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Fernando Alonso: So hat ein Team zu laufen

McLaren-Pilot Fernando Alonso erklärt, wie er sich sein perfektes Arbeitsumfeld vorstellt und selbst gezwungen sieht, zu Tricks zu greifen

(Motorsport-Total.com) - Nach 15 Jahren in der Formel 1, 240 Grands Prix und zwei WM-Titeln hat sich Fernando Alonso sowohl auf als auch neben der Strecke einen gewissen Ruf erarbeitet. Seiner zweiten Anstellung bei McLaren gingen daher nicht wenige Erwartungen voraus - vor allem, was die Zusammenarbeit mit Teamkollegen Jenson Button und dem einst zerstrittenem Verhältnis zum Teamboss Ron Denis anging. Misstöne, Streitthemen oder gar Intrigen sind unter dem Deckmantel der technischen Probleme des Teams aber bisher noch nicht zum Vorschein gekommen.

Fernando Alonso

Fernando Alonso weiß, wie er sein Arbeitsumfeld will Zoom

Seit sich McLaren wieder mit dem Motorenhersteller Honda zusammen getan hat, ging es in den ersten sechs Rennen der Formel-1-Saison 2015 erst einmal ums Ankommen, technische Fehler Ausmerzen und den Ball flach Halten. Eine Situation, mit der Alonso - vor allem vor dem Hintergrund seines aufstrebenden Ex-Teams Ferrari - überraschend gelassen umgeht.

Der Spanier kann mittlerweile aus reichhaltiger Erfahrung sprechen, was er braucht, um sich in seinem Arbeitsumfeld wohl zu fühlen. "Ehrlich gesagt mag ich Teamchefs, die die Erwartungen realistisch halten", erklärt er beispielsweise gegenüber 'Formula1.com'. "Was die Entwicklung und Ressourcen im Team angeht, ist es gut, wenn man die Wahrheit erfährt. Es bringt nichts, wenn man zu sehr motiviert und am Ende nur enttäuscht wird. Manche Teamchefs wenden diesen Trick an. Das ist aber nichts für mich. Ich mag es, die Wahrheit ins Gesicht gesagt zu bekommen"

Alonso scheint sich im Klaren gewesen zu sein, welch schwierige Situation ihm in der Anfangsphase der neuen McLaren-Honda-Ära bevor stand. Wäre da noch das mit Spannung erwartete teaminterne Duell gegen Button, das aufgrund der zahlreichen Ausfälle und fehlender Performance bisher noch nicht ausgetragen werden konnte. Die ersten Punkte für Teams holte in Monaco der Brite, während Alonso - ebenfalls auf Punktekurs - seinen dritten Ausfall in diesem Jahr hinnehmen musste.

"Schnell, loyal und mit einem guten Sinn für Humor", beschreibt der 33-Jährige die Eigenschaften, die er an einem Teamkollegen schätzt und die mit Button erfüllt scheinen. "Man verbringt sehr viel Zeit miteinander und es wird immer stressige Zeiten geben - nicht unbedingt zwischen einander, aber im Team. Ein guter Humor kann da helfen."

Bleiben noch die psychologischen Tricks, die dem Weltmeister von 2005 und 2006 stets nachgesagt werden, und die Alonso selbst gar nicht erst zu vereiteln versucht: "Man muss manchmal ein guter Schauspieler sein. Es wird immer Situationen geben, in denen man ein wenig flunkern muss. Schauspielerische Fähigkeiten können einem manchmal den Tag retten. Man muss auch eine gute Portion Egoismus besitzen. Keine Arroganz, aber manchmal muss man sich den Respekt des Umfelds erarbeiten."