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Dritter "Durchbruch": Ist Stroll in der Formel 1 angekommen?

Nach den ersten Punkten in Montreal und dem Podium in Baku liefert Lance Stroll in Monza den nächsten Meilenstein: Williams überzeugt vom Weg nach oben

(Motorsport-Total.com) - War Monza das endgültige Gesellenstück in der Formel-1-Karriere von Lance Stroll? Der 18-Jährige brillierte vor allem am Samstag im verregneten Qualifying und durfte aus der ersten Startreihe losfahren. Zwar ging es im Rennen für ihn auf Rang sieben nach hinten, doch etwas anderes hatte angesichts der Kräfteverhältnisse auch niemand erwartet. Trotzdem konnte Stroll sein wohl bestes Wochenende in der Formel 1 erleben.

Lance Stroll

Lance Stroll scheint seine anfänglichen Schwierigkeiten überwunden zu haben Zoom

Nun dürften sicherlich viele meinen: Aber Stroll wurde in Baku Dritter und stand auf dem Podium. Doch in Aserbaidschan profitierte der Williams-Pilot vor allem von den zahlreichen Fehlern der anderen und musste "nur" durchkommen. Das Wochenende in Monza hat sich der Kanadier hingegen echt erarbeitet und den verdienten Lohn eingefahren - und auch den Respekt seines Teams.

"Qualifying im Nassen ist für mich einer der schwierigsten Tests für ein Formel-1-Team", zollt Technikchef Paddy Lowe seinem Piloten Tribut. "Lance hat fantastische Arbeit geliefert. Ich habe keine technische Erklärung, außer dass er das Talent hat", so der Brite. "Im Qualifying haben wir gesehen, wie außergewöhnlich seine Pace im Nassen war. Es kam aus dem Blauen heraus, wir hatten das nicht erwartet."


Fotos: Lance Stroll, Großer Preis von Italien, Sonntag


Zugetraut hatten ihm die Leistung nach dem durchwachsenen Saisonstart wohl nur die wenigsten. Nach den ersten Rennen hagelte er harsche Kritik. Selbst Landsmann Jacques Villeneuve, der Stroll zuvor noch in Schutz genommen hatte, äußerte sich plötzlich harsch und bezeichnete Stroll als einen der "schlechtesten Rookies aller Zeiten" - und fing sich dafür sogar Hausverbot bei Williams ein, mit denen er 1997 noch Weltmeister wurde.

Durchwachsener Saisonbeginn

In den ersten drei Rennen sah Stroll die Zielflagge überhaupt nicht. Neben einem Bremsdefekt waren auch zwei Unfälle dafür verantwortlich. In den drei nächsten Rennen kam der Williams-Pilot zwar ins Ziel, doch die Pace stimmte überhaupt nicht. Stroll verlor im Vergleich zu Teamkollege Felipe Massa eine Menge Zeit und landete in Russland, Spanien und Monaco außerhalb der Punkte. Zählerbilanz nach sechs Rennen: null.

Lance Stroll

Häufiges Bild zu Saisonbeginn: Stroll verlässt seinen zerstörten Williams Zoom

"Ich habe vorhergesehen, dass es schwer werden würde, reinzufinden", sagt Stroll rückblickend. Doch den Glauben an sich selbst, hatte er nie verloren. "Ich habe nie an mir gezweifelt. Wenn das Ergebnis nicht gut ist, weiß ich wieso. Ich wusste, dass es einfach darum geht, alles zusammenzubringen", so der Kanadier. Doch eben genau das gelang zu Saisonbeginn nicht. "Zwar waren die Ergebnisse nicht da, aber wir hatten auch viele Kontakte und mechanische Probleme und sowas. Es gab Möglichkeiten für Punkte in den Rennen, aber es hat nie geklappt", meint Stroll.

