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  • 04.07.2015 · 15:03

  • von Christian Nimmervoll & Fabian Hust

Formel 1 Silverstone 2015: Historische Pole für Hamilton

Nur noch Schumacher und Senna haben mehr Pole-Positions als Lewis Hamilton - Williams im Qualifying in Silverstone vor Ferrari erster Mercedes-Verfolger

(Motorsport-Total.com) - Nico Rosberg hat seine starke Form aus Österreich nach Großbritannien mitgenommen, auf dem ersten Startplatz steht in Silverstone (Formel 1 2015 live im Ticker) aber trotzdem Lewis Hamilton. Der britische Mercedes-Pilot hatte im entscheidenden Moment die besseren Nerven und sicherte sich vor 110.000 Zuschauern die 46. Pole-Position seiner Karriere. In der ewigen Bestenliste zieht er damit an Sebastian Vettel vorbei, liegt nur noch hinter Michael Schumacher (68) und Ayrton Senna (65).

Hamilton hatte schon das Abschlusstraining am Samstagmorgen dominiert, im Qualifying roch es aber zunächst nach Rosberg. Der Deutsche war in Q1 um 0,321 und in Q2 um 0,331 Sekunden schneller als der spätere Polesetter, aber im entscheidenden Q3 fehlten ihm 0,113 Sekunden. Rosberg war in beiden Q3-Runden im ersten Sektor schneller als Hamiltons Bestzeit, doch im zweiten Versuch blieb die erhoffte Steigerung aus.

Die verhinderte mutmaßlich der stärker werdende Wind: "Es hat sich kaum jemand verbessert", so Rosberg, der es am Funk "sehr merkwürdig" fand, dass er beim letzten Versuch "links vorne keinen Grip" und daher "starkes Untersteuern" hatte. Als Ausrede will er das nicht gelten lassen: "Meine erste Runde war echt gut. Da habe ich gedacht: Boah, das wird schwer für Lewis, das noch zu schlagen! Lewis war einfach den Tick schneller. Das nervt, aber so ist es halt."

"Lewis ist unheimlich gut darin, eine schnelle Runde hervorzuzaubern, wenn niemand damit rechnet", applaudiert Mercedes-Sportchef Toto Wolff seinem Schützling, der angesichts seiner historischen Pole-Position sichtlich gerührt war: "Ich bin unglaublich glücklich. Die Pole zu Hause, vor so vielen Fans, ist etwas Besonderes", sagt Hamilton, gesteht aber: "Es war kein reibungsloses Wochenende, sondern ein Auf und Ab mit dem Setup."

Letztendlich war Mercedes wieder in einer eigenen Liga. Erster Verfolger: Kundenteam Williams. "Die Rundenzeiten am Freitag sind uns egal", lächelt Chefingenieur Rob Smedley, der nach den vermeintlich bescheidenen Trainingsleistungen keineswegs beunruhigt war, denn: "Quali ist wichtig, Rennen ist wichtig. Freitag nicht." 0,837 beziehungsweise 0,901 Sekunden fehlten Felipe Massa und Valtteri Bottas letztendlich auf die Spitze.

"Wichtig ist, dass die Reifen nun funktionieren", erklärt Bottas. "Wir hatten Probleme, sie richtig auf Temperatur zu bekommen." Williams war im dritten Qualifying um knapp drei Zehntelsekunden schneller als Ferrari - und das soll auch morgen im Renntrimm, der dem reifenschonenden FW37 noch besser liegen müsste, so bleiben: "Wir stehen mit beiden Autos vor Ferrari. Ich hoffe, dass wir das auch morgen hinkriegen", sagt Massa.

Der hatte übrigens seinen Anteil daran, dass Sebastian Vettel zum erst zweiten Mal in dieser Saison das Ferrari-Stallduell gegen Kimi Räikkönen verlor. "Ich wurde auf der Out-Lap von Massa aufgehalten. Das war keine gute Vorbereitung. So bin ich auf meiner Runde ziemlich gerutscht", bedauert der viermalige Weltmeister, fasst sich aber selbst dafür an die Nase, nicht genug Abstand gelassen zu haben: "Es war meine Schuld und nicht die von Felipe."

Bei dem Zwischenfall wurde Massa davon überrascht, dass Rosberg auf der Hangar-Straight vom Gas ging, sodass auch der Williams lupfte. Vettel hatte keinen Platz, der Situation auszuweichen, ohne Schwung zu verlieren. Ob er die 0,168 Sekunden auf Räikkönen angesichts des stärker werdenden Windes noch gefunden hätte, steht aber ohnehin auf einem anderen Blatt Papier. Bereits in den Trainings hatte er das Nachsehen gehabt.

Siebter wurde Daniil Kwjat (+1,388), der die Red-Bull-Hoffnungen nach der starken Vorstellung im Training nicht ganz erfüllen konnte. Teamkollege Daniel Ricciardo (+1,695) wurde nur Zehnter, weil ihm die siebtbeste Zeit gestrichen wurde - beim Überschreiten der Track-Limits, speziell ausgangs Copse, waren die FIA-Rennkommissare wie angekündigt gnadenlos. Teamchef Christian Horner gesteht aber ohnehin, dass Ricciardo "meilenweit" neben der Linie war.

Trotzdem gibt es aus Red-Bull-Sicht auch Positives zu vermerken: erstens die Leistung von Kwjat, zweitens die Longruns an diesem Wochenende. "Ich glaube, dass Ferrari in Reichweite sein könnte", sagt Horner. Immerhin ist die Red-Bull-interne Hackordnung wieder intakt: "Die Plätze fünf und sechs, die nach dem dritten Training noch in Reichweite waren, waren nicht mehr realistisch", seufzt Toro-Rosso-Junior Carlos Sainz (8./+1,401).

Neunter wurde Nico Hülkenberg mit den neuen "Nasenlöchern" am aktualisierten Force India. Das ist von der Platzierung her kein großer Schritt, aber der Le-Mans-Sieger hält zufrieden fest: "Ohne das Update würde ich heute nicht auf dem neunten Platz stehen." Positiv: Das ganze Wochenende hatte er seinen Teamkollegen Sergio Perez sicher im Griff, im entscheidenden zweiten Qualifying sogar um mehr als eine halbe Sekunde.

Lotus brachte ebenso kein Auto in die Top 10 wie Sauber und - wenig überraschend - McLaren. Vor eigenem Publikum schon in Q1 zu scheitern, muss dem stolzen Ron Dennis aber im Herzen wehtun. Und auch Max Verstappen blieb hinter seinen eigenen Erwartungen zurück: Der Niederländer klagte über ein miserables Fahrverhalten und starkes Untersteuern in allen Kurven. "Das Auto war nicht mehr so wie gestern", so Verstappen.

Denn da war Toro Rosso noch erster Mercedes-Verfolger, als das Rennen simuliert wurde. Stand heute müssen die Silberpfeile niemanden mehr fürchten: "Ich traue es mir fast nicht auszusprechen, aber Sorgen bereitet mir im Moment keiner, weil auch unsere Longruns gut waren", gibt Sportchef Wolff, sonst ein geborener Zweckpessimist, zu. Aber auch er weiß: "Die Punkte gibt's erst am Sonntag." Und zwar ab 14:00 Uhr deutscher Zeit.

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