gab es unglücklicherweise die Gelbe Flagge in Kurve drei, darum konnte ich meinen Platz nicht zurückbekommen. Ich war heute schneller, aber wir haben Regeln, nicht zu kämpfen."

"Es ist eine Strecke, wo es meistens unmöglich ist zu überholen - auch wenn es lange Geraden gibt. In den Sektoren zwei und drei hat man so viele Probleme mit den Vorderreifen, sodass man nicht nah genug herankommt und viel Abtrieb und auch Rundenzeit verliert. Ich hätte den Teppich in Kurve 15 vermeiden sollen, das hätte die Diskussion beendet.

Interessanter letzter Stint verwehrt

Frage: "Hatte Lotus die Pace, um Red Bull ohne das Safety-Car noch einzuholen?
Grosjean: "Ich weiß nicht, wie viel Sebastian noch im Ärmel hatte. Als ich ihn verfolgt habe, wollte ich die Lücke nicht zu früh schließen, denn wenn man zu nah an einem Auto ist, wird der Vorderreifen zu einem Problem, wie wir wissen. Man verliert viel Abtrieb an der Vorderachse und der Reifen körnt sogar noch mehr. Jedes Mal, wenn er ein wenig voraus war, habe ich eine Lücke gelassen und diese aufrechterhalten."

Sebastian Vettel, Romain Grosjean, Kimi Räikkönen

Dieses Bild auf dem Podium gab es in dieser Saison schon zum dritten Mal Zoom

"Ich war über unsere Pace teilweise wirklich überrascht. Ich dachte, dass die Vorderreifen einbrechen würden, aber überraschenderweise hat sich die Rundenzeit noch verbessert. Ich konnte ein wenig aufholen, und ich denke, dass der letzte Stint ohne das Safety-Car ziemlich episch geworden wäre. Denn das war natürlich der längste auf den Reifen und wir wären bis an ihr Lebensende gefahren. Es wäre ein Glücksspiel im Kampf um die Führung gewesen - vielleicht für uns beide."

Frage: "Gab es am Freitag irgendwelche Anzeichen, dass ihr ohne Safety-Car bis zum Ende hättet fahren können?"
Grosjean: "Wir sind am Freitag die Longruns gefahren, um zu sehen, wie es läuft und wir haben da ausgesucht, welche Reifen wir bevorzugen. Das hat jeder getan, und die Wahl ist auf den Medium gefallen. Wir wussten, dass er das Auto irgendwann ein wenig in Balance bringt. Die Frage ist, wie viel man zu Beginn pusht, weil die ersten paar Runden für die Vorderreifen am kritischsten sind. Alles sah mehr oder weniger nach Plan aus, und wenn man einmal den Prime-Reifen für den zweiten Stint aufgezogen hat, weiß man, wie lange man den letzten Stint herauszögern kann. Sie (das Team; Anm.) können den Abbau versuchen zu berechnen um dir die beste Chance zu geben, den längstmöglichen Stint zu haben."