Der Knackpunkt kam für ihn in Kanada. Ausgerechnet beim Heimspiel in Montreal schüttelte Stroll den Druck ab und fuhr als Neunter seine ersten Formel-1-Punkte ein. "Seit Kanada bringen wir es zusammen", nickt er. Die Zähler seien für ihn nur eine Frage der Zeit gewesen, der Druck beim Heimspiel hingegen kein Faktor, wie er sagt: "Mit der Erfahrung kommen auch die Ergebnisse. Ich lasse den Druck und die Medien nicht in meinen Kopf."

Lowe: Jeder Erfolg bringt Selbstvertrauen

Es folgte der sensationelle dritte Platz von Baku und der nächste Durchbruch ins Strolls Karriere. Fortan war der Youngster nicht mehr ein bloßer Hinterherfahrer, sondern vor allem ein etablierter Teil des Formel-1-Feldes. Zwar stimmten die Ergebnisse in den Rennen bis zum Großen Preis von Italien nicht mehr, doch das lag vielmehr an einer überraschenden Qualifying-Schwäche des Autos, die auch den erfahrenen Felipe Massa betraf.

Doch spätestens seit dem Qualifying in Monza ist Stroll wieder in aller Munde. Im Regen fuhr er der etablierten Konkurrenz um die Ohren, und bei Williams ist man überzeugt, dass er in Zukunft noch mehr solcher Performances auf Lager hat. "Wir wissen, dass Selbstvertrauen eine wichtige Komponente für den Fortschritt ist. Jeder Erfolg von Lance baut das Selbstvertrauen auf", sagt Lowe. "Dieser Tag war einer dieser Durchbrüche. Lance wird stärker und stärker."

Man dürfe nämlich nicht vergessen, dass Stroll nicht nur ein Rookie ist, sondern auch erst 18 Jahre alt ist. "Ich erinnere mich, wo ich mit 18 Jahren war. Es war nirgends. Ich finde alles, was man mit 18 auf die Art tun kann, beeindruckend", lacht Lowe, während Felipe Massa an einen gewissen Max Verstappen erinnert: "Max war in seinem ersten Jahr konkurrenzfähig, aber er hat viele Fehler gemacht und aufgrund seines Alters für Probleme gesorgt. Wenn man aber Max jetzt sieht, ist das ein großer Unterschied", stellt der Brasilianer heraus.

Stroll überzeugt: Im zweiten Anlauf immer besser

Ähnliches könne man auch bei Stroll erwarten. "Er wächst. Ihr müsst geduldig sein", mahnt Massa und meint, dass er schon jetzt ein viel besserer Fahrer als zu Saisonbeginn sei. Die Entwicklung sieht auch Stroll bei sich selbst: "Persönlich fühle ich, dass ich mit jedem Rennen viel stärker werde. Ich kann immer noch etwas lernen und mich verbessern. Das wird so weitergehen. Für einen Rookie ist das ein normaler Vorgang", so der Kanadier selbstbewusst.

Paddy Lowe

Technikchef Paddy Lowe sieht seinen Schützling auf einem guten Weg Zoom

Ihm fehle derzeit einfach noch etwas Zeit im Auto. Zwar bekommt er immer wieder Extrasessions außerhalb der Events spendiert, doch am Grand-Prix-Wochenende selbst ist die Zeit begrenzt. Wenn er im kommenden Jahr ein zweites Mal zu den Strecken kommt, sieht alles schon anders aus, meint er. "Wenn ich die Events jetzt noch einmal bestreiten würde, würde ich es viel besser machen", nickt er.

"Es stimmt, dass Lance ein paar Probleme hatte, aber das konnte man erwarten", fügt Lowe an und ist froh, dass Stroll mit Momenten wie Monza sein Talent aufzeigen kann. "Ich hoffe, dass er darauf aufbauen kann", sagt er. "Heute ist er wieder sehr gut gefahren und hat das Beste aus dem Auto geholt. Wir haben für die Zukunft großes Potenzial. Hoffentlich hat er noch eine lange Karriere vor sich."

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