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Ulrich Fritz verteidigt AMG-Teamorder: "Warum war der Ferrari so stark?"

Warum sich AF Corse laut HRT-Geschäftsführer Ulrich Fritz nicht über die AMG-Herstellertaktik beschweren darf und welchen Vorteil das Ferrari-Team gehabt habe

(Motorsport-Total.com) - Sorgte die Herstellertaktik von Mercedes-AMG beim DTM-Saisonfinale, die AF-Corse-Ferrari-Pilot Liam Lawson auf dem Norisring um den Titel brachte, für ausgleichende Gerechtigkeit? Dieser Meinung ist Ulrich Fritz. Denn der Geschäftsführer von Meister Maximilian Götz' HRT-Rennstall findet, dass das AF-Corse-Team in einem anderen Bereich einen deutlichen Vorteil hatte.

Liam Lawson beim DTM-Saisonfinale auf dem Norisring im Ferrari 488 GT3 Evo des AF-Corse-Teams

War der AF-Corse-Ferrari 2021 in der DTM stärker eingestuft als die Konkurrenz? Zoom

"Man muss sich schon die Frage stellen, warum der Ferrari durchgängig extrem wettbewerbsfähig war", so Fritz im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' über die DTM-Saison 2021. "Denn rückblickend fällt auf, dass fast jede Marke bei ein oder zwei Veranstaltungen echt unter einer schlechten Balance of Performance gelitten hat, nur der Ferrari nicht."

Das sei seiner Meinung nach darauf zurückzuführen gewesen, dass AF Corse als einziges Ferrari-Team mehr Kontrolle darüber hatte, wie der 488 GT3 Evo über die Balance of Performance (BoP) eingestuft wird. "Wenn du mit zwei professionell besetzten Autos und dann auch noch mehr oder weniger als Werksteam, was AF Corse ja ist, so eine Rennserie bestreitest, dann kannst du das Thema BoP ganz anders in deinem Sinne beeinflussen", so Fritz.

Fritz: Warum AF Corse die BoP besser steuern konnte

Das sei mit der Lage bei Mercedes-AMG "mit sieben Autos nicht zu vergleichen, denn jeder will zuerst mal das andere Team schlagen", erklärt Fritz. "Das heißt: Keiner hält etwas zurück und es gibt auch kein Sandbagging, denn am Schluss sieht man nur blöd aus, wenn sich das andere Team vielleicht nicht dran hält. Und genau da sind wir dann wieder mit unseren sieben Sorgen. Mit sieben Autos ist das nicht so kontrollierbar."

Zudem habe man bei AF Corse mit den Red-Bull-Piloten Lawson und Alex Albon auch keine Paydriver im Auto gehabt, die für ihr Cockpit zahlen und als Gegenleistung einfordern, stets ihr Maximum zeigen zu können.

Turbo-Vorteil? "Nicht mal illegal, sondern einfach möglich"

"Und es wird auch jeder Techniker bestätigen, dass man mit einem Turbomotor mehr Optionen hat, auf bestimmte Bedingungen zu reagieren", spielt Fritz darauf an, dass ein aufgeladenes Triebwerk durch seine Komplexität mehr Spielraum bietet, um die tatsächliche Leistung zu verschleiern.

"Und das ist nicht mal illegal, sondern einfach möglich. Da es viel mehr Variablen gibt, ist es auch schwieriger, eine BoP zu machen, als bei einem traditionellen Saugmotor, wie er im 'Lambo', im Audi und im Mercedes verbaut ist." Vor diesem Hintergrund habe "Ferrari oder AF Corse natürlich einen Vorteil gehabt", ist Fritz überzeugt.


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War die AMG-Herstellertaktik, die durch das Reglement 2021 auch nicht verboten war, eine Kompensation dieses Vorteils? "Genau so würde ich es sehen", antwortet Fritz. "Es gibt Vorteile und Nachteile, genauso wie es am Produkt Vorteile und Nachteile gibt. Das eine Ding fährt schneller geradeaus und das andere schneller um die Kurve. Das gilt auch für Taktik und Strategie."

Abt-Sportdirektor: "Uli kann sich nicht beschweren"

Doch wie sieht man beim Audi-Team Abt die Aussagen von HRT-Geschäftsführer Fritz, AF Corse habe als Zweiwagen-Team in Hinblick auf die BoP einen Vorteil gehabt? "Da widerspreche ich ihm nicht", sagt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Ich glaube auch, dass ein Zweiwagenteam wie Ferrari das BoP-Thema deutlich besser angehen kann als Audi mit Rosberg und Abt, vor allem, wenn wir nichts teilen", verweist er auf die Tatsache, dass es bei den Audi-Teams in Hinblick auf die Set-ups keine Kooperation gibt.

"Wenn wir mal schlecht sind, fährt der Nico Müller schnell - oder umgekehrt. Und bei Mercedes ist das mit drei, vier Teams noch schwieriger. Das ist definitiv ein Faktor. Daher glaube ich schon, dass ein Hersteller mit nur zwei Autos einen Vorteil hat."

Dass Mercedes-AMG in der DTM-Saison 2021 bei der BoP tatsächlich im Nachteil gewesen sei, glaubt Biermaier aber nicht. "Wir haben eine interne BoP-Analyse gemacht, und ich glaube nicht, dass sich der Uli Fritz da beschweren kann. Mercedes war bei jedem Rennen konkurrenzfähig und bei jedem Rennen auf dem Podium - unabhängig ob es Ulis Team war oder irgendein anderes."

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