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WRT-Audi: So funktioniert das erste Privatteam der DTM-Neuzeit

WRT aus Belgien ist das erste Privatteam der DTM-Neuzeit: Wie man von Audi unterstützt wird, wo man den größten Nachteil ortet und was man sich zutraut

(Motorsport-Total.com) - Das neue Audi-Privatteam WRT steht vor einer "Mega-Herausforderung", stellt Teamchef Vincent Vosse im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar. Die belgische Truppe ist nach der Bekanntgabe von BMW, dieses Jahr kein Kundenteam in die DTM-Saison zu schicken, krasser Außenseiter.

WRT, Audi

Mutig: Das belgische WRT-Team traut sich 2019 auch die DTM zu Zoom

Während die Hersteller mit Budgets von rund 50 Millionen Euro operieren, liegt man bei WRT laut Teamchef Vosse eher im Bereich von fünf bis sechs Millionen Euro. Kein Wunder, dass der bisher einzige bestätigte Pilot Jonathan Aberdein Sponsoren mitbringt. Von Partner Audi, mit dem WRT 95 Prozent aller Firmenaktivitäten umsetzt, erhält man Know-how und das Material.

"Wir kriegen etwas Unterstützung auf Ingenieursebene - also einen Performance- und einen Motoreningenieur -, aber der Rest des Teams ist durch und durch WRT", erklärt Vosse. "Und wir verwenden ein aktuelles Auto, das von Audi hergestellt wurde - und Teile. Mit der Entwicklung haben wir aber nichts zu tun."

Teamchef Vosse: Mangelnde Erfahrung größter Nachteil

Der größte Nachteil gegenüber Audi-Werksteams wie Phoenix sei aber die Erfahrung. "Die Größe der Teams ist ohnehin durch das Reglement limitiert", stellt der 47-jährige Teamchef klar. "Es ist also nicht so, dass Teams wie Phoenix viel mehr Leute haben. Aber sie haben 20 Jahre mehr Erfahrung in der DTM. Sie sind ein großartiges Team, während wir neu sind."

WRT

85 Mitglieder: Das ist das von Ex-Rennfahrer Vosse geführte WRT-Team Zoom

Erst beim Saisonstart in Hockenheim Anfang Mai wird die 85 Mitglieder fassende Mannschaft aus Baudour, die 2015 das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewann und auch in der Blancpain-Serie erfolgreich ist, wissen, was das Abenteuer DTM wirklich für sie bedeutet. "In Jerez haben wir ein paar Leute von uns und ein paar Leute von Phoenix eingesetzt - und es war das 2018er-Auto", verweist Vosse auf den Young-Driver-Test im Dezember.

Beim ITR-Test auf dem Lausitzring wird man an allen vier Tagen nur ein Auto einsetzen, wobei es der Plan ist, dass sich Aberdein mit dem noch nicht bekannten zweiten Fahrer abwechselt. "Und das erste Mal mit beiden Autos ist dann schon das erste Rennen", erklärt der Ex-Rennfahrer.

WRT realistisch: 2019 keine Chance auf Siege

Vincent Vosse, Dieter Gass

WRT-Teamchef Vincent Vosse mit Audi-Sportchef Dieter Gass Zoom

Hat man mit dieser Ausgangssituation überhaupt eine Chance? "In der Vergangenheit ist es uns öfter gelungen, als Neueinsteiger sofort um den Sieg zu fahren", meint Vosse. "Das wird in der DTM nicht möglich sein. Das muss ich akzeptieren, und wir müssen viele Abläufe lernen, obwohl es nicht viele Tests gibt. Dazu kommt, dass sich das Reglement von anderen Serien unterscheidet. Wir werden sicher Fehler machen."

Welche Ziele setzt sich dann der Neueinsteiger? Eine schwierige Frage, denn das hänge davon ab, wie gut der neue Audi RS5 ist. "Wenn der Aston Martin und der BMW unschlagbar sind, dann ist das Ziel, um die Top 10 zu kämpfen", sagt der belgische Teamchef. "Und wenn der Audi das Auto ist, das es zu schlagen gilt, dann könnten wir um die Top-5-Plätze kämpfen."

WRT will sich langfristig in der DTM etablieren

Das sei aber nicht das entscheidende: "Wichtig ist, dass das Audi-Management am Ende des Jahres, wenn wir Bilanz ziehen, sagt: 'Wir haben erwartet, dass ihr gut sein werdet, aber nicht so gut.' Das ist mein Ziel. Ob wir dann Dritter, Siebter oder Zehnter sein werden, kann ich nicht sagen."

Zudem ist er davon überzeugt, dass auch die anderen Firmenabteilungen von der enormen Professionalität in der DTM profitieren werden. Man sei jedenfalls gekommen, um zu bleiben: "Es ist natürlich nicht unser Ziel, nur ein, zwei Jahre DTM zu machen, sondern wir wollen uns langfristig an die Serie binden. Es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt als jetzt für einen Einstieg, denn die DTM geht in eine neue Ära", spielt er auf das Turbo-Reglement an, an das sich auch Teams wie Phoenix erst gewöhnen müssen.

